Wenn Sie von dieser Reise erzählen, müssen Sie sich auf die Frage gefasst machen, wie viele Monate Sie eigentlich unterwegs waren. Und es wäre nicht verwunderlich, wenn Sie es selbst nicht mehr so genau wissen. So viel aber steht fest: perfekter Flug in einem Zug von Frankfurt 1 in die Hauptstadt des Königreiches Thailand. Es ist früh am Morgen in Bangkok 2, und wenn Sie nur einen Bruchteil der Megacity in Erinnerung behalten wollen, führt an einer Kombination der drei Haupt-Fortbewegungsarten kein Weg vorbei. Die erste bringt uns im Skytrain zum Grand Palace, 150 Jahre lang die feudale Residenz der Könige von Siam. Der Tempel Wat Po, wo Sie es bitte nicht als unhöflich empfinden, dass uns der 46 Meter lange, komplett vergoldete Buddha liegend begrüßt, steht mitten in der historischen Altstadt. Dorthin knattern wir mit dem Lieblingsvehikel der Thai, einem Tuk-Tuk. Und schließlich noch die direkteste Art, sich durch die 8-Millionen-Metropole zu arbeiten: mit dem Boot schnurstracks über den Chao-Phraya-Strom, der die Stadtteile voneinander trennt. Und als Krönung ein Cocktail auf der Dachterrasse des U Sukhumvit Hotels mit atemberaubendem Blick über die Stadt. Mehr geht wirklich nicht.
In der Ruhe liegt die Kraft (© Teresa Rotter / Chamäleon)
Schön, wenn Sie zu Hause einen Garten haben. Aber Thailand hat eine ganze Gartenprovinz. Da schießen Geschmackspapillenschmeichler aus dem Boden, von denen wir daheim nur träumen können: Mango, Rambutan, Durian. Und selbst was unter der Erde liegt, kann noch leuchtende Augen erzeugen. So kam Chanthaburi mit Obst, Rubinen und Saphiren zu Ruhm und Reichtum. Flussaufwärts liegt Paris, zumindest ein Stück davon, denn unverkennbar haben sich die Schöpfer der Kathedrale Notre Dame von dem berühmten Vorbild leiten lassen. 85 Prozent des Soi-Dao-Wildreservates 3 sind Dschungel, undurchdringlicher Regenwald, in dem sich Schmetterlinge am wohlsten fühlen. Wir schlagen uns durch die verbleibenden 15 Prozent des blickdichten Grüns zum Soi-Dao-Wasserfall. In 16 Kaskaden stürzt er sich vom Gipfel des Berges zu seinen – und unseren – Füßen. Dann wird es Zeit, die Seiten zu wechseln und den Reiseleiter gleich mit, denn wir brauchen jetzt einen, der in Kambodscha zu Hause ist.
Exotische Früchte (© Cordula Klein / Chamäleon)
In Pailin steht er schon, und weil alle unsere einheimischen Reiseleiter Deutsch sprechen, sagt er: Herzlich willkommen im schönsten Land Südostasiens. Das sagen natürlich alle, aber es steckt ein (Reis-)Körnchen Wahrheit darin, das Ihnen in den folgenden Tagen und Nächten atemberaubende Momente bescheren wird. Die Dörfer rund um Battambang 4 5 sind die beste Gelegenheit, Leben und Alltag der Menschen kennenzulernen, die – soweit es sich um den Broterwerb handelt – beinahe alternativlos im Wasser stattfinden, welcher korrekterweise also Reiserwerb zu nennen wäre. Wie zuvor schon in Bangkok wählen wir die Fortbewegungsart nach der jeweils effizientesten Methode, wofür in diesem Fall unser Bus, ein Spaziergang und die Bambusbahn zur Auswahl stehen. Letztere als kambodschanischer Beitrag zur Abenteuerlust, denn es handelt sich um zwei Stangen mit Eisenrädern an jeder Seite und einem Bambusgestell obendrauf. Fertig ist die Laube bzw. die Bambusbahn, die heute wenigstens mit einem knatternden Motörchen ausgestattet ist, wo noch zu kolonialen Zeiten eine Stocherstange verwendet wurde. Aus Bambus natürlich.
