Boarding in Frankfurt 1. Abendessen, einschlafen, aufwachen und frühstücken im Le Méridien Gurgaon Central Park in Delhi 2, das ist fast schon wie gebeamt. Ehre dem großen Mann des Landes am Gandhi Memorial Raj Ghat, ungläubiges Staunen an Indiens größter Moschee Jama Masjid und ein Blick in die Küche des heiligen Sikh-Tempels Gurudwara Bangla Sahib, danach fehlen im modernen Neu-Delhi nur noch das UNESCO-Weltkulturerbe Qutub Minar und das India Gate nach Pariser Vorbild, dann könnten Sie zum nächsten Frühstück theoretisch schon wieder nach Hause, denn die Flut an schier unfassbaren Eindrücken würde gut und gerne für ein paar Tage reichen.

Geschmückt (© Fritz Krenn / Chamäleon)

Ein Besuch bei der durch die Chamäleon Stiftung unterstützten Sanshil Foundation for Welfare gibt Ihnen Einblicke in die Sozialarbeit für Menschen ohne Hoffnung und lässt Sie mit der Erkenntnis zurück, dass selbst hier noch das Lachen zu Hause ist. Am Nachmittag wird Ihre Reise dann rosarot, die nationale Farbe der Gastfreundschaft und die einer ganzen Stadt, seit der Maharadscha 1876 aus Anlass des Besuches von Kronprinz Albert Eduard die Parole ausgegeben hat: Streichen! Und so versank in Jaipur 3 einfach alles, Häuser, Paläste, ganze Straßenzüge und selbstredend unser Hotel Surya Villa in mehr oder weniger deftigem Pink. Aber das ist ja nur der erste Eindruck, der zweite geht tiefer und nicht selten unter die Haut, weil die Welten in der Hauptstadt Rajasthans manches Mal die Grenze zum Wunder überschreiten: Der sagenhafte Palast der Winde mit seinen 953 Fensterchen, durch die die Haremsdamen einen verstohlenen Blick in die Außenwelt werfen durften. Der märchenhafte Stadtpalast von Jai Singh II., dessen Nachfahren heute noch dort wohnen. Die unbegreifliche Präzision des Observatoriums Jantar Mantar, ein mächtiger Steinklotz, der Planetenkonstellationen, Jahreszeiten, Datum und die Tageszeit auf die Sekunde anzeigt.

Portrait eines Tigers (© Chamäleon)

Doch der Gipfel architektonischer Exzesse ist das Fort der alten Hauptstadt Amber 4. Wir wären nicht in Indien, wenn das Fort keinen Palast beherbergen würde, und so fahren wir zur Vermeidung Hunderter Treppenstufen mit dem Jeep an den höchsten Punkt über der Stadt und ringen nach Luft. Denn all die Pracht, die wir bisher gesehen haben, verblasst vor dem Glanz von Millionen Spiegelchen im Sheesh Mahal, so dass eine einzige Lampe ausreicht, um den ganzen Saal mit Licht zu füllen. Müssen wir da noch erwähnen, dass es sich um ein Weltkulturerbe handelt? Wohl kaum. Aber rajasthanisch kochen ist nicht selbstverständlich. Damit beginnen wir unter fachlicher Anleitung auf dem Markt und arbeiten uns durch das Reich indischer Gewürze zu einem kalkulierbaren Abenteuer: selbst zubereiten und – ganz wichtig – selbst essen.

Lakshmana-Tempel in Khajuraho (© Viktoriia Chukalina, iStockphoto.com / Chamäleon)

Merken Sie sich den Namen Fatehpur Sikri 5. Der Haremskomplex, die Audienzhalle, das Siegestor, das Mausoleum mit den aus Edelsteinen gestalteten Jali-Gittern – alles Weltkulturerbe, und vielleicht regt sich für einen Moment das Gefühl, dies könnte der schönste Tag Ihrer Reise sein. Aber das täuscht, denn nur wenige Stunden später erreichen wir Agra in Erwartung des einzigartigen Grabmals und schönsten Bauwerkes der Menschheit. Aber der Yamuna-Fluss liegt noch dazwischen, und so bleibt es bei der Vorfreude auf morgen. Wir wandern derweil ein Stück den Mughal Heritage Walk, ein Sozialprojekt, das die Lebensbedingungen der Anwohner verbessern soll. Aber es tut noch mehr. Es bringt Kinderaugen zum Leuchten und uns in eine berührende Situation, wenn wir kleine Geschenke der Dankbarkeit von denen erhalten, die selbst nichts haben. Dann aber soll die Vorfreude doch noch zum Vorgeschmack werden. Unser Besuch im Dorf endet im Garten Mehtab Bagh, der bis an das Flussufer des Yamuna reicht. Von der anderen Seite leuchtet der Zauber des Taj Mahal im Gold der untergehenden Sonne herüber. Morgen gehört es Ihnen.

