Der Start nach Westen hat einen unschlagbaren Vorteil. Sie fliegen morgens von Ihrem Wunschflughafen via Madrid um die halbe Welt und sind zum abendlichen Welcome-Drink schon in Lima 1. Wer die »Stadt der Könige« hautnah erleben will, muss in das Herz der kolonialen Altstadt. Dort reihen sich die Weltkulturerbschaften wie Perlen auf der Schnur. Die Plaza Major, der Regierungspalast, die mächtige Kathedrale und ihre Krypta, die Iglesia de San Francisco mit dem Kloster und die fantastischen Parks des bedeutendsten Wirtschafts- und Kulturzentrums Perus dokumentieren die überragende Historie einer Stadt, die ursprünglich nicht mehr als eine Ansammlung schilfgedeckter Hütten war. An dem Wechsel zwischen Wüsten und fruchtbaren Tälern hat sich in Jahrhunderten nichts verändert, ihnen folgen wir bis zur Halbinsel Paracas 2, die einmal Mittelpunkt einer Präinkakultur war und durch ihre kunterbunten Webtextilien berühmt wurde. Das reicht für heute, damit im Aranwa Paracas Resort & Spa am Meer noch eine Doppelstunde zum Genießen bleibt.
Fischer auf seinem Schilffboot im Titicaca-See (© Dr. Heiko Beyer, Vision 21 / Chamäleon)
Ohne Motorboot keine Ballestas-Inseln, die auch als Kleines Galápagos bezeichnet werden. Fangen Sie erst gar nicht an, die Meeresvögel und Seelöwen in diesem Naturschutzgebiet zu zählen. Es sind Tausende, und außerdem würden Sie vielleicht das nächste Naturwunder verpassen, über dessen Bedeutung heute noch gerätselt wird: die Linien von Nazca 3, in ihrer ganzen Großartigkeit nur auf einem optionalen Flug zu überblicken. Müssen Sie unbedingt machen. Bougainvilleen in allen Farben und dazu das leuchtende Türkis des Pools, diese seligmachende Kombination im Hotel Majoro lässt Sie heute noch zum Gartenfreund werden.
Schwimmende Insel im Titicaca-See (© Niko Guido, iStockphoto.com / Chamäleon)
Die Panamericana wird auch Wüstenautobahn genannt, was nur zum Teil zutrifft, denn zumindest auf einer Seite offenbart sie herrliche Ausblicke auf den Pazifik, wo wir uns einen erfrischenden Spaziergang am Meer nicht verkneifen können. Der Rest unserer Strecke bringt uns in die weiße Stadt Arequipa 4. Bitte anschnallen, dieser Ort ist geeignet, um den unvorbereiteten Besucher aus der Bahn zu werfen. Behütet von 6.000er Vulkanen ringsum, liegt die Stadt nahe den Schluchten des Colca-Tals, die mit 3.000 Metern Höhenunterschied zu den tiefsten Canyons der Welt zählen. Das historische Zentrum aber, das schon lange Weltkulturerbe ist, wird der Höhepunkt des Tages sein. Die Kathedrale von Arequipa 5 nimmt die ganze Plaza de Armas ein. Das Kloster Santa Catalina gilt als bedeutendstes Beispiel kolonialer Architektur, der Mercado San Camilo lässt Ihnen einen Pazifik im Munde zusammenlaufen, und im ZigZag werden Sie auf heißen Steinen das vermutlich zarteste Steak Ihrer Reise bekommen.
