Das zauberhafte Plätzchen, wo Sie sich nach Ihrem Nachtflug von München 1 zum ersten Mal auf afrikanischen Boden legen werden, sind die im Halbkreis um den Pool aufgestellten Chaiselongue-Liegen im Garten der nagelneuen Batonka Guest Lodge. Es drängt einen, »Gute Nacht« zu sagen, aber es ist ja erst Nachmittag in Victoria Falls 2 und was ist schon dabei, Sie haben es doch verdient. Nun, dann erst recht: Ruhe sanft, und wenn sich von fern ein beständiges Rauschen in Ihren Traum mischt, ist das die Programmvorschau für morgen. Falls es ein behändes Schlurfen sein sollte, ist es der Butler, der den Sundowner bringt. So schön ist es hier.
Tosende Wassermassen der Victoriafälle (© Sonja Rohringer / Chamäleon)
Liegen Sie immer noch oder hat Ihnen dieser Grundton, der in der Luft hängt, keine Ruhe gelassen? Es sind etwa zwei Kilometer bis zur Quelle und mit jedem Schritt wird aus dem Rauschen ein Donnern. Bald sehen Sie ihn auch, den »Donnernden Rauch«, die Gischt aus 10 Millionen Litern Wasser, die der Sambesi pro Sekunde 110 Meter in die Tiefe schickt. David Livingstone nannte sie zu Ehren seiner Königin die Victoriafälle 3. Er schrieb ihr dazu, es sei »das Schönste, das er in Afrika je zu Gesicht bekommen habe«. Aber da kannte er unsere Reise noch nicht. Auf dem Rückweg zur Liege vielleicht noch ein Schlenker durch die kunstvolle Handwerker-Mall von Victoria Falls, aber dann nix wie zurück in Morpheus` Gartenarme.
Elefanten durchqueren den Chobe (© Dennis Wehrmann / Chamäleon)

Es ist zweifelhaft, ob Sie jemals so begrüßt worden sind, aber der Schreiadler kann nicht anders. Also schreit er sich das Zäpfchen aus dem Halse, wenn wir am Chobe-Nationalpark 4 5 6 angekommen sind. Ein knorriges Grunz-Grunz kommt von den Büffeln und die riesigen Elefantenherden – nun ja, das kennt man von Benjamin Blümchen – schleudern uns ein wohlmeinendes Trärää entgegen. Die Chobe Bush Lodge liegt nahe am Nationalpark und die Terrasse Ihres Zimmers mit Blick in Richtung Überflutungsgebiet des Chobe ist praktisch ein Trainingslager für zwei Tage Safari-Abenteuer. Wir starten schon früh im offenen Geländewagen zum Fluss, weil das die Zeit ist, zu der das Großwild ans Buffet stürmt. Antilopen, Gnus, Kudus, Böcke, Elefanten & Co. schlürfen zu Hunderten das frische Nass, und wer nicht schnell genug an die Reihe kommt, stellt sich gleich mit allen Vieren ins Frühstück. Zur Freude der Krokodile.
 

In der zweiten Reihe, bevorzugt im Schutz der Büsche, lauern die Löwen auf ihr Lunchpaket, und in den Ästen über ihnen überlegt sich der Rotschnabeltoko bereits, an welchen Resten er sich gütig halten will. Eine Bootssafari durch die offene Flusslandschaft macht uns praktisch zum Mitspieler der dramatischen Aufführung und manchmal ergibt sich ein kleines Wettschwimmen mit Elefanten. So kommt jeder auf seine Kosten und am allermeisten wir. Wobei es allein in Ihrer Entscheidung liegt, ob Sie noch eine Safari draufsetzen oder sich im Garten der Lodge lieber zur gepflegten Ruhe setzen möchten.

Baobabbaum am Rande der Salzpfanne (© Peter Pack, Pack Safari / Chamäleon)
Man gewöhnt sich schnell daran, aber verwirrend ist es am Anfang schon, dass zu jeder Lodge ein paar tausend Hektar Wildpark gehören, durch die das Großwild spaziert als wenn es hier zu Hause wäre. Nun ja, in gewisser Weise ist es das ja auch, weshalb wir im Planet Baobab Camp 7 erst mal schauen, ob nicht gerade eine Herde Jumbos durch den Garten rüsselt, bevor wir seinem Namen auf den Grund gehen. Der aber ist schnell geklärt, denn wer die bis zu 4.000 Jahre alten Boababs nicht sieht, die der Sage nach verkehrtherum im Erdreich stecken, dem hilft auch keine Brille mehr. Der Rest des Camps ist gleichfalls typisch afrikanisch, um nicht zu sagen: ausgesprochen authentisch. Fröhlich, farbig und easy going.
Endlos weiß in der Makgadikgadi-Salzpfanne (© Petra Beck / Chamäleon)
Gleich nebenan ist das Leben, na, sagen wir mal signifikant eingedampft. Da brütet die Makgadikgadi-Salzpfanne 8 seit 4.000 Jahren still vor sich hin. Makgadikgadi bedeutet »ausgedehntes lebloses Land«, was angesichts der 8.400 Quadratkilometer großen Salzpfannen verständlich, aber nicht ganz korrekt ist. Denn außer uns haben noch andere den Mut, die konturlose flimmernde Wüste zu betreten. Zebras, Oryxantilopen und Springböcke versuchen das gelegentlich auch, manche schaffen es wieder zurück, andere schafft die Fata Morgana, und ihre Gerippe dienen die nächsten 1.000 Jahre zur Warnung. Falls Sie einen See entdecken, wo keiner ist, achten Sie auf die Erdmännchen. Die gucken immer in die Richtung, aus der was kommt und wo ein Eingang, ist auch der Ausgang. In diesem Fall nach Gweta für ein Lehrstück in afrikanischer Kultur: die Grundschule, der Open-Air-Gerichtshof, das Leben auf dem Dorfplatz und so ziemlich das Wichtigste für die Tswana, ihr Rinderkral.
Flamingoschwärme im Okavango Delta (© Kai-Uwe Küchler / Chamäleon)

