Klingt nicht schlecht, oder? Von Ihrem Wunschflughafen nach Paris und von dort nach Madagaskar, wo Sie am späten Abend, aber immerhin noch am selben Tag in Antananarivo 1 2 in die weichen Kissen Ihres Hotels Les 3 Métis sinken. Die turbulente Historie der fast 400 Jahre alten Hauptstadt – machen Sie’s kurz und sagen Sie wie die Einheimischen einfach nur »Tana« – hat viele Zeitzeugen zurückgelassen, die spannende Geschichten erzählen: die äußerlich wieder aufgebaute Ruine des alten Palastes der Merina-Könige, der Präsidentenpalast oder der traditionelle Zoma, ein Markt für alles, der früher die gesamte Innenstadt lahmlegte und seither auf verschiedene Stadtteile verteilt ist. Für beeindruckende Eisenkunst ziehen wir allerdings Ambohimanambola vor. Sie werden kaum glauben, was in der Kunstschmiede für vom Leben benachteiligte Madagassen möglich ist.
Ringelschwanz-Lemuren (© Hal Brindley, iStockphoto.com / Chamäleon)
Der Schutz gefährdeten Lebens ist auch im Naturreservat Peyrieras ein Thema, einem Reptilienpark, der Frösche, Krokodile, Eidechsen, Geckos und – was uns in besonderer Weise mit ihm verbindet – Chamäleons vor dem qualvollen Tod durch Brandrodung bewahrt. Und wer sich erkennbar am meisten darüber freut, sind Schmetterlinge in allen Farben und Formen. Haben Sie jemals vom Vetiver-Gras gehört? Na, gehört vielleicht nicht, aber gerochen ganz bestimmt, denn das Süßgras wird bei der Parfümherstellung, in der Aromatherapie, der Naturheilkunde und manchmal auch als Räucherwerk gebraucht. Für uns gibt’s Kunsthandwerk aus der Vetiver-Faser. Eine Besonderheit der Organisation Bemasoandro, die mit der Kultivierung von Vetiver-Pflanzen ein Zeichen gegen die weit verbreitete Bodenerosion setzt. Genug für heute. Das Andasibe Hotel 3 erwartet Sie inmitten tropischer Vegetation und mit unverbautem Blick auf den Regenwald. Jeder Bungalow mit eigener Terrasse und ein Pool, in dem Sie um mindestens fünf Ecken schwimmen können.
Kinder im Katamaran (© Gassytour / Chamäleon)
Den Wecker brauchen Sie nicht zu stellen, das übernimmt von 30 Gramm leichten Goodman-Mausmakis, Büschelohrmakis, Fettschwanzmakis und so weiter bis zum Schwergewichtler Indri Indri die ganze Sippschaft der Lemuren, die im Andasibe-Nationalpark 4 zu Hause sind. Zutraulichkeit gehört zum Wesen der farbenprächtigen Witzbolde, weshalb Sie es als Freundschaftsbeweis deuten sollten, wenn einer auf Ihre Schulter hüpft. Stillhalten, bis das Sensationsfoto geschossen ist. Aber Motive gibt es noch viel mehr: Chamäleons, Orchideen, Seerosen wie Pfannkuchen, Rosenholz- und Schraubenbäume. All-inclusive bei einer Kanufahrt durch das Vakona-Reservat.
Mini-Chamäleon (© Andreas Haberlag / Chamäleon)
Wo es Salz gibt, vermutet man im Allgemeinen Meer. Hier liegen Sie falsch, denn wir fahren die ganze Zeit durch das fruchtbare Bergland der Merina, der größten ethnischen Gruppe, die uns in ihr Bergdorf Andriambilany winken, denn sie haben bereits das Mittagessen für uns gekocht. Traditionelle Küche ist eine Sprache, die man überall versteht, und so sitzen wir mit den Dorfbewohnern zusammen, essen, trinken und reden über die Zeit der Merina-Könige und was von ihr noch übrig ist. Wo waren wir stehen geblieben? Richtig, beim Salz, denn zurück auf der Hauptstraße, erreichen wir in der zentralen Hochebene Antsirabe 5, die Hauptstadt der Region Vakinankaratra. In der wörtlichen Übersetzung der Ort, wo es viel Salz gibt – 1.500 Meter über dem Meeresspiegel. Wer immer das in früher Kolonialgeschichte dorthin geschleppt haben mag, es wäre bequemer gewesen, sich in eine der vielen Thermalquellen zu setzen, die dieser vulkanischen Landschaft den Beinamen »Vichy Madagaskars« gegeben haben. Zumindest vom süßen Leben der französischen Epoche ist im Hotel Couleur Café noch viel geblieben, einschließlich eines anerkennenden »Oh là là«, wenn das Abendessen serviert wird.
