Wehe, Sie steigen in Paris aus und verschwinden, wir holen hier lediglich Luft für den schnellsten Sprung nach Antananarivo 1. Wohin? Ach, sagen Sie einfach Tana, das tun die Madagassen auch, wenn sie von ihrer Hauptstadt sprechen. Dort also, in der ehemaligen Residenz der Merina-Könige, beginnen Ihre Abenteuer auf Madagaskar. Die Könige sind weg, ihren Palast haben sie freundlicherweise stehen lassen, der 1995 allerdings abgebrannt ist. Zumindest die Außenmauern wurden so weit restauriert, dass der ursprüngliche Glanz des Königreiches wieder spürbar ist. Zu diesem Zeitpunkt war Madagaskar bereits tausend Jahre durch die Hände von arabischen, südostasiatischen, australischen und afrikanischen Eroberern gegangen und später dann durch indische und europäische. Da können Sie sich vorstellen, welch kulturelle Melange Sie erwartet. Nur die Natur und mit ihr die Tierwelt blieben unter sich und führten zu einem Land mit der höchsten Zahl an endemischen Arten.
Königspalast in Antananarivo (© Lena Labryga / Chamäleon)
Am besten, wir fangen gleich damit an. Denn in der Umgebung unseres Andasibe Hotels sind die Mausmakis inklusive. Es bedarf nur einer Nachtwanderung, um die kleinste Lemurenart, die nur auf Madagaskar vorkommt, aufzuspüren. Eine putzige Handvoll, 10 Zentimeter lang, ungefähr 50 Gramm leicht und nachtaktiv, turnt mit leuchtenden Glupschaugen durch das Blätterwerk. Wir wünschen viel Jagdglück. Das ist uns im Andasibe-Nationalpark 2 3 so gut wie sicher, denn der berühmte Indri indri, im Gegensatz zum Mausmaki die größte Lemurenart, ist nicht zu übersehen. Das hat allerdings auch damit zu tun, dass es im Dschungel des riesigen Parks kaum einen Baum gibt, in dem nicht ein solcher Bursche hängt. Aber schauen Sie unbedingt auch eine Etage tiefer, zu Schlangen und Fröschen, Echsen und Geckos, Fingertieren, Sifakas und unserer heimlichen Liebe, dem Chamäleon. Der Rest des Urwaldes ist voll mit seltenen Orchideen und anderen tropischen Gewächsen. Und wo wir das Kanu nehmen, pflügen wir durch Seerosen wie Pfannkuchen.
Bootsfahrt (© Lena Labryga / Chamäleon)
Nur weil Madagaskar so riesig ist, kann sich ein 650 Kilometer langer Kanal durch eine Vielzahl von Lagunen winden. Er ersetzt die Straße, also heißt es umsteigen zur idyllischen Motorbootfahrt ins Traumnest. So jedenfalls die Übersetzung von Ankanin’ny Nofy 4 5, einem Ort, wo vor gefühlt hundert Jahren die Zeit stehen geblieben ist. Der Ruhe und Schönheit dieses paradiesischen Fleckens am Indischen Ozean hat das nicht geschadet. Und das Hotel Palmarium, wo sich in leichter Brise Ihre Hängematte wiegt, fügt den Rest zu Ihrem Glück dazu. Der Name Palmarium erfordert nicht allzu viel Fantasie, um den Segen zu erraten, den die Natur hier verschwendet hat. Im Naturreservat am Lac Ampitabe weiß Ihr Naturführer praktisch alles über das Aufgebot an Pflanzen und Tieren. Er bringt es auch fertig, die scheuen Lemuren auf Ihre Schulter zu locken. Hoffentlich ist Ihre Kamera geladen.
