Mittags in München beginnt das Märchen, und weil auch Sie darin vorkommen, lehnen Sie sich entspannt zurück und träumen Sie bis Delhi von Ihrem Einzug in das unglaubliche »Land der Könige«. Nicht alle trugen mit Edelsteinen besetzte Gewänder, und so beginnen wir in der Gandhi-Gedenkstätte Raj Ghat, wo Delhi 1 2 die »große Seele« des Landes ehrt. Die Freitagsmoschee Jama Masjid mit dem Fassungsvermögen von 20.000 Gläubigen gibt einen ersten Eindruck von der monumentalen Pracht, die Sie ab heute begleitet. Mitunter ist der Eindruck auch trügerisch, wie die goldene Kuppel des Sikh-Tempels Gurudwara Bangla Sahib, in dessen Küche jeden Tag das kostenlose Essen für Tausende Menschen gekocht wird, die sonst nicht wüssten, wie sie satt werden sollen.
Treppen am Wasser von Pushkar (© Alexander Sass / Chamäleon)
Auch die Chamäleon Stiftung springt ein, wo das Leben nichts als Armut bereithält. Und sei es mit Nähmaschinen, die zu Uromas Zeiten mal neu waren. Aber die sind ein Segen für die Sanshil Foundation for Welfare, geben sie den Frauen der untersten Kaste doch die Chance auf Unabhängigkeit und ein bescheidenes Glück. 1876 ließ der Großmogul Jai Singh die ganze Stadt mit Mann und Maus in der Farbe der Gastfreundschaft streichen. So wurde aus Jaipur 3 4 Pink City und nebenbei das kulturelle Zentrum Rajasthans mit dem sagenhaften Palast der Winde und seinen 953 kunstvollen Fensterchen, dem Stadtpalast Jai Singh II., dem Observatorium aus einem einzigen Stein. Und abends: Bollywood, das Filmevent zum Mitmachen. Das Beste kommt aber noch. Amber, die alte Hauptstadt und Gipfel des Prunks, wo im Palast Sheesh Mahal so viele Spiegelornamente die Wände und Decken füllen, dass eine einzige Lampe ausreicht, den ganzen Saal mit Licht zu füllen. Wie es sich zwischen all diesen Sensationen lebt, das erzählt Ihnen eine indische Familie beim Abendessen im Schneidersitz.
Stadtpalast in Udaipur (© Skouatroulio, iStockphoto.com / Chamäleon)
Der Rattentempel von Bikaner 5 ist tatsächlich das Zuhause tausender zahmer Ratten, die von den Anhängern des Karni Mata hoch verehrt werden. Binden Sie vorsichtshalber Ihr Hosenbein zu, denn Sie werden freudig empfangen. Und sollten Sie in dem Gewusel ein weißes Exemplar entdecken, dann war das für heute Ihr gutes Karma. Ansonsten muss man sich im Rajasthan der Maharadschas daran gewöhnen, dass ein Palast selten alleine kommt. Aber das Fort Junagarh von 1588 ist der Gipfel. Sagen Sie nichts, lassen Sie Ihre Augen übergehen, geblendet von einem Reichtum, der alles Vorstellbare übersteigt.
Adinath-Tempel in Ranakpur (© Mathias Conze / Chamäleon)
Mitten in der Wüste Thar strahlt weithin sichtbar die goldene Stadt Jaisalmer 6 7. Als Karawanenstadt zu Reichtum gekommen, hat die Blütezeit ein unglaubliches Kapitel aus 1.001 Nacht entstehen lassen. Mehr als genug für zwei überwältigende Tage. Die Sonne bringt das Märchen zum Leuchten: den Palast Raj Mahal, den Lakshminath-Tempel, die Jain-Tempel, die unvorstellbar reichen Kaufmannspaläste, an denen mitunter 50 Jahre gebaut wurde. Und wenn Sie am Ende gar nicht mehr wissen, wo Sie noch hinsehen sollen – im Palasthotel Rang Mahal sind die Sterne immer mitgebucht.
Kamele bei Khuri in der Halbwüste Thar (© Mathias Conze / Chamäleon)
Wann werden Sie das nächste Mal Gelegenheit haben, sich wie ein Beduine zu fühlen? Und wie wollen Sie zu Hause glaubhaft machen, dass Sie mitten in der Wüste Thar 8 ein Palmenparadies gefunden haben, wo das Blau des Himmels mit dem Blau des Pools im Wettstreit lag? Posten sie einfach ein unfassbares Bild und dann lassen Sie es sich gut gehen, bis das Abendessen unter freiem Himmel serviert wird. Kamele haben kein Problem damit, früh aufzustehen, also enttäuschen Sie Ihr Wüstenschiff nicht, das Sie in die aufgehende Sonne schaukelt, wenn die Sanddünen vom nächtlichen Wind noch frisch gebügelt sind. Was in Jaipur Rosarot, ist in Jodhpur 9 Königsblau, weshalb sie folgerichtig die blaue Stadt genannt wird. Eigentlich die Farbe der höchsten Kaste, aber mehr Schein als Sein treibt auch die Inder um, und so wurde eine Hütte nach der anderen im Laufe der Zeit blau. Als Gesamtkunstwerk toll anzusehen vom gewaltigen Fort Mehrangarh 123 Meter über der Stadt. Vorausgesetzt, Sie können den Blick von den unermesslichen Kunstschätzen der Maharadschas loseisen, deren Nachfahren immer noch hier wohnen.
