Wenn Sie gefragt werden, sagen Sie einfach, Sie fliegen in die Wüste. Alles andere, was Sie ohnehin erst nach Ihrer Reise belegen können, würde Ihnen sowieso keiner glauben. Wahrscheinlich haben Sie selbst noch keine richtige Vorstellung davon, welche Flut an Gefühlen Ihnen bevorsteht, wenn Sie in Frankfurt 1 in den Flieger steigen und nach einem mehr oder weniger kurzen Nickerchen in Windhoek landen. Die Sonne ist gerade erst aufgegangen und die Kalahari 2 noch nicht ganz so leuchtend rot, wie man ihr nachsagt. Aber das geht schnell, und bis wir auf direktem Wege auf dem Waschbrett der Halbwüste angekommen sind, brennt die Landschaft bereits lichterloh. Im Schatten der Kameldornbäume liegen die pilzförmigen Chalets der Camelthorn Kalahari Lodge und in ihrer Mitte der Willkommenspool. Da liegen Sie jetzt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit.
San zeigen das Feuermachen (© Patrick Neumann / Chamäleon)
Es wäre vermessen, zu sagen, dass Sie sich Ihr Mittagessen heute selbst schießen müssen, es kann andererseits nicht schaden, wenn Sie im Zweifel wüssten, wie. Die San, heute wie vor Jahrtausenden darauf spezialisiert, mit selbst vergifteten Pfeilen auf die Jagd zu gehen, zeigen es Ihnen. Nach essbaren Pflanzen buddeln gehört auch dazu, falls Sie es vegetarisch mögen. Und Wasser suchen, wo es augenscheinlich keines gibt, ist in der Kalahari 3 eine Überlebensfrage. All das lernen Sie heute aus erster Hand. Sie müssen nur genau zuhören, denn die San haben kein Alphabet, bei denen macht es immer nur Klick. Falls Sie in dieser märchenhaften Landschaft eine bescheidene Eigentumswohnung suchen, die hängen hier vor Raubtieren und anderen Eindringlingen geschützt in den Bäumen. Sie müssten lediglich ein paar Tausend Siedelweber aus ihrem Nest vertreiben, was nicht ganz leicht werden dürfte.
Löwenpaar beim Liebesspiel (© Peter Pack, Pack Safari / Chamäleon)
Im Kgalagadi-Transfrontier-Nationalpark 4 5 bekommt der Begriff der Grünen Grenze eine erwartungsvolle Bedeutung. Denn im Gegensatz zu den illegalen Schleichwegen, die normalerweise damit gemeint sind, stehen die Migrationsrouten zwischen Botswana und Südafrika hier sperrangelweit offen. Oryxantilopen, Gnus, Elands, Giraffen, Afrikanische Wildkatzen, Springhasen und Pfeifratten wandern hin und her, wie es ihnen passt. Sehr zur Freude der Löwen, die statt sich abzuhetzen träge auf der Lauer liegen und warten, bis das Mittagessen vorbeikommt. Solchermaßen verwöhnt, hat sich im Kgalagadi-Transfrontier-Nationalpark die größte Dichte an Löwenrudeln häuslich eingerichtet und mit dem Kalahari-Löwen eine eigene Unterart entwickelt. Etwas übergewichtig, logisch, und leicht erkennbar an der fast schon schwarzen Mähne der Rudelkönige. Wir finden sie auf zwei Safaris, und bis wir uns in die Augen sehen, treiben die Erdmännchen ihren Schabernack mit uns.
Wasserrad auf einer Farm (© Martina Roeseler / Chamäleon)
Was die Grüne Grenze für die Tiere, ist der Oranje 6 für uns. 2.160 Kilometer ackert sich der Fluss, der Namibia von Südafrika trennt, quer durch den gesamten südafrikanischen Kontinent. Und wie das so ist, wenn viel Sonne und Wasser zusammenkommen, entstehen die besten Voraussetzungen für einen Wein der Sorte »Wow, was ist das denn?«. Terroir heißt das Zauberwort. Es besagt, dass man die Qualität des Bodens im Wein schmecken kann. Nun denn, aber aufgepasst. Nach dem dritten Glas in den Orange River Wine Cellars ist es mit der Bodenständigkeit vorbei.
Augrabies Wasserfälle (© Wally Lange, FVA Südafrika / Chamäleon)
Weiter westwärts, wo der Oranje seine letzte Etappe zum Atlantik antritt, gibt er noch mal alles. »Tosender Platz« ist eine gute Bezeichnung für die Pirouetten, mit denen er sich im Augrabies-Falls-Nationalpark 7 70 Meter in die Tiefe stürzt. Es gischtet nicht schlecht, aber das ist Absicht, soll dort unten doch ein legendärer Diamantenschatz verborgen sein, den nicht jeder entdecken soll. Klippschliefer, Klippspringer, Karakals, Felsenadler und Schreiseeadler kennen das Versteck. Zwei Stunden haben Sie auf unserer Wanderung durch den Nationalpark Zeit, sie zu befragen. Für das Ergebnis legen wir unsere Hand nicht ins Feuer. Außer für die umwerfenden Eindrücke natürlich.
