Sie träumen, wir fliegen Sie durch die Nacht von Frankfurt 1 via Addis Abeba zum Flughafen Kilimanjaro. Die Faszination, die sich mit dem höchsten Berg Afrikas verbindet, wandelt sich in diesem Moment in das Glücksgefühl, ihn leibhaftig vor sich zu haben. Aber zuerst heißt es einleben, und das beginnt mit der Frage: Wie werde ich auf schnellstem Wege ein Massai? Und wo, wenn nicht dort, wo auch die Massai zu Hause sind? Zugegeben, nicht alle wohnen so gepflegt und traumhaft schön wie in der Africa Amini Maasai Lodge 2, aber auch die Massai zeigen sich gern von ihrer besten Seite, und wenn wir ankommen, stehen sie bereits Spalier für eine traditionelle Begrüßung. Ein Schluck auf die Freundschaft, ein Blick in die fantastische Landschaft, dann geht’s los. Jagen wie vor 20.000 Jahren beginnt mit der Kunst des Speerwerfens, und Sie haben die besten Lehrmeister, die Sie sich wünschen können. Kopfweh, Zahnschmerzen, kleine Wunden? Die Massai lehren Ihnen jedes Heilkraut, das die Steppe hergibt. Und am Abend, wenn Sie überwältigt vom Sonnenuntergangsdrama auf der Terrasse der Africa Amini Maasai Lodge sitzen, sind Sie selbst schon ein halber.
Massaifrauen (© Kai-Uwe Kuechler / Chamäleon)
Heute folgt die andere Hälfte, denn Sie sind eingeladen. Im Massaidorf 3 werden die Rituale aus uralten Zeiten gepflegt, Häuser nach wie vor in der Tradition von Jahrtausenden gebaut, und Handwerk ist hier vor allem noch Geschicklichkeit, vom Kochtopf bis zum bleischweren Geschmeide der Frauen. Denn ohne Girlanden von bunten Perlenbändern und auf Steckdosenformat geweitete Ohrläppchen, an denen ein gefühlter Zentner Silberschmuck baumelt, hat eine Massai auf dem Heiratsmarkt null Chancen. Sehen, staunen und mit Händen und Füßen palavern, so vergeht Ihre Transformation zum Pseudomassai. Wenn Sie aus allem, was geredet und gelacht wird, den Namen »Ol Doinyo Landaree« heraushören, handelt es sich um den heiligen Berg der Massai, zu deutsch: Mukuru-Berg, wo sie früher Ziegen geschlachtet und deren Blut getrunken haben, um sich unbesiegbar zu machen. Ihn zu besteigen, ist eine Frage der Ehre, und wenn wir erst oben sind, werden Sie Aussicht und Vogelwelt für jeden Atemzug belohnen, den der Aufstieg gefordert hat.
Elefantenfamilie (© Lena Schnabel / Chamäleon)
Heute ist im wahren Sinne des Wortes ein großer Tag. Elefantenherden sind an der Reihe, die in der Savannenlandschaft des Tarangire-Nationalparks 4 das Gras platt treten. Und mächtige Baobabs kommen ihnen gerade recht, um sich ein wenig zu kratzen, ohne dass der Baum gleich umfällt. Wir bedienen uns eines Tricks, denn der Tarangire-Fluss, der mitten durch den Park fließt, führt das ganze Jahr Wasser. Dorthin gehen unsere Safaris, denn wo es was zu trinken gibt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis uns außer den üblichen Verdächtigen auch Flusspferde, Löwen und Leoparden vor die Kamera laufen. Dann wird uns von unserer Unterkunft ein ungebremster Panoramablick auf die Ngorongoro Conservation Area geboten. Nebenher sollten Sie sich einen Kaffee gönnen, denn Sie befinden sich im Anbaugebiet köstlicher Sorten, weshalb Ihnen zu Ihrer Tasse statt eines Kekses spannende Geschichten über die Arbeit auf den Plantagen serviert werden.
Wässerung des Gartens (© Gaby Kimmel / Chamäleon)
Nun kommt der Augenblick, auf den Sie vermutlich die ganze Zeit schon hinfiebern. Mit jedem Kilometer wird das Land »serengetischer«, bis die großen Tierherden keinen Zweifel mehr lassen: Wir sind da, im berühmtesten Wildpark Afrikas, im Weltnaturerbe Serengeti 5 mit seinen unvorstellbaren 1,6 Millionen Wildtieren. Endloses Land bedeutet »Siringitu« in der Sprache der Massai, aber wir brauchen nicht endlos lange zu fahren, um die ersten Großwildherden zu sehen, die in Formation über die baumarme Savanne ziehen. Bei Nacht dann, im Safarizelt des Serengeti Wildcamp, haben Sie die Wahl zwischen Traum und traumhaft, denn durch die Gazefenster der Komfortzelte können Sie den Nationalpark im Mondlicht und den sagenhaften afrikanischen Sternenhimmel vom Bett aus sehen.
