Diese Geschichte wird immer gern erzählt: Als der erste Siedler seine Sklaven losschickte, um Holz für sein Haus zu besorgen, fanden sie nichts, was für mehr als eine wackelige Strandbar gereicht hätte, und so gab er dem unwirtlichen Flecken den Namen Keflavík 1, Treibholzbucht. Irgendwann muss irgendwer doch noch etwas Brauchbares gefunden haben, aus dem das historische rote Wohnhaus des Kaufmanns Peter Duus und die niedliche weiße Kirche gebaut wurden. Und da isländisch eine sehr logische Sprache ist, heißt das rote Haus Duushús und die Kirche Keflavíkurkirkja, also »Kirche von Keflavík«. Freuen Sie sich, Sie sind in Island!
Der Gullfoss (© Kai-Uwe Küchler, Art & Adventure / Chamäleon)
Bleiben wir noch etwas bei der Sprache. »Gull« heißt Gold und »Foss« heißt Fall. Den Rest können Sie sich denken. Gullfoss, der goldene Wasserfall, steht nach einem spektakulären Tauziehen um die Nutzungsrechte unter Naturschutz. Und dort bleibt er als Mitglied im Golden Circle 2, neben den spektakulärsten Geysiren der Erde. Bis zu 20 Meter blasen sie ihre Fontänen aus dem Lavaboden.
Blubbernde Schlammquellen, mit Eisbergen gefüllte Lagunen, »Fußbodenheizungen«, die das satte Grün aus dem Boden treiben und – wie gesagt – Gold, als Licht, als Landschaft, als Momente, in denen das Staunen kein Ende nimmt – so sind die Tage Ihrer Reise.
Unsere Traumstrecke zum Gullfoss ist runde 200 Kilometer lang, aber schon nach 60 Kilometern schlägt Ihnen das Herz bis zum Hals. Der Fahrer ist es nicht, es sind die Nordamerikanische und die Eurasische Platte, die in der Allmännerschlucht einen atemberaubenden Blick zulassen, was sie in der Tiefe treiben. 70 Meter haben sie sich in den letzten 10.000 Jahren entzweit, da werden sie nicht gerade heute zum Endspurt ansetzen. Ein bisschen kribbeln tut es trotzdem. Übrigens befinden wir uns mitten im Thingvellir-Nationalpark. Weltnaturerbe und Islands historischer Nabel, wo 930 das älteste Parlament der Welt ausgerufen und 70 Jahre später die Annahme des Christentums beschlossen wurde.
Berge in Landmannalaugar (© Samuel Schmid / Chamäleon)
Straßen, wie wir sie kennen, haben in Island Seltenheitswert. Jedenfalls dann, wenn man dem Lockruf des Hochlandes in eine Welt der Farben folgt, die kaum zu beschreiben sind. Pechstein mag ja noch angehen, aber bei Rhyolith, Quarztrachyt und Obsidianlava in Symbiose mit Moosen, Schwefel und Schneeresten, da kann man schon in schweigendes Schwärmen verfallen. Flüsse kreuzen unsere Schotterpiste. Aber da müssen wir durch. Es führt kein anderer Weg in die schönste Landschaft Islands, das Liparitgebirge Landmannalaugar 3. Übersetzt: Die warmen Quellen der Leute vom Land. Die Leute, das sind heute wir. Die warmen Quellen sind die Belohnung, wenn wir von unserer Wanderung auf den Aussichtsberg Bláhnúkur zurückkehren.
Gletcherlagune Jökulsárlón (© Dirk Bleyer / Chamäleon)
Es glaubt wirklich niemand daran, dass den Isländern mal das Wasser ausgehen könnte. Sie erinnern sich? Foss heißt Wasserfall. Nun denn: Seljalandsfoss, Skógafoss, Svartifoss – alle heute. Alle auf unserer Fahrt zu den Farben, die gestern nicht dabei waren: Eisblau, Lichttürkis, Diamantsilber, und wenn sich die Sonne verkrümelt, schwebt über allem noch der zarte Ton von Prunus Persica. In der Gletscherflusslagune Jökulsárlón 4 läuft Ihre innere Uhr rückwärts. Im tiefsten See Islands treiben kristallblaue Eisberge im Zeitlupentempo durch eine überirdische Wunderwelt. Möglicherweise haben Sie sich schon einmal hierhin gesehnt. Als James Bond mit einem unsichtbaren Aston Martin den Eispalast seines gentransplantierten Gegenspielers Moon zerlegt hat. Welch eine Landschaft, werden Sie gedacht haben. Und heute sind Sie da.