Peruanische Frau beim Spinnen von Wolle (© Bartosz Hadyniak, iStockphoto.com / Chamäleon)
Gerade weil sie erst in den 1970er Jahren mit der Außenwelt verbunden wurden, haben sich in den Dörfern des malerischen Colca-Tals 6 Trachten und traditionelles Leben bis heute erhalten. Das gilt noch viel mehr für die Landwirtschaft, die beinahe unverändert auf 1.000 Jahre alten Anbauterrassen betrieben wird. Hier wandern wir über geheiligten Boden und gehen schließlich unter: in einem herrlichen Thermalbecken im Fadenkreuz der Vulkanberge. Mit kleinen peruanischen Steinhäusern empfängt Sie danach die gemütliche Mama Yacchi Lodge, wo gerne mal ein Lama zur Tür hereinschaut. Man kann gut nachvollziehen, warum der Symbolvogel der Anden nur hier zu Hause ist. Werfen Sie am Kreuz des Kondors 7 einfach einen Blick in die 1.200 Meter tiefe Schlucht, dann wissen Sie, was erhebende Gefühle sind. Das bleibt auch noch, während wir über grüne Vulkanlandschaften und endlose Hochplateaus fahren, auf denen sich Alpaka- und Lamaherden das Pampagras schmecken lassen. Wir erfahren viel über das Leben der landlosen Bauern, die bis zur Agrarreform das Eigentum von Großgrundbesitzern bewirtschaftet haben, und erreichen am Abend in Puno unser Hotel Sonesta Posada del Inca mit seinen wundervollen Ausblicken auf den Titicaca-See. Bis die Sonne sich anschickt, in den Fluten zu versinken, sind wir mit Mama Sonia bzw. Sonia Mamani verabredet, die uns für die leckere Vielfalt der peruanischen Hausmannskost begeistern will.
Nazca-Linien (© Jörg Winter / Chamäleon)
Auf den schwimmenden Schilfinseln im Titicaca-See 8 haben die Uros-Indianer ihr Zuhause. Ihnen gilt unser Besuch, um möglichst viel von ihrer Lebensweise auf schwankendem Untergrund zu erfahren. Ungläubiges Staunen ist unsere Hauptbeschäftigung an diesem Tag, denn nach den Uros- kommen die Quechua-Indianer, die heute noch in Gemeinschaften leben, traditionelle Trachten tragen und die alte Indiosprache Quechua pflegen. Am Hafen von Llachón werden wir von Einheimischen empfangen und zum Gemeindesaal begleitet, wo sie ein Mittagessen vorbereitet haben, wie sie es täglich für sich selbst kochen. Das schmeckt garantiert nach mehr, und weil auch in Peru die Lebensregel gilt: »Nach gutem Essen sollst du ruh’n oder 1.000 Schritte tun«, entscheiden wir uns wegen der beeindruckenden Aussichten auf Berge und mehr für die Schritte. Richtig schöne.
Arequipa (© Thomas Mirlach / Chamäleon)
Das Andenhochland an einem Tag, so ließe sich unsere Fahrt vom Titicaca-See zur alten Hauptstadt Cuzco 9 überschreiben, die längst Weltkulturerbe ist. Verträumte Indiodörfer, der höchste Andenpass, La Raya, die fruchtbaren Täler am Fluss Vilcanota, der Viracocha-Tempel und in Andahuaylillas die als Sixtinische Kapelle Amerikas bezeichnete Kolonialkirche – das ist volles Programm aus Hunderten Jahren Kulturgeschichte, und es endet am Beginn des Inkareiches: der Gründung von Cuzco durch Manco Cápac, den aus dem Schaum des Titicaca-Sees geschaffenen Sohn des Sonnengottes Inti.
Arequipa Kathedrale (© Helge Schiebe / Chamäleon)
Urubamba-Tal 10 klingt schon sehr schön, aber Heiliges Tal der Inka verspricht noch sehr viel mehr, und in der Tat ist der heutige Tag ein besonderer. Die tausend Farben auf dem Indiomarkt von Chinchero machen den Anfang. Aber nur vorbeilaufen kann jeder. Wir lassen uns den Alltag zeigen, erfahren viel über das soziale Leben der tief verwurzelten Dorfgemeinschaft im Andendorf, wundern uns über Gewohnheiten, die vorsichtig geschätzt 100 Jahre auf dem Buckel haben, schauen beim Weben typisch peruanischer Kleidungsstücke zu und sammeln unter Anleitung der Dorfbewohner Kräuter zum Färben der knallbunten Stoffe. Zwischen all diesen Eindrücken gart für uns eine traditionelle Pachamanca aus Rind, Lamm und Geflügelfleisch ihrer Vollendung entgegen. Nach uralter Sitte mit heißen Steinen im Erdloch vergraben und stets mit einem »pago a la tierra«, dem Dank an Mutter Erde, wieder ans Tageslicht befördert. Im Rheinland würde man sagen: Eine jut jebratene Jans is ne jute Jabe Jottes. Nur heute auf Peruanisch eben. Und eine Nervenstärkung können Sie auch gut brauchen für Ihr spektakuläres Hotel Pakaritampu, umzingelt von eindrucksvollen Bergsolitären. Hoffentlich fällt keiner um.
Frau mit Lama (© Martin Umlauf / Chamäleon)
Alle stehen geblieben? Dann bietet sich am »Speicher meines Gottes« ein Dank an den Himmlischen an. Ollantaytambo, der besagte Speicher, ist der letzte verbliebene Nachweis für die Stadtplanung der Inkazeit. Felsengesichter, Monolithen, Tempel, Terrassen und die engen, kerzengeraden Gassen der Stadt befinden sich noch im ursprünglichen Zustand. Und wer es sich leisten konnte, ließ sein Haus aus violettrosa Steinquadern bauen. Dann wird es Zeit für das Höchste. Mit dem Andenzug schnaufen wir von Ollantaytambo nach Aguas Calientes. 30 Minuten die Serpentinen hoch und das sagenumwobene Weltkulturerbe Machu Picchu 11 liegt vor Ihnen. Die Luft bleibt Ihnen weg bei diesem Anblick. Wie auch immer die Inka diese Stadt gebaut haben und warum an dieser Stelle, wird Sie auf Schritt und Tritt durch die unzähligen Tempel, Paläste, Brunnen und Terrassen beschäftigen. Warten Sie nicht auf die Antwort, lassen Sie sich einfach von der Großartigkeit dieser Leistung davontragen.
Altiplano (© Vision 21 / Chamäleon)
Es wird ganz sicher so sein, dass Ihnen im schönen Hotel El Mapi noch hundert Fragen dazu einfallen, weshalb wir am frühen Morgen, wenn die Inkastadt 12 noch im Nebel liegt, ein zweites Mal hinauffahren. Beim optionalen Aufstieg auf den 350 Meter höher gelegenen Huayna Picchu erwartet Sie die Krönung: ein unbeschreiblicher Blick auf Machu Picchu, die Andentürme und den Río Urubamba. Den Rest des Tages brauchen Sie, um dieses Erlebnis zu verdauen. Zurück in Cuzco 13, gilt es noch der Frage nachzugehen, warum die Indios diesen Ort als Nabel der Welt bezeichnet haben. Vielleicht finden wir die Antwort bei einem Rundgang durch die historische Altstadt, im Künstlerviertel San Blas oder am berühmten Stein der zwölf Ecken. Vielleicht überkommt uns die Erleuchtung im Angesicht des monumentalen Sonnentempels Coricancha oder spätestens bei den Inkaruinen Kenko, Puca Pucara, Tambomachay und Sacsayhuaman. Aber offen bleibt, wie es den Inka gelungen ist, die tonnenschweren Steine zu bewegen, ohne das Rad zu kennen. So werden Sie wohl ein paar Rätsel mitnehmen müssen, wenn Sie am Nachmittag über die Anden zurück nach Lima fliegen.
Steinarbeit der Inka (© Simon Gurney, iStockphoto.com / Chamäleon)
Wir hören schon Ihren Seufzer, dass zwei Wochen eigentlich viel zu kurz für diesen Ansturm an Wunderwelten war, und Sie haben nicht ganz unrecht. Aber es gibt ja auch selige Seufzer. Für sie haben wir den heutigen Tag in Lima 14 reserviert und beginnen bei den Künstlern im Viertel Barranco. Vor deren Einzug galten die wunderschönen Häuser des 18. und 19. Jahrhunderts als Kunst. Dann fand zusammen, was zusammen gehörte. Ihr letzter Seufzer gilt der gleichnamigen Brücke, die entgegen ihrem berühmten venezianischen Vorbild nicht der letzten Etappe vor dem Schafott, sondern den Verliebten gewidmet ist: Puente de los Suspiros. Ob das wohl von »suspekt« kommt? Egal, denn allmählich wird es Zeit für Ihren Flug via Madrid nach Hause 15. Staunen werden Sie vielleicht immer noch, aber dass das Unmögliche möglich ist, haben Sie mit eigenen Augen gesehen.

Noch mehr Gänsehaut

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