Junge Löwen dösen auf einem Felsen (© Carolin Heinisch / Chamäleon)
Das Frühstück kann warten. Bei Sonnenaufgang mit dem Heißluftballon geräuschlos über die wandernden Tierherden der Serengeti 6 zu schweben, ist ein Frontalangriff auf die Gefühle. Machen Sie diese optionale Fahrt, damit Sie Ihren Enkeln was erzählen können. Nach dem Frühstück dann der Augenblick, auf den alle gewartet haben, die »Jagd« auf die Big Five: Elefant, Spitzmaulnashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Halten Sie die Kamera parat, wir fahren die kleinen Inselfelsen ab, auf denen die Löwen ihren Mittagsschlaf verdösen, wir legen uns an Wasserlöchern auf die Lauer und nutzen die spannenden Stunden des späten Nachmittags, wenn die meisten Tiere grasen oder auf der Jagd nach Beute sind. Zurück im Wildcamp, beginnen Stunden unbeschreiblicher Gefühle, wenn die untergehende Sonne die Serengeti in »Brand« setzt und rund um Ihr Zelt die geheimnisvollen Geräusche der Nacht erwachen.
Zebras inmitten einer Gnuherde (© Robert Hardholt, iStockphoto.com / Chamäleon)
Weil es jetzt schon klar ist, dass Sie von der Serengeti 7 nicht genug bekommen können, geben wir noch einen halben Safaritag drauf. Es könnte auch sein, dass Sie beim Ansturm der Tierherden mit dem Gucken nicht nachgekommen sind. Jetzt haben Sie eine letzte Chance dazu, dann erzählt Ihnen Ihr Reiseleiter einen Schwank aus deutscher Geschichte mit dem Titel »Hohenlohe-See«. Klingt nicht besonders afrikanisch, weshalb ihn die Massai heute wieder Eyasi-See nennen. In dessen verwegen schönem Landstrich hat sich die Gruppe der Hadza niedergelassen. Auch Hippos, Leoparden, Affen, Flamingos und Pelikane sind von dem bunt schillernden Gewässer angetan, das wir von unserem Ngorongoro Wildcamp aus noch glitzern sehen. Ein Platz zum Bleiben, denn hier steht Ihr komfortables Safarizelt mit eigenem Bad auf einer erhöhten Plattform, damit auch am Ende des Tages einer grandiosen Aussicht nichts im Wege liegt.
Nashorn im Ngorongoro Krater (© Marek Dziok, iStockphoto.com / Chamäleon)
Nach einem gewaltigen Donnerschlag war der Vulkan Geschichte und zurück blieb ein Welterbe, der berühmte Ngorongoro-Krater 8. Zigtausend Tiere, davon die höchste Raubtierdichte Afrikas, bevölkern dieses freiwillige Gefängnis, das viele von ihnen ihr Leben lang nicht verlassen, weil sie nicht wollen, nicht können oder vorher gefressen werden. Da sind Elefanten, Leoparden und die seltenen Spitzmaulnashörner im Vorteil, weil sich an sie kaum einer rantraut. Dafür haben wir heute die Chance, alle Vertreter der Big Five zu entdecken. Dann aber soll es genug sein mit dem wilden Treiben, denn eine Wanderung duch die eindrucksvolle Landschaft des Massai-Landes muss noch sein. Verteilt wie die Rosinen im Käsekuchen leben hier die verschiedenen Stämme in friedlicher Koexistenz, und eine freundliche Begegnung mit dem einen oder anderen Massai ist nicht ausgeschlossen. Sogar sehr wahrscheinlich.
Kinder in der Massai-Vorschule (© Lena Schnabel / Chamäleon)
Es begann vor dreieinhalb Millionen Jahren und rumpelte zwei Millionen krachend vor sich hin, dann war der Ostafrikanische Graben fertig. Bis auf Weiteres jedenfalls. Er bildet mit seinen senkrecht aufragenden Wänden die surreale Kulisse für den Lake-Manyara-Nationalpark 9, dessen Giraffen, Elefanten, Flusspferde, Zwergflamingos, Kormorane und rund 40 Arten tagaktiver Greifvögel uns noch eine Abschiedsvorstellung geben, dann wird es Zeit für unsere Fahrt nach Moshi, um 1880 der erste deutsche Standort am Kilimanjaro und für uns Zwischenstation auf dem Weg in die Usambara-Berge. Im More Than A Drop-Gästehaus sitzen Sie an der Quelle der Gastfreundschaft, denn hier wird sie gelehrt. Es ist Teil einer sozialen Hotelfachschule und wir die Versuchskaninchen für die, die alles geben, uns zu verwöhnen. Und der Kilimanjaro schaut zu.