Einige Isländer (© Kai-Uwe Küchler, Art & Adventure / Chamäleon)
Szenenwechsel. Selige Ruhe und eine sklavische Verbundenheit mit der Natur kennzeichnen das Leben im Millionen Jahre alten Teil der Ostfjorde 5. Doch trotz aller Mühsal in diesem entbehrungsreichen Teil Islands, hören die Menschen nicht auf, an dieser farbintensiven Idylle und den traumatisierend schönen Spiegelbildern dieser einzigartigen Landschaft zu hängen. Von Geysiren, köchelnden Schlammlöchern und dampfenden Fumarolen war schon die Rede. Wenn all diese vulkanischen Phänomene zusammenkommen, entsteht ein Ort galaktischer Gefühle, die Blaue Lagune des Nordens im Seengebiet Mývatn 6. Mit dokumentierter Heilkraft gegen allerlei Hautleiden. Aber einfach reinsetzen und sich mit einem Cocktail im aufsteigenden Nebel verstecken, das ist der wahre Gesundbrunnen.
Urgewalt des Dettifoss (© Kai-Uwe Küchler, Art & Adventure / Chamäleon)
Wieder mal Foss, der gefühlt hundertzwanzigste. Diesmal mit der ungläubigen Erkenntnis, dass es immer noch ein paar Nummern größer geht: der Dettifoss, mit dem Maximum an Volumen und Fallhöhe. Rauscht dementsprechend, aber gemessen an der Vergangenheit ein Knirps. Drei Kilometer breit war einst der Wasserfall, von dem die hufeisenförmige Ásbyrgi-Schlucht 7 übrigblieb. Die Mythologie sagt allerdings, es handele sich eindeutig um den Fußabdruck von Odins achtbeinigem Pferd. Vielleicht finden Sie noch eine dritte Erklärung, während wir im schlaftrunkenen Fischerdorf Húsavíkins Blaue sehen. Es nähert sich hoffentlich in Form eines Balaenoptera musculus, mit 200 Tonnen das schwerste Tier, das jemals auf der Erde gelebt hat. Im Sommer kommen die Blauwale in die Gewässer um Island, um sich ihre Rationen Krill abzuholen. Und eine optionale Walbeobachtungsfahrt könnte der krönende Teil des heutigen Tages sein. Wenn Sie eine neun Meter hohe Blas-Fontäne entdecken, dann kommt er.
Wollgras im Abendlicht (© Kai-Uwe Küchler, Art & Adventure / Chamäleon)
Die Zeit ist da, unseren allerletzten Foss anzusteuern, den sagenumwobenen »Wasserfall der Götter«. Zwar ließ sich hier keiner von den Göttern sehen, aber mit dem Bekenntnis zum Christentum hatten auch ihre heidnischen Insignien ausgedient. Bilder, Artefakte und Symbole lies der amtierende Priester schwungvoll entsorgen. Und wo? Richtig, im Godafoss. Das Kirchenfenster in Akureyri liefert den historischen Beweis. Darauf ein Bierchen oder zwei in der einzigen Brauerei Islands, dann neutralisiert unser Hotel in der grandiosen Natur des Skagafjords 8 das Adrenalin des Tages.
Kunst am Hafen von Reykjavík (© Stephanie Hauri / Chamäleon)
Einmal rund um Island, haben Sie mit großen Augen gesehen, wie es sich auf der größten Vulkaninsel der Erde lebt. Mit rund 340.000 Einwohnern das am dünnsten besiedelte Land Europas. Über 60 Prozent davon leben in Reykjavík 9, der Rest teilt sich die Insel mit Polarfüchsen, Schafen, Islandpferden, Schneehühnern, Papageientauchern, Eissturmvögeln, Sterntauchern, Thorshühnchen, Trottellummen und wie sie alle heißen. Die farbenschwangere Idylle, die oft genug sprachlos macht, ist ein Traum für den Betrachter, die Menschen aber singen seit jeher ein Lied von Mühsal und Entbehrung im Würgegriff der Jahreszeiten. Das Museumsgehöft Glaumbaer zeigt die andere Seite der Medaille, die gesegnete, wenn man das Glück hat, als Kaufmannsfamilie durch den Handel mit Walross-Elfenbein eine große Nummer zu werden und schließlich die Bischöfe zu stellen.
Zurück in der Hauptstadt, führt eine Stadtrundfahrt zu all den kulturellen Kostbarkeiten, die Sie noch gesehen haben müssen: die Domkirche, das raketenhafte Wahrzeichen, das Leif-Eriksson-Denkmal, das preisgekrönte Konzerthaus Harpa, das älteste Haus in Reykjavík und viele andere prominente Bauwerke, die eindrucksvoll das Streben der Generationen zeigen, ihr Land zu einem Juwel in der Fassung einer sagenhaften Natur zu machen. Genießen Sie es bis zur letzten Minute, denn schon am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen von »Eis« und »Land«. Zurück in der Heimat 10, können Sie erzählen, Sie waren nicht weit weg, aber Sie seien sehr weit weg gewesen.
Gullfoss - 10 Tage Wunderwelten-Reise
0,0 100 0
EUR