O Mann, es geht nach Oman. Die Sonne strahlt mit dem Gold um die Wette. Luxus und reiches Leben, mondän bei Tag – romantisch bei Nacht. Ein wahr gewordenes Märchen, eine auf Hochglanz polierte Schatzkammer arabischer Kultur. Megatower und Moschee. Kamel und Rolls-Royce. Weihrauchmarkt und Goldsouk. Von manchen Dingen muss man sich mit Gewalt losreißen, und sattsehen ist sowieso nicht möglich. Aber irgendwo muss man anfangen, und das tun wir nach unserem Flug von Frankfurt 1 in der noblen Metropole des Sultanats, in Maskat 2. Sie haben Wüste erwartet? Dann lassen Sie sich jetzt mal überraschen.
Wahrzeichen von Maskat (© Andrea Werne / Chamäleon)
Malerisch zwischen zwei Stränden liegt der Qurum-Park, den der Sultan seinem Volk zur Erbauung spendiert hat. Mit See, Booten, Fontänen, Rosengarten und schattigen Spazierwegen. Dem Öl sei Dank, ist das Erste, was dem Betrachter in den Sinn kommt, und wie es dazu kam, erzählt uns das PDO-Museum zur Geschichte der Ölförderung. Im abendlichen Souk hingegen wird die Vergangenheit zur Gegenwart. Weihrauch, Myrrhe, Goldschmuck, Silbertand, Krummdolche, Kaschmirschals und Henna sind allesamt Markenzeichen aus Aladins Reich. Und egal ob Sie auf Süßes stehen oder nicht, Halwa gehört unbedingt dazu. Wehe, Sie spucken es wieder aus.
Sultan-Qaboos-Moschee in Maskat (© Chamäleon)
Das musste so kommen, denn es ist eine Frage der Ehre. Seit 1970 wird Oman von Sultan Qaboos regiert, und das will gezeigt werden. Die Moschee, die seinen Namen trägt, gehört zu den wertvollsten der Welt. 600 Knüpferinnen haben für den 22 Tonnen schweren Gebetsteppich 1,7 Milliarden Knoten geschlungen. In der 50 Meter hohen Kuppel hängt der mit 1.122 Lampen bestückte Lüster, acht Tonnen voller Swarovski-Kristalle. Da legst di nieder, möchte man sagen, aber das machen wir dann doch lieber in der Traumbucht von Fins, als erfrischendes Intermezzo vor unserer Ankunft in Sur 3. Einst eine bedeutende Seehandelsmetropole, ist vor allem die Herstellung von Dhaus geblieben. Kleine Boote in traditioneller Handwerkskunst, ohne die das Leben in Oman unvorstellbar wäre.
Wadi Bani Khalid (© Maja Lamme / Chamäleon)
Wer bei Oman an Wüste denkt, hat recht und auch nicht. Vordergründig, also vom Golf aus betrachtet, sieht es mehr nach Alpen aus. Doch gleich dahinter kommt sie dann doch noch, die Wüste. Und was für eine. Da ruht unter majestätischen Palmen die »Stadt der Söhne des Ali«, und wenn Sie die Kuppeln der kleinen Moschee gezählt haben (52, aber bitte nicht weitersagen), haben Sie sich eine Erfrischung verdient. Die glasklaren Wasserbecken des wundervollen Wadi Bani Khalid kommen dafür wie gerufen, und ein Bad an dem palmenbewachsenen Trockenflussbett ist ein herausragendes Erlebnis vor dem nächsten herausragenden Erlebnis: 15.000 Quadratkilometer feinster Sand in leuchtendem Orange, bewachsen, versteinert, wandernd: die wüste Wüste Wahiba 4. Wir lassen sie nicht vor uns liegen, sondern arbeiten uns mit dem Geländewagen durch und entlang der mächtigen Sandberge, wie es seit eh und je die Beduinen auf ihren Wüstenschiffen tun. In einem flachen Tal stehen in unserem Sama Al Wasil Camp 20 Chalets im Kreis, für Beduinenverhältnisse der schiere Luxus mit weichen Betten und Badezimmer. Wir wünschen eine stille Nacht.
Beduine mit Kamelen (© Maja Lamme / Chamäleon)
Wie lebt es sich als Beduinenfamilie, wenn man nicht gerade durch die Wüste schaukelt? In Ibra 5 werden Sie es aus erstem Mund erfahren. Frauenmarkt klingt etwas anzüglich, aber hier geht’s ums Vergnügen der Frauen, das Shoppen. Die Männer müssen nämlich am Rande warten, während ausschließlich Frauen sich mit feinen Tüchern und Parfüms eindecken dürfen. In den Bienenkorbgräbern der Umm-al-Nar-Kultur durften alle gemeinsam liegen. Seit 4.000 Jahren stehen sie im wahrsten Sinne des Wortes unverwüstlich im Oasenort Zukait vor der bombastischen Kulisse des Jebel Misht.
