Sie haben die Wahl, von welchem Flughafen in Deutschland 1 Sie ins Unbekannte fliegen. Das Zwischenziel klingt noch vertraut, dann führt Sie die zweite Etappe über Nacht von Istanbul nach Bischkek. Schon mal gehört? Immerhin ist es die Hauptstadt jenes Landes, das es sich zwischen 5.000 Meter hohen Gebirgsketten gemütlich gemacht hat. Ein Tal, ein Land, fertig. Oder – wie es die Legende auslegt – ein Topf, denn auf Kirgisisch ist Bischkek eine Ableitung von »bischkek«, womit das traditionelle Gefäß zur Zubereitung von fermentierter Stutenmilch gemeint ist. Und wie die Milch in diesem Topf liegt Kirgisistan im Schoß des ganzjährig schneebedeckten Tienschan-Gebirges. Herrlich, diese ewige Kulisse.
Frauen bei der Arbeit (© Novi Nomad Tours / Chamäleon)
Sie landen am frühen Morgen, was für ein kirgisisch gefärbtes Frühstück spricht. Wir wollen nicht drängeln, aber Ihr Informationsdefizit muss aufgeholt werden, denn ob Sie es glauben oder nicht, Bischkek 2 ist eine in jeder Hinsicht moderne Stadt, mit breiten Boulevards, Restaurants, Cafés und dem Lächeln der zentralasiatischen Kultur. Dennoch: Mit Latte macchiato wird es schwierig, weshalb Sie sich auf neue Begriffe einstellen sollten: das Nationalgetränk Maksym oder andere traditionelle Durstlöscher wie Dscharma, Tschalap und Tan. Da hilft nur probieren, und die Regel besagt: Schmeckt alles köstlich, ist vielleicht nur nicht Ihr Geschmack. Aber wir werden ja sehen. Den Hauptplatz Ala-Too natürlich auch, die Oak-Park-Galerie mit Werken der bekanntesten Künstler der ehemaligen Sowjetunion und die Jugendallee bei der Philharmonie.
Basar in Bischkek (© Novi Nomad Tours / Chamäleon)
Eine malerische Stunde westwärts das Dorf Manas. Kein gewöhnlicher Ort, eine Lebensgemeinschaft aller Bewohner. Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung. Keiner bleibt allein, jeder nach seinem Talent gefördert als wertvolles Mitglied einer Gemeinschaft, die schon bald ihren eigenen Dorfladen eröffnen kann. Von hoffnungsvollen Zukunftsplänen 1.000 Jahre zurück in die Zeit der Karachaniden. Herrscher, Kulturstifter und Vorreiter der formvollendeten islamischen Architektur. Der Burana-Turm zeigt, wie alles angefangen hat. Der andere geniale Baumeister, die Natur, hat den denkbar schönsten Ort für Ihre Übernachtung geschaffen, das Tschong-Kemin-Tal  3 4. Mittendrin das Gästehaus Ashu, Start und Ziel für ein kopfloses kirgisisches Freizeitvergnügen. Zunächst ein Labsal in freier Natur: Hammel, Kartoffeln, Zwiebeln und Gemüse zu einem Eintopf geschichtet und ewig im eigenen Saft köcheln lassen. Von der Ziege, die teilnahmslos am Rande liegt, ist garantiert nichts dabei, auch wenn ihr der Kopf fehlt, denn der wird bei dem traditionellen Reiterwettkampf Ulak Tartisch nicht gebraucht. Dann geht es los, und wir fiebern mit, wenn die Kontrahenten versuchen, das kopflose Tier über die Torlinie in einem Kreis zu versenken. Einhändig mit rund 35 Kilo. Polo auf Kirgisisch.