Ländliche Idylle am Tonle Sap (© iStockphoto / Chamäleon)
Man muss die grausame Herrschaft der Roten Khmer, die im Bergtempel Wat Sampou Folterkammern eingerichtet hatten, für einen Augenblick ausblenden, dann kann man den grandiosen Ausblick in die Umgebung richtig genießen.
Manchmal kann man es kaum glauben. Zwar sagt ein Sprichwort der Khmer: »Wo Wasser ist, sind Fische«, aber muss man seine Häuser – korrekterweise Hütten – deshalb gleich in den See setzen? Für die Menschen in den Fischfarmen und schwimmenden Dörfern des Tonle Sap 6 ist diese Lebensart total normal, weshalb wir das Boot nehmen müssen, um zu ihnen zu kommen. Die Nachbarschaft der bombastischen Tempelkultur des Khmer-Reiches hat Siem Reap eine bescheidene Blüte ermöglicht. Immer vor dem Hintergrund eines durchschnittlichen Monatseinkommens von etwa 30 US-Dollar. Nach jedem Strohhalm wird gegriffen, und wenn es – wie auf einem kleinen lokalen Markt – die Herstellung von bunten Kleidern und Tüchern ist, dann haben auch Sie etwas davon. Nur einen kurzen Fußmarsch vom Nachtmarkt und der Caféstraße entfernt liegt unser La Niche Boutiquehotel. Beste Voraussetzungen für Ihre Tuchfühlung mit der kambodschanischen Lebensart.
Ta Prohm in Angkor (© Chamäleon)
Nun aber die erwähnten Tempel von Angkor 7, dieses Universum unvorstellbarer Meisterwerke. Denn selbst 800 Jahre nach seiner Blüte, als in Angkor Thom mehr Menschen wohnten als in jeder europäischen Stadt des 20. Jahrhunderts, zählen seine Bauwerke immer noch zu den großartigsten der Menschheit: der Staatstempel Bayon mit je einem Turm für die 54 Provinzen des Königreiches, die unglaublichen Bildwerke an der Terrasse des Leprakönigs, die Elefantenterrasse, die 200 gewaltigen Steingesichter mit dem weisen Lächeln der Ewigkeit – sie alle machen unsere Fahrradtour durch die letzte Hauptstadt des glorreichen Angkor-Imperiums zum Adrenalintrip, und das wird nicht besser, wenn uns das Tuk-Tuk im weichen Licht des frühen Morgens vor Angkor Wat 8 abliefert. Größtes sakrales Bauwerk der Welt, buddhistisches Heiligtum, Weltkulturerbe und nationales Symbol auf der Flagge und der 500-Riel-Banknote Kambodschas. Unermesslich kostbar in seiner architektonischen und handwerklichen Kunst. Einfach gigantisch.
Relief am Tempel Banteay Srei (© Mathias Conze, Macopi / Chamäleon)
Irgendwie müssen wir sehen, dass sich Ihr Puls wieder normalisiert. Vielleicht mit einer eindrucksvollen Demonstration des Vergänglichen. »Verlorener Tempel« ist eine milde Bezeichnung für das, was die Natur aus der Miniversion von Angkor Wat 9 gemacht hat. Man möchte sagen: Wat für ’ne Schande, andererseits sind die von armdicken Wurzeln gesprengten und überwucherten Steinquader des Beng Mealea fast schon wieder Kunst, etwas gewöhnungsbedürftig zwar, aber immerhin. Reicht das jetzt? Andernfalls hätten wir noch eine mystische Urwaldfahrt zu den Heiligtümern des Kobal Spien und Banteay Srei, der sogenannten Zitadelle der Frauen, zu bieten, zu der wir ergänzend vielleicht sagen sollten, dass sie als das schönste Meisterwerk der Khmer gilt.