Morgen am Ganges in Varanasi (© szefei, iStockphoto.com / Chamäleon)

Ihre Nacht im Clarks Shiraz endet mit einer Kutschfahrt zu der fantastischen, als Wahrzeichen Indiens geltenden Grabmoschee, die der Großmogul Shah Jahan aus ewiger Liebe zu seiner 1631 gestorbenen Hauptfrau bauen ließ. 20.000 Handwerker konnten sich über die Fertigstellung des Taj Mahal nicht freuen, denn ihnen wurde eine Hand abgehackt, damit sie nie wieder ein vergleichbares Bauwerk errichten konnten. Trotzdem stehen die Weltkulturerbestätten in Agra 6 dicht bei dicht. Die gewaltige Rote Festung in Form eines Halbmondes war über Jahrhunderte das Machtzentrum der Mogulkaiser. Die Kaiser sind abgetreten, ihr unermesslicher Kulturschatz ist geblieben. Auch das kleine, sagenhaft kostbare Itimad-ud-Daula-Mausoleum, das als »Baby Taj« Vorbildfunktion für das große Wunderwerk gehabt haben soll.

Heilige Männer, Fort Jodphur (© U. Wüthrich / Chamäleon)

Aaaaach-tunnng, der Zug fährt ab, ruft hier niemand. Noch während das Gedränge und Geschubse am Bahnsteig in vollem Gang ist, geht’s los. Muss so sein in Indien, sonst käme kein Zug jemals weg. Das klingt nach Erlebnis und ist auch eins. In unserem Fall von Agra nach Jhansi, und weil es selbst in der Chair Class nicht ohne Tuchfühlung abgeht, wird es ein Leichtes sein, mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Eigentlich schade, dass die Fahrt nur zweieinhalb Stunden dauert, aber wo einst die Bundela-Könige ihren Sitz hatten, müssen wir raus und das letzte Stück nach Orchha 7 mit dem Bus fahren. Hier sind die Paläste verteilt wie Rosinen im Kuchen, und wenigstens das herausragende Prunkstück der Mogularchitektur, den Stadtpalast Jahangir Mahal, müssen wir uns genauer ansehen. Unser Palasthotel Amar Mahal liegt nur einige Minuten von den Sehenswürdigkeiten, den prall gefüllten Basargassen und dem leuchtend weißen Ram-Raja-Tempel entfernt, wo wir die Hindus bei einer einzigartig stimmungsvollen Aarti-Zeremonie begleiten.

Wie ist es eigentlich zu diesem verschwenderischen Verständnis von Tempelanlagen gekommen, deren Ausmaße und Detailreichtum im Laufe der Zeit unvorstellbare Dimensionen angenommen haben? Für die Antwort müssen wir zurückgehen ins 10. Jahrhundert, als in Khajuraho 8 die Vorläufer der Tempelarchitektur entstanden, heute wohlbehütet durch den Schutz als Weltkulturerbe. Der weiche Kaimur-Sandstein erlaubte es den Bildhauern, sich nach Lust, Laune und Können auszutoben. Götter, Himmelstänzer, Fabeltiere und Liebesszenen gehörten zum ersten Repertoire des frühen Tempelkultes, der sich im Laufe der Jahrhunderte zu immer komplexeren Strukturen mit den typischen Shikara-Türmen entwickelte.