Bootsfahrt auf dem Yssykköl-See (© Novi Nomad Tours / Chamäleon)
Üben Sie schon mal: Yssykköl-See 5. Spricht sich, wie man es schreibt. Nach dem Titicaca-See in Südamerika der zweithöchste Bergsee der Welt und entsprechend frisch. Was Sie nicht davon abhalten sollte, in dem kristallklaren Wasser ein Bad mit Blick auf das schneegetoppte Bergpanorama zu nehmen. Der zweite Blick gilt dem Petroglyphen-Freiluftmuseum in Tscholponata mit seinen jahrtausendealten Felszeichnungen und Inschriften. Man kann über oder entlang des Yssykköl-Sees fahren, beides hat einen unvergleichlichen Reiz. Also machen wir beides. Am Nachmittag mit dem Boot, am nächsten Morgen drumherum bis nach Karakol 6. Eine Welt tut sich auf. Hier die prachtvolle russisch-orthodoxe Kirche, dort die chinesische Dunganen-Moschee. Erst der Basar von Karakol, dann die Filzwerkstatt mit Schnellkurs im kirgisischen Teppichfilzen. Und nach all den bleibenden Eindrücken der eindrucksvollste: die Einladung ins Privathaus einer uigurischen Familie. Wir nehmen an. Man sollte meinen, so ein Tag sei randvoll, was er ja auch ist, aber wie ein Klacks Sahne beim Dessert die Krönung macht, fügen wir noch das familiäre Green Yard Hotel hinzu. Mit einem Blick auf die Spitzen der Tienschan-Berge in leuchtendem Rot.
Fahrt zur Dscheti-Ögüs-Schlucht (© Novi Nomad Tours / Chamäleon)
Sieben Bullen haben diesmal nichts mit kopflosen Sportarten zu tun. Sie sind das berühmte Wahrzeichen Kirgisistans, verewigt in zahlreichen Sagen, Erzählungen und Liedern, in denen die markanten roten Felsformationen über der Dscheti-Ögüs-Schlucht 7 eine tragende Rolle spielen. In einer Höhe, wo zu Hause höchstens noch der Enzian wächst, erreichen wir im »Tal der Blumen« unser traditionell errichtetes Jurtencamp. Die Bezeichnung Tal ist leicht irreführend und nur in der Relation zur umliegenden Bergwelt zu verstehen. Tatsächlich empfängt uns eine alpine Hochwiese, auf der für uns fünf Schlafjurten und eine Speisejurte stehen. Hier werden wir nach einer Wanderung durch die atemberaubende Berglandschaft den Tag am Lagerfeuer vollenden. Das flackernde Licht, die Schattenrisse der Fünftausender und über allem ein Sternenhimmel in Full HD machen diesen Moment unvergesslich.
Jagdvogel-Vorführung (© Novi Nomad / Chamäleon)
Gebrochenes Herz, Sieben Bullen, Märchenschlucht – der Yssykköl-See knausert nicht mit klangvoller Begleitmusik. Und weil all diese felsigen Höhen und Tiefen mit ihren inspirierenden Formen je nach Sonnenstand ständige Farbwechsel produzieren, wandern wir auch am neuen Morgen noch einmal durch das sich ständig drehende Kaleidoskop. Haben Sie zwischen den Bildern die Steinadler bemerkt? Das sind die Jagdgehilfen im kirgisischen Bergland. In dem Örtchen Bökönbajew 8 leben die Jäger, die mit Hilfe der abgerichteten Greifvögel das Kleinwild dezimieren. Lautlos und effektiv. Wir haben eine Sondervorführung bestellt und hoffen, dass die Steinadler entsprechend gut drauf sind. Was keine Frage im privaten Gästehaus von Frau Mila ist. Sie empfängt uns in Kotschkor zu »Five Fingers«, einem traditionellen Abendessen aus Nudeln und Fleisch, von fleißigen Steinadlern erlegt, frisch in den Topf.
Kirgisische Nomaden (© Novi Nomad Tours / Chamäleon)
Kochu, das ist ein Wort, bei dem die Augen der Kirgisen leuchten. Ein Festival zur Pflege und Bestärkung kirgisischer Traditionen, das den Höhepunkt im August bildet. Aber weil es so interessant ist und auch den Kirgisen immer wieder Spaß macht, gibt es für uns eine kleine Sonderausgabe, die Kochu-Show. Mit traditionellem Gesang, Jurtenbau und Freundschaftsgeschenken in Form von Tee und Hefegebäck. Eine willkommene Wegzehrung für unsere Fahrt zurück nach Bischkek 9. Packen Sie Ihren Koffer gar nicht erst aus! Denn noch am Abend geht es mit dem Flieger weiter an die alte Seidenstraße.
