Sie wünschen, wir fliegen. Vom Flughafen Ihrer Wahl mit einem Zwischenstopp in Wien ins Haschemitische Königreich. Die Fahrt zum Cham Palace Hotel führt geradewegs in das kulturelle Zentrum Ammans 1 2, aber morgen ist auch noch ein Tag, und so konzentrieren wir uns auf die lukullische Einstimmung bei einem jordanischen Abendessen. Den Herkulestempel und das römische Theater auf dem Zitadellenhügel könnten wir theoretisch zu Fuß erreichen, aber wir wollen nicht nur die klassischen Sehenswürdigkeiten erleben, sondern das Land und seine Menschen kennenlernen. Zuerst das Land, und wenn Sie einverstanden sind, beginnen wir im 7. Jahrhundert, als die Wüste noch fruchtbar und die Kalifen reich waren. Man sieht’s an ihren Wüstenschlössern Qusair Amra, al-Kharana oder al-Azraq entlang der alten Karawanenstrecken. Trutzburg, Handelszentrum, Lustschloss, UNESCO-Weltkulturerbe – welch eine Karriere. Dann wird es Zeit für die Menschen, und wo, wenn nicht in einer jordanischen Familie beim Abendessen mit einheimischen Spezialitäten, könnte die Begegnung intensiver sein? Sie sind eingeladen.
Junge mit Esel (© Josef Hinterleitner / Chamäleon)
Bronzezeitlich dahindämmernd, erwachte Jerash 3 erst vor 1.100 Jahren aus seinem Dornröschenschlaf und wurde unter Alexander dem Großen eine der zehn antiken Städte der Dekapolis. Viel verändert hat sich nicht. So folgen wir der Spur jahrtausendealter Geschichten aus römischer und byzantinischer Zeit bis zur islamischen Kreuzritterburg von Ajloun. Wo sich Araber und Franken verheerende Schlachten geliefert haben, empfehlen wir die Eroberung des schönen Ajloun-Naturreservats zu Fuß. Auf einem Hügel, wo auch der Blick vom Feinsten ist, liegt unsere Ajloun Forest Lodge.
Blick über das Ajloun-Naturreservat (© Agenturfotos Jordanien / Chamäleon)
Ein guter Morgen, um ein Bäumchen zu pflanzen. Tun Sie es hier und jetzt, dann können Sie in hundert Jahren sagen: Der Dicke da ist meiner. Nun aber Dekapolis Teil zwei. Auch Pella war eine der antiken zehn, und wo im Odeon griechische Dramen aufgeführt wurden, können Sie es in den Ruinen mit Schillers »Glocke« versuchen oder über das Wunder der Schweine referieren, das Jesus in Gadara, dem heutigen Umm Qais 4, vollbracht haben soll. Wir gehen der Geschichte nach und finden auf der Kirchenterrasse die Säulen eines oktogonalen Gotteshauses und Theaterränge für zusammen 9.000 Besucher. Jordanien ist eine Fundgrube religiöser Schauplätze, und so kommen wir über die Taufstelle Jesu in Bethany zum einzigartigen »Meer des Lot«, 422 Meter unter dem Meeresspiegel und besser bekannt als Totes Meer 5. Schwimmen und schwimmen lassen ist hier die Devise, weil bei 33 Prozent Salzgehalt niemand mehr untergeht. Alle Nichtschwimmer ab ins Wasser, der Rest verabschiedet sich an den Süßwasserpool unseres Holiday Inn Resort Dead Sea für einen entspannten Nachmittag. Mit Vergnügen.
Portrait einer Beduinenfrau (© Joel Carillet, iStockphoto.com / Chamäleon)
Am heutigen Tag beginnt Ihre Reise ins Heilige Land. Nach dem religiösen Zentrum Mukawir und dem Weltkulturerbe Umm al-Rasas drehen wir die Zeit um rund 2.000 Jahre zurück und blicken wie einst Moses vom Berg Nebo auf das Gelobte Land. Die Zeit ist langsamer verstrichen als der Kalender. Mit Handarbeiten aus Naturmaterialien tasten sich Beduinenfrauen Schritt für Schritt in ein selbstbestimmtes Leben. Dann endlich das Wunder: Nach dem Erdbeben von 746 war Madaba 6 von der Landkarte verschwunden. Erst 1880 kehrten die Christen zurück und fanden neben der Reliquie mit dem Haupt von Johannes dem Täufer die älteste noch erhaltene Mosaik-Landkarte des Heiligen Landes aus ursprünglich zwei Millionen Teilen. Das Mosaic City Hotel liegt praktisch um die Ecke, wo in der griechisch-orthodoxen Georgenkirche das berühmte antike Werk aufbewahrt wird.
