Ende der Sanktionen. Zeit der Annäherung. Auf Kuba beginnt eine neue Zeitrechnung, und Sie sind ganz früh dabei. Von Frankfurt nach Havanna 1 in einem Rutsch. Gegen 20 Uhr sind Sie da, und wenngleich Ihr Hotel Telégrafo ein Charmebolzen der guten alten Epoche ist, würde die Zeit reichen, noch einmal loszugehen. Zum kolonialen Zentrum und dem Malecón sind es nur ein paar Minuten und – mein Gott – um diese Zeit geht es in Havanna doch erst richtig los.
Havanna Innenstadt (© master2, iStockphoto / Chamäleon)
Alles, was Geschichte geschrieben hat, ist in Alt-Havanna 2 versammelt. Ein Gesamtkunstwerk, das schon lange zum Weltkulturerbe gehört. Der Palast der Generalkapitäne, die Plaza de Armas mit El Templete, wo 1519 die Stadt gegründet wurde, der Kathedralenplatz mit den schönsten Kolonialbauten und der Geschichtenerzähler selbst: Hemingway. Auf seiner Finca Villa Vigía beginnen wir den Tag. Ein Bilderbuch glorreicher Zeiten und unsterblicher Legenden, die sich um sein Leben ranken. So viel aber ist klar: Mit seiner dritten Frau Martha wurde Kuba zu seinem Schicksal. Hier schrieb er streng nach seiner Lebensregel »Done by noon, drunk by three« Weltliteratur. Und wenn er mit seinem Boot auslief – Martha nannte es Sauf-Patrouillen –, gingen drei Kühlboxen Bier, ein halbes Dutzend Flaschen Rum und 14 Flaschen Château Margaux mit auf kleine Fahrt.
Rumba (© Antoine Weis / Chamäleon)
Sie haben hoffentlich Ihre Spraydosen dabei oder doch nicht? Schade eigentlich, aber die Farbe allein macht’s auch nicht, es gehört schon eine ordentliche Portion Talent dazu, einen ganzen Ort in ein Gesamtkunstwerk zu verwandeln. »Stadtteil der Künstler« wird das soziokulturelle Projekt Muraleandro in Havanna 3 genannt, und es ist nicht übertrieben, zu sagen: hier bleibt kein Auge trocken. Gebäude, Bushaltestellen, Bänke, Mauern, Skulpturen – alles in Technicolor. Ursprünglich als Freizeitbeschäftigung für Jugendliche gedacht, haben sich immer mehr Menschen angeschlossen, um Krieg, Umweltverschmutzung und soziale Konflikte durch Kunst anzuprangern. Und – was ist nun mit Ihrer Spraydose? Keine, na gut, gehen wir essen bzw. zum Bauernmarkt, um die Zutaten zu unserem Dinner einzukaufen, denn Maisfladen allein machen nicht glücklich. Ein Kochkurs in einem privaten Restaurant lüftet die Geheimnisse der gehobenen kubanischen Küche. Und wenn Sie das Geheimnis kubanischer Lebensfreude auch noch erfahren wollen, dann empfehlen wir Ihnen im Cabaret Tropicana einen Abend, der alle Existenzsorgen hinwegfegt.
Ochsenkarren  (© Dorothea Olig / Chamäleon)
Wo ließe sich nach diesem viertägigen Theater genüsslicher durchschnaufen als dort, wo Kuba am grünsten ist. Im »Schwanz des Krokodils«, ganz im Westen also, wo Kuba fast nur noch aus fetter Botanik besteht, liegt das Biosphärenreservat von Las Terrazas 4. Der San Juan gluckert durch die märchenhafte Landschaft und formt Seen, in denen sich unter Wasserfällen herrlich baden lässt. Im Botanischen Garten verteidigen 700 Orchideenarten den Ruf von Las Terrazas, die ökologische Vorzeigekommune Kubas zu sein. Da bleiben wir gerne noch ein Weilchen und wählen in Viñales ein unübertroffen authentisches Plätzchen: die Casa Particular einer privaten Gastfamilie. Kuba live mit sehr viel Herzblut.
Das Viñales-Tal (© Michal Krakowiak, iStockphoto.com / Chamäleon)
In der »Kulturlandschaft der Menschheit«, haben 170 Millionen Jahre das Orgelpfeifengebirge geschaffen. In seiner Mitte liegt das Viñales-Tal 5, die schönste Landschaft Kubas. Da ist wandern zu wenig, da nehmen wir das Rad, damit sich das Auge an den traumhaften Bildern einen Vorrat antrinken kann. Und vielleicht kommen auch ein paar Tabakbauern ins Bild. Der Ort – oder besser – das Örtchen Viñales passt in eine groß geratene Westentasche. Kuba wie es singt und lacht, und sich in stillen Augenblicken fragt, wie es wohl weitergeht. Nicht mehr ganz im Gestern und noch nicht ganz im Heute. Aber die Zukunft wird tapfer angelächelt. Eine wunderbare Möglichkeit für uns, einen Nachmittag lang in alle Ecken und den Menschen ins Herz zu sehen
Kinder in Vueltabajo (© Jeannette Lobert / Chamäleon)
Sie sind Nichtraucher und trinken nur Tee? Dann steht Ihnen in Viñales 6 ein schwerer Tag bevor. Und ein besonders interessanter. Er beginnt mit einem Besuch bei Mario Pelegrín, der sich im wahrsten Sinne des Wortes der bildenden Kunst verschrieben hat. Denn er fördert in seinem Projekt »El Patio de Pelegrín« das künstlerische Potenzial von Kindern und Jugendlichen. Dann der Härtetest. Im Tabakdreieck San Juan y Martínez, wo der fruchtbare Boden das Kraut der berühmten »Vegas Robaina« gedeihen lässt, lüften sich auf Feldern und in Trockenkammern die Geheimnisse edler Zigarren. Und wenn Ihnen ein Veguero höchstpersönlich einen kleinen Schwarzen samt einer handgerollten Braunen serviert, wird sich kein Loch auftun, in dem Sie kurzfristig verschwinden können. Da müssen Sie dann durch.
In Cienfuegos (© Dorothea Olig / Chamäleon)
Wenn von der »Perle des Südens« die Rede ist, denkt jeder an Cienfuegos 7. Christoph Kolumbus war der Erste, der 1494 in der zauberhaften Bucht landete und sich vor Begeisterung kaum beherrschen konnte. Heute sind wir es. Dazwischen lag eine stