Ist das schön. Abends in München 1 war es noch kühl und regnerisch, aber über Johannesburg strahlt die Sonne und in Windhoek 2 gleich zweimal. In der Stadt, die je nach ihren Eroberern mal »Windecke« oder »Ort des Dampfes« hieß, liegen das moderne Afrika und seine bewegte Vergangenheit dicht an dicht. Aber eintauchen in den Alltag von Namibia, das geht nirgendwo leibhaftiger als auf dem Oshetu-Markt, wo alle mit allem handeln. Der Weg dorthin führt uns zur Christuskirche, dem Tintenpalast, den Parlamentsgärten und einem Glanzstück von gestern, dem historischen Bahnhof. Dann folgt die erste hautnahe Berührung mit dem heutigen Namibia: in den Zimmern des Londiningi Guest House, ausgestattet mit einheimischem Kunsthandwerk von den Frauen eines lokalen Selbsthilfeprojektes, die den Weg von der Ausgrenzung zur Selbständigkeit geschafft haben.
Aufmerksame Zebras (© Frank May, Picture Alliance / Chamäleon)
Es mag eigenartig klingen, wenn man auf der südlichen Halbkugel sagt: Heute geht es in den Süden. Aber dort liegen nun einmal die gigantischen Dünen. Es geht am Naukluft-Gebirge entlang, das majestätisch in der Wüste steht und je nach Sonnenstand wie verrückt mit den Farben spielt. Unser Ziel ist ein Universum aus orangeroten Sandbergen: Sossusvlei 3. Bis zu 350 Meter hoch türmen sich die elegant verblasenen Sandmassen. Hier geht es nur zu Fuß weiter, aber so viel Mühe muss sein, denn sie wird von ergreifenden Eindrücken belohnt. Besonders dort, wo sich der Tod verewigt hat, im Dead Vlei mit seinen seit 500 Jahren abgestorbenen Akazien. Und spätestens wenn die sinkende Sonne wandernde Schatten in die bizarre Landschaft malt, ist das Schauspiel perfekt.
Buschleute im Living Museum in Grashoek (© Kai-Uwe Küchler, Art & Adventure / Chamäleon)
Namibia hat die einzigartige Eigenschaft, Erlebnisse für drei Tage in einen einzigen zu packen. Der Namib-Naukluft-Park ist das im wahrsten Sinne des Wortes packende Beispiel dafür. Ein Bilderbuch überwältigender Motive, die sich mitunter schneller ändern als man gucken kann. Zu diesem Wechselbad der Emotionen gehören noch Hunderte Flamingos und Pelikane in der Walvis Bay, dann haben wir unser heutiges Ziel erreicht: Swakopmund 4, die »deutscheste« Stadt Namibias. Mit Amtsgericht, Seebrücke, Hohenzollernhaus und weiteren Überbleibseln aus kolonialen Zeiten, einschließlich einem Bier vom Fass nach deutschem Reinheitsgebot. Das elegante Sea Breeze Guesthouse liegt nahe am Atlantik, und ein Strandspaziergang bei Sonnenuntergang wäre nicht die schlechteste Art, diesen Erlebnistag zu beschließen.
Dünenlandschaft in Sossusvlei (© Kai-Uwe Küchler, Art & Adventure / Chamäleon)
Das koloniale Kleinod gehört noch einen Vormittag lang Ihnen, um es auf den Kopf zu stellen. Optional wäre auch eine Katamaranfahrt in die Bucht nicht schlecht. Delfine, Robben und Ledernackenschildkröten freuen sich über etwas Abwechslung, und Sie bekämen bei der fröhlich versammelten Artenvielfalt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was Sie im Etosha-Nationalpark erwartet. Aber nicht gleich, Sie müssen noch am Erongo-Gebirge 5 vorbei, genauer gesagt zur Gästefarm Omandumba. Uralte Felsmalereien, eine wunderbare Stille und ein feines Wildrauchfleisch vom Feuer sind das Aushängeschild dieser echt namibischen Farm.