Ornamente (© Regina Keller / Chamäleon)
Heute mal kein Palast. Aber eine Überraschung der anderen Art. Die Bishnoi, zu deutsch neunundzwanzig, sind eine Religionsgemeinschaft, die seit 500 Jahren streng nach 29 spirituellen und ökologischen Geboten lebt. Wo da noch Platz für Lebenslust ist, erzählen sie uns gerne selbst. Wir sind etwas weniger streng zu uns und fädeln auf dem Weg nach Deogarh 10 ein Tauschgeschäft ein. Bäumchen gegen Tee. Tee getrunken, Bäumchen gepflanzt. So verdienen wir uns unser Mittagessen in Form einer lehrreichen Kochshow, bevor Sie zur verdienten Siesta schreiten. Den Pool im Palasthotel Deogarh Mahal haben Sie bestimmt schon entdeckt. Andererseits – der Basar beginnt direkt vor der Tür.
Junagarh Fort in der Thar Wüste (© Chamäleon)
Haben Sie auch den Taschenrechner nicht vergessen? In Ranakpur 11 müssen Sie immerhin 1.444 Säulen zählen, zauberhafte Marmorskulpturen bewundern und ein architektonisches Kunstwerk fassen, das Sie sonst fassungslos zurücklässt: der Jain-Tempel, Bindeglied zwischen der materiellen und der spirituellen Welt des Jainismus. Wo elf schneeweiße Paläste hoch über der Stadt wachen, liegt das Venedig des Ostens. Berühmte Kinofilme sind in Udaipur 12 gedreht worden, denn der mit Kulturgütern gespickte Jagdish-Tempel im Pichhola-See und der Stadtpalast des Maharadschas, dem unser Fateh Prakash Palace angeschlossen ist, sind Kulissen von ergreifender Schönheit. Ob es diese Preziosen oder die Bootsfahrt im Abendlicht ist, die diesen Tag so zauberhaft machen, ist am Ende schwer zu sagen. Nur eins ist sicher: In Venedig kommen Sie mit dem Fahrrad nicht durch, hier geht es.
Tiger streift durch das Unterholz (© Alexander Sass / Chamäleon)
Szenenwechsel. Das kleine private Hotel Ranthambore Regency liegt kaum zehn Minuten vom Ranthambore-Nationalpark 13 14 entfernt. Die Königstiger sind informiert, aber auch Leoparden, Krokodile, Axishirsche, Lippenbären, Antilopen, Indische Gazellen und eine farbenfrohe Vogelwelt wissen, dass wir zur Jagd im offenen Safariwagen nur die Kamera nehmen. Das Erlebnis wilder Tiere in ihrer natürlichen Umgebung macht Gänsehaut, weshalb wir gleich zweimal losziehen. Das Programm dazwischen ist eine Herzensangelegenheit. Unterstützt von der Chamäleon Stiftung, kümmert sich die Schule Adarsh Manovikas Sansthan darum, dass behinderte Kinder und Jugendliche nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Unser Besuch beginnt wie immer mit einem großen Hallo.
Das Taj Mahal im Morgenlicht (© Chamäleon)
Sie haben Glück, sitzen in einem reservierten Abteil und nicht auf dem Dach des Zuges wie viele Einheimische, die sich kein Ticket leisten können. Unser Ziel ist der Haremskomplex, die Audienzhalle, das Siegestor, das Mausoleum mit den aus Edelsteinen gestalteten Jali-Gittern – das Weltkulturerbe Fatehpur Sikri 15. Vielleicht haben Sie für einen Moment das Gefühl, dies könnte der schönste Tag Ihrer Reise sein. Aber das täuscht, denn wenn die Sonne sich neigt, werden Sie im Garten Mehtab Bagh dasselbe Gefühl noch einmal haben.
Rotes Fort in Agra (© Ulf Starke / Chamäleon)
Am frühen Morgen erfüllt sich das Versprechen. Auf der anderen Seite des Yamuna-Flusses erwartet Sie das großartigste Bauwerk der Menschheit: Jene überwältigende Grabmoschee, die der Großmogul Shah Jahan für die Liebe seines Lebens bauen ließ, die bei der Geburt ihres 14. Kindes starb. 20.000 Handwerker konnten sich über die Fertigstellung des Taj Mahal nicht freuen, denn ihnen wurde eine Hand abgehackt, damit sie nie wieder solch eine »Krone des Ortes« errichten konnten. Die Kosten haben das Land an den Rand des Ruins gebracht, weshalb ihn sein Sohn im Roten Fort von Agra 16 bis an sein Lebensende einsperren ließ, während ihm ein Vorleser jeden Abend die Heldentaten seiner Jugend erzählt. 1666 stirbt der »Herrscher der Welt« mit 74 Jahren und findet seine letzte Ruhe im Taj Mahal, dem Liebesgedicht aus Stein, neben der Frau, die ihm alles bedeutete.
Junge Inderin in Neu-Delhi (© Michael Mittau / Chamäleon)
Hier endet unser Märchen. Auf dem Rückweg nach Delhi liegt noch Mathura 17, durch die Verehrung Krishnas zu Weltgeltung gekommener Wallfahrtsort des Hinduismus. Vielleicht sagt Ihnen Ihr Gefühl, dass es Zeit wäre für ein paar stille Worte der Demut an die höheren Mächte, die Sie 18 Tage lang durch eine Wunderwelt begleitet haben. Schaden kann es nicht. Ein Abendessen im Le Méridien Gurgaon Central Park ist alles, was wir Ihnen vor Ihrem Abflug nach München 18 noch bieten können. Dabei hätten wir Ihnen gern noch so viel mehr gezeigt. Ein andermal eben, bei anderen Momenten, für die sich zu leben lohnt.
Taj Mahal - 18 Tage Wunderwelten-Reise
97,4 100 61
EUR