Mittags in München beginnt Ihre Reise in atemberaubende Wunderwelten, und kaum dass der neue Tag begonnen hat, landen Sie auch schon in Delhi 1 2. Im Le Méridien Gurgaon Central Park ist noch Zeit für eine verwöhnte Mütze Schlaf und ein Frühstücksbuffet vom Feinsten, dann liegt die erste Kaskade magischer Momente bereits vor Ihnen. Im alten Delhi ehrt die Gandhi-Gedenkstätte Raj Ghat »die große Seele« des Landes, den Befreier von der britischen Kolonialherrschaft. Dann kommt auch schon der erste Hammer: Jama Masjid, die Freitagsmoschee mit dem Fassungsvermögen von 20.000 Gläubigen. Das ist die monumentale Pracht, die Sie durch Ihre Reise begleitet. Nur manchmal trügt der Schein, wie die goldene Kuppel des Sikh-Tempels Gurudwara Bangla Sahib, unter der jeden Tag das kostenlose Essen für Tausende Menschen gekocht wird, die sonst nicht wüssten, wie sie satt werden sollen.
Zwei lächelnde Inderinnen (© Kurt Heller / Chamäleon)
Wissen Sie noch, wie eine Nähmaschine aussieht? Jene Einarm-Dinos mit Handkurbel, auf denen Ihre Ururgroßmutter das Bettzeug geflickt hat? Heute werden Sie diese Relikte aus grauer Vorzeit wiedersehen, denn in der Sanshil Foundation for Welfare sind sie ein Segen für die Frauen aus der untersten Schicht der Gesellschaft. Eine Ausbildung zur Schneiderin erfüllt hier die Hoffnung auf ein unabhängiges Leben. Von Pink in Stoffen zu Pink in Steinen: Pink City. Jaipur 3 ist die Hauptstadt des Bundeslandes Rajasthan und unübersehbares Kulturzentrum. Der sagenhafte Palast der Winde, der Stadtpalast Jai Singh II., die weltgrößte Sonnenuhr Jantar Mantar, die wundervollen Gärten hinter hohen Mauern und immer wieder Rosarot, denn Rosarot ist in der Tradition Rajasthans die Farbe der Gastlichkeit. Was keine leeren Worte sind, denn zum Abendessen sind wir bei einer indischen Familie eingeladen.
Detail des Spiegelpalastes Sheesh Mahal im Amber Fort (© Mathias Conze / Chamäleon)
Lassi, Orangenreis, ayurvedischer Reisbrei, Bananen-Porridge und Yoga gehören zum indischen Frühstück. Yoga kommt später, alles andere sei Ihnen zur Stärkung sehr ans Herz gelegt, denn die Festung der alten Hauptstadt Amber unweit von Jaipur 4 will eingenommen werden. Nicht auf Elefanten wie zu Zeiten der Kachwaha-Dynastie, aber die Verschwendungssucht der Rajputenfürsten wird Ihnen auch ohne die Dickhäuter den Atem verschlagen. Allein im Sheesh Mahal füllen so viele Spiegel die Wand- und Deckenornamente, dass eine einzige Lampe ausreicht, den ganzen Saal mit Licht zu füllen. Im Palast der Winde zieren 953 kleine, kunstvoll gestaltete Gitterfenster die bombastische Fassade, hinter denen die Frauen des Hofes das Treiben auf der Straße verfolgen konnten. Als wenn das nicht schon Kino genug wäre, erwartet Sie am Abend ein populäres Filmtheater inklusive Bollywoodschinken und Kirmesstimmung.
Abendstimmung in Phuskar (© Michael Staack / Chamäleon)
Wie oft haben Sie sich schon gefragt, wie sich so ein Maharadscha-Leben angefühlt hat? Heute gibt es die Antwort. Denn die indischen Könige haben derart viele Paläste hinterlassen, dass ein paar aufregende Hotels dabei abgefallen sind. In so einem wohnen wir heute. Ob das majestätische Palasthotel Khimsar Fort in Khimsar 5 schon immer diesen wundervollen Pool hatte, ist nicht überliefert. Heute gehört er dazu, und der Blick vom himmelblauen Beckenrand auf den Palast ist wie das glückliche Ende eines Märchens. Aber das Kontrastprogramm ist bereits gebucht. Am Rand der Wüste besuchen wir Dörfer, in denen Zeit eine andere Bedeutung hat, doch das Abendessen auf den Dünen ist frisch und indisch scharf.
Kamele bei Sonnenuntergang (© Eheleute Mattner / Chamäleon)
Der weiße Palast hat morgens eine andere Farbe als am Abend, also setzen Sie sich noch einmal in den Pool, wir fahren erst später zu jenem spektakulären Farbwechsel. Was in Jaipur Rosarot war, ist in Jodhpur 6 7 Blau, weshalb sie folgerichtig die blaue Stadt genannt wird. Diesmal nicht der Gastfreundschaft wegen, sondern weil Blau die Farbe der höchsten Kaste ist, den Brahmanen. Und weil sich auch der kleine Mann gern mal groß fühlt, wurde eine Hütte nach der anderen blau. Als Gesamtkunstwerk toll anzusehen vom gewaltigen Fort Mehrangarh 123 Meter über der Stadt. Vorausgesetzt, Sie können den Blick von den unermesslichen Kunstschätzen der Maharadschas loseisen, deren Nachfahren immer noch hier wohnen. Jetzt aber: zum Frühstück Yoga und der Tag gehört Ihnen. Wir geben eine holprige Fahrt in die Randgebiete der Zivilisation dazu, wo die Einheimischen seit ewigen Zeiten im Rhythmus der Natur leben. So auch die Bishnoi, zu deutsch neunundzwanzig, eine Religionsgemeinschaft, die seit 500 Jahren streng nach 29 spirituellen und ökologischen Regeln lebt. Vorbild? Wir werden sehen.