Die Kreuzritterburg Kerak (© Marie Böhm / Chamäleon)
Es wurde viel gekämpft und gestorben zur damaligen Zeit. Allein die Festungen haben es mehr oder weniger gut überstanden und sind heute wie die Kreuzritterburg Kerak ein lebendiges Beispiel europäischer, byzantinischer und arabischer Stile. Kaum vorstellbar, dass irgendwo eine faszinierendere Symphonie aus Beige-in-Beige-Tönen in einem Bühnenbild aus Bergen, Tälern, Burgen und Tempeln existiert, ab und an unterbrochen durch das zarte Rosa eines Oleanderbusches. Dana-Naturreservat 7 heißt dieser Ort, und freundliche Menschen leben dort. Dann verheißt uns der arabisch geschriebene Wegweiser, dass es sich um das Petra 8 der antiken Weihrauchstraße handeln muss, die ehemalige Hauptstadt der Nabatäer. Jener Ort, wo Moses beim Auszug des Volkes Israel aus Ägypten das legendäre Wasser aus den Felsen sprudeln ließ. Nicht weit vom Eingang der berühmten rosaroten Felsenstadt öffnet das Petra Guest House für uns seinen Garten mit unverbautem Blick auf die Berge von Wadi Musa.
Die Felsenstadt Petra (© Agenturfotos Jordanien / Chamäleon)
Petra 9 – wenn das kein Weltwunder ist, was dann? Und was sagt schon der Begriff Monumentalfassaden? Nichts im Vergleich zu der Gänsehaut, die den Besucher angesichts dieser überwältigenden Kunst der Steinmetze überfällt. Durch die in Fels gemeißelte Schlucht, den Siq mit seiner oberirdischen Wasserführung, kommen wir zum Schatzhaus des Pharaos, zur Prozessionsstraße und zum Römischen Theater. Die Bodenmosaiken, die Königswand, das Urnengrab, das Temenos-Tor, die Felsinschriften – etwa 800 historische Baudenkmäler und Opferplätze sind in Petra erhalten geblieben. Und vom Felsentempel ad-Deir, dem Kloster ganz oben auf dem Berg, die ganze Herrlichkeit noch einmal im Überblick. Das ist mehr, als in zwei Tagen zu schaffen ist, aber einen Vormittag lang können Sie noch schwelgen, bevor wir in die rote Sandwüste Wadi Rum 10 aufbrechen, ebenfalls ein UNESCO-Welterbe und ebenfalls ein Meisterwerk, diesmal der Natur. »Lawrence von Arabien« wurde hier gedreht, wohl weil es nirgends eine ähnlich verstörend schöne Landschaft aus Sand und Granit gibt. Vielleicht auch nirgendwo ein exotischeres Abendessen als heute bei einer Beduinenfamilie. Standesgemäß übernachten wir im Wadi Rum Night Camp in den allerdings sehr bequemen Betten der Beduinenzelte. Wüstenstill und unter einem Sternenhimmel wie ein Weihnachtsbaum.
Handwerk aus Jordanien (© Marie Böhm / Chamäleon)
Jeepsafari durch das Wadi Rum ist ein absolutes Muss. Gewissermaßen ein Abschiedsgeschenk, denn Aqaba 11 am Roten Meer bietet sich an, den bewegenden Eindrücken der vergangenen Tage in bequemer Strandlage nachzuträumen oder sie Revue passieren zu lassen bei einem gemeinsamen traditionellen Abschiedsessen. In Amman 12 wartet der Flieger und bringt Sie via Wien zurück nach Deutschland in das Leben rund 2.000 Jahre danach.

Noch mehr Gänsehaut

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