Busstop am Straßenrand (© Maja Lamme / Chamäleon)
Das Traumnest wäre ein prima Plätzchen für den Rest Ihrer Reise, aber Sie werden es nicht bereuen, im schönsten Moment Ade zu sagen. Das Boot zum Bus ist schon da, der uns wieder ins zentrale Hochland nach Antananarivo 6 bringt. Zurück, um schnell voranzukommen, denn ein Flug ist der schnellste Weg zur nördlichsten Spitze des Landes. Hier dümpelt in einer geschützten Bucht das Örtchen Antsiranana 7 8 vor sich hin. Ein kosmopolitischer Flecken, der sich tagsüber auf die französisch vererbte Tugend des Laisser-faire konzentriert und mit Einbruch der Dunkelheit einen Zahn zulegt. Savoir-vivre quillt dann aus allen Ritzen der Restaurants, Cafés und Bars. Vivren Sie doch einfach mit und entspannen Sie sich im charmanten Suarez Hotel.
Zuckerhut von Diego (© Karim Nari, FVA RM / Chamäleon)
Sie vermuten zu Recht, dass es noch einen anderen Grund gibt, in diesen entlegenen Teil Madagaskars zu fliegen. Wenn Sie den Namen hören, wissen Sie ihn auch gleich: Smaragdmeer. Es liegt praktisch vor der Haustür und gilt als schönste Landschaft der Insel mit Buchten, wo das türkisfarbene Wasser nahtlos in weiche, weiße Liegeplätze übergeht. Sie müssen nicht extra hinschwimmen, obwohl auch das eine die Dopaminausschüttung fördernde Angelegenheit wäre – viel besser: Wir schippern Sie im Windschatten des Korallenriffs von Bucht zu Bucht. Und wo es am verführerischsten glitzert, da tauchen und schnorcheln wir oder mimen einen toten Walfisch. Die schmackhaftesten Unterwasser-Begegnungen sehen wir noch einmal wieder. Am Strand eines verträumten Inselchens und widerstandslos unserem Appetit ergeben.
Wasserfall (© Karim Nari, FVA Madagaskar / Chamäleon)
Übrigens landete 1543 der portugiesische Entdecker Diégo Suarez genau dort, wo Sie gestern den Fisch verputzt haben. Antsiranana hieß deshalb bis 1975 Diégo Suarez, was den Einwohnern egal ist, die sagen auch heute noch Diégo. Von Diégo also ist es nur ein kurzes Stück zum Inbegriff einer elysischen Natur, dem Montagne-d’Ambre-Nationalpark 9. Dem Namen nach ein Paradies auf bernsteinfarbenem Berg. Der Berg war mal ein Vulkan, die Farbe kommt von den blühenden Bäumen, und seinen paradiesischen Zustand erhielt der Park durch seine unerschöpflichen Wassermassen. Sechs Kraterseen, 80 Meter hohe Wasserfälle und das allgegenwärtige Gemurmel von Flüssen und Bächen haben eine Insel der Seligkeit geschaffen, in der sich die Natur unkontrolliert austoben darf. Was sie auch gnadenlos tut, unser Naturführer aber kennt alle ihre Tricks und führt uns zielsicher durch den Dschungel der tausend Pflanzenarten, in dem Jahr für Jahr Tiere entdeckt werden, die noch keiner kannte.
Tsingys in Ankarana (© Anna Sagerer / Chamäleon)
Ankarana, das Naturreservat, das dieser Reise den Namen gegeben hat, muss demzufolge etwas Besonderes sein. Worauf Sie wetten können, denn es beherbergt eine einzigartige Mondlandschaft, das Werk von tausenden Jahren Erosion. Ein riesiger Wald aus bis zu 100 Meter hohen, messerspitzen Kalksteinnadeln könnte auch als Fakirbrett für Dinosaurier durchgehen, allerdings haben die Madagassen einen viel schöneren Namen dafür: Mitsingitsingina, kurz Tsingy, was so viel bedeutet wie »auf den Zehenspitzen gehen«. Wir sind gespannt, wie Sie das hinkriegen. Tsingy de Ankarana 10 ist UNESCO-Weltnaturerbe, und wenn das mit den Zehenspitzen nicht klappen sollte, auch nicht schlimm, es hütet noch genügend andere Attraktionen, die es zum Highlight dieser Reise machen.
