Praktisch über Nacht wird Ihr Kindheitstraum von reichen Maharadschas und ihren edelsteinbesetzten Palästen doch noch wahr. Denn ihr fliegender Teppich hebt mittags in München 1 ab und schwebt zum Frühstück in Delhi ein. Traumhaft, oder? Und damit auch das geklärt ist: Der Zusatz »entspannt« bedeutet, dass die Uhren auf dieser Reise langsamer gehen, damit mehr Zeit für Genuss bleibt. Wie damals, als das Wünschen noch geholfen hat.
Zugegeben, entspannt kann man die Morgenstunde in der 17-Millionen-Metropole Delhi 2 weiß Gott nicht nennen. Aber das legt sich in der Ruhe des Raj Ghat, jener Gedenkstätte im alten Delhi, die dem Widerstandskämpfer Mahatma Gandhi einen Platz für die Ewigkeit geschaffen hat. Vorgestern hätten Sie sich die Jama Masjid mit 25.000 Gläubigen teilen müssen. Weil aber Sonntag ist, präsentiert sich die Freitagsmoschee in ungestörter Pracht, wie für Sie gemacht. Füße waschen! Das kann dauern, da muss das India Gate, der Triumphbogen Delhis, wohl noch etwas warten. Aber zum abendlichen Picknick unter dem Friedensmonument sind wir pünktlich da.
Näherinnen in der Sanshil Foundation for Welfare (© Karl-Heinz Sass / Chamäleon)
Wissen Sie noch, womit Ihre Urgroßmutter das Bettzeug geflickt hat? Solche Monstren mit Handkurbel sind in der Sanshil Foundation for Welfare ein Segen für die Frauen der untersten Kaste. Unterstützt von der Chamäleon Stiftung, erfüllt sich hier ihr Traum von einer Ausbildung zur Näherin. Von rosa Stoffen zu rosa Steinen. Erst ein Haus, dann zwei, dann drei und die Paläste auch – am Ende ist die ganze Stadt rosa: Pink City Jaipur 3 4 5. Es wird nicht das letzte Pink dieser Reise sein, denn es ist die Farbe der indischen Gastfreundschaft. Das schneeweiße Privattempelchen Birla Mandir ist davon verschont geblieben, und trotzdem sind wir zu einer Abendzeremonie eingeladen.
Außer Rosa, das als Willkommensgruß des Maharadschas Jai Singh II. für Kronprinz Albert Eduard gedacht war, beherbergt Jaipur unsterbliche Kostbarkeiten wie den sagenhaften Palast der Winde mit seinen 953 kleinen Fensterchen für die Haremsdamen. Geradezu unfassbar ist die weltgrößte Sonnenuhr Jantar Mantar, die bereits 1734 neben dem Lauf der Planeten auch die Intensität des Monsuns vorhersagen konnte. Das Maß an Genialität geht Hand in Hand mit einer Baukunst, die jede Vorstellungskraft sprengt. So in Fort Amber. Unten die herrlichen Gärten von Dilaram, darüber die uneinnehmbare Palastfestung mit dem Sheesh Mahal, wo Abertausend Spiegelchen Wände und Decken zieren, damit eine Kerze reicht, den Saal mit Licht zu füllen.
Gats in Pushkar (© Alexander Sass / Chamäleon)
Einmal im Jahr muss sein. Dann pilgern die Hindus zum heiligen See von Pushkar 6, um sich an den Ghats reinzuwaschen. Wie steht’s um Ihre Sünden? Die Gelegenheit ist günstig, und mit einem roten Punkt auf der Stirn lebt es sich gleich unbeschwerter. Der Rest von Pushkar sind heilige Terrassen, auf denen unablässig Gebete gemurmelt werden, Imbissbuden very spicy und kleine Cafés in verwinkelten Gassen, wo das Leben gemächlich dahintreibt wie die Kühe durch den Basar. Der Zug ist schneller, er bringt uns in vier Stunden nach Jodhpur.
Was in Jaipur Rosarot war, ist in Jodhpur 7 Blau, die blaue Stadt also. Diesmal nicht der Gastfreundschaft wegen, sondern weil Blau die Zugehörigkeit zur obersten Kaste, den Brahmanen, ausdrückt. Den schönsten blauen Blick haben Sie vom gewaltigen Fort Mehrangarh 123 Meter über der Stadt. Aber umgekehrt ist die Aussicht auch nicht übel. Vom Kenotaph Jaswant Thada und seinen großartig geschnitzten Marmorbögen hinauf zur Festung. Nicht weit dahinter kommt nichts mehr, aber wunderschön. Vor allem wenn man auf einem Kamel in reines Gold reitet, den Sonnenuntergang in der Wüste Thar.
Frau mit Schleier (© Bettina Stritzke / Chamäleon)
Absichtslos rumhängen wäre ideal für die frühe Morgenstunde. Und kein schöner Plätzchen als der sagenhafte Pool des WelcomHotel Jodhpur. Dann wird es Zeit für den Luxus des einfachen Lebens. Wir wissen auch schon, wo. Im Dorf Narlai 8 9, wo es außer einem Schneider, einer Krankenstation und der Dorfschule praktisch nichts gibt. Tempo null in allen Gassen. Da ist Zeit für Gespräche über die letzten hundert Jahre. Und der Vorschlag, das Abendessen doch gemeinsam zu kochen, lässt nicht lange auf sich warten. Hat’s geschmeckt oder war es nur interessant? Es gibt eine zweite Chance, am Stufenbrunnen von Narlai, mit hunderten Lichtern und dem Gesang des Yogi als Beilage.
