Elf Millionen Menschen können nicht irren. Das sind ziemlich genau doppelt so viele Besucher pro Jahr wie Singapur Einwohner hat. Und das in einem Staat, der der kleinste Südostasiens und ohnehin nur eine Stadt ist. Bevor die »Löwenstadt« zu einem der reichsten Länder der Erde wurde, war sie nicht mehr als ein Fischerdorf und Piratenversteck, aber da kann man mal sehen, wie weit man es mit der malaiischen Parole »Majulah Singapura« bringen kann. Vorwärts also.

Nun denn: Vorwärts zum Flughafen Frankfurt 1, damit Sie schon da sind, wenn über der Skyline von Singapur 2 die Sonne aufgeht. Dieser Tag gehört Ihrer Sprachlosigkeit, und dabei ist es ziemlich egal, wohin wir mit Ihnen fahren. Beginnen wir dort, wo auch Singapur begonnen hat, bei den Lebensgeschichten der Pioniere im alten Chinatown, für die Nachwelt festgehalten im ehrwürdigen Heritage Center. Möglicherweise ist Singapur so schnell gewachsen, weil sie mit dem Abriss der alten Viertel nicht nachgekommen sind. Aber was wäre dann mit den entwaffnenden Gegensätzen zwischen dem charmanten Erbe der ersten Stunde und den abenteuerlichen Wolkenkratzern des Financial District?

Trance (© Manuela Richter / Chamäleon)

War das Flair in Singapur vor allem von Chinesen, Malaien, Indern und Moslems geprägt (die Expats lassen wir mal beiseite), kommen in Melaka 3 noch europäische Gene hinzu. Oh pardon – fast vergessen: Wir haben Singapur ade gesagt und sind ein Stück hochgerutscht, schon gilt ein anderer Wahlspruch: »Bersekutu Bertambah Mutu«. Einheit ist Stärke. Willkommen in Malaysia.

Der Nationenmix in Melaka, zu dem jetzt vor allem holländische und portugiesische Traditionen hinzukommen, ist so dicht verwoben, dass die UNESCO gleich die ganze Stadt zum Weltkulturerbe erklärt hat. Das wäre auch ohne diese Ehre unübersehbar gewesen. Da stehen die Reste der portugiesische Festung A Famosa immer noch wie eine Eins. Der St.-Pauls Hill und das Portal der St. Pauls-Kirche wachen über die Stadt. Das alte holländische Stadthuys plaudert Geschichten aus, die damals unter Strafe standen. Die Temple Street verbindet die Weltreligionen, und wenn das alles noch nicht genug ist, dann entlassen wir Sie auf eigene Gefahr in den Jonker Street Night Market. Very good night.