Die seidenweiche Luft und dieses Prunkstück von Pool im Hotel Chandela sprächen dafür, etwas zeitiger aufzustehen, denn die Protagonisten im Nationalpark Panna 9 sind es nicht gewohnt, zu warten. In ihrer gewohnt eigensinnigen Art bevölkern Lippenbären, Axishirsche, Gazellen, Wespenbussarde und Königsgeier das Terrain und zeigen sich oder nicht bzw. nur von hinten. Natürlich hoffen wir, dass uns die Frühmorgen-Safari auch auf die Fährte des Indischen Tigers führt. So oder so: Das Frühstück – wenngleich etwas verspätet – ist redlich verdient, und wenn es in der Frühe an den Pool nicht gereicht hat, dann eben jetzt. Am Nachmittag Teil zwei der Tempelhistorie vom Vortag, in dem es um die Entwicklung der Shikara-Türme zu atemberaubenden Bauwerken – na, sagen wir besser: Kunstwerken geht.

Tempel, Tiger, da fehlt in Khajuraho nur noch das tobende Element. Jahrtausende hat der Ken-Fluss Zeit gehabt, einen fünf Kilometer langen, rund 30 Meter tiefen Canyon in den Granit zu knabbern. Der Sonne gefällt’s, sie malt uns einen bunten Abschiedsgruß auf die Felsen, dann bringt uns der Flieger in die Stadt, die unserer Reise den Namen gab: Varanasi 10 am Ganges. Heilig, keine Frage, aber hier ist eine Magie spürbar wie nirgends sonst, was vielleicht daran liegt, dass es einer der ältesten ständig bewohnten Orte der Erde ist. Ein magischer Zauber ist allgegenwärtig und steigert sich ins Unermessliche, wenn die Rot- und Goldtöne des Sonnenunter-Ganges vom Klang heller Glöckchen und tiefen Gongschlägen begleitet werden. Für diesen erhebenden Moment sitzen wir im Boot und werden zum Beginn einer tief beeindruckenden Ganga-Aarti-Feuerzeremonie wieder zurück sein.

Das bewegende Feuerritual steckt noch tief in Ihrer Seele, wenn wir auf dem Ganges schon wieder die Ghats entlangfahren, wo sich Hindupilger von ihren Sünden reinwaschen. Doch es gibt in Varanasi 11 noch mehr Orte von gleichsam legendärer Bedeutung. Der Vishwanath-Tempel ist – Sie ahnen es vermutlich schon – der heiligste und bewahrt die Kraft Shivas, des Glück Verheißenden. Sarnath gehört ebenfalls dazu, wo Siddhartha Gautama im 6. Jahrhundert v. Chr. seine Erleuchtung erlangte und mit den »Vier Edlen Wahrheiten« den Buddhismus begründete. Fehlt nur noch Jaunpur 12, das »Schiras des Ostens«. Mit der Rikscha gehen Sie in der mittelalterlichen Stadt auf eine Reise in die lange Geschichte: Atala-Moschee, Jaunpur Fort, Akbari-Brücke, dann sind Ihre Stunden im Bann der heiligen Stadt gezählt.

Was aber nicht bedeutet, dass wir uns vom Zauber der Ganga-Gaths und Verbrennungsplätze Hals über Kopf verabschieden. Ein bisschen Yoga sollte noch sein, weil’s guttut. Natürlich unter Anleitung eines Lehrers und als Start in den letzten Tag, sofern Sie wirklich wollen. Dann müssen Sie unbedingt noch einen heiligen Mann, einen Sadhu, kennenlernen. Auf Facebook nennt er sich Baba von Varanasi 13, hängt täglich 14 Stunden im Internet und bringt seine Botschaften via soziale Medien, Chat und E-Mails weltweit unter seine Anhänger. Mit ihm unter vier Augen über sein Wirken als Sadhu zu reden, ist allerdings ungleich interessanter. Tja, und da wäre dann noch die »Zahnklinik« am Straßenrand, bei deren Besuch Sie besser keine Zahnschmerzen haben sollten. Geschickte Handwerker übernehmen hier die Arbeit des Zahnarztes. Studium oder medizinische Vorkenntnisse stören dabei nur, weil es vermutlich auch nur eine Diagnose gibt: Was wehtut, muss raus.

Nun aber gut. Am Nachmittag bringt der Flieger Sie zurück an den Anfang. Noch einmal im Le Méridien Gurgaon Central Park schlafen, gut frühstücken, dann geht es in einem Rutsch von Delhi 14 nach Frankfurt, um am Abend des selben Tages wieder zurück in Ihrem heiligen Zuhause zu sein.

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