Stachelige Blüte (© Andreas Haberlag / Chamäleon)
Sie haben es bestimmt längst entdeckt: Das bevorzugte Fortbewegungsmittel in Antsirabe ist die Rikscha. Suchen Sie sich Ihre Lieblingsfarbe aus, denn nachdem Sie eine traditionelle Bonbonfabrik und eine Künstlerwerkstatt für Zebuhorn besucht haben, geht es mit einer Menschenstärke und dem Tempo, bei dem man am meisten sieht, entlang der Indenpendence Avenue zum prachtvollen Bahnhof und dem Hôtel des Thermes. Aber selbst der Rikschafahrer – oder sagt man Zieher? – braucht mal eine Pause, weshalb wir nun wieder selbst laufen, quer durch die madagassische Bilderbuchlandschaft mit ihren versprengten Dörfern, Rinderherden, Gemüsefeldern und Menschen, die immer lächeln, wenn sie uns sehen. Das geht so bis zu einem Höhepunkt unserer Reise, obwohl nicht einmal die Hälfte rum ist. Manandona 6, ein einfaches madagassisches Dorf und dem Anschein nach Erfinder der Gastfreundschaft, hat sein Gemeindehaus Bakobako für uns geöffnet. Kein Strom, kein Wasser, aber viel Fröhlichkeit für das authentische Lebensgefühl. Und wenn Sie auf Komfort bestehen, erhitzen die Dorfbewohner gerne einen großen Topf Wasser für Sie.
Palmarium Lemurenreservat (© Andreas Haberlag / Chamäleon)
Das Leben im zentralen Hochland ist mühsam, aber die Freundlichkeit und das Lachen der Kinder umso herzlicher. Der vielstimmige Chor, der aus den Klassenzimmern der Grundschule quillt, gilt dafür als Bestätigung. Das klingt noch eine Weile sympathisch nach und verebbt, je mehr wir uns den Betsileo nähern, drittgrößte Bevölkerungsgruppe Madagaskars und erfolgreich, wenn nicht berühmt, denn in jener Zeit, als die Häuser der Betsileo noch ein Geflecht aus Zweigen und Ästen waren, haben sie begonnen, eine herausragende Holzschnitzkunst zu entwickeln, die sogar von der UNESCO in die Liste des immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen wurde. Na bitte, geht doch. Allmählich geht auch beim Umweltbewusstsein was, und warum sollten wir nur zusehen? Schaufel gepackt, Bäumchen geschnappt, und schon haben Sie Ihren ehrenwerten Beitrag zur Wiederaufforstung des Primärwaldes geleistet. Zur Belohnung gibt es heißes Wasser. Diesmal nicht von den Dorffrauen, sondern in Ranomafana 7, was auf Malagassi »heißes Wasser« bedeutet und die Thermalquellen meint, die in diesem vulkanischen Landstrich unser Thermal Ranomafana Hotel umzingeln.
Bauer mit Ochsen (© Andreas Haberlag / Chamäleon)
Zu Hause wäre es allenfalls ein Schimpfwort, aber der artenreiche Ranomafana-Nationalpark 8 ist stolz auf seine Halbaffen, die zusammen mit Amphibien, Reptilien, Schleichkatzen und Hunderten endemischen Vogelarten den immergrünen Regenwald unsicher machen. Sollen sie ruhig durch den Dschungel des Weltnaturerbes turnen, wir haben noch eine Verabredung in Fianarantsoa, der Hauptstadt des Betsileo-Landes. Wenn Sie den Namen übersetzen, kommt »wo man das Gute lernt« heraus, und außer der traditionellen Architektur der Altstadt kann damit eigentlich nur Pierrot Men gemeint sein, der berühmte Fotograf Madagaskars, mit seinen noch berühmteren schwarz-weißen Stimmungsfotografien. In Fianarantsoa hat er sein Atelier. Und unser Hotel La Rizière hat gleichzeitig eine Cateringschule. Eine geniale Kombination, geben wir den Jugendlichen doch mit jedem Bissen ein Stück mehr Zukunftsperspektive.
