Wir hoffen, Sie treten Ihre Reise gestärkt in Frankfurt 1 an, denn schon der Anfang in Delhi 2 ist so voll mit Erlebnissen, da würde manch anderer Urlaub bereits zu Ende sein. Die Gegensätze, die zu Indien gehören wie der Tag zur Nacht, sind nicht immer leicht zu verstehen. Aber es gibt Lichtblicke,  wie die Sanshil Foundation for Welfare, wo sich für Frauen der untersten Kaste mithilfe der Chamäleon Stiftung die Hoffnung auf ein unabhängiges Leben erfüllt. Die Gandhi-Gedenkstätte Raj Ghat, wo Indien mit einer ewigen Flamme der »großen Seele« des Landes gedenkt, ist Pflicht. Wenngleich sehr großzügig angelegt, ist es gemessen an Indiens größter Moschee fast schon ein heimeliger Ort. 25.000 Gläubige fasst das Gotteshaus Jama Masjid, aber nur, weil alle ihre Schuhe draußen lassen. Sie übrigens auch. Im wohlhabenden Stadtteil Hauz Khas können Sie Ihre Schlappen anbehalten. Dem Namen nach ein »königlicher Wassertank«, hat sich um die historische Siedlung eine ausgelassene Szene aus Designerboutiquen, Restaurants, Cafés und Märkten der oberen Zehnmillionen entwickelt. Es könnte also sein, dass Sie vor lauter Eindrücken nicht mehr wissen, wo Ihnen der Kopf steht. In solchen Fällen nimmt der Inder eine Champi. Mitnichten ein Prickelwasser, sondern eine traditionelle Kopfmassage. Brauchen Sie unbedingt, denn das India Gate kommt auch noch, und wehe, Sie schlafen bei der Theatervorführung über die Geschichte Delhis ein.
Varanasi (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
»Bau mir das schönste Grabmal der Welt«, mit diesen Worten schloss die Liebe seines Lebens für immer die Augen. Der Großmogul versprach es und ließ 20 Jahre lang das großartigste Bauwerk der Menschheit errichten. Im Garten von Mehtab Bagh wird es Ihnen wie den Geschichtsschreibern gehen, die das Grabmal von Mumtaz die »Träne im Antlitz der Ewigkeit« genannt haben. Wir sind in Agra 3 4, wo sich eine Sehnsucht erfüllt hat, die seit dem Sündenfall in allen Menschen schlummert: die Sehnsucht nach der großen Liebe. Auf der anderen Seite des Yamuna-Flusses erwartet Sie jene überwältigende Grabmoschee, die der Großmogul Shah Jahan für seine Lieblingsfrau bauen ließ, die bei der Geburt ihres 14. Kindes starb. 20.000 Handwerkern wurde eine Hand abgehackt, damit sie nie wieder solch eine »Krone des Ortes« errichten konnten. Die Kosten haben das Land in den Ruin getrieben, weshalb sein Sohn den Großmogul im Roten Fort von Agra einsperren ließ, während ihm ein Vorleser jeden Abend die Heldentaten seiner Jugend vortrug. 1666 starb der »Herrscher der Welt« mit 74 Jahren und fand seine letzte Ruhe im Taj Mahal, dem Liebesgedicht aus Stein, neben der Frau, die ihm alles bedeutete.
Lakshmana-Tempel in Khajuraho (© Viktoriia Chukalina, iStockphoto.com / Chamäleon)
Wo über den Aravalli-Bergen die Sonne aufgeht, liegt das Reich der Königstiger. Und wer das Gelbe in seinem Auge sehen möchte, muss früh aufstehen. Vielleicht sind es im ersten Anlauf »nur« Leoparden, Krokodile, Axishirsche, Lippenbären oder die Indische Gazelle im Ranthambore-Nationalpark 5, aber wir kommen wieder, denn wie unsere Safari auch ausgeht, Sie werden akkutechnisch nachladen müssen. Zwischendurch wird gelacht statt gejagd. In der Schule Adarsh Manovikas Sansthan, wo sich die Chamäleon Stiftung engagiert, damit behinderte Kinder und Jugendliche nicht am Rand der Gesellschaft bleiben. Dann aber Safari zweiter Teil, weil es all denen einen guten Abend zu wünschen gilt, die sich am Morgen noch erfolgreich verdrückt hatten. 
