Abends in der Hauptstadt des Oman zu landen, ist nicht das schlechteste Timing. Denn Energiesorgen sind das Letzte, was einen Sultan quält, und so ist die ganze Pracht, die Sie in Maskat 1 2 empfängt, schon mal feierlich ausgeleuchtet. Bei Tageslicht betrachtet, was hier immer ein beneidenswert zuverlässiger Sommertag ist, wird aus der Pracht ein Zauber. Und Ihre erste Überraschung wird sein, dass Sie gar nicht in der Wüste gelandet sind. Alpen! Rostrote Gebirgsmassive, die praktisch im sprudelklaren Badewasser des Golfs von Oman baden gehen. Erst dahinter beginnt das Zauberland der Wadis und Wüsten, die alles andere als wüst sind. Aber davon später. Alleinherrscher – so richtig dieser Begriff politisch sein mag, ist der Alleinherrschende im Oman eher ein Alleinkümmerer. Er führt praktisch alle Geschäfte in seinem Land und dazu gehört vor allem, sein Volk bei Laune zu halten. In diesem Punkt handelt Sultan Qaboos bin Said geradezu vorbildlich. Malerisch zwischen zwei Stränden hat er den Qurum-Park errichten lassen. Mit See, Fontänen, Rosengarten und allerlei exklusivem Vergnügen. Sich selbst hat er die Große Sultan-Qaboos-Moschee spendiert, eine der weltweit größten Moscheen von bestechend schöner Architektur. Und innen erst. 600 Knüpferinnen haben für den 22 Tonnen schweren Gebetsteppich 1,7 Milliarden Knoten geschlungen und für das Lämpchen, das alles ins rechte Licht rücken soll, durfte Swarowski tonnenweise Kristalldiamanten liefern. Das Royal Opera House ist ebenfalls keine architektonische Sparversion und erst das Büro des Sultans in Form eines futuristischen Palastes auf türkisen und goldenen Trichtersäulen. Wenn Sie den Eindruck bekommen, dass Geld hier keine Rolle spielt, liegen Sie goldrichtig. Und damit ist auch schon das Stichwort für heute Abend gefallen: Goldsouk. Bling-Bling in allen Schattierungen und Preislagen, Weihrauch, Myrrhe, Krummdolche, Kaschmir, Henna usw. Das ganze Programm aus 1.001 Nacht.
Sultan Qaboos Moschee (© Ralf Ladwig / Chamäleon)
Fischer im Golf von Oman muss das Paradies sein. In dem bereits erwähnten glasklaren Wässerchen tummelt sich alles, was schön groß, schön bunt und schön lecker ist. Können Sie nachprüfen, in der Markthalle am Hafen, wo eine Mund-zu-Mund-Beatmung reicht und die Ware schwimmt wieder, so frisch. Auf der einen Seite hoch, auf der anderen wieder runter, so definieren wir zu Hause einen Berg, und wenn ein Enzian oder Alpenröschen die Einöde unterbricht, sind wir bereits aus dem Häuschen vor Entzücken. Passen Sie mal auf, was hier passiert: 450 Kilometer erstreckt sich die Hadschar-Hochgebirgskette entlang der Küste, und wo sie canyonartig auseinanderfällt, da wedeln tief unten die Palmen der Wadis. Wo sich die Einheimischen im blauen Wasserlauf des Wadi Bani Awf 3 erfrischen, beginnt unser Offroad-Abenteuer. Über Schotterpisten bis tief in die Schlucht. Rauf, runter, rechts, links, holterdipolter. Zum Schluss stehen wir in 2.000 Meter Höhe auf dem Al-Alamayn-Pass und dort steht auch unser Hotel. In der Schweiz würde es »Bellevue« heißen.
Die Bergoase Misfat (© Martina Koch / Chamäleon)
15 Tore und 132 Wachtüme, da muss es viel zu verteidigen gegeben haben. War auch so, aber mit unserem ehrlichen Gesicht kommen wir ungehindert in die Festung von Bahla, damit wir das Weltkulturerbe nicht nur auf der ½-Rial-Geldnote bewundern müssen. Bewundernswert ist auch die Technik, mit denen die Einheimischen in der Bergoase Misfat ihre Terrassenfelder bewässern, das sogenannte Faladschsystem. Auf Madeira als Levadas bekannt, bringt im Oman ein 1.500 Jahre altes Netz künstlicher Wasserrinnen das lebensspendende Nass von den Quellen in die Dörfer und Felder. Ein Oasenbauer zeigt uns, wie gut das seinen Datteln bekommt. Uns tut vor allem die kühlere Höhenluft des Jebel-Shams-Plateaus 4 gut. Beim Blick in den »Grand Canyon des Omans« wird Ihnen allerdings schon wieder ganz warm.
Der Grand Canyon des Omans (© Reinhard Breitenstein / Chamäleon)
Zerklüftet wie der Canyon, so sind auch die Wege hindurch. In ausgewaschenen Gebirgsnischen und hart an den Klippen vorbei, bleiben oft nur kurze Blicke in die spektakulär zerfetzte Landschaft. Keine Menschenseele mehr außer uns und dem sensationellen Blick in das Trockenflusstal Wadi Nakhr. Die Oase Nizwa 5 war unverkennbar Hauptstadt und religiöses Zentrum im osmanischen Kernland. Die Kanonen vor der gewaltigen Festung haben nur noch dekorative Aufgaben, aber Silbersouk und Gewürzsouk haben den Ruf der Oase als großer Handelsplatz in die Gegenwart gerettet.