Rikscha (© Ellen Ebenau / Chamäleon)
Die ganze Sippschaft der Lemuren ist im Anja-Naturreservat noch einmal angetreten, dann haben wir vom Betsileo-Land beinahe alles gesehen. Das Gebiet der nomadischen Bara ist ebener, und ausgedehnte Weidelandschaften mit den typischen Satrana-Palmen führen uns zu einer Perle der Erholung, der Satrana Lodge am Rande des Isalo-Nationalparks 9 10. Eine Filmkulisse ist nichts gegen die hohen Sandsteinberge, die wie Soldaten dastehen. Machen Sie das, was Sie im Film nicht können: Rein in die Kulisse und wandern zwischen fantastischen Felsformationen zu grünen Oasen, glasklaren Bächen und Naturpools. Wenn sich außer Ihnen etwas bewegt, könnten es rotäugige Kattas oder weiße Larvensifakas sein. Wenn jemand bunte Scheinwerfer einschaltet, ist Sonnenuntergang am Felsen.
Feldarbeit (© Gassytour / Chamäleon)
Go west wäre zwar keine korrekte Richtungsangabe, doch wurde aus dem Dorf Ilakaka ein westernähnliches Eldorado, seit dort Saphire gefunden wurden. Wie im Rausch hat die Verheißung reicher Edelsteinfunde die Menschen angezogen. Es sind noch Claims frei, aber einen kornblumenblauen Saphir günstig kaufen, geht wahrscheinlich schneller. Dann beschließen wir unsere Zeit in den faszinierenden madagassischen Bergen und laufen an der Küste in Tulear 11 ein wie einst die Piraten. Bitte umsteigen ins Motorboot, es geht gemächlich zwischen den Einbaumbooten der Vezo-Fischer zum südlichen Wendekreis in die türkisblaue Lagune von Anakao 12. Keine Touristen, nur wir und die vom Korallenriff geschützte Badebucht. Die Versuchung, liegen zu bleiben, ist groß, aber in der Anakao Ocean Lodge gibt es außer einem endlosen Sandstrand in Puderweiß auch noch behagliche landestypische Bungalows und eine ausgezeichnete Küche.
Wasserfall (© Karim Nari, FVA Madagaskar / Chamäleon)
Anakao 13 bedeutet »Dein Kind« und ist das größte Dorf der Nomadenfischer Vezo. Wir nehmen es als Freibrief, auf der vorgelagerten Vogelinsel Nosy Ve noch einmal richtig kindisch, sprich: ausgelassen zu sein. Wie ein Fisch am Riff oder eine Robbe im Sand. Fühlen wie ein Lappentaucher und quaken wie ein Madagaskarfrosch. Nur zu, es hört Sie keiner. Am Strand des Hotels dürfen Sie wieder zivilisierter auftreten, beim Windsurfen, Einbaumfahren, Schnorcheln, Angeln oder Träumen. Aus der Traum, in Tulear wartet der Flieger, der uns zurück nach Antananarivo 14 bringt. Auf dem berühmten Handwerkermarkt der Hauptstadt könnte man Stunden verbringen für ein kleines madagassisches Kulturgut. Irgendwas findet sich immer, und dafür wird es sich am Ende gelohnt haben.
Rova (© Karim Nari, FVA Madagaskar / Chamäleon)
Tana kennen Sie schon ein bisschen. Aber nicht weit, auf einem 1.468 Meter hohen »blauen Hügel« liegt ein Weltkulturerbe, das müssen Sie noch kennenlernen. Ambohimanga 15, die heilige Stadt der Merina und Residenz des Königs Andrianampoinimerina, die bis zur Unterwerfung durch die Franzosen 1896 kein Fremder betreten durfte. Wir dürfen und erfahren Erstaunliches über den Begründer des Königreiches Madagaskar, der im 18. Jahrhundert das Strafgesetzbuch, Handelsstrukturen und eine Landesverwaltung einführte. Dann setzte er sich hin und begann, die mündlich überlieferten Geschichten seines Volkes niederzuschreiben, was ihm dieses Ungetüm von Namen eingebracht hat. Merken Sie sich einfach »Prinz im Herzen der Merina«, das kommt aufs Gleiche raus. Dann werden am Flughafen schon die Vorbereitungen für Ihren Rückflug via Paris nach Hause 16 getroffen. Tschüss, ihr Lemuren, tschüss, ihr Chamäleons, wir kommen wieder.

Noch mehr Gänsehaut

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