Kalyan-Moschee in Buchara (© Liseykina, iStockphoto.com / Chamäleon)
Unverkennbar orientalisch präsentiert sich die Hauptstadt Usbekistans, und der Reichtum, den Gewürze, Seide, Papier und Schwarzpulver in Taschkent 10 zurückgelassen haben, ist beeindruckend. Bis zum Abend nehmen wir das Feinste: die Hasrati-Imam-Moschee mit ihren türkisblauen Kuppeldächern, die Bibliothek mit einer der ältesten Koranausgaben der Welt, die wundervolle Kukeldasch-Medrese aus dem 16. Jahrhundert und die Handwerkergassen im Tschorsu-Basar, wo es vom Nachttopf bis zum goldbesetzten usbekischen Festgewand einfach alles gibt. Zum blauen Bahnhof müssen wir so oder so, denn heute fährt Ihr Bett im holzgetäfelten Schlafwagenabteil durch die Nacht. Stilvoll umhüllt von königsblauem Plüsch.
Schriftgelehrter (© Ulf Behrendt / Chamäleon)
Morgens Ankunft in Buchara 11 12. Ungefähr 350 Moscheen und 120 Medresen allein in der Altstadt. Weltkulturerbe, was sonst? Am Wasserbecken des Lab-e-Haus-Komplexes wurde vor hundert Jahren schon lebhaft Handel getrieben, und die Paläste aus 1.001 Nacht in der Poi-Kalon-Anlage mit dem 45 Meter hohen Kalyan-Minarett in der Mitte werden Ihnen endgültig zeigen, dass Sie im Bann der Seidenstraße angekommen sind. Und was taten die Händler nach einem gewinnträchtigen Deal? Ab ins Hamam. Können Sie auch haben. Zum Regenerieren, denn das Samaniden-Mausoleum, die Tshor-Minor-Medrese, die Festung Buchara und den Bolo-Haus-Komplex müssen Sie noch gesehen haben, dann übernehmen die Puppenspieler der Kukeldasch-Medrese das Vorspiel für Ihr Abendessen.
Ornamentik des Gur-Emir-Mausoleum (© Arkady Chubykin, iStockphoto.com / Chamäleon)
Wenn das Nakschbandi-Mausoleum, eine der heiligsten Pilgerstätten in Zentralasien, seine Tore für uns öffnet, sind wir bereits unterwegs nach Samarkand 13 14, Weltkulturerbe und Platz eins der architektonischen Meisterwerke. »Perle des Ostens« klingt etwas reißerisch, doch wenn Sie die atemberaubenden Medresen Ulugbek, Tella-Kari und Schir-Dar gesehen haben, werden Sie den Titel als maßlose Untertreibung empfinden. Jedes Bauwerk ein Edelstein aus der goldenen Epoche des 15. Jahrhunderts. Gur-Emir – das »Grab des Königs« – zeigt noch einmal, was timuridische Monumentalarchitektur zu leisten vermochte, dann backen wir kleinere Brötchen. Als Teilhaber bei der Entstehung der beliebten usbekischen Brotsorte Non.
Kleine Kinder, kleines Pferd (© Novi Nomad / Chamäleon)
Dann heißt es Abschied nehmen. Am Abend bringt uns der Schnellzug zurück nach Taschkent. Letzte Nacht im Sharq Hotel, verworrene Träume nicht ausgeschlossen. Von Tagen in einer anderen Galaxie, von Dschingis Khan und nicht für möglich gehaltener Pracht, von Jurten und geköpften Ziegen, von Bullen, gebrochenen Herzen und Märchen, die nicht enden wollen. Unmöglich zu beschreiben, was Sie alles erlebt haben, wenn Sie Taschkent 15 hinter sich lassen und über Istanbul wieder in Deutschland angekommen sind. Nur erzählen Sie bitte niemandem, Sie seien vom Milchtopf ins Mausoleum gereist.
Samarkand - 15 Tage Wunderwelten-Reise
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