Trubel auf dem Viehmarkt von Nizwa (© Reinhard Breitenstein / Chamäleon)
Sollten Sie bei Silber und Gewürzen nicht fündig geworden sein, heute morgen sind Schafe und Ziegen im Angebot. Auch nicht? Dann wenigstens ein paar seltene Fotos von der orientalischen Stimmung eines omanischen Markttages. Vor weit über 4.000 Jahren entstanden die sogenannten Bienenkorbgräber der Umm-al-Nar-Kultur. Da stehen sie heute noch, im wahrsten Sinne des Wortes unverwüstlich vor der bombastischen Kulisse des Jebel Misht. Wer auf wen besser aufpasst, wird die Ewigkeit zeigen müssen. Von allen wasserführenden Wadis liegt das Bani Khalid wie ein Bühnenbild im Hadschar-Gebirge. Unwiderstehlich schön und es spricht auch nichts gegen einen Versuch, ob das Wasser wirklich so erfrischend blaugrün ist, wie es aussieht. Sie werden sich daran noch sehnsüchtig erinnern, wenn Sie im Wüstencamp der Wahiba 6 vergeblich einen Pool suchen. Aber Sonnenuntergänge gibt’s da, als stünde die Wüste in Flammen. Die allabendliche Show vor einer totenstillen Nacht.
Ich bin völlig erledigt! (© Reinhard Breitenstein / Chamäleon)
Täuschen Sie sich nicht. An die 200 Tierarten und über 180 Pflanzenarten, plus die Beduinen, die in langgestreckten Karawanen durch die endlose Sinfonie der Farben schaukeln – sie alle beweisen, dass die Wüste lebt. Heute tragen wir dazu bei, denn die haushohen Dünen, die der nächtliche Wind makellos glattgepustet hat, sind eine Herausforderung. Luft aus den Reifen, Getriebesperre einlegen, es geht los. Wenn die erkennbare Piste schon längst im Sande verlaufen ist und das imaginäre Ziel irgendwo hinter jungfräulichen Bergen aus feuerrotem Sand liegt, heißt es, den Sitzgürtel enger schnallen. Dann steht der fliegende Wechsel über die letzte Kuppe bevor, hinter der das unverschämte Pastell des Indischen Ozeans leuchtet. Es ist schon spät, wenn wir am Strand von Ras Al-Jinz 7 ankommen. Aber früh genug, um den schlüpfenden Schildkröten zuzusehen, wie sie ins Meer rasen. Vielleicht möchten Sie ja auch?
Hafenstadt Sur (© Martina Koch / Chamäleon)
Die Abfolge hat eine gewisse Logik: Wo das Meer in eine geschützte Anse plätschert, da folgt schon bald ein Hafen. Wo ein Hafen, da lassen Fischer nicht lange auf sich warten. Wo Fischer sind, da werden Boote gebraucht – Dhaus. Wo Boote einlaufen, muss eine Markthalle hin. Und so weiter. So ein Fall ist Sur. Hafenstadt, Fischereizentrum, Dhau-Werft, Seehandelsmetropole. So war es jedenfalls viele Jahrhunderte, bis der Sklavenhandel verboten wurde und der Suez-Kanal die alten Handelswege obsolet machte. Aber die Traditionen sind geblieben, allem voran der traditionelle Schiffsbau. Für das Wadi Shab 8 ist auch das kleinste Bötchen zu groß. Und ehrlich: Es macht auch viel mehr Spaß, mit einem Bein durch das Grün der Schlucht und dem anderen durch das Blau der Wasserrinnen zu laufen. Mehr davon am Strand von Fins. Laufen, liegen, abtauchen.
Dhau-Fahrt (© Martina Koch / Chamäleon)
Der Sultan ist wieder da. Das heißt: Wir sind wieder da, beim Sultan. Das Al-Bustan-Hotel in Maskat 9 zeigt uns noch einmal, was mit Petrodollars alles geht, wurde es doch eigens für ein Treffen des Golf-Kooperationsrates gebaut. Wir aber entscheiden uns für eine Dhau als stimmungsvolles Finale wie in alten Western-Filmen. Nur reiten wir nicht, sondern gleiten wie alte Seefahrer in den Sonnenuntergang. Das allein wäre noch kein stilechter Abschied von Oman. In der Plaza Premium Lounge am Flughafen haben wir für einen überaus angenehmen Ausklang gesorgt. Bis zum Abflug haben Sie drei Stunden Zeit für ein Nickerchen oder eine ausgiebige Dusche. Wollen wir wetten, dass Sie sich lieber über das kulinarische Buffet und das exotische Getränkesortiment hermachen? Duschen können Sie zu Hause wieder, aber richtig reinhauen, dass es bis zur Ankunft in Frankfurt 10 reicht, dafür müssten Sie die nächste Chamäleon-Reise buchen.
Hadschar - 10 Tage Wunderwelten-Reise
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