Die Idee, in Costa Rica eine entspannte Reise zu planen, kommt nicht von uns. Das ist praktisch die logische Konsequenz einer staatlich verordneten Lebenseinstellung. Was in Bhutan das Bruttonationalglück, ist in Costa Rica »Pura Vida«, reines Leben. Stressfrei, sorglos, immer froh und glücklich, das ist hier erste Bürgerpflicht. Sie denken bestimmt, das haben wir uns ausgedacht. Aber nein, um mit gutem Beispiel voranzugehen, hat Costa Rica 1983 das Militär abgeschafft und gilt seither als Musterland, wahlweise als die Schweiz Mittelamerikas, nur eben grüner. Sehr viel grüner, aber darauf wären Sie auch von selbst gekommen, sobald Sie von San José 1  aus auf die Reise starten.
Blick auf den Vulkan Poas (© Oscar Gutierrez / Chamäleon)
Vulkane hätten wir korrekterweise noch nennen müssen, also Kaffee, Nebelwald, Vulkane, so ist es richtig. Der Irazu 2 ist so einer, und wenn sein Kratersee noch so sehr zum Baden einlädt, vergessen Sie’s, bei einem durch Regen gespeisten Säuresee erreichen Sie das rettende Ufer bestenfalls als Skelett. Außerdem würden Sie in Cartago das Schönste verpassen, was ausnahmsweise nicht zu Kaffee, Nebelwald und Vulkanen gehört.
Maleku Indianer (© Andreas Lindner / Chamäleon)
Von Vulkanen war die Rede, also müssen es mindestens zwei sein. Heute ist der aktivste dran, den sie in Costa Rica respektvoll mit Señor anreden, Señor Arenal 3. Er pennt seit rund 400 Jahren, aber er schnarcht ein bisschen. Kleine Rauchsäulen und Lavaströme verraten, dass er lediglich durchatmet, um Kraft für seine nächste Show zu sammeln. Der weiße Rauch, den Sie im Arenal-Nationalpark sehen werden, hat damit allerdings nichts zu tun. Das sind die Nebelschwaden, die unsere Wanderung so geheimnisvoll machen. Kein Geheimnis hingegen ist die traurige Nachricht, dass vom indigenen Volk der Maleku nur noch rund 300 Angehörige leben. Die Traditionen ihrer Vorfahren gehen ihnen über alles, aber Stolz allein ist als Existenzgrundlage zu wenig. Wir sehen, wie wir helfen können.
Bootsfahrt in den Regenwald (© Britta Jedzik / Chamäleon)
Wenn Sie zu Hause an den Ozean wollen, ist das eine Urlaubsreise. Hier sind es gute drei Stunden bis zur Karibikküste. Und die führen auch noch durch die Riesenfarn- und Bromelienwälder des Braulio-Carrillo-Nationalparks. Unser Ziel: das Dorf Tortuguero. Gourmets spitzen jetzt die Ohren, denn – Gott sei Dank mittlerweile verpönt – die Mockturtlesuppe gehörte lange zum Repertoire der klassischen Küche. Turtle also – spanisch tortuga, die Schildkröte – wohnte vor Hunderten von Jahren schon an diesem Platz, als 1930 kolumbianische Siedler kamen und ihr den Lebensraum streitig machten. Immerhin blieb der Name, übersetzt »Platz, an den die Schildkröten kommen«, und das tun sie nun wieder, seit ihr Revier zum geschützten Tortuguero-Nationalpark 4 5 erklärt wurde. Mittendrin und nur mit dem Boot erreichbar, liegt die Evergreen Lodge. Als hätten Sie mit Hängematte und Schaukelstuhl im Zoo Platz genommen, so schön. Und zauberhafte Sonnenuntergänge sind genauso selbstverständlich wie ein Pool, denn an den Kanälen und Lagunen des Nationalparks lauert neben dem Pfeilgiftfrosch das Spitzkrokodil.
Rendezvous mit dem heiligen Vogel - der Quetzal (© Stefan Lippe / Chamäleon)
Noch mehr unberührte Natur als die, die Sie ständig vor Augen haben, geht nicht. Sollte man meinen, aber dann kommt das Savegre-Tal 6 7, das selbst von Costa-Ricanern als Paradies im Paradies bezeichnet wird. Und seit dem Moment, als Gott den Auftrag gab, »es sollen wimmeln die Gewässer von Lebewesen und Vögel am Himmelsgewölbe fliegen über die Erde«, hat sich praktisch nichts getan. In den Wildbächen wimmeln die Lachsforellen, und die Bäume sind voll von den ungewöhnlichsten Piepmätzen. Der bunteste aber – und schon den Maya und Azteken heilig – ist der Göttervogel Quetzal. Das Problem: Man sieht ihn nicht. Ein Versteckkünstler trotz seiner ein Meter langen Schwanzfedern, die den Priestern der präkolumbianischen Kulturen schon als Kopfschmuck dienten. Aber Vorsicht war geboten. Wer einen Quetzal tötete, wurde selbst mit dem Tode bestraft. Es ist früh am Morgen, wenn wir uns auf die Suche machen, und das hat einen einleuchtenden Grund. Wilde Avocados sind des Quetzals Lieblingsfrühstück. Damit schlägt er sich den Bauch so voll, dass er eine halbe Stunde nicht mehr hochkommt. Unsere Chance auf ein ganz seltenes Erlebnis.