Inderin im Jain-Tempel in Ranakpur (© Heller Kurt / Chamäleon)
Superlative und kein Ende. Der Jain-Tempel auf dem Weg nach Udaipur besticht durch 1.444 Säulen, Ornamente von umwerfender Kunstfertigkeit und eine beispiellose Architektur. Trotzdem müssen Sie an diesem Tag noch eine Steigerung hinnehmen, wenn wir am frühen Abend Udaipur 8 9 erreichen, das Venedig des Ostens. Elf weiße Paläste überragen die Stadt, und am Ufer des Pichhola-Sees können Sie von unserem Fateh Prakash Palace aus den ganzen Abend versuchen, sich sattzusehen. Fortsetzung am nächsten Morgen, denn für Udaipur braucht man eine zweite Chance. Zunächst mit dem Fahrrad auf Intensivtour durch die Kulturschätze der Altstadt. Und dann natürlich die Insel Jag Mandir, das exzentrische Privattheater des Maharadschas und der im See gelegene Jagdish-Tempel, wo »Der Tiger von Eschnapur« und der James-Bond-Film »Octopussy« gedreht wurden. Noch eine Nacht am See? Aber gern, weil es so unglaublich schön ist.
Strassenhändler in Udaipur (© Marie Böhm / Chamäleon)
Da wird nicht lange gefackelt. Wenn über den Aravalli-Bergen die Sonne aufgeht, beginnt kaum zehn Minuten von unserem Hotel entfernt das Reich der Königstiger. Aber auch Leoparden, Krokodile, Axis-Hirsche, Lippenbären, Antilopen, Indische Gazellen und die farbenfrohe Vogelwelt des Ranthambore-Nationalparks 10 11 wissen, dass wir sie heute noch sehen möchten. Gleich nach dem letzten dankbaren Lächeln in der Schule Adarsh Manovikas Sansthan, wo sich die Chamäleon Stiftung engagiert, damit behinderte Kinder und Jugendliche nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Dort sind wir immer willkommen, und wahre Freunde rangieren noch vor Königstigern. Aber dann: Safari zweiter Teil, weil es all denen noch einen Guten Abend zu wünschen gilt, die sich am Morgen erfolgreich verdrückt hatten.
Frauen mit Kindern vor ihren Häusern (© Marie Böhm / Chamäleon)
Sie haben Glück, sitzen in einem reservierten Abteil und nicht auf dem Dach des Zuges wie viele Einheimische, die sich kein Ticket leisten können. Unser Ziel ist der Haremskomplex, die Audienzhalle, das Siegestor, das Mausoleum mit den spinnwebenfein gemeißelten Marmorfenstern und dem vielen Gold – das Weltkulturerbe Fatehpur Sikri 12. Danach ist es Zeit für einen ersten Blick auf das Wahrzeichen von Indien. Vom Garten Mehtab Bagh aus leuchtet der Zauber des Taj Mahal im Gold der untergehenden Sonne. Morgen gehört es Ihnen. Gute Nacht im Hotel Clarks Shiraz.
Das Taj Mahal (© Tom Andersch / Chamäleon)
Am frühen Morgen erfüllt sich der Traum Ihrer Reise. Auf der anderen Seite des Flusses Yamuna erwartet Sie das großartigste Bauwerk der Menschheit: Jene überwältigende Grabmoschee, die der Großmogul Shah Jahan für die Liebe seines Lebens bauen ließ, die bei der Geburt ihres 14. Kindes starb. Hunderte Kilometer weit haben Heere von Elefanten den Marmor herbeigeschleppt und aus Europa wurde die Steinschneidekunst Pietra dura geholt. Die Kosten haben das Land an den Rand des Ruins gebracht, weshalb ihn sein Sohn im Roten Fort von Agra 13 bis an sein Lebensende einsperren ließ, während ihm ein Vorleser jeden Abend die Heldentaten seiner Jugend erzählte. 1666 starb der »Herrscher der Welt« mit 74 Jahren und fand seine letzte Ruhe im Taj Mahal, dem Liebesgedicht aus Stein, neben der Frau, die ihm alles bedeutete.
Zwei Inderinnen auf einer Hochzeit (© Sabine de Zoysa / Chamäleon)
Vorbei, leider, keine Steigerung mehr möglich. Was schweren Herzens bleibt, ist der Rückflug nach München 14, wo Sie für Außenstehende vielleicht etwas unverständlich von Palästen aus Edelsteinen, märchenhaften Nächten, Wüsten aus Gold, Mitmachkino und der ewigen Liebe erzählen.
Rajasthan - 14 Tage Wunderwelten-Reise
96,6 100 42
EUR