Hoffentlich war Ihnen bei der Buchung klar, dass Sie nach Ihrem Flug von Frankfurt 1 in einer »Schlammigen Flussmündung« landen werden. Wären Sie vor rund 170 Jahren gekommen, hätten Sie eine Machete dabeihaben müssen, bestenfalls noch eine Schaufel. Kuala Lumpur 2, Hauptstadt von Malaysia und in Rekordzeit eines der weltweit größten Finanzzentren, war ein Fleck am Selangor-Fluss. Drumherum Dschungel. Chinesische Bergleute auf der Suche nach Zinn hatten entschieden, ihre Hütten dorthin zu setzen, nicht ahnend, was sie damit anrichten würden. Das Ergebnis ist ein einziges Superlativ, das Jahr für Jahr zehnmal mehr Besucher überwältigt, als die Stadt Einwohner hat. Sollen wir loslegen? Also gut, auf eigene Gefahr.
In der Lang Cave  (© Jorg Sundermann, Mulu Marriott Resort / Chamäleon)
Dass ihre Stadt »Schlammige Flussmündung« heißt, war den Einheimischen schon immer ein Dorn im Auge. Wahrscheinlich sagen sie deshalb nur KL, wenn von Kuala Lumpur 3 die Rede ist. Die Einheimischen von KL, das sind so ziemlich alle, die an anderer Stelle unseres Planeten schon mal zu Hause waren. Man identifiziert sie durch einen Blick zwischen das Dickicht der Wolkenkratzer: Minarette, Moscheen, christliche Kirchtürme, chinesische Pagoden und indische Tempel. Es geht natürlich auch anders. Zu Fuß durch die Kontraste der Viertel, über lokale Märkte bis zu den Garküchen in Chinatown. Und eine Stärkung muss sein, denn am Abend geht es auf die Luftbrücke der Petronas Twin Towers. Mit einem Blick auf Kuala Lumpur, der an den Nerven zerrt.
Fledermausschwarm (© Jorg Sundermann, Mulu Marriott Resort / Chamäleon)
Das speziell für uns zubereitete chinesisch-indisch-malaiische Essen bei einer einheimischen Familie macht den Abschied etwas schwer, aber wieso sollte diese Reise Borneo heißen, wenn wir jetzt nicht den Abflug in das malaiische Archipel machen? Happy landing in Kuching 4 5. Wieder waren es die Chinesen, die 1770 angefangen haben, einen Tempel zu bauen, um den sich schon bald Holzhütte um Holzhütte scharte, die 1884 allesamt abbrannten. Das war die Geburtsstunde des heutigen Stadtbildes entlang der Waterfront, und wie so oft hatten die Kolonialherren stilbildend die Hände im Spiel. Leidtragende waren die Orang-Utans, deren Lebensraum zunehmend gefährdet war, bis sie im Wildtierpark Semenggok ein Refugium erhielten, das sich ihrer Aufzucht und Auswilderung annahm. Füttern gehört dazu. Sie haben doch gewiss eine Banane dabei, oder? Dann aber zurück an die Waterfont zur Jalan Main Bazaar mit den Kolonial- und Art-Deco-Häusern, an denen die Zeit glücklicherweise spurlos vorübergegangen ist. Der Palast des Parlaments, das Haus der Steamship Company, die Buden der India Street, die Shops, die Teestuben, die Garküchen – 100 Jahre in ein paar Stunden.
Traditionelles Handwerk (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Die rasante Entwicklung Malaysias hat nicht alle mitgenommen. Vielleicht ging es manchen auch zu schnell oder die Sorge, ihre Identität zu verlieren, hat sie zum Rückzug in die Region Sarawak veranlasst. Sie wurde zur Heimat von zweieinhalb Millionen Menschen unterschiedlichster Volksgruppen, die weder dem Islam angehören noch die malaysische Sprache pflegen. Was sie eint, ist der Nashornvogel, der es zu ihrem Wappentier gebracht hat. 150 von ihnen leben im Sarawak Cultural Village und halten die Vergangenheit für uns hoch. Im Kuching-Wetlands-Nationalpark 6 braucht es das nicht. Hier machen Makaken, Nasenaffen, Krokodile, Flussdelfine und Scharen exotischer Vögel, was sie schon immer gemacht haben.