Schwimmendes Dorf am Tonle Sap (© Karin Mellina / Chamäleon)
Zu allem, was Sie über die kühnen Künste der Khmer erfahren haben, fehlt jetzt nur noch die K-Frage. Über die Antwort, die Khmer-Küche nämlich, müssen Sie sich selbst hermachen. Zusammen mit einem Chefkoch gehen wir in Siem Reap 10 auf den Markt, um die Zutaten im Urzustand zu sehen, denn hinterher erkennt man ja doch nichts mehr. Dann wird gekocht, probiert, weitergekocht, serviert und – hmmm, Khmer schmeckt khlasse! Am Nachmittag geht der Flieger nach Phnom Penh, die Hauptstadt. Und weil der erste Eindruck immer der beste ist, wählen wir die Silhouette, im verklärenden Licht des Sonnenuntergangs in einem Boot auf dem Mekong.
Nationalmuseum in Phnom Penh (© Julia Pflug / Chamäleon)
Wer die Angst der Kambodschaner vor einer Rückkehr der Roten Khmer verstehen will, muss in das Tuol-Sleng-Genozid-Museum. Eine unvorstellbare Dokumentation des Grauens. Wie sehr dennoch die Lebensfreude nach Phnom Penh 11 zurückgekehrt ist, davon soll Sie der Rest des Tages überzeugen. Zunächst mit einer Tour de Rikscha zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt, dann dürfen Sie selbst entscheiden, wo Sie Ihre Erlebnis-Schwerpunkte setzen wollen, und wir möchten fast wetten, dass Sie am Ende im Zentralmarkt landen.
Zwei kleine Mädchen (© Ernst-Otto Bettge / Chamäleon)
Großes hat uns durch dieses einzigartige Land begleitet. Groß als Dimension und groß in der schöpferischen Leistung. Entspannung soll den Rest Ihrer Zeit bestimmen. Idyllisch und überschaubar tröpfelt der Alltag in Kampot 12 dahin, hinten die Elefantenberge, vorne der Prek-Thom-River auf dem Weg in den Golf von Siam. Erst im Boot und weiter mit dem Kajak treiben wir auf den trägen Seitenarmen durch eine zur Ruhe gesetzte Landschaft. Viel aufregender ist auch das Dorfleben nicht, also können wir uns gefahrlos auf ein Gespräch mit den Einwohnern einlassen, das vor allem aus freundlichem Lächeln besteht.
Häuser am Ufer von Kampot (© mathess, iStockphoto.com / Chamäleon)
Erst mit dem Bus nach Kep 13, dann bringt uns das Boot auf die Insel Koh Tonsay, auch Rabbit Island genannt. Möglicherweise ist außer uns niemand da, Strand und Palmen ausgenommen, aber die stören nicht, sondern spenden uns im Gegenteil ein paar paradiesische Stunden. Nachmittags dann noch etwas Farbenlehre auf der Pfefferfarm, oder kennen Sie den botanischen Unterschied zwischen grünem, weißem, rotem und schwarzem Pfeffer schon? Es gibt keinen, aber das lassen Sie sich mal lieber von den Fachleuten erzählen. Genießen Sie noch einmal die Ruhe von Kampot 14, die herrliche Aussicht auf den Fluss vom Natural Bungalows Resort, und denken Sie einfach nicht daran, dass am Abend der Flieger von Phnom Penh via Bangkok nach Frankfurt 15 geht, wo Sie sich – siehe oben – auf die Frage gefasst machen müssen, wie viele Monate Sie unterwegs waren. Eigentlich müsste die Frage lauten, warum Sie eigentlich zurückgekommen sind.

Noch mehr Gänsehaut

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