Jetlag fällt aus, denn beim Start in München 1 ist gefühlt die gleiche Zeit wie in Johannesburg, wo es nach einem Zwischenstopp weitergeht. Kapstadt 2 hat eine Unmenge schöner Plätzchen, und eines davon ist das Cape Riviera Guesthouse. So viel Stil und Komfort ist ein schöner Beginn, aber noch viel schöner ist die Aussicht nach dem Janus-Prinzip: gleichzeitig nach vorn bis auf den schäumenden Atlantik und nach hinten auf die Steilwände des Tafelbergs. Damit wissen Sie bereits, warum wir im Cape Riviera zwei Nächte für Sie gebucht haben, denn als Ausgangspunkt für Ihre Entdeckungen in der schönsten Stadt der Welt liegt das Gästehaus unschlagbar zentral. Und weil man nie eine zweite Chance für den ersten Eindruck hat, steht eine Erkundungstour durch das Zentrum am Anfang Ihrer Reise. Die Augen haben nun ihr Vergnügen gehabt, doch gehört auch eine Geschmacksprobe dazu, und die folgt gaumenkitzelnd afrikanisch am Abend im Gold Restaurant.
Brillenpinguine (© Kai-Uwe Küchler, Art & Adventure / Chamäleon)
Mit dem neuen Tag kommt die Zeit der guten Hoffnung. Das steile Kliff mit seinen umtosten Inseln war ewige Zeiten das Schreckgespenst der Seefahrt und jede Passage mit der Hoffnung verbunden, heil durchzukommen. Die traumhaften Blickwechsel von der kurvenreichen Küstenstraße auf die Südwestspitze Südafrikas nehmen dem Cape of Good Hope 3 jeden Schrecken. Eine Halbinsel von sagenhaft wilder Schönheit. Ein absolutes Muss zu Fuß. Wir wandern durch das Cape-Point-Naturreservat bis zum südwestlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents und mischen uns am Boulders Beach unter eines der bekanntesten Kapsymbole: die Brillenpinguine. Ähnliche Paradiesvögel der Gattung Mensch sehen Sie heute garantiert noch einmal: an der Victoria & Alfred Waterfront. Shoppingmall für alles, Treffpunkt der Reichen und Schönen und längste Cocktailbar der Welt.
Blick vom Tafelberg (© Klaus Hansen / Chamäleon)
Es ist immer eine Frage der Wetterverhältnisse, aber wir sind zuversichtlich. In diesem Fall bringt uns unser Optimismus in schwindelerregende Höhen. Auf 1.000 Meter, um es genau zu sagen, mit der Seilbahn auf das Plateau des Tafelbergs 4. Wow, zu Füßen die großartige Stadt, dahinter das stürmische Kap und in der Ferne der Farbenfächer des tobenden Atlantiks. Überwiegend Blau, was am Nachmittag chamäleonartig ins Grüne wechselt. Wir sind im berühmten Weinbaugebiet des Westkaps, und Sie würden uns vermutlich steinigen, wenn wir keine Probe aufs Exempel organisiert hätten. Wir haben. Die Fortsetzung im historischen Stadtteil von Stellenbosch, wo nicht weit entfernt unser Rivierbos Guest House liegt, bleibt ganz dem steuernden Einfluss Ihres Geschmacks überlassen.
Besuch im Township (© Klaus Hansen / Chamäleon)
»Mama« hat alle Hände voll zu tun. Und welche echte Mama je einen Kindergeburtstag überstanden hat, kann sich vielleicht ausmalen, wie es bei einer Rasselbande von 115 Kindern zugeht. Jeden Tag! »Mama« leitet in der Township Kayamandi den Kindergarten. Ein großes Glück für die Kleinen, aber das war nicht immer so. Die bewegende Geschichte dazu erleben wir gefühlsecht bei einem Besuch der Menschen in ihren Shacks, wie die typischen Wohnhütten in der Township genannt werden. Und wenn wir uns schon auf ihre Lebensbedingungen einlassen, gehört auch ein gemeinsames traditionelles Sorghum-Bier dazu. Es liegt nicht am Bier, es sind die Bilder, die schwindlig machen: Ein vor Wut schäumender Atlantik, Steilküsten wie von Steinmetz-Hand und Lagunen aus Fantasia begleiten uns durch den West-Coast-Nationalpark zu den Cederbergen 5 ins malerische Blommenberg Guest House.