Regenwald (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Auch für uns wird es Zeit, die Flatter zu machen. Nicht von Baum zu Baum, dafür nach Mulu zu einem steinzeitlichen Höhlensystem, in dem sich Mensch und Natur noch auf Augenhöhe begegnen, dem Gunung-Mulu-Nationalpark 7 8. Deer Cave, die längste Höhle der Welt, führt uns 2.160 Meter tief in das Karstgebirge. Lang Cave punktet mit spektakulären Stalagmiten und Stalaktiten. Aber wenn Sie denken, dass es so tief im Schoß der Erde kein Leben mehr gibt, dann freuen Sie sich auf Fledermausschwärme, Gespenstschrecken, Glühwürmchen und fluoreszierende Pilze. Und hinterher auf das luxuriöse Mulu Resort & Spa in der überwältigenden Natur des Regenwaldes.
Im Sepilok Orangutan Rehabilitation Centre (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Offiziell landen wir auf dem Flughafen von Kota Kinabalu 9. Aber ihr historischer Name »Wo die Augen gern verweilen« gefällt uns besser und sagt auch sehr viel mehr darüber, weshalb wir gekommen sind. Wir rechnen fest mit Ihrer Zustimmung, sobald wir die Waterfront erreicht haben, wo der Sonnenuntergang zu einem allabendlichen Showdown wird. Sie dürfen gerne applaudieren. Die kleine Bantu-Ethnie der Rungus zählt nur noch 34.000 Mitglieder. Da muss man zusammenrücken. Sie tun das in ihren typischen Langhäusern 10 und bringen mit dem Bau ihre traditionell hohe Naturverbundenheit zum Ausdruck.
Begegnung vor der Haustür (© Bahar Yöner / Chamäleon)
Sie kennen das sicher von Ihrem Garten: Es muss nur genug regnen, dann wächst alles, was man noch nie zuvor gesehen hat. So ähnlich dürfen Sie sich den Mount-Kinabalu-Nationalpark 11 vorstellen, denn er liegt mitten im ältesten Regenwald der Welt. Grund genug, ihn mitsamt seinen 5.500 Pflanzen- und 430 Tierarten zum Naturerbe zu erklären. Andererseits waren in der Hochzeit der Kolonialisierung auch die Briten hier und die lieben es geordneter. Vor allem, wenn es darum geht, die Teebäume in Reih und Glied zu pflanzen. Haben sie prompt gemacht. Mit Erfolg, wie Sie auf der Plantage Sabah Tea Resort sehen und schmecken können.
Bootsfahrt durch den Dschungel (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Sonnenbär klingt doch wirklich süß, oder? Ganz so niedlich ist er nicht, aber vom Aussterben bedroht. Vielleicht können wir ein bisschen helfen, ihn zu schützen. Und wenn wir schon unser Herz für Tiere zeigen, im Sepilok Orangutan Rehabilitation Centre 12 werden verwaiste Babys behütet und aufgepäppelt. Stark genug für die freie Wildbahn, werden sie dort ausgesetzt, wo auch wir unser letztes Domizil im Dschungel beziehen. Begleitet von tausend Augen, arbeiten wir uns durch das wuchernde Grün an den Fluss, wo unser Boot zum Kinabatangan Wetlands Resort liegt. Dem Zugriff der Wildnis entronnen? Keineswegs, hier geht es erst richtig los.
Hinduistische Figuren (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Der Dschungel schläft nicht, und Sie? Ständig ein Rascheln, ein Zirpen, ein Piepen und Rufen im Ohr, das kann zur Gute-Nacht-Musik werden oder zum Ansporn für eine Mondscheinsafari, um zu sehen, wer hier wen durch die Bäume jagt. Am frühen Morgen ist die Welt wieder in Ordnung. Da wird nicht gejagt, da wird gejodelt. Jedenfalls am Kelenanap-Oxbow-See, wo sich Vögel, Tiere und Pflanzen in völliger Abgeschiedenheit ein eigenständiges Ökosystem geschaffen haben. So dreht die Natur in Kinabatangan 13 14 den Spieß um: Nicht der Mensch gestaltet sich ein Paradies, das Paradies gestaltet den Lebensraum des Menschen. Wunderbar.
Deer Cave im Gunung Mulu Nationalpark (© Jorg Sundermann, Mulu Marriott Resort / Chamäleon)
Noch einmal schlafen – oder nachtwandeln, je nach Erfüllungsgrad Ihrer Träume. Dann bringt uns das Boot zurück nach Sandakan 15. Aus Sattgrün wird Lichtblau und das muss es auch, denn der Dschungel würde uns freiwillig nicht rausrücken. Zur Farbe in Frankfurt 16 können wir noch nichts sagen, wahrscheinlich Grau. Egal, es wird eine dieser Reisen gewesen sein, bei der man sich hinterher fragt: Wo bin ich bisher nur gewesen? Eine Antwort brauchen Sie darauf nicht zu geben. Es reicht, zu wissen, dass es davon im Chamäleon-Programm noch mehr gibt.
Borneo - 16 Tage Wunderwelten-Reise
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EUR