Strand im Manuel-Antonio-Nationalpark (© Amadeus Travel Agency / Chamäleon)
Schon wieder ein Paradies. Dampfende Wälder, Bachläufe, Feuchtgebiete, Sekundär-Regenwald, Orchideengarten, Schmetterlingsgarten und vom Gelbkopfgecko bis zur Blattschneiderameise alles auf einem Fleck im Naturschutzgebiet Barú. Es liegt sehr praktisch an unserer Strecke zu einem der schönsten Strände in Costa Rica, der Bucht im Manuel-Antonio-Nationalpark  8 9 10. Werfen Sie schon mal einen Blick darauf, was Sie morgen erwartet. Dafür gibt es kaum einen schöneren Platz als die Komfortzone des Parador Resort & Spa. Dann ist es so weit. Urwald und Traumstrand vereinen sich zu einem exotischen Genuss. Alle heimischen Affenarten turnen hier durch die Bäume. Nasenbären, Leguane und Faultiere lassen sich auch von Wanderern nicht aus der Ruhe bringen, und wenn Sie den Wunsch verspüren, auch mal ein Faultier zu sein, sind es nur ein paar Schritte an den sehr Stillen Ozean, wo kein Handtuch den Liegestuhl reserviert, weil man sich einfach in den warmen Sand fallen lässt. Das gefällt Ihnen, gell? Deshalb bleiben wir auch noch einen lieben langen Tag, den Sie mit allen Wassersportarten gestalten können, nach denen Ihnen der Sinn steht. Oder auch nicht.
Entdeckungen auf der Hängebrücke (© Britta Jedzik / Chamäleon)
Der Kaffee ist fertig. Das ist insoweit noch nichts Besonderes, aber es ist ihr zweites Frühstück und der Kaffee eine erlesene Spezialität. Von der ökologischen Kaffeefarm frisch auf den Tisch. Oma Bello hat ihn gekocht. Biokaffee ist ihre Leidenschaft. In dritter Generation schon und immer ohne Chemie zur Reife gebracht, denn schon Urgroßvater Bello kannte all die Kräuter, die als natürliche Feinde von Schädlingen den gleichen Dienst tun. Was bleibt, ist Kaffee in seiner reinsten Form. Derart beschwingt, fällt uns der Rest der heutigen Etappe leicht, wobei das Ziel eine zusätzliche Sogwirkung erzeugt: das Monteverde-Naturreservat 11 12. Nebelwald bedeutet ja nicht, dass man vor lauter Nebel nichts sieht. Im Gegenteil. Hier brummt die Vegetation, hier kann man die Bäume wachsen hören, und die Tier- und Insektenarten, denen es hier am besten gefällt, gehen in die Tausende. Fledermäuse gehören auch dazu. Wie die unfallfrei durch diesen Dschungel düsen, zeigt Ihnen Ihr Reiseleiter, dann dürfen Sie auch mal. 30 oder 40 Meter hoch durch die Baumkronen über ein Meer von Grün, das sprachlos macht. Sie haben etwas Schiss? Nicht nötig, Sie brauchen nicht selbst zu fliegen, wir haben Hängebrücken spannen lassen. Quer durch die Wipfel des Nebelwaldes, Auge in Auge mit allen, die sich in schwindelnder Höhe wundern, wie Sie dahin kommen.
Im Goldmuseum San Jose (© Wolfgang Spelitz, Amadeus Travel Agency / Chamäleon)
Die Stunden bis zu unserem Eintreffen in der Hauptstadt San José 13 14 fühlen sich an wie eine Entziehungskur. Wie sollte es auch anders sein, nachdem Sie längst vergessen haben, dass es auch andere Farben als Grün gibt. Immerhin gewährt Ihnen die Dachterrasse Ihres Studio Hotel einen entschädigenden Abschiedsblick in das Valle Central. Einen Pool gibt’s da oben auch, es wäre also für Abwechslung gesorgt, falls Sie sich gar nicht losreißen können. Andererseits ist San José nicht mehr das unbedeutende Dorf wie noch 1824, bevor es dem spanischen Regierungssitz Cartago den Rang abgelaufen hat. Und was wollen Sie zu Hause erklären, wenn Sie nach San José gefragt werden und nur das Hotel gesehen haben? Das unterirdische Goldmuseum könnte Sie aus der Klemme befreien. Das Jademuseum eventuell auch, aber am lebhaftesten könnten Sie vom Mercado Central erzählen. 1880 gegründet und seither zu einem ganzen Häuserblock angewachsen. Mehr als 200 Geschäfte füllen die engen Gassen, und wenn Sie einen Cowboy-Sattel brauchen, sind Sie hier am richtigen Platz. Aber zwischen die Händler haben sich Imbissstände und kleine Restaurants gequetscht, wo Sie ein letztes Mal mit allen Sinnen Pura Vida genießen können.
Bananen auf dem Markt (© Britta Jedzik / Chamäleon)
Dann gibt es kein Zurück vom Zurück, es sein denn, Sie denken darüber nach, auszuwandern. Es wäre nach dem legendären Rauswurf damals die erste reelle Chance, ins Paradies zurückzukehren. Zauberhafte Grundstücke gibt es noch reichlich. Hier wie da, will heißen: an den flüsternden Stränden von Karibik und Pazifik. Oder was haben Sie gedacht, zu welchem Zweck wir unsere Besichtigungs- – pardon: Anschlussprogramme aufgelegt haben? Ooch, Sie wollen trotzdem nach Hause? In diesem unbegreiflichen Fall startet am späten Nachmittag Ihr Flug via Madrid in die Heimat 15. Aber der Gedanke, Sie könnten, wenn Sie wollten, wieder hierher zurück, geht Ihnen nicht mehr aus dem Kopf.
Volcano SENSE - 15 Tage Wunderwelten-Reise
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