In den Usambara-Bergen (© Tom Kunkler / Chamäleon)
Mombo liegt noch ziemlich unten an den Usambara-Bergen 10 11, wo wir pünktlich zu einem landestypischen Mittagessen eintreffen, und wenn Sie einen ersten zaghaften Blick nach oben werfen, sehen Sie die Reste von Regenwäldern, die seit rund 30 Millionen Jahren hier stehen. Es ist eine der artenreichsten Regionen der Welt und das Usambara-Veilchen sein bekanntester endemischer Vertreter, wenn wir mal voraussetzen, dass den Usambara-Uhu oder das usambarische Stummelschwanzchamäleon sowieso keiner kennt. In diesem Urgarten der Schöpfung wandern wir zwei Tage durch eine weltbewegende Berglandschaft mit spektakulären Wasserfällen, wagen uns für einen atemberaubenden Blick in die Tiefebene vor bis an die Abbruchkante und finden nicht ganz zufällig, aber malerisch versteckt in den Bergen den Ort Lushoto, das ehemalige Wilhelmstal. Viele Zeugen der kolonialen Vergangenheit stehen noch, aber das Leben ist ein anderes, und wo, wenn nicht auf dem Markt, bekommt man den schnellsten Kontakt zu den Menschen?
Fröhliche Marktfrau (© Ingo Lies / Chamäleon)
Was sollen wir zur Irente View Cliff Lodge viel erzählen, wo doch der Name schon alles sagt? Eine einzigartige Touch-the-Sky-Lage mit sensationellem Blick in die Steppe der Massai. In der entgegengesetzten Richtung und trotz der Lage nicht zu sehen, führt die beeindruckende Landschaft Tansanias bis an den Strand von Pangani 12. Und wer sich ein bisschen in »Geometrie« auskennt, der weiß: Osten, das kann nur der Indische Ozean sein. Richtig, die türkisfarbene, kristallklare, stets gut beheizte und von butterweichen Palmenstränden gesäumte Badewanne der Glückseligkeit. Die Emayani Beach Lodge hat sich aus gutem Grund hier niedergelassen und behauptet von sich, einen der sechs schönsten fast unberührten Strände der Welt zu haben. Nun ja, manchmal ist die Welt klein, aber die Tendenz stimmt, was Ihnen traumhafte Stunden in dieser Lodge bestätigen werden.
Strand bei Bagamoyo (© Lena Schnabel / Chamäleon)
Morgens kommt die Sonne von der anderen Seite und wirft ganz neue Lichtbilder auf Pool und Strand. Bis zum Mittag haben Sie noch Zeit, Ihren Lieblingsplatz zu genießen, dann erzählt uns der kleine Ort Pangani seine große Geschichte als ehemals bedeutende Hafenstadt der Swahilikultur. Erst reich durch den Handel mit Sklaven und Elfenbein, dann Bezirksamt der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft und schließlich von der Geschichte vergessen, bis einer kam und sagte: »Eure Strände gehören zu den schönsten, unberührtesten der Welt.« So kam es. Bagamoyo 13 ist ein kleines Küstenstädtchen im Süden des Landes, und hier liegt direkt am Indischen Ozean die paradiesische Anlage der Travellers Lodge. Ein Kleinod botanischer Faszination, mit dem Indischen Ozean im Rücken und dem vermutlich siebtschönsten, unberührten ... na ja, Sie wissen schon. Bagamoyo erging es nicht viel anders als Pangani. Einst einer der wichtigsten wirtschaftlichen, religiösen und politischen Orte Ostafrikas, ist die Karawane weitergezogen, aber Bagamoyo blieb stehen.
Palme (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Wir nicht. Mit einem letzten und sehr wahrscheinlich wehmütigen Blick auf das Pastellfarbenspiel des Indischen Ozeans beginnen wir unseren Rückweg zum Flughafen Daressalam 14. Am Nachmittag startet der Flieger und bringt Sie via Addis Abeba zurück nach Frankfurt 15. Und wehe, Sie haben ein endemisches Usambara-Veilchen im Koffer.
Usambara - 15 Tage Wunderwelten-Reise
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