Schulkinder in Anjavimilay (© Anna Sagerer / Chamäleon)
Augen zu und durch? Dann sind Sie auf der Plantage in Ambanja falsch. Augen zu – ja, aber dann zur Sache: Ylang-Ylang, Kakao oder Pfeffer? Mal sehen, was Ihre Sinne dazu sagen. Teil zwei im Dorf Anjavimilay, wo sich die Einheimischen mit der Herstellung lokaler Gewürze über Wasser halten. Hmmm, wie das duftet. Hier allerdings schon in der nächsten Stufe der Vollendung: als Mittagessen, von madagassischen Hausfrauen extra für uns gekocht. Und dann liegt noch etwas in der Luft, das Sie heute noch nicht riechen, aber von Ihrem Hotel bei Ankify 11 schon sehen können. Verführerisch winkt sie herüber, die Parfüminsel Nosy Be, die seit jeher durch die Träume der Verzückten geistert.
Schildkröte unter Wasser (© Andreas Haberlag / Chamäleon)
Wenn wir es allerdings recht bedenken, haben wir lange keine Lemuren mehr gesehen, zumal es davon 26 unterschiedliche Arten gibt. Ein paar Mohrenmakis wären noch schön, weil sie zu der zahmeren Sorte zählen und beim Angebot von Obst alle Hemmungen fallen lassen. Das kann man von den Meeresschildkröten und Buntbarschen vor dem Inselchen Nosy Tanikely nicht gerade behaupten, aber es liegt günstig an unserem Wasserweg zur Parfüminsel, und wo ein Korallenriff, da gibt es immer verrückte Formen und Farben zu entdecken. Auch auf dem Grill, und wozu der Umweg ins Restaurant, wenn man die Früchte des Meeres fangfrisch am Strand genießen kann? Dann ist Nachmittag und wir haben Sie lange genug auf die Folter gespannt. Bitte einsteigen Richtung Ylang-Ylang. Sie ahnen es sicher längst: Nosy Be 12 13.
Strand auf Nosy Be (© Karim Nari, FVA Madagaskar / Chamäleon)
Nicht einfach, die Gefühle eines solchen Tages zu beschreiben. Unter den Füßen eine Wolke aus puderweißem Sand. In der Nase den Duft von Ylang-Ylang, Vanille und undefinierbaren Gewürzen. Vor Augen eine Arie aus Glitzergrün und Funkelblau. Da fällt die Entscheidung nicht leicht: Einfach fallen lassen, abtauchen oder versuchen, sich satt zu sehen? Exakt diese Reihenfolge wäre unsere Empfehlung. Dann stehen Sie am Nachmittag nämlich auf dem Mont Passot, der eher ein Möntchen ist, aber mit überwältigendem Blick in den kühlen Teil des Regenbogens. Der warme, also Gelb, Orange, Rot und Purpur, ist nur eine Frage der Zeit. Sie verstehen? Sonnenuntergangskino.
Markt in Tulear (© Maja Lamme / Chamäleon)
Haben Sie gesehen? Nosy Be hat sogar einen Flughafen. Einen kleinen zwar, aber der reicht, um auf schnellstem Weg zurück nach Antananarivo 14 zu kommen, denn die Geschichte der Merina-Könige ist noch nicht zu Ende erzählt. Der »blaue Hügel« von Ambohimanga 15 war ihr Sitz, den niemand betreten durfte. Mit Gerichtsstuhl, künstlichem See und königlichen Bäumen ist er in 500 Jahren zur heiligen Stätte und nationalen Identität der Madagassen geworden. Au revoir, unsere nächste Station ist wieder Paris. Wenn Sie diesmal verschwinden wollen, na gut, denn schöner kann es eh nicht werden. Andererseits könnten Sie zu Hause 16 gleich mal nachsehen, wohin die nächste Chamäleon-Reise gehen soll.
Ankarana - 16 Tage Wunderwelten-Reise
96,2 100 4
EUR