Es war einmal ein König, der hatte sich in den Wäldern Südindiens verirrt und seit Tagen nichts Essbares mehr gefunden. Da begegnete ihm ein altes Weib, das mit einem Topf gekochter Bohnen auf dem Heimweg war. »Gib mir von deinen Bohnen«, bat er die Alte, und sie gab ihm reichlich, weil Gastfreundschaft in Indien ein ungeschriebenes Gesetz ist. Dann wies sie dem Unbekannten noch den Weg in die Stadt und war genauso schnell weg, wie sie gekommen war. Der König – voll Dankbarkeit über seine Rettung – gab der Stadt daraufhin den Namen Benda-kaal-Uru. Dort landen wir nach unserem Start in Frankfurt 1 und einem Zwischenstopp in Dubai am Morgen. Willkommen in Bengaluru 2, der Stadt der gekochten Bohnen. Es soll Ihnen nicht so gehen wie dem König, deshalb haben wir vier Sterne mit Spa und Dachpool für Sie gebucht.
Nandy-Statue in Mysore (© saiko3p, iStockphoto.com / Chamäleon)
Die Farbe, die am Shrirangapattana-Fort klebte, war das Blutrot heftiger Schlachten, eine Art Lieblingsbeschäftigung im 15. Jahrhundert. Zuletzt gegen Briten und Franzosen. Leider verloren, aber Heldenmut ist in Indien schon die halbe Miete und deshalb werden die Reste des Forts sehr in Ehren gehalten. Die Maharadschas haben sich aus den Scharmützeln rausgehalten, weshalb Sie in Mysore 3 4 die prunkvollen Erbschaften aus den glorreichen Zeiten der Mogularchitektur bewundern können. Der Chamundeshwari-Tempel gehört noch nicht dazu, aber er vermittelt ein erstes Gefühl für architektonische Dimensionen, die uns fremd sind. Derart vorbereitet, kann der Maharadscha-Palast Amba Vilas kommen. Marmorkuppeln, kostspielige Mosaiken, Buntglasdekore und Spiegelwände bis hin zum goldenen Thron zeugen von einer Epoche, in der die Rupien offenbar keine Rolle spielten. Vier Millionen, falls Sie es genau wissen wollen. Auf dem Devaraja-Markt, dem buntesten in ganz Südindien, kommen Sie mit deutlich weniger aus und haben mindestens genauso viel Spaß.
Spielende Jungtiger (© Sita Travel India / Chamäleon)
Einst war der Bandipur-Nationalpark der königlichen Jagd vorbehalten. Kein König, keine Jagd, weshalb sich viele im Bestand bedrohte Arten allmählich wieder erholt haben. Mal sehen, welche Spezies uns auf der Durchfahrt nach Ooty 5 über den Weg läuft. Wenn wir den Bus mit der Bimmelbahn tauschen, sind wir kurz vor dem Ziel. Ooty sagen die Inder, wenn sie nach ihrer Freizeitplanung gefragt werden, und jeder weiß, dass die Nilgiri-Berge gemeint sind. 24 Gipfel über 2.000 Meter vereinen sich mit Bergwäldern und Wildwasserwiesen zu einer Idylle, in die die Briten ihre beliebten Hill-Stations setzten. Aus dieser Ära resultiert ein kurioses Weltkulturerbe: die Nilgiri Mountain Railway mit der legendären blauen Schmalspurbahn Toy Train. Wir wünschen gute Unterhaltung, denn der Kontakt mit den Einheimischen ist vorprogrammiert. Und sollte eine Ziege zusteigen, quittieren Sie es mit einem Lächeln. Nach etwa 150 Kurven, einem Dutzend Tunnel und gut 200 Brücken ist es genug: Coonoor – alles aussteigen bitte. Aber nur, um gleich wieder einzusteigen, denn was die Bahn nicht schafft, machen wir mit dem Auto: nach Pollachi 6, wo bestimmt gerade wieder ein Bollywood-Film gedreht wird.
Die Dächer des Minakshi-Tempel-Komplexes in Madurai (© MisoKnitl, iStockphoto / Chamäleon)
Ohne ersichtlichen Grund verlagerte die britische Armee 1859 ihren Stützpunkt nach Madurai 7 8. Lag’s an der fischäugigen Göttin Minakshi? Jedenfalls soll sie sehr hübsch gewesen sein und stand überdies im Zentrum der Verehrung, weshalb der alles überragende Tempel ihren Namen trägt. Seine zwölf gigantischen Tortürme beherrschen das Stadtbild, aus welcher Blickrichtung auch immer. Probieren Sie es aus: In den Straßen der Altstadt, vom Markt bei traditionellen Webern, in der Dorfschule und dem Dorftempel – immer und überall sind die majestätischen Minakshi-Türme gegenwärtig. Also müssen wir hin. Zu einer besonderen Abendzeremonie, wenn Göttergatte Shiva in einer Sänfte zu seiner Gemahlin Minakshi getragen wird, damit sie zusammen die Nacht verbringen. Den Rest können Sie sich denken.