Zugfahrt nach Agra (© Susann Heintze / Chamäleon)
1876 hatte sich Kronprinz Albert Eduard zu einem Besuch in Jaipur 6 7 angemeldet. So weit normal, denn Königin Victoria von Großbritannien wurde im gleichen Jahr zur Kaiserin von Indien ausgerufen, und da muss auch mal Inventur gemacht werden, was man so eingeheimst hat. Und weil Rosa in Indien die Farbe der Gastfreundschaft ist, gab der Maharadscha die Anweisung, alle Häuser der Stadt rosarot zu streichen. So wurde und blieb Jaipur bis heute Pink City. Von Haus zu Haus, von Laden zu Laden, von Kunsthandwerk zu den Tempeln – zu Fuß ist Gastfreundschaft am intensivsten erlebbar. Aber unsere Zeit ist endlich und es bleibt noch viel zu sehen: in der Festung Amber die Verschwendungssucht der Rajputenfürsten. Im Palast der Winde die 953 vergitterten Fensterchen, hinter denen die Haremsdamen das Treiben auf der Straße verfolgen konnten. Der Stadtpalast von Jai Singh II. Das Observatorium Jantar Mantar, dessen 27 Meter hohe Sonnenuhr bereits vor 300 Jahren die Zeit in Sekunden maß. Während sich Ihre Beine fragen, wie viel denn noch, steht am Herd einer heimischen Familie die Frau des Hauses und kocht für uns. It’s hot, man.
Tiger im Ranthambore Nationalpark (© Thorsten Gernig / Chamäleon)
Die Epoche der Maharadschas ist Geschichte. Aus ihren Palästen und Burgen wurden zu einem großen Teil Hotels, wo hinter meterdicken Mauern kühle Gemächer den Aufenthalt angenehm machen. Derweil ist auf dem Land die Zeit stehen geblieben. Gemessen an der aufstrebenden Wirtschaftsmacht Indien gehen die Zeiger rückwärts, was nicht nur Nachteile hat. Das Wesen der indischen Gesellschaft, die geradezu angeborene Gastfreundschaft, die in der allgegenwärtigen Farbe Rosa zum Ausdruck kommt, lebt in dörflichen Regionen wie Jojawar 8 9 fort. Im Schatten des Grenzgebirges zur Wüste Thar blüht eine farbenfrohe Landschaft, die auf die Menschen abzufärben scheint. Unser Ziel ist ein wunderschönes kleines Hotel mit Familienanschluss. Gemeinsames Kochen eingeschlossen, und wenn Sie am Farmleben mehr als nur interessiert sind, dürfen Sie gern mit anpacken. Der Lohn ist ein Lächeln. Und was für eins.
Das Fort Amber in Jaipur (© Reiner Harscher, Panoramavision / Chamäleon)
Hoch über der Stadt wachen elf weiße Paläste über das »Venedig des Ostens«. Berühmte Kinofilme sind in Udaipur 10 11 gedreht worden, denn der mit Kulturgütern übersäte Jagdish-Tempel, der Stadtpalast des Maharadschas, die Shikhara-Tempeltürme und die romantische Altstadt sind Kulissen von umwerfender Schönheit. Ob es diese Preziosen oder die tanzenden Lichter unserer abendlichen Bootsfahrt auf dem Pichhola-See sind, die diesen Tag so zauberhaft machen, ist am Ende schwer zu sagen. Vielleicht bringt der neue Tag die Erkenntnis. Denn Jagdish-Tempel und Stadtpalast von außen sind nicht genug. Wir verschaffen uns Eintritt, und wenn Sie dann immer noch nicht sicher sind, wie Sie Ihre Punkte verteilen sollen – der Nachmittag ist frei für alles, was Ihr Herz begehrt.
Der Jagdish-Tempel in Udaipur (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Wir fliegen dann noch mal. In eineinhalb Stunden ins Empire. Hat als Bombay ausgedient, aber steht als Mumbai 12 13 wie eh und je. Dem erstmaligen Besuch eines britischen Monarchen haben die Stadtoberen einen Triumphbogen spendiert, der als Gateway of India zum Wahrzeichen geworden ist. Die viktorianischen Straßenzüge, der Flora-Brunnen, der als »Kette der Queen« titulierte Marine Drive – alles very british. Nur der größte Freiluft-Waschsalon, wo über 5.000 Arbeiter die Schmutzwäsche der Stadt auf einen Haufen werfen und nach einem undurchschaubaren System wieder ordnen, muss als organisatorische Großtat eingestuft werden, die nicht von der Insel importiert wurde. Theoretisch könnten Sie Ihren Koffer hier gefahrlos auskippen und mit uns zu einem erhebenden Finale Ihrer Reise aufbrechen, in die sechs Höhlen der Insel Elephanta. Die aus dem Fels modulierten Shiva-Skulpturen zählen zu den bedeutendsten Werken hinduistischer Bildhauerei und sind schon lange Weltkulturerbe.
Andere Länder-andere Sitten (© Udo Herzog / Chamäleon)
Das war’s dann auch. Sollten Sie am Dhobi Ghat wirklich Ihren Koffer umgestülpt haben, müssen wir Ihnen mit Bedauern mitteilen, dass die Waschfabrik nicht mehr an unserem Weg zum Flieger liegt, der Sie mit Shivas’ Segen heil nach Hause 14 bringt.
Mumbai - 14 Tage Wunderwelten-Reise
0,0 100 0
EUR