Felszeichnungen der San (© Ingrid Liedmeier / Chamäleon)
Vom Frühstück 20.000 Jahre zurück ist nicht mehr als ein Spaziergang zu jener Stelle, wo die San, die älteste ethnische Gruppe im südlichen Afrika, begonnen haben, ihre Jagderfolge auf die Felsen zu malen. Eingefleischten Teetrinkern hüpft hier noch aus einem anderen Grund das Herz. Denn Rotbusch auf afrikaans heißt Rooibos, und dieser entzückende Strauch wächst tatsächlich nur hier in den Cederbergen 6. Was nun seine Ernte und Verarbeitung zum berühmten Rooibos-Tee betrifft, möchten wir wetten, dass Sie ziemlich falsch liegen, denn es sind gar nicht die Blätter, sondern geraspelte Zweige, die Sie zu Hause in Ihre Teekanne füllen. Sie sehen, wir müssen unbedingt in die Fabrik. Ungezählte Jahrhunderte vor dem Rooibos begann sich im Herzen von Namaqualand 7 ein einzigartiger Pflanzenreichtum zu entwickeln, der das Jahr über im Tiefschlaf liegt. Wenn aber der Regen fällt, erwacht für wenige Wochen das Phänomen der Wüstenblüte. Nur der Garten im Olive Tree Guest House, wo der Pool bei unserer Ankunft ruft: »Komm doch rein«, ist auch ohne Wildblumen-Blüte ein kleines Stück vom Paradies. Diese Genusspause hat Seltenheitswert, also füllen Sie sich großzügig mit Glücksgefühlen.
Fish River Canyon (© Sybille Thimm / Chamäleon)
160 Kilometer lang, 27 Kilometer breit, 550 Meter tief und bis zu 50 °C heiß. Sein Name: Fish-River-Canyon 8. Sein Status: zweitgrößter Canyon der Welt. Bebende Ehrfurcht erfasst Sie beim Spaziergang an der Kante, immer mit einem Auge auf den Abgrund. Gänsehaut, die in einem entfesselten Sonnenuntergang ihren vorläufigen Höhepunkt findet. Darauf ein Drink an der rustikalen Bar im Canyon Roadhouse, bevor die Schwerstarbeit des Fish River nur noch fröstelnde Erinnerung ist, denn mit dem neuen Tag steht uns ein Farbwechsel bevor. Sandiges Beige wechselt in das Pastell von Pfirsichen, und wenn die wundersame Wandlung in einem tiefen Orange endet, haben wir in der erstaunlichen Landschaft am Namib-Naukluft-Park 9 unser Ziel erreicht.
Abgestorbene Bäume im Dead Vlei (© Harry Laub / Chamäleon)
Wir wecken Sie sehr früh und bewahren Sie somit vor der Schande, das ultimative Morgenerlebnis verschlafen zu haben: den Treck in die Pfanne. Sossusvlei 10, dieser Name steht für 350 Meter hohe Sandberge, für den Zauber wandernder Schatten, für 500 Jahre tote Akazien im Dead Vlei und schattige Schleichpfade in der Schlucht des Sesriem-Canyons. Es gibt keinen schöneren Weg nach Windhoek 11 als über die Höhenzüge des Remhoogte-Passes, dann erwartet Sie im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika die Begegnung von gestern mit heute. Und wo, wenn nicht in der ehemaligen Township Katutura, lassen sich die Veränderungen intensiver erleben? Dem Namen nach war es »der Ort, wo wir nicht leben wollen«, und sie haben es tatsächlich geschafft, die Frauen von Penduka.
Tiere an der Wasserstelle (© Lisa Wehner / Chamäleon)
Wenn ein Busch Mopane heißt und der stattliche Baum, an dem sich Elefanten und andere Pflanzenfresser satt essen, ebenfalls, dann besteht der Unterschied lediglich darin, wie viel Regen er abbekommen hat. Wir sind bereits kurz vor dem Etosha-Nationalpark 12, und unsere Safarizelte im Mopane Village Etosha machen ihrem Namen alle Ehre. Der wundervolle Blick in die endlos weite Buschsavanne erregt Safaristimmung, und morgen ist es ja auch so weit. Aber erst müssen Sie nach einer kurzen Wanderung durch den lodgeeigenen Mopanewald noch sehen, was ein namibischer Sonnenuntergang ist: ein Feuerwerk, eine Eruption von Farben, die Sie noch nicht kannten.