Kuala Lumpur bei Nacht (© Exo Travel / Chamäleon)
Dass ihre Stadt »Schlammige Flussmündung« heißt, war den Einheimischen schon immer ein Dorn im Auge. Wahrscheinlich sagen sie deshalb nur KL, wenn von Kuala Lumpur 4 5 die Rede ist. Die Einheimischen von KL, das sind so ziemlich alle, die an anderer Stelle unseres Planeten schon mal zu Hause waren. Man identifiziert sie durch einen Blick zwischen das Dickicht der Wolkenkratzer: Minarette, Moscheen, christliche Kirchtürme, chinesische Pagoden und indische Tempel. Es geht natürlich auch anders. Zu Fuß durch die Kontraste der Viertel, über lokale Märkte bis zu den Garküchen in Chinatown. Und eine Stärkung muss sein, denn am Abend geht es auf die Luftbrücke der Petronas Twin Towers. Mit einem Blick auf Kuala Lumpur, der an den Nerven zerrt.
In der Lang Cave  (© Jorg Sundermann, Mulu Marriott Resort / Chamäleon)
Das speziell für uns zubereitete chinesisch-indisch-malaiische Essen bei einer einheimischen Familie macht den Abschied etwas schwer, aber wieso sollte diese Reise Borneo heißen, wenn wir jetzt nicht den Abflug in das malaiische Archipel machen? Wir fliegen zu einem steinzeitlichen Höhlensystem, in dem sich Mensch und Natur noch auf Augenhöhe begegnen, dem Gunung-Mulu-Nationalpark 6 7. Deer Cave, die längste Höhle der Welt, führt uns 2.160 Meter tief in das Karstgebirge. Lang Cave punktet mit spektakulären Stalagmiten und Stalaktiten. Aber wenn Sie denken, dass es so tief im Schoß der Erde kein Leben mehr gibt, dann freuen Sie sich auf Fledermausschwärme, Gespenstschrecken, Glühwürmchen und fluoreszierende Pilze. Und hinterher auf das luxuriöse Mulu Resort & Spa in der überwältigenden Natur des Regenwaldes.
Sonnenuntergang am Strand von Kota Kinabalu (© Bahar Yöner / Chamäleon)
Offiziell landen wir auf dem Flughafen von Kota Kinabalu 8. Aber ihr historischer Name »Wo die Augen gern verweilen« gefällt uns besser und sagt auch sehr viel mehr darüber, weshalb wir gekommen sind. Wir rechnen fest mit Ihrer Zustimmung, sobald wir die Waterfront erreicht haben, wo der Sonnenuntergang zu einem allabendlichen Showdown wird. Sie dürfen gerne applaudieren. Die kleine Bantu-Ethnie der Rungus zählt nur noch 34.000 Mitglieder. Da muss man zusammenrücken. Sie tun das in ihren typischen Langhäusern 9 und bringen mit dem Bau ihre traditionell hohe Naturverbundenheit zum Ausdruck. Das können Sie zum Ausklang des Tages auch tun, denn wo das Südchinesische Meer und die Sulusee aufeinandertreffen, da kann man zauberhafte Zwiegespräche mit der Natur führen.
Regenwald (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Sie kennen das sicher von Ihrem Garten: Es muss nur genug regnen, dann wächst alles, was man noch nie zuvor gesehen hat. So ähnlich dürfen Sie sich den Mount-Kinabalu-Nationalpark 10 vorstellen, denn er liegt mitten im ältesten Regenwald der Welt. Grund genug, ihn mitsamt seinen 5.500 Pflanzen- und 430 Tierarten zum Naturerbe zu erklären. Andererseits waren in der Hochzeit der Kolonialisierung auch die Briten hier und die lieben es geordneter. Vor allem, wenn es darum geht, die Teebäume in Reih und Glied zu pflanzen. Haben sie prompt gemacht. Mit Erfolg, wie Sie auf der Plantage Sabah Tea Resort sehen und schmecken können.
Schulkinder beim Baden (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Nachdem die Briten nicht alles trinken konnten, was sie wachsen ließen, begann um die Jahrhundertwende die Blüte von Sandakan 11 als Handelsplatz. Ab 1930 kam der Export tropischer Hölzer hinzu. Begossen wurden die lukrativen Deals in traditionellen Teehäusern nach bestem englischen Vorbild. Zum Five-o’clock-Tea ist es noch zu früh, also melden wir uns zum Mittagessen an, denn wie in den Gildehäusern der Hanse, hängte man seinen Reichtum nicht ins Fenster, sondern pflegte ihn im Inneren zur eigenen Erbauung. Anders bei den Buddhistischen Tempeln, die geben auch außen schon einen Vorgeschmack darauf, was einem innen den Atem raubt. Beim Puu-Jih-Shih-Tempel ist das nicht anders. Außer, dass hier noch der umwerfende Blick über die Bucht von Sandakan hinzukommt.
Im Sepilok Orangutan Rehabilitation Centre (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Sonnenbär klingt doch wirklich süß, oder? Ganz so niedlich ist er nicht, aber vom Aussterben bedroht. Vielleicht können wir ein bisschen helfen, ihn zu schützen. Und wenn wir schon unser Herz für Tiere zeigen, im Sepilok Orangutan Rehabilitation Centre 12 werden verwaiste Babys behütet und aufgepäppelt. Stark genug für die freie Wildbahn, werden sie dort ausgesetzt, wo auch wir unser letztes Domizil im Dschungel beziehen. Begleitet von tausend Augen, arbeiten wir uns durch das wuchernde Grün an den Fluss, wo unser Boot zum Kinabatangan Wetlands Resort liegt. Dem Zugriff der Wildnis entronnen? Keineswegs, hier geht es erst richtig los.
Blätter im Gegenlicht (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Der Dschungel schläft nicht, und Sie? Ständig ein Rascheln, ein Zirpen, ein Piepen und Rufen im Ohr, das kann zur Gute-Nacht-Musik werden oder zum Ansporn für eine Mondschein-Safari, um zu sehen, wer hier wen durch die Bäume jagt. Am frühen Morgen ist die Welt wieder in Ordnung. Da wird nicht gejagt, da wird gejodelt. Jedenfalls am Kelenanap-Oxbow-See, wo sich Vögel, Tiere und Pflanzen in völliger Abgeschiedenheit ein eigenständiges Ökosystem geschaffen haben. So dreht die Natur in Kinabatangan 13 14 den Spieß um: Nicht der Mensch gestaltet sich ein Paradies, das Paradies gestaltet den Lebensraum des Menschen. Wunderbar.
Bootsfahrt durch den Dschungel (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Noch einmal schlafen – oder nachtwandeln, je nach Erfüllungsgrad Ihrer Träume. Dann bringt uns das Boot zurück nach Sandakan. Blau ersetzt das Grün, und das ist auch gut so, denn der Dschungel würde uns freiwillig nicht hergeben. So aber stehen die Chancen gut, dass wir Singapur noch einmal sehen, wenn auch nur kurz, und am frühen Morgen zurück in Frankfurt 15 sind. Es wird eine dieser Reisen gewesen sein, bei der man sich hinterher die Frage stellt: Wo bin ich bisher nur gewesen? Eine Antwort brauchen Sie darauf nicht zu geben. Es reicht, zu wissen, dass es davon im Chamäleon-Programm noch mehr gibt.
Borneo - 15 Tage Wunderwelten-Reise
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