Fast schon eine Art Vorprogramm, wenn Sie kurz nach Mitternacht in Casablanca 1 landen und vom nächtlichen Flair noch etwas schnuppern können, bevor nur wenige Stunden bleiben, bis Sie der Ruf des Muezzin aus den Träumen reißt. Er kommt von den Minaretten der Hassan-II.-Moschee, dem größten und wertvollsten Gotteshaus Marokkos. Ein Geschenk des Königs an seine Untertanen, die es allerdings selbst bezahlen mussten. Rabat 2 ist von den vier Königsstädten die jüngste und dennoch bereits Weltkulturerbe. Eine Tour durch die Altstadt zum Hassan-Turm, dem prunkvollen Mausoleum Mohammed V. und der Kasbah des Oudaias mit ihrem traumhaften Andalusischen Garten ist nichts weiter als ein Vorgeschmack auf die Pracht, die Ihnen noch bevorsteht. Nächstes Abenteuer: Chefchaouen. Am Nachmittag laufen wir ein.
In Chefchaouen (© Reiner Harscher / Chamäleon)
Im Talassemtane-Nationalpark stehen die letzten Tannenwälder Marokkos unter Naturschutz, was uns eine zauberhafte Wanderung durch die bizarre Landschaft des Rif-Gebirges beschert. Endstation: der Akchour-Wasserfall. Ein glasklarer Fall für Ihre Badehose. Danach können Sie blaumachen, denn die von allen Scharmützeln der Geschichte konservierte Medina von Chefchaouen 3 gilt als der schönste Ort Marokkos. Durch die engen Gassen bis hinauf zum Kasbah-Hügel weht ein unsterblicher Mythos in Blau. Jedes Haus, jede Tür, jeder Stein – alles blau, um vor dem Schadenzauber des Bösen Blicks zu schützen. Ein Glas marokkanischer Minztee tut es vielleicht auch. Gehen Sie zum Place Outa el Hammam, denn Sie haben für den Rest des Tages frei.
Bab el Mansour in Meknes (© Andreas Koch / Chamäleon)
Auch als Ruine kann man noch Weltkulturerbe werden. Volubilis ist ein Paradebeispiel dafür. Der Caracalla-Bogen, das Kapitol, die Basilika, der Tempel des Jupiter, die fantastischen Mosaiken – alle zeugen von dem hohen Kulturstand, bevor Volubilis geschleift und sein Marmor nach Meknès 4 entführt wurde. Dort war es gut angelegt, denn Meknès gilt als das Versailles Marokkos, seine Souks als die schönsten, das Grabmal Moulai Ismails, der den Islam nach Marokko brachte, als unübertroffen prachtvoll und vom Stadttor Bab Mansour bis zum Königspalast ist der gesamte Rest eine einzige Augenweide. Am Abend Einlauf in Fès, ebenfalls Königstadt.
Auf dem Markt in Fès (© Claudia Exner / Chamäleon)
Von der Festungsanlage Borj Sud geht der Blick über ganz Fès 5 6, hinter dessen Altstadtmauern sich traditionell die Kasbah befindet. Alle Gerüche des Orients sind hier versammelt. Geheimnisvolle Gewürze sind zu dekorativen Kegeln aufgehäuft, und schreiend bunte Duftblüten werben um Ihre Gunst. In den Soukgassen wird gegerbt, gefärbt, gedrechselt, geschmiedet und gestichelt, was das Zeug hält. Und zwischendrin grillt Ahmed Hammelkoteletts, dass man die Hand vor Augen nicht sieht. Viel Zeit zu sehen, zu erleben, zu erfahren. Über den Königspalast, das jüdische Viertel, die Koranschule Bou Inania, die Hauptmoschee El Kairaouine, die in der Merinidenzeit eine Universität war. Aber das Schönste wird sein, dass Sie einen vollen Tag schulfrei haben. Für alles, was Sie am meisten berührt. Und am Ende landen Sie doch wieder im Souk bei Ahmed und Konsorten.
Sunrise in desert (© Kathrin Heinen / Chamäleon)
Wo zu jeder Jahreszeit schneeweiße Zipfelmützen grüßen, blühen in den kühlen Senken des Atlas-Gebirges die Rosen. Zuerst sind es noch ausgedehnte Zedernwälder voller Makaken-Affen, doch je näher wir dem Ziz-Tal 7 kommen, desto atemberaubender wird die Landschaft. Die Sahara pflegt den Sand, den sie nicht braucht, gelegentlich hier zwischenzulagern, wofür die Dünen von Erg Chebbi ein beeindruckendes Zeugnis ablegen. Dazu morgen mehr, aber ein Vorgeschmack darf sein, im Riad Azawad. Berberstil, tadelaktgeputzte Wände und Kacheln in warmen Wüstenfarben erzeugen wie seine marokkanischen Spezialitäten den Wunsch nach mehr.
Kamelritt durch die Sandberge des Erg Chebbi (© Claudia Exner / Chamäleon)
Die Wüste lebt, auch wenn wir an diesem frühen Morgen die Einzigen sind, die ihre Spuren in die glattgepusteten Sandberge des Erg Chebbi 8 ziehen. In der größten Wüstenlandschaft Nordafrikas suchen wir die Einsamkeit nomadischer Berber und finden sie bei den Gnaoua, deren Vorfahren Sklaven aus dem Süden der Sahara waren. Mit Fasstrommeln, Langhalslauten und Klappergefäßen haben sie sich ihr eigenes Indikativ geschaffen, das ursprünglich böse Geister vertreiben sollte und gern mal zwölf Stunden dauerte. Da sitzen wir allerdings schon auf unseren Kamelen und schaukeln in das Lichtspieltheater der untergehenden Wüstensonne.