Straußenportrait (© Jörg Pfannenstiehl / Chamäleon)
Sollten Sie für die Abendprogramme nicht den richtigen Schmuck dabeihaben – heute können Sie Ihren Bestand vervollständigen. Die San 6, seit 20.000 Jahren geübt in der Herstellung von Bling-Bling, zeigen Ihnen ihre ausgefeilten Techniken. Ohne Crimpzange, Perlnadel und Akku-Reibahle, schließlich leben sie wie zu Zeiten des freien Nomadentums in traditionellen Grashütten, die noch keinen technischen Fortschritt gesehen haben. Nur Mut, für einen Holzperlenreif oder eine Kette aus Straußeneierschale wird Ihr Talent schon reichen. Dann endlich das angekündigte phänomenale Tiererlebnis, denn unser Etosha Safari Camp liegt praktisch Tür an Tür mit dem 22.000 Quadratkilometer großen Speisesaal all der Großwildarten, die Sie sonst nur aus Filmen kennen.
Delfine auf der Jagd (© Christiane Haberland / Chamäleon)
Spannung liegt in der Luft, wenn wir uns im Etosha-Nationalpark 7 8 unter die Hauptdarsteller mischen. Werden wir das Damara-Dikdik sehen, die kleinste der Antilopen, oder ihr familiäres Gegenstück, das massive Eland? Den Löwen, der auf das Steinböckchen lauert? Die Elefantenherde, die zum Baden kommt? Leoparden, die Steppenzebras jagen? Den Kampfadler, der das Erdhörnchen im Visier hat? Manchmal gehört etwas Glück dazu, aber wo es was zu trinken gibt, regiert der Leichtsinn, und das ist unsere Chance, hautnah dabei zu sein. Es ist Mittag und in der flimmernden Hitze entstehen Bilder, die keine sind. Instinktiv drängen sich die meisten Tiere an den Rand der riesigen Salzpfanne, doch wer die Grenze überschreitet, folgt der Einladung in den Tod. Wir bleiben standhaft, schließlich wollen wir morgen den Tierherden nach Süden folgen, zur Gabus Game Ranch, wo alles vorbereitet ist, um uns mit Hilfe einer exzellenten Farmküche vom angenehmen Leben in der Einsamkeit zu überzeugen.
Pelikan im Flug (© Christine und Wolfgang Riese / Chamäleon)
So lecker das Essen auf einer Selbstversorgerfarm auch sein mag, wir können nicht zwei Tage lang nur futtern. Da kommt uns die Tatsache sehr gelegen, dass eine Ranch in Namibia kaum Zäune hat und hinter dem Gabus Game-Pool praktisch die Otavi-Berge 9 beginnen, wo einen die Vogelwelt beim Spazieren beobachtet und nicht selten eine Giraffe oder ein Weißschwanzgnu im Wege steht. Wir versuchen unser Glück und nehmen im zweiten Anlauf den offenen Geländewagen zu Hilfe, denn ein Farmgrundstück in Namibia muss man sich etwas opulenter vorstellen als den heimischen Vorgarten.
San Frau (© Chamäleon)
Im namibischen Hochland verabschieden wir uns vom Luxus endloser Weiten und fahren zurück nach Windhoek 10 an den Pool der Gästefarm Ondekaremba. Nach genussvollen Stunden und einer kurzen Nacht bringt Sie der Flieger nach Johannesburg 11, wo Ihr Reiseleiter Sie auf den Long-Tom-Pass zur Misty Mountain Lodge begleitet, die mit dem Slogan »A Nature Lover’s Haven« wirbt. Und so ist es auch. Vom Rand des Pools übergangslos in die Berglandschaft sehen und dieses Erlebnis mit einem fantastischen Sonnenuntergang krönen wäre allein schon den Flug wert gewesen.
Blyde River Canyon (© Chamäleon)
Mac-Mac ist kein Druckfehler, sondern der logische Name von 56 Meter hohen Zwillingswasserfällen, die am Anfang unseres Weges entlang der berühmten Panorama Route liegen. Eine Entdeckungsreise durch den Regenwald und dramatische Naturszenen wie die Strudellöcher Bourke’s Luck Potholes oder God’s Window nehmen wir mit, bis uns ein Spaziergang auf dem Rand des 800 Meter tiefen Blyde-River-Canyons 12 mit Blick auf die himmelsstürmenden Three Rondavels die Sprache verschlägt.