Abbruchkante des Fish-River-Canyons (© Katrin Giebe / Chamäleon)
Als die geologischen Formationen vor Millionen Jahren in die Brüche gingen, entstand ein Naturwunder Afrikas, der Fish-River-Canyon 8. 160 Kilometer lang, 27 Kilometer breit und bescheidene 550 Meter tief. Schonen Sie Ihre Nerven nicht, werfen Sie von der vordersten Kante des Canyons einen mutigen Blick in die Unterwelt, wo der Fish River ganze Arbeit geleistet hat, auch wenn ihm die Fische dabei abhandengekommen sind.
Blinder Passagier (© Peter Streitberger / Chamäleon)
Wo die Diamanteneuphorie in kürzester Zeit eine komplette Stadt mit Eisenbahn, Schule, Krankenhaus, Eisfabrik, Kegelbahn und dem Haus des Apothekers aus dem Wüstensand stampfte, wohnen heute die Geister. Und von Jahr zu Jahr füllen sich die teilweise noch eingerichteten Häuser bis an die Decke mit Sand: Kolmanskop, das totenstille Zeugnis einer wirren Zeit. Aber Lüderitz 9 10, wo alles seinen Anfang nahm, als der deutsche Tabakhändler Adolf Lüderitz mit einem »Meilentrick« 46.000 Quadratkilometer Land ergaunerte, ist mit »Lesehalle«, »Ballsaal« und »Woermann-Haus« so quicklebendig, als wären die Uhren stehen geblieben. Doch die Zeit sorgte für Gerechtigkeit. Die Diamanten, nach denen Lüderitz vergeblich schürfte, lagen nach seinem ominösen Tod glitzernd im Sand und lösten einen beispiellosen Run aus.
Wildpferde von Garub (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Ob die Diamantensucher Augen für diese unfassbare Landschaft hatten, die sich in einer Melange aus hundert Tönen zwischen Blassrosa und Ultraviolett über die Gebirgskette des Namib-Naukluft-Parks 11 zieht, ist nirgendwo erwähnt. Der Nationalpark ist das größte Schutzgebiet Afrikas und zugleich eine der schönsten Landschaften, die uns zu einer erfrischenden Pause in die Elegant Desert Lodge begleitet. Wundervoll, diese Symbiose aus traditioneller Farmkultur und beglückender Gastfreundschaft. Noch wundervoller der Pool nach staubiger Wüstenfahrt. Am wundervollsten ein Malawi Shandy, wenn die Sonne für heute den letzten großen Auftritt hat.
Dünenbesteigung in Sossusvlei (© Ulrike Hagspiel / Chamäleon)
Noch bevor die Sonne aufgeht, wird es Zeit, ins Meer zu fahren. Ins Meer? Haben Sie richtig gelesen. Mit Allrad ins Namib-Sandmeer, seit neuestem Weltnaturerbe. Nacht für Nacht pustet der Wind im Sossusvlei 12 eine neue Landschaft von bizarrer Eleganz zurecht, weshalb die Spuren, die wir hinterlassen, morgen schon Geschichte sind. Die einzigartige Lichtstimmung des frühen Morgens wirkt wie ein Zugpferd. Sie begleitet Sie durch eine außerirdische Dünenlandschaft, bis wir oben sind. Ein 350 Meter hoher Sandhaufen, das ist der Gipfel. Die zwei Liter Wasser, die Sie bis dahin getrunken haben, sind schon wieder draußen, aber das Gefühl ist und bleibt unbeschreiblich. Cool-down, wenn auch nur ein paar Grad, heißt es im Schatten des Sesriem-Canyons, den der Trockenfluss Tsauchab zwei Millionen Jahre lang in das Sedimentgestein geknabbert hat, um schließlich als Galeriewald zu enden.
Penduka-Frauen bemalen Blumentöpfe (© Patrick Neumann / Chamäleon)
Abreisen, ohne die Erbstücke der Geschichte gesehen zu haben, geht gar nicht. Christuskirche, Tintenpalast, historischer Bahnhof ­– in Windhoek 13 ist aus gestern und heute ein neues Ganzes entstanden. Wenn Sie davon etwas mitnehmen möchten, bei den Frauen von Penduka in der Township Katutura finden Sie bestimmt das eine Teil, das Sie noch lange nach Ihrer Rückkehr in Frankfurt 14 an all die Gefühle erinnert, die Sie nun ganz präzise beschreiben können. Andererseits würden Ihnen die Frauen von Penduka auch gern eine Afrofrisur machen, dann müssen Sie nicht viel erzählen, da sieht man es gleich.
Kalahari - 14 Tage Wunderwelten-Reise
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