Löwe im Etosha National Park (© Karin Schreyer / Chamäleon)
22.000 Quadratkilometer sind etwas viel für einen Tag, also picken wir uns die Plätze im Etosha-Nationalpark 13 raus, wo es am meisten zu sehen und zu fotografieren gibt: die Wasserstellen Nebrownii und Halali, wo Elefanten, Giraffen, Zebras, Antilopen und Konsorten ihren Durst stillen. Viele von ihnen müssen lange wandern, bis sie das erlösende Nass wittern. Ihnen begegnen wir am Rande der riesigen Etosha-Salzpfanne, wo sich schon manches Tier von den Luftspiegelungen täuschen ließ und als Skelett verewigt ist.
Sonnenuntergang am Wasser (© Kai-Uwe Küchler, Art & Adventure / Chamäleon)
Wir lassen uns nicht irritieren, nur faszinieren und nehmen den Weg nach Rundu 14 über die »Rote Linie«, einen Veterinärzaun, der Herdenwanderungen vom Norden in den Süden Namibias unterbindet. Hinter ihm beginnt eine andere Welt. Statt unbewohnter Weite finden wir viele kleine Dörfer und eine üppige Vegetation, denn hier kämpft sich der 1.700 Kilometer lange Okavango durch das Land, bevor er in der roten Kalahari versickert. Wir nutzen die letzte Gelegenheit, um an seinem Ufer in der Hakusembe River Lodge Quartier zu nehmen. Schon morgen wollen wir genauer wissen, wo der Okavango hinfließt, und folgen ihm weit durch den Caprivi-Zipfel bis in den Bwabwata-Nationalpark 15. Hier wartet schon der Safariwagen, der uns drei Stunden durch den unberührten Park zum Logenplatz eines tierischen Aufmarsches führt: zur legendären Hufeisenbiegung des Kwando, dem täglichen Stelldichein aller Geschöpfe, die Durst haben.
Zu Besuch bei den Mashi (© Hartmut Roeder / Chamäleon)
Wir gehen das etwas zivilisierter an und wählen dafür das Sundowner-Deck der Namushasha River Lodge. Jene, die morgens an den Kwando kommen, sind andere als am Abend. Und unser Blickwinkel vom Safariboot aus ist ebenfalls ein anderer: in die Augen statt auf den Hintern. So viel zu den Tieren im Caprivi, fehlen noch die Menschen. Wir begegnen ihnen im Historic Living Village, wo die Mashi, die Könige des Caprivi, auf unseren Besuch warten. Das ist ihr großer Moment, um uns in ihre Kultur einzuweihen. Aber zusehen ist nicht genug. Mitmachen ist angesagt, gemeinsam singen und den Mahango stampfen. So viel Tradition muss sein. Wo der blaue Sambesi und der grüne Chobe 16 zusammenfließen, liegt unsere Chobe Safari Lodge mit unverbauter Sicht in das tierreiche Vierländereck.
Elefantenbad (© Kai-Uwe Küchler, Art & Adventure / Chamäleon)
Wir belassen es nicht bei einem Blick von der Terrasse, sondern gehen im offenen Geländewagen auf Raubkatzensafari, zu den Badeanstalten der Dickhäuter und den Sammelplätzen der großen Herden. Im Boot streifen wir durch die Flusslandschaft des Chobe 17 zu Hippos, Krokodilen und Inseln, auf denen ausgelassene Vogelhochzeiten gefeiert werden. Zu 95 Prozent sind die dahintreibenden Ströme des südlichen Afrikas treusorgende Ammen allen Lebens. Aber manchmal werden sie zur Bestie. Wie heute, wenn sich der freie Fall des Sambesi schon von fern mit einem infernalischen Tosen ankündigt. Zweifellos das bewegteste Weltnaturerbe, vielleicht auch das bewegendste. Das entscheiden Sie selbst bei jedem Blick durch die grünen Fenster des Regenwaldes auf die Victoriafälle 18 19, wo Ihr Abschiedskonzert in Form von zehn Millionen Litern Wasser in die Tiefe donnert. Pro Sekunde, wohlgemerkt. Wie seit Hunderttausenden von Jahren.
Flusspferdfamilie im Kwando (© Andreas Schleifenbaum / Chamäleon)
Und Sie, sind Sie noch der Alte? Oder sind Sie in den vergangenen Tagen ein Teil der berauschenden Bilder und unglaublichen Geschichten geworden? Ein paar Stunden bleiben noch, um die Antwort zu finden, dann bringt Sie der Flieger via Johannesburg nach München 20. Zurück in die Neuzeit.
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