Auch gut geschlafen? Dann müssen Sie das Heiligtum aber noch von innen sehen. Wobei der Begriff Heiligtum noch nichts über die Dimensionen des Minakshi-Tempels sagt. Sechs Hektar misst die Grundfläche des gesamten Komplexes, eine Stadt in der Stadt, das herausragendste Beispiel dravidischer Tempelarchitektur. Säulenhallen, Tempelteiche und massenhaft bunt bemalter Figurenschmuck sind obligatorisch. Selbst Madurai, das sich um den Tempel herum entwickelt hat, richtete seinen Stadtgrundriss an dem Wunderwerk aus.
Elefanten im indischen Nationalpark (© alxpin, iStockphoto / Chamäleon)
Riechen Sie es auch? Kardamom! Hier oben, wo Raucher die Gefahr einer Sauerstoffvergiftung fürchten müssen, ist die Luft geradezu unverschämt rein und Grün die alles dekorierende Farbe. Wir tanken. Bei einer Fußsafari durch blickdichte Wälder und schmatzende Wiesen im Naturschutzgebiet Periyar 9. Übrigens waren die Briten ebenfalls sehr amused von diesem gedeihlichen Klima, aber sie wanderten nicht, sondern hatten nur ihren Five-O´Clock-Tea im Kopf. Damit lagen sie allerdings richtig. Hügel rauf, Hügel runter – so weit das Auge reicht, nichts als feinste Teeplantagen. Und damit die englischen Ladies pünktlich ein standesgemäßes »Oh, my dear« hinhauchen konnten, bekam auch Munnar 10 eine Hill Station. Wir bekommen aus erster Hand ein bisschen Nachhilfe, wie es zu dem entzückenden Aroma eines First Flush kommt.
Wenn man es recht bedenkt, haben wir uns die letzten Tage viel bewegt. Sollen das jetzt mal die anderen machen. Im Kathakali-Tanzzentrum von Kochi 11, 12 verschmelzen Oper, Ballett und Pantomime zu einer 300 Jahre alten Kunst, Sagen und Geschichten von Generation zu Generation weiterzugeben. Nicht ganz so lange liegt die Romantikinsel Kumbalangi im Dornröschenschlaf. So fest, dass durch die Verknüpfung von Tradition und ökologischem Tourismus ein kleiner Schritt in Richtung Entwicklung versucht wird. Immerhin gibt es schon Fahrräder. Sieben Kilometer sind keine Strecke, aber wenn unterwegs 13 verschiedenen Volksgruppen zurückwinken, wird daraus eine ausgesprochen unterhaltsame Tour.
Kerala Backwaters (© Sita Travel India / Chamäleon)
Je tiefer der Süden, desto spärlicher wird die Lebensgrundlage der Menschen. Da geht nichts mehr ohne die Hilfe zur Selbsthilfe. Wie im Kudumbashree-Projekt, das mit seinen 370.000 Mitgliedern jedem zweiten Haushalt im Bundesstaat Kerala Arbeit gibt. Dahinter stehen 370.000 Lebensgeschichten, von denen schon einige reichen, um die Relativität von Zufriedenheit zu erfahren. Zweifellos nur Glücksgefühle erzeugt unsere Bootsfahrt nach Kumarakom 13 14, wo die Anzahl der Kokospalmen allmählich die Einwohnerzahl übersteigt. Uferzonen voller Lotusblüten, allgegenwärtige Wasservögel und die Verlagerung des alltäglichen Lebens auf selbstgezimmerte Hausboote zeigen die idyllische Seite der Backwater. So schön, dass wir bitten, an Bord kommen zu dürfen, um einen Tag lang auf Schleichfahrt durch eine Märchenwasserwelt unserem Ziel entgegen zu schippern: dem Ende des Festlandes, dem Beginn paradiesischer Traumstrände.
Kleine Freunde (© Bettina Stritzke / Chamäleon)
Auch im Paradies von Kerala gilt: Der frühe Vogel fängt den Fisch. Sie hören es an den auslaufenden Fischerbooten, die sich durch Ihre Träume knattern. Gegen acht Uhr kommen sie beladen zurückgeknattert. Dann werden Kisten mit zappelnden Fischen ausgeladen und die Köche in Mararikulam 15 stehen schon parat, um den »Catch of the day« auf den Grill zu werfen. Wir verlassen uns auf den Menüplan einer einheimischen Familie, wo zum Genuss das Intensiverlebnis indischer Gastfreundschaft kommt. Allmählich gilt es, Abschied zu nehmen von der Magie des Südens. Obwohl – vielleicht riskieren Sie noch einen Blick auf unser Anschlussprogramm an den Stränden von Mararikulam. Vier Tage Seelenbalsam. Doch nicht? Dann tut es uns wirklich leid, aber aller Voraussicht nach steht Ihnen in Frankfurt 16 ein Kulturschock bevor: Sauwetter und niemand da, der gekochte Bohnen verteilt.
Kerala - 16 Tage Wunderwelten-Reise
97,4 100 4
EUR