Elefanten (© Chamäleon)
Heute kommt es knüppeldick und dann gleich fünfmal. Kein anderer Name als der Krüger-Nationalpark 13 steht in Südafrika für derart dichte Safariabenteuer. Einen vollen Tag lang rollen wir mit dem Geländewagen durch das Revier der Big Five. Am Ende die Bilanz: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe, Leopard und jede Menge Dünnere gesehen, von Antilopen, Gnus und Warzenschweinen bis Zebras. Aber die Abenteuerlust ist noch nicht erschöpft. Die Bongani Mountain Lodge ist ein wundervoll gelegenes Refugium, wo Ihnen am Pool schon mal Impalas oder Äffchen über den Weg laufen und ein afrikanisches Boma-Dinner am Lagerfeuer zu den Höhepunkten gehört. Am Morgen dann der nächste Höhepunkt: der Blick über die spektakuläre Landschaft des Mthethomusha Game Reserve 14, wo sich ein paar der Kaventsmänner versteckt halten, die wir gestern vielleicht nicht gesehen haben. Nun, dann eben heute.
Kapstadt (© Chamäleon)
Alle durchgezählt und Namen verteilt? Auch den Pflanzen und Insekten zu Tausenden? Dann kann es ja weitergehen. Zurück nach Johannesburg und in den Flieger nach Kapstadt 15 16. Die dramatische Kaplandschaft, die berühmten Kap-Seerobben auf Duiker Island, die Pinguinkolonie von Simon’s Town, der Table-Mountain-Nationalpark an Afrikas südlichster Spitze, die Seilbahnfahrt auf den Tafelberg, das Herzklopfen und dazwischen die Victoria & Alfred Waterfront mit den Flohmärkten, Cocktailbars und ihrem African Way of (Night)Live. Dann wird es wieder Zeit für etwas Ruhe. Stellenbosch ist dafür eingetragenes Warenzeichen. Das Weltkulturerbe Dorp Street und – na klar – die ölig fließende Gottesgabe aus sonnenverwöhnten Trauben. Da kann die Ruhe in den Kellern des Weingutes Delheim leicht zum Tüddelüü werden.

So lächelt Afrika. Die ehemalige Missionsstation Amalienstein in der Halbwüste der Kleinen Karoo beherbergt heute eine Grundschule, die von der Chamäleon Stiftung unterstützt wird. Unser Besuch hat sich bereits rumgesprochen, und strahlende Augen erwarten uns. Eher misstrauisch beleidigt gucken Strauße. Nicht wegen uns, sondern grundsätzlich. So auch in Oudtshoorn 17, der Straußenstadt schlechthin, wo Sie im Mooiplaas Guest House gut achtgeben sollten, welches Ei Sie sich zum Frühstück bestellen. Auf der Farm gibt es dazu einen Strauß an Erfahrungen über den eigensinnigen Vogel, und wenn Sie einen guten Rat haben möchten: Schauen Sie ihm besser nicht in die Augen.

Ab Oudtshoorn geht es auf der berühmten Garden Route nach Knysna an die 20 Quadratkilometer große Lagune. Vom Eastern Head haben Sie das Austerneldorado fest im Blick, und es wächst der Wunsch, für ein paar Augenblicke an dem weiten weißen Traumstrand zu liegen. Können Sie gleich haben, das Himmelreich der Plettenberg Bay 18 ist nicht mehr weit. Rumkugeln lohnt sich, aber erst später, wenn die Sonne nicht mehr so brennt und wir in der Township Qolweni die ermutigenden Perspektiven eines Lebens gesehen haben, das mit einem Fehlstart begonnen hat. Es wird nicht der einzige Hoffnungsschimmer bleiben, denn die von der Chamäleon Stiftung geförderte Fieldband Foundation verfolgt ein bemerkenswert erfolgreiches Ziel: musizieren und tanzen, um Kindern ein Selbstwertgefühl zu geben, das Grundlage für ihre gesellschaftliche Integration ist.
Durch den letzten nahezu unberührten Urwald Südafrikas mit riesigen Gelbholzbäumen, wuchernden Farnen und seltenen Orchideen erreichen wir den Tsitsikamma-Nationalpark 19. Eine Wanderung entlang der grandiosen Steilküste noch, eine Umarmung des Big Tree, einen schaudernden Blick von der Hängebrücke in die Schlucht des Storms River Mouth und schließlich die Henkersmahlzeit – pardon: das Abschiedsmahl in Form eines afrikanischen Braai. Korianderschnecke, Kudu- und Springbockfleisch über dem Holz des Kameldornbaumes geröstet. So schmeckt Südafrika – und sagen Sie niemals Barbecue zu einem Braai. In Port Elizabeth 20 wartet der Flieger nach Johannesburg. Am Nachmittag geht’s los, am Abend weiter, und in München 21 ist es immer noch kühl und regnerisch. Wären Sie doch nur dageblieben.

Noch mehr Gänsehaut

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