Um ein Haar wären Sie nach dem Start von Ihrem Wunschflughafen via Amsterdam oder Madrid mitten auf dem Äquator gelandet. Wir werden diese kleine Ungenauigkeit wiedergutmachen, fürs Erste entschädigt Sie ein bemerkenswerter Superlativ, denn Sie befinden sich in der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt. Und seit die Altstadt von Quito Weltkulturerbe ist, ohne Zweifel in einer der schönsten. Wir kommen darauf zurück, möglicherweise möchten Sie sich zuerst ein wenig assimilieren, und das geht nirgendwo schneller als auf dem berühmten Bauernmarkt von Otavalo 1.
Wandern im Opuntia Kaktuswald auf Santa Cruz (© Chamäleon)
Was leuchtet da? Der Vulkan Cotacachi. Er spu(c)kt schon lange nicht mehr, aber er hat eine herrlich grüne Kraterlagune hinterlassen, die allein schon unseren Gipfelsturm wert wäre, wenn der wundervolle Blick über das Hochland der Indígenas nicht noch hinzukäme. Und jetzt auf Einkaufstour. Einen blendend blauen Poncho vielleicht? Oder einen Hut in Grün mit Pfauenfeder, denn bei den Indios geht auch die Damenwelt nicht ohne. Töpfe, Schemel und interessiert guckende Alpakas können Sie links liegen lassen, aber sie zeigen Ihnen, dass es praktisch nichts gibt, was es hier nicht gibt. Vor allem in Farben, die Sie nie zuvor in dieser Kombination und Intensität gesehen haben. Neu ausgestattet fahren Sie weiter, denn im  Hochland der Indígenas, irgendwo dort draussen, liegt die Linie 0°00’00’’, bekannt als Äquator. Mit einem Bein auf der nördlichen und dem anderen auf der südlichen Halbkugel sind Sie praktisch der König der Welt. Und abends vielleicht die Shopping-Queen in La Ronda, der berühmtesten Straße in der Altstadt von Quito 2.
Blaufußtölpel auf einem Felsen (© Pam Dolby, iStockphoto.com / Chamäleon)
Im Gegensatz zum Cotacachi hat sich der Cotopaxi noch nicht schlafen gelegt und zählt aktuell zu den aktivsten Vulkanen der Erde: das Paradebeispiel eines perfekt geformten Kegels, 5.897 Meter hoch und Namensgeber für den Cotopaxi-Nationalpark 3. Vorausgesetzt, seine Spitze liebäugelt nicht gerade mit Cumulus, haben wir von einer Lagune des Hochlandes aus einen postkartenreifen Blick auf seine Idealfigur. Und wenn wider Erwarten nicht, ergeben sich auf der »Straße der Vulkane« immer neue dramatische Perspektiven auf den heißen Teil der Anden. Wenn Ihnen das im Vorbeifahren mitunter zu schnell ging: Im Garten der Hacienda Abraspungo sind Sie mit beliebig vielen Drehungen um die eigene Achse Regisseur für einen Endlosfilm mit Vulkanpanoramen.
Reiseleiter Daniel mit den Riesenschildkröten auf Santa Cruz (© Mathias Conze, Macopi / Chamäleon)

Es gibt noch viel zu tun in Cuenca, denn der fast 500 Jahre alten Kathedrale sollte 1885 eine neue für 10.000 Gläubige folgen, die auch heute noch nicht ganz fertig ist. Immerhin hat sich die Altstadt mit ihren großartigen Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert die Auszeichnung Athen Ecuadors erworben. Da konnte auch die UNESCO nicht nachstehen und nahm sie 1999 in die Liste des Weltkulturerbes auf. Unser Weg dorthin ist im wahren Sinne des Wortes gepflastert mit der bedeutendsten Kultstätte der Inka in Ecuador, den Ruinen von Ingapirca 4 mit dem Sonnentempel im Mittelpunkt. Jahrhundertealte Baukunst, die bis heute noch nicht beantwortet hat, wie solche an Wunder grenzenden Anlagen entstanden sind.