Die Festung von Nizwa (© Chamäleon)
Nächster Halt: die berühmte Oase Nizwa 6, ehemalige Hauptstadt und religiöses Zentrum. Einmal den Silbersouk rauf, einmal runter, den 36 Meter dicken Festungsturm umrunden und durch die Altstadt den Düften nach, dann haben Sie sich ein Dampfbad im Falaj Daris Hotel verdient. Was auf Madeira die Levadas, ist in Oman das Faladschsystem. Bedeutend genug, um es zum UNESCO-Weltkulturerbe zu zählen. Künstliche Bewässerungskanäle, die das lebensnotwendige Nass seit 1.500 Jahren von weit her zu den lehmroten Häusern der Dörfer leiten, deren Bewohner uns bereitwillig die Türen öffnen.
Bienenkorbgräber (© Chamäleon)
Die kobaltblaue Kuppel der Sultan-Qaboos-Moschee mit der goldenen Spitze ihres Minaretts leuchtet uns noch eine Weile hinterher, dann verliert sich die Silhouette von Nizwa in der Ferne und eine neue taucht auf: der See der Bananen. Ist nicht ganz wörtlich zu nehmen, aber abgöttisch reizvoll ist die Oase Birkat al-Mauz 7 schon, und die Bananen sind halt ihre direkte Übersetzung. Wo hab ich meine Machete?, ist der erste Gedanke, der einem beim Anblick dieses Palmenwaldes in den Sinn kommt. Aber dann führen doch noch zauberhafte Pfade ins Innere der filmreifen Siedlung. Danach schließt sich der Kreis und wir erreichen wieder die Hauptstadt Maskat für neue Abenteuer.
Portrait einer Frau in Dhofar (© Chamäleon)
Wüste, Berge, Tropen? In Oman ist alles möglich. Wir nehmen den Flieger nach Salalah 8, ins berühmte Weihrauchland des Südens. Wenn hier Sultan Qaboos seine Sommerresidenz hat, erübrigt sich eigentlich jedes Wort. Ein Paradies, mit den Ruinen von Al-Baleed als Weltkulturerbe, einem tiefen kulturellen Rückblick im Archäologischen Park, typischen Dhofar-Häusern im Stadtteil al-Hafa und schließlich dem alten Weihrauchsouk, wo von edlen Duftharzen, kunstvollen Weihrauchbrennern bis zu einheimischer Kosmetik alles ausliegt, was irgendwie an Weihnachten erinnert. Weihrauchbäume gibt es auch. Aber dafür müssen wir wieder in die Wüste, ins Weltnaturerbe Wadi Dawkah. Und wenn wir schon dort sind, muss auch das »Atlantis der Wüste« noch sein. Sie vermuten richtig, noch ein Weltkulturerbe. Die rot leuchtenden Dünen der Rub al-Khali 9 bedeuten Stopp. Weil es keinen schöneren Augenblick der Stille und Zeitlosigkeit gibt, als in der größten Sandwüste der Erde einen Moment innezuhalten und die wandernden Farben der Nachmittagssonne vorbeiziehen zu sehen.
Ruinen von Sumhuram (© Chamäleon)
Die Weltkulturerbestätten reißen nicht ab. Fischerdorf und die Festung Taqah gehören noch nicht dazu, müssen aber sein. Auch das Wadi Darbat nicht, obwohl es zu den schönsten gehört. Aber dann: die Ruinen von Sumhuram 10, der Legende nach der Palast der Königin von Saba und demzufolge mindestens 2.000 Jahre alt. Im Crowne Plaza Resort in Salalah 11 haben Sie einen fantastischen Blick auf das Arabische Meer und die letzte Möglichkeit, im Pool abzutauchen, dann üben die Blow Holes bereits für Ihr Abschiedskonzert. Über die Berge zu Hiobs Grab und runter an den endlosen Strand von Mughsayl erreichen wir die Wasserfontänen, die gut und gerne zehn Meter aus den Blaslöchern des Felsplateaus schießen. Durch den Wassernebel hindurch gibt das Arabische Meer sein schönstes Blau hinzu, damit Sie es auch ja nicht vergessen. Am Abend wartet am Flughafen Salalah 12 die Maschine nach Maskat für Ihren Weiterflug zurück nach Frankfurt 13. Bestimmt ist auch ein bisschen Sand dabei, aber der macht Oman nicht ärmer, nur Ihre Erinnerungen reicher.
EUR