Auf dem Weg (© Ute Mayer / Chamäleon)
Bisher ist die Sonne nach jedem Untergang wiedergekommen. Nur wie im Erg Chebbi haben Sie das noch nicht erlebt. Dann führt uns die Straße der Kasbahs 9 durch ein Abenteuerland zwischen Geisterbahn und Rosengärten. 300 Meter senkrecht hoch und überhängend sind die Felswände der Todra-Schlucht, aber da müssen Sie durch. Angstschweiß? Nicht doch. Rosenöl hilft. Es kommt von den Plantagen der Oasenstadt El-Kelaa des M’Gouna. Derart erfrischt, verduften wir in den Berberort Skoura 10. Wenn Sie auf dem Marktplatz Mohammed rufen, drehen sich 500 Männer um, also bleiben Sie unserem Gastgeber auf den Fersen, wenn Sie die Zutaten für unser Mittagessen einkaufen. Fatima – also Frau Mohammed – wird Sie damit in die Geheimnisse der marokkanischen Kochkunst einweihen. Nur essen müssen Sie noch selbst. Wo das (Trink-)Wasser herkommt, zeigt Ihnen am Nachmittag die Entwicklungskooperative El Kabbaba El Khamsa. Ohne sie würde auch die Dattelpalme, die wir vor unserer nächsten Etappe pflanzen, schnell zu Dörrobst.
Ait Benhaddou (© Chamäleon)
Die Burg der Burgen trägt den Namen Ait Benhaddou 11 und die haben Sie schon x-mal gesehen. Von »Sodom und Gomorrha«, »Lawrence von Arabien«, »Jesus von Nazareth« und »Gladiator« bis zu James Bond wurde in diesem Weltkulturerbe schon alles gedreht. Nur die Wettkampfarenen vor dem Eingangsportal der rostroten Lehmstadt wurden umgebaut, damit es nicht so auffiel. Der Rest war in allen Filmen gleich und nicht selten wurden die Requisiten einfach stehen gelassen. So erklärt es sich, dass Sie mitten im Hohen Atlas an einer verlassenen amerikanischen Zapfsäule vorbeikommen können. Skurriler Vorbote eines Spektakels, das in wenigen Stunden seinen Lauf nimmt.
Souk in Marrakesch (© Bo Voyages / Chamäleon)
Bereit für das Märchen Marrakesch 12? Dann kommen Sie mit zu der überwältigenden Koranschule Medersa Ben Youssef, zu den Mosaiken des Bahia-Palastes, der Pracht der Saadier-Gräber, der Koutoubia-Moschee aus dem 12. Jahrhundert. Wunderwelten einer alten Zeit, aber die erstaunlichste liegt hinter den meterdicken Altstadtmauern des Souks. 250 Handwerksbetriebe, zehnmal so viel Trubel. Da steht der Färber barfuß in einem Kessel voll Indigo. Da flattert ein todgeweihtes, aber schlecht getroffenes Federvieh kopflos durch die Gassen. Da drechselt der Schreiner mit dem dicken Zeh ein Kunstwerk von Schachfigur. Da hämmert der Ziseleur ein mikrometerfeines Dekor in die Kupferplatte und der Schmied einen passgenauen Keuschheitsgürtel. Behauptet er. Wenn auf dem Djemaa-el-Fna-Platz die Trommeln ertönen, wird es Zeit für die lange Nacht der Schlangenbeschwörer, Feuerschlucker, Schneckenköche, Wahrsager, Akrobaten und fliegenden Händler. Sie brauchen ein neues Gebiss? Hier werden Sie fündig, sehr günstig und garantiert wenig gebissen.
Blick auf Essaouira (© Matej Kastelic, iStockphoto.com / Chamäleon)
Die Häuser so weiß wie die Möwenschwärme, die den Fischern kreischend ihren Fang abjagen wollen. Der Rest von Essaouira 13 ist malerische Ruhe. Hinter der dicken Festungsmauer führt Sie ein quietschbunter Ariadnefaden aus Tüchern und Keramik, Tand und Tinnef, Möbeln und Mumpitz durch die verwinkelten Gassen der »Weißen Stadt«. Sattsehen ist schwer, Allah einen guten Mann sein lassen ist leichter, wozu sonst hat er der Stadt einen endlosen Strand spendiert? Auf Weiß folgt Blau. Indigo, Kobald, Ultramarin, Blaublau – vielleicht finden Sie ein neues Wort für diese Kraft, die in Marrakesch 14 15 den Garten des französischen Malers Jacques Majorelle prägt. Bevor es verfiel, hat Yves Saint Laurent das marode Paradies zu einem Ort der (blauen) Künste gemacht. Mit Caféhäuschen für ein grünes Gläschen Minztee.
Ein Abend geht noch. Vielleicht auch eine Nacht, wenn die Trommeln wieder rufen. Wenn Sie es schaffen, machen Sie durch, bis der letzte Händler seinen Teppich zusammenrollt und der erste schon wieder eintrifft. Schlafen können Sie im Flieger bis Frankfurt.
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