Fregattvogelpaar (© Antje Trenka / Chamäleon)

Nun aber die, die zu den schönsten Kolonialstädten Südamerikas zählt: Cuenca 5. Die engen Gassen und kleinen Plätze der Altstadt mit ihren wundervoll restaurierten Häusern versprühen den unverdorbenen Charme ihrer Gründerjahre, und die vielen kleinen Familienbetriebe der traditionellen Keramik-, Gold- und Silberkunst bringen funkelndes Leben in das stilvolle Ambiente.

Augenkontakt mit einer Krabbe (© Peter Kollmeier / Chamäleon)
Was muss man zu Galápagos noch viel sagen? Genießen Sie einfach schweigend den Flug von Guayaquil nach Baltra und die letzte Etappe mit dem Boot zu Ihrer viel beachteten Ankunft auf Santa Cruz 6. Sind es Hunderte Augen oder Tausende, die uns auf der Fahrt durch die Vegetationszonen des Hochlandes im Blick haben? Jedenfalls Unmengen, die zu Prachtfregattvögeln, Gabelschwanz-Möven, Galápagos-Bussarden, Blauflügelenten, Feenseeschwalben, Glattschnabelani oder Odinshühnchen gehören, um wenigstens ein paar zu nennen. Einen ersten Eindruck von den bodenständigeren Arten gibt uns die Charles-Darwin-Station, und wo, wenn nicht auf Galápagos, beginnt man diesen Exkurs mit Schildkröten und den endemischen Pflanzen, die ihnen schmecken?
Moewen (© Chamäleon)

Das Schöne auf der Insel Floreana 7ist von jeder Seite des vulkanischen Berglandes der Blick aufs tosende Meer. Schwer zu widerstehen, und so gehen wir nach Darwinfinken, Fischadler, Goldwaldsängern, dem Galápagos-Fliegenschnapper, Aztekenmöven, Tölpeln mit blauen Füßen und einer Piratenhöhle die Rote Klippenkrabbe suchen. Der Strand von La Lobería scheint prädestiniert dafür, aber wer sagt, dass es beim Gucken bleiben muss? Vor dem Strand geht’s weiter, in sagenhaftem Pazifikblau. Wer wollte da der Versuchung widerstehen, sich nach Robbenart ins Wasser zu stürzen. Einmal untergetaucht, sammeln sich farbenprächtige Schwärme um Sie herum, ziehen Meeresschildkröten und Rochen in Zeitlupe an Ihnen vorbei. Dennoch, unser Metier bleibt das Land, und so beschließen Sie den Tag in der vorfreudigen Gewissheit, dass morgen Tortuga an der Reihe ist.