Man kennt das ja: Wo nicht allzuviel geboten wird, kommt das Beste zum Schluss. Bei uns nicht. Denn erstens hatten Sie das Beste schon, also kann es sich nur um das Allerbeste handeln, und zweitens macht dieser allerbeste Schluss fast ein Viertel Ihrer Reise aus. Der erste Eindruck ist etwas irreführend, denn das zutiefst afrikanische Städtchen Maun besteht genau genommen aus einer einzigen Kreuzung und den unvermeidlichen Lehmhütten. Seine Qualitäten sind andere. Ein Immobilienmakler würde sagen: Lage, Lage, Lage. Und er hätte recht, denn Maun ist praktisch das Einfallstor zum Okavango-Delta. Die zweite herausragende Eigenschaft: Maun hat einen Flugplatz. Staubig wie alles hier, aber dort wartet ein Fliegerchen wie für uns gemacht. Es bringt uns mit atemberaubenden Schleifen über das gigantische Wasserreich des Okavangos ins Moremi-Wildreservat 9 10 11, mitten im Delta.
Wie eine Perle in der Fassung der Wildnis liegt der »Vater vieler Büffel«. Das zauberhafte Rra Dinare Camp im Flutgebiet des Gomoti-Flusses, steht mitsamt seinem Pool auf einer erhöhten Plattform. Trockene Füße garantiert, aber der eigentliche Hit ist die Nachbarschaft einer unvorstellbaren Artenvielfalt.  71 Fischarten, 33 Amphibienarten, 64 Arten prähistorischer Reptilien, 444 Vogelarten und 122 Sorten Säugetiere teilen sich die 20.000 Quadratkilometer Feuchtgebiet im Okavango-Delta. Und damit der Tisch stets reich gedeckt ist, kommen noch 1.300 Pflanzenarten hinzu. Soweit die Statistik. Jetzt wird es ernst.

Das Boot, mit dem schon die Ureinwohner lautlos durch die Wasserwege des Deltas glitten, war ein ausgehöhlter Baumstamm. Sie nannten es Mokoro, und es ist unabhängig vom Wasserstand und bei Bedarf auch schnurstracks durch das Labyrinth der Papyrusinseln, immer noch das Verkehrsmittel Nr. 1. Geräuschlos taucht die Paddelstange in den Untergrund und schiebt das Mokoro vorwärts. Kein Motor übertönt das Fiepen der Jungen, die im Schilf geschlüpft sind. Mittagsruhe den ganzen Tag. Selbst die Vögel zwitschern piano. Nur die Farben, sie schreien Abend für Abend in den grellsten Tönen, als könnten sie den Untergang der Sonne verhindern. Können sie natürlich nicht, aber es ist keine Niederlage, nur eine Pause, in der die Natur das Uhrwerk wieder aufzieht, damit der Kreislauf des Lebens von neuem beginnen kann.
 

Mittags, wenn die Sonne über dem Camp steht, spielen Sie Hippo im Pool. Vorbilder gibt’s reichlich, dafür brauchen Sie nur über den Rand in den unmittelbar angrenzenden Gomoti-Fluss zu sehen. Ihr (Heim)Vorteil: Sie haben es näher zur Bar, in den erholsamen Schatten der gewaltigen Ebenholzbäume, zum Afternoon-Tea, ans Sundowner-Buffet. Und wenn Sie zwischen all diesen Glücksmomenten neue Abenteuerlust packt, wissen Sie ja, wo das Mokoro liegt. Noch einmal durch die spiegelglatten Wasserwege, durch leuchtend blaue Lagunen und meterhohes Papyrus, in dem sich eine millionenfache Population der Tiere versteckt, die aus der Genesis hervorgegangen sind.

Nicht für Wasserscheue, Safari am Chobe (© Kai-Uwe Küchler / Chamäleon)
Das Uhrwerk ist wieder aufgezogen und weckt mit einem schmeichelhaften Licht die Lebensgeister im Moremi-Wildreservat. Das Fliegerchen steht bereits da und dreht die Schleifen bis Maun 12 diesmal andersrum, damit Sie allen, die sich erfolgreich versteckt hatten, doch noch in die Augen schauen können. Wird möglicherweise ein etwas wehmütiger Anblick, aber spätestens, wenn Sie zu Hause 13 beginnen, von Ihrer Reise ins Okavango-Delta zu erzählen, geht ein Lächeln über Ihr Gesicht, das von Glück und seligen Momenten spricht.
Mokoro SENSE - 13 Tage Wunderwelten-Reise
98,6 100 2
EUR