Jain Tempel in Ranakpur (© Thorsten Gernig / Chamäleon)
Superlative und kein Ende. Der Adinatha-Tempel in Ranakpur 10 gilt als üppigstes Beispiel der Jain-Architektur, die seit jeher davon besessen war, die Grenzen des Machbaren auszuloten. Auf 1.444 Säulen wurden hier die Grenzen überschritten. Trotzdem müssen Sie an diesem Tag noch eine Steigerung hinnehmen, wenn wir am frühen Abend Udaipur erreichen, das Venedig des Ostens. Elf weiße Paläste überragen die Stadt, und am Pichola-See können Sie von unserem Hotel Fateh Prakash Palace aus den ganzen Abend versuchen, sich sattzusehen.
Fortsetzung am nächsten Morgen, denn für Udaipur 11 12 braucht man eine zweite Chance. Gab es denn gar keine Limits? Musste es jedes Mal noch gigantischer und noch kostbarer werden? Andererseits: Wo wären sonst der »Tiger von Eschnapur« oder James Bonds »Octopussy« gedreht worden, wenn nicht in diesen grandiosen Kulissen? Auf ihre Art gehört eine Sundowner-Bootstour auf dem Pichhola-See auch dazu, um das Unbegreifliche in einem noch unbegreiflicheren Licht zu sehen. Brauchen Sie was? Heute ist Markttag. Idealerweise mit dem Fahrrad entlang der Häuser, deren Fassaden die reinsten Kunstwerke sind. Eklingji, der seit 1.200 Jahren ständig erweiterte Tempel der herrschenden Maharana, muss noch sein, dann können Sie das Nachmittagsprogramm nach eigenem Gusto gestalten. Am Ende wird Ihre Zeit in Udaipur immer noch zu kurz gewesen sein.
Chittorgarh Fort in Rajasthan (© Thorsten Gernig / Chamäleon)
Halt! Seht ihr die Tatze des Tigers dort im Sand? Hier ist er eben noch gewesen. So oder ähnlich hört sich die Hoffnung an, im Ranthambore-Nationalpark 13 14 auf den Königstiger zu treffen. Manchmal gehört etwas Geduld dazu, aber deshalb gehen wir auch zweimal auf Fährtensuche, mit Krokodilen, Axishirschen, Lippenbären, Panthern und Indischen Gazellen als Beifang. Noch etwas bewegt uns an diesem Nachmittag: Unterstützt von der Chamäleon Stiftung, kümmert sich die Schule Adarsh Manovikas Sansthan darum, dass behinderte Kinder und Jugendliche nicht am Rand der Gesellschaft stehen. Man sieht es an ihren leuchtenden Augen wenn wir kommen.
Fassade des Roten Fort in Agra (© Frank Kleinbrahm / Chamäleon)

Kann es sein, dass ein einziger Tag alles Bisherige in den Schatten stellt? Es kann. Wiegen Sie sich in Vorfreude, wir machen derweil noch einen Zwischenstopp am Chand Baori. Wo Batman gefangen gehalten und in »The Dark Knight Rises« die atemberaubende Kletterszene gedreht wurde, führt der größte Stufenbrunnen Indiens in unergründliche Tiefen. Dann ist es Zeit für Agra 15 16 und einen ersten Blick auf das Wunder, den Taj Mahal im Gold des Abendlichts. Die aufgehende Sonne führt Sie zum Grabmal von Mumtaz, der Lieblingsfrau von Shah Jahan, die bei der Geburt ihres 14. Kindes starb. Der Bart des Großmoguls, der an diesem Tag die Liebe seines Lebens verlor, wurde über Nacht weiß und seine Augen blind vom Weinen. Dann gab er den Befehl, für Mumtaz ein Abbild des koranischen Paradieses zu bauen, die »Träne im Antlitz der Ewigkeit«. Bis heute das wohl schönste Bauwerk der Menschheit.
Vorbei, leider. Obwohl – einen Vormittag lang dürfen Sie am Pool Ihres Hotels noch den großen Gefühlen des Vortags nachhängen. Dann sind wir back again, wo alles begann. In Delhi 17 gehen die Uhren allmählich wieder schneller. Allein im Mausoleum von Nasir ud-din Muhammad Humayun, dem zweiten Herrscher des Großmogulreiches, blieb seit 1556 alles, wie es seine Witwe bestimmt hatte. Prachtvoll verkleidet mit rotem und cremefarbenem Sandstein aus Rajasthan, symbolisiert es zum Abschied die göttlichen Formen und Farben unserer Reise. Ein Abendessen noch, ein wehmütiger Blick zurück. Schon steht Ihr Teppich wieder bereit und fliegt Sie mit Übergepäck an neuen Träumen zurück nach München 18. Bis zum nächsten Mal?

Maharadscha SENSE - 18 Tage Wunderwelten-Reise
97,2 100 3
EUR