Schnorcheln Lobos (© Chamäleon)
Tortuga Bay ist die unumstrittene Königin der Traumstrände, Schneeweißchen sozusagen. Und was sich als Kontrastprogramm durch den warmen Sand schleppt, sind schwarze Schildkröten, denen es hier genauso geht wie Ihnen: Es gefällt ihnen nirgendwo besser, mit dem Unterschied, dass Sie hier keine Eier ablegen. Die schwarzen Methusalems schon, und so geschickt, dass die Stelzvögel sie nicht gleich wieder ausbuddeln können. Auf Isabela 8, der größten der Galápagos-Inseln, warten am Ende einer Bucht die Palmen und Hängematten des familiären Hotels La Casa de Marita auf uns. Man erkennt nicht so recht, wo das Hotel aufhört und der Strand beginnt, aber vielleicht ist es ja gerade das, was Sie so begeistert.
Vulkankrater (© Chamäleon)
Eine Stunde brauchen wir, aber eine, die sich lohnt, denn Isabela 9 ist erst durch die vulkanische Aktivität von fünf Inseln zur größten des Archipels zusammengebacken. Wir überzeugen uns von diesem fundamentalen Ereignis mit einer Wanderung bis zum Kraterrand des Sierra Negra. Wow, vor uns liegt ein zehn Kilometer weites Loch, das an der seltenen Evolution der hier beheimateten Lebewesen einen wesentlichen Anteil hat, denn die Lavafelder bildeten für zahlreiche Tiere eine unüberwindbare Barriere, und so sind hier allein fünf Unterarten der Galápagos-Schildkröte entstanden. Vielleicht geht es Ihnen auch so, wenn Sie nur lange genug am Strand vor unserem Hotel liegen bleiben, schön genug wäre er jedenfalls, vor allem, wenn die tief stehende Sonne ihn von Schneeweißchen in Rosenrot verhext.
Riesenschildkroete (© Mathias Conze, Macopi / Chamäleon)
Heute wird es zoologisch mit Seltenheitswert. Und nicht nur weil die Pinguine auf Galápagos die nördlichsten ihrer Art sind. Das Boot bringt uns zu den Inseln Las Tintoreras 10. Drachenechsen fragen sich, was wir hier suchen, dabei sind sie es, die mit ihren Stachelkämmen eine urzeitliche Stimmung verbreiten. Auch Riesenschildkröten fangen mal klein an, wie uns eine Aufzuchtstation beweist, und wo Weißspitzenhaie das warme Wasser eines seichten Kanals bevorzugen, sind auch Flamingos nicht weit. So bekommen Sie mit jedem Tag mehr das Gefühl, als Mensch ein Teil der Tierwelt zu werden.
Pinnacle Rock Bucht (© Mathias Conze, Macopi / Chamäleon)
Wie oft haben Sie bis hierher daran gedacht, wie existenziell wichtig es wäre, dieses Paradies zu pflegen und seinen Fortbestand zu sichern? Heute können Sie im Ökoprojekt auf Santa Cruz 11 einen eigenen Beitrag dazu leisten. Schon deshalb, weil Sie irgendwann vielleicht noch einmal kommen möchten, und dann sollten Sie mit Stolz sagen können: Dieser Kerl ist von mir. Das Ökoprojekt konserviert das Archipel durch die Kultivierung endemischer Pflanzen, die durch eingeschleppte Arten verdrängt werden. Je nach grünem Temperament können Sie zwischen zwei Aufgaben wählen: die echten Bäume pflanzen oder die gefälschten fällen. Na denn: Kräftig in die Hände gespuckt, wir steigern das Ökologieprodukt.
Leguan (© Gitta-Sabine Stolte / Chamäleon)
Welche der unbewohnten Inseln 12 wir besuchen können, wird von der örtlichen Administration festgelegt, weil nur eine bestimmte Anzahl von Gästen das Leben der tierischen Eingeborenen stören darf. Auf Plaza Sur wären das die Gelben Landleguane, die Audubon-Sturmtaucher, Madeira-Wellenläufer, Rotschnabel-Tropikvögel, Meerechsen und Goldwaldsänger. Auf Bartolomé erwartet uns eine skurrile Lavalandschaft mit Blick bis zum Pinnacle Rock, und ein paar Tiefenmeter unterhalb der Wasseroberfläche fühlen sich Engel- und Papageifische in den sanft wedelnden Blütenarmen der Seeanemonen zu Hause. Auf Seymour Norte beanspruchen Fregattvögel das Hausrecht und balzen in einer Tour die Insel bunt, wenn die Männchen ihre knallroten Kehlsäcke zu beachtlicher Größe aufblasen. Hier würden Kolonien von Blaufußtölpeln, Schwarze Meerechsen, Gelbe Leguane und ihre Angehörigen das Abschiedskomitee für uns machen, sofern die Behörden Seymour Norte freigeben. Und hier finden wir endlich Heerscharen der Roten Klippenkrabbe, die wir die ganze Zeit gesucht haben.
Bartolome Island (© Mathias Conze, Macopi / Chamäleon)
Am Abend, beim Abschiedsessen, macht die immer gleiche Frage die Runde: Hast du dies gesehen, hast du das entdeckt? Ja, wir haben alles gesehen, alles entdeckt, aber wir wissen lange noch nicht alles. Durch das Hochland von Santa Cruz fahren wir zum Boot, das uns zur Flughafeninsel Baltra bringt. Ein kurzer Hüpfer noch nach Guayaquil 13, dann geht es via Amsterdam oder Madrid zurück in die Heimat 14. Aber es könnte auch sein, dass Ihr Herz eine neue Heimat gefunden hat, ausgeschlossen wäre es nicht.
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