Es klingt so exotisch weit weg und sind doch nur fünf Stunden ans Kaspische Meer, wo Ihre Reise im Grunde nur aus einem Programmpunkt besteht: Weltkulturerbe, Weltkulturerbe, Weltkulturerbe. Wozu noch der Hinweis gehört, dass bereits das erste ein halbes Dutzend sind, denn bei allem, was sich hinter den Altstadtmauern von Baku 1 2 versteckt, hat die UNESCO aufgehört, zu zählen und der Einfachheit halber das ganze Viertel zum Kulturerbe erklärt. Fangen wir mal oben an, bei der muslimischen Dynastie der Schirwanschahs. Auf einem Hügel der Altstadt thront das Ensemble aus Moschee, Jungfrauenturm, Mausoleum, Badehaus, Arkadenhof und Palastgebäuden, die sprachlos machen. Der unvorstellbaren Pracht wegen, aber auch, weil keiner sagen kann, wozu das Ganze gut gewesen sein soll. Anders beim »brennenden Berg«, auf dessen Grat das reichlich vorhandene Erdgas ein Ventil gefunden hat, um sich selbst abzufackeln.
Schlammvulkan (© Tourism Board Azerbaijan / Chamäleon)
Das Kulturministerium von Aserbaidschan spricht vom »Staatlich historisch-künstlerischen Schutzgebiet Gobustan«. Das wäre auch einfacher gegangen. Bei Nationalpark Gobustan 3 hätten wir gleich gewusst, dass es etwas Besonderes sein muss, denn das sind die steinzeitlichen Felszeichnungen ohne Zweifel. Und Weltkulturerbe, logisch. Hören Sie das? Es blubbert wie heißer Kartoffelbrei und bei jedem »Blubb« verduftet ein geruchsintensives Wölkchen. Ist nicht gefährlich, aber lustig und nennt sich »kalter Vulkanismus«. Eine unterhaltsame Ausdrucksform von Schlammvulkanen, von denen sich rund ein Drittel in Aserbaidschan befinden.
Khanspalast in Sheki (© Tourism Board Azerbaijan / Chamäleon)
Schon wieder so ein Palast, dass einem der Mund offenbleibt. In Halbhöhenlage in den Felsen integriert, ließe sich am Diri-Baba-Mausoleum allenfalls bemängeln, dass der Verblichene mit der traumhaften Aussicht nichts mehr anfangen kann. Aber sonst top. Was in Scheki 4 ohnehin keiner Frage bedarf, denn ob Sie es glauben oder nicht, schon wieder ist die ganze Altstadt Weltkulturerbe. Was in Indien die Maharadschas waren, sind hier die Khane, unter denen es solche und solche gab. Die vom Schlage eines Dschingis Khan waren die Lümmel. Andererseits bezeichnete der Titel auch einen wohlhabenden Mann in gehobener Position. Bei dem sind wir heute, dem Khan von Scheki und seinem Palast. In aller Bescheidenheit nur eine Sommerresidenz, aber zusammen mit Karawanserei, Moschee und Marktplatz ein Ensemble, an dem die Karawanen der alten Seidenstraße besser aufgehoben waren als bei Tank & Rast. Woran wir uns ein Beispiel nehmen und Sie heute Abend standesgemäß im Sheki Palace Hotel abliefern.
Burganlage Gremi in der Region Kakheti (© Vladislav Zolotov, iStockphoto.com / Chamäleon)
Bevor wir nachts von Weltkulturerben träumen, treten wir die Flucht nach vorn an. Vorn ist Kachetien 5 und Ihr Reiseleiter war nicht davon abzubringen, dass Sie als erstes die 8.000 Jahre alte Weinbautradition sehen sollten. 500 uralte endemische Sorten. Handverlesene Weine, von denen viele nach südkaukasischer Tradition in zitronenförmigen Tongefäßen reifen. Na gut, wenn schon, denn schon: Schuchmann Wines Chateau in Kisiskhevi, mit dem unvergleichlichen Vorteil, dass es gleichzeitig unser Hotel ist, damit Sie im Zweifel auf allen vieren in Schuchmanns Wine Spa robben können.
Wehrkirche Ananuri am Schinwali Stausee (© vvvita, iStockphoto.com / Chamäleon)
Diese Landschaft hätte es auch verdient, Weltnaturerbe zu werden. Sie verläuft 1.100 Kilometer von Sotschi am Schwarzen bis zu Baku am Kaspischen Meer, und ihre Gebirgskämme zeichnen in schönster Zackenlinie die Grenzen zu Russland, Georgien und Aserbaidschan. Ihr Name: Großer Kaukasus 6. Eingebettet in die Bergwälder liegen märchenhafte Orte: am Schinwali-Stausee das orthodoxe Kloster Ananuri und das von unverschämtem Grün eingekesselte Stepanzminda vor dem Gletscherberg Kasbek. Die Menschen in dieser verlassenen Gegend können nicht den ganzen Tag in die traumhafte Landschaft gucken, was machen Sie also? Wir kommen mit ihnen ins Gespräch und freuen uns sogleich auf kalte Winterabende. Denn Filzpantoffeln, die machen sie hier perfekt.
Kronleuchter in der Swetizchoweli-Kathedrale in Mzcheta (© intek1, iStockphoto.com / Chamäleon)
Kuppelkirche, das klingt nach Aufstieg. Und Ihr Verdacht täuscht nicht. Aber das Ziel, die Gergetier Dreifaltigkeitskirche auf 2.170 Metern, zieht uns mühelos den Hang hinauf. Ein Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes, bevor unsere Flucht vor den Weltkulturerben vergebens war. Sie kommen in Mzcheta im Doppelpack: Swetizchoweli-Kathedrale und Dschwari-Kloster. Uff, einfach überwältigend. »Tbilisi« bedeutet »warm«, kommt von den allgegenwärtigen Thermalquellen und gab der georgischen Hauptstadt Tiflis 7 8 ihren Namen. Es ist nur eine Frage der Zeit ­– der Antrag ist gestellt ­– bis auch die Altstadt von Tiflis Weltkulturerbe ist. Dann wird es sich gelohnt haben, die von Mongolen zerstörte Metechi-Kirche am Steilufer des Flusses Kura wieder aufzubauen. Und in der Hauptikonostase der Sioni-Kathedrale den Schädel des Apostels Paulus und das Weinrebenkreuz der Heiligen Nino zu verwahren. Die Prachtstraße Rustaweli nennt sich nicht zufällig Boulevard. Ist ein bisschen wie Paris und die Menschen fühlen sich auch so. Na dann auf nach Frankreich.
Ornamentales Steinrelief (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Und nahtlos weiter in die Schweiz. Inklusive Grenzübertritt von Georgien nach Armenien. Dilidschan 9 war schon im Mittelalter ein begehrter Kurort der armenischen Könige und wurde gern als die »Kleine Schweiz« bezeichnet. Unser Weg dorthin ist gepflastert mit krassen Gegensätzen. Einer ist Haghpat, ein bitterarmes Dorf, deren Einwohner oft nur mit dem Verkauf von Beeren überleben, die sie in den nahen Wäldern suchen. Ihnen hilft wenig, dass ihr mittelalterliches Kloster Weltkulturerbe geworden ist. Man kann es nicht essen. Die, denen das Leben mehr zu bieten hat, tischen Lavash auf, ein Fladenbrot, ohne das die armenische Küche unvorstellbar wäre. Die Zubereitung ist allerdings eine Kunst, die wir üben müssen: Teig kneten, zu Bällen formen und zu Eineinhalb-Meter-Fladen ausrollen. Danach auf ein ovales Kissen drapieren und gegen die Wand des heißen Ofens klatschen. Nach 30 Sekunden behutsam abnehmen, sonst fällt es runter. Jetzt noch die Füllung mit Käse, Gemüse, Kräutern oder Fleisch, dann ist das immaterielle Weltkulturerbe fertig. Die Mönche im Kloster Sewanawank machten nach dem Essen einen Verdauungsspaziergang an die »Blaue Perle Armeniens«, den Sewansee 10. Ein paar Schritte reichten, denn ihr Kloster stand damals mittendrin.
Kloster Virap vor dem Berg Ararat (© YuliaGr, iStockphoto.com / Chamäleon)
Sie erinnern sich? »Nimm von jedem Tier ein Paar, ohne Makel und gesund. Nimm Frau Noah und die Kinder und die Katze und den Hund.« Gut gemerkt. Hier, am Berg Ararat, ist seine Arche gestrandet, und angeblich gibt es auch noch eine Planke davon. Dann zur Abwechslung mal ein Noch-nicht-aber-bald-Weltkulturerbe: Kloster Norawank 11 in der Schlucht des Amaghu. Wankt immer noch nicht, obwohl es seit dem 13. Jahrhundert an den ziegelroten Klippen hängt und in den Abgrund guckt. Vielleicht ist das der Grund, weshalb hier oben gern geheiratet wird. Allmählich rundet sich unsere Reise, und wir haben seit Tagen auch nichts Anständiges mehr getrunken. Dunkelrot ist er, der Areni, und voller Zuversicht, denn in der Genesis steht, dass Noah als erstes Weinreben pflanzte. Hat er sehr gut gemacht.
Kathedrale von Etschmiadsin (© Denis Kabanov, iStockphoto.com / Chamäleon)
Hätten Sie’s gewusst? In der Bibliothek von Jerewan 12 13 liegen alte armenische Handschriften, die Weltdokumentenerbe sind. Nebenan das Weltkulturerbe Swartnoz und nicht weit davon das Weltkulturerbe Etschmiadsin mit der Kathedrale, wo Jesus »Gregor dem Erleuchter« mit einem goldenen Hammer gezeigt hat, wo er die erste christliche Kirche bauen soll. Ein anderer, noch viel größerer Baumeister begann vor Millionen Jahren, die »Symphonie der Steine« zu errichten. Wie Orgelpfeifen hat die Natur die Basaltfelsen der Azat-Schlucht geordnet. Ein Hinweis auf den festen christlichen Glauben der Armenier? Beim Felsenkloster Geghard, eine bedeutende Wallfahrtsstätte für armenische Christen, wäre noch nachzutragen, dass es sich um ein Weltkulturerbe handelt. Was sonst? Aber völlig unverständlich bleibt, warum der armenische Weinbrand, dessen grandioses Bouquet einen ganzen Stadtteil durchwabert, noch kein Welttrinkkulturerbe ist. Trotzdem: Auf Ihr Wohl.
Platz der Republik in Jerewan (© saiko3p, iStockphoto.com / Chamäleon)
Ein Fläschchen in Ehren könnten Sie dabeihaben, wenn Sie zurück in der Heimat 14 sind, gewissermaßen als Erbe Ihrer Chamäleon-Reise.
Kaukasus - 14 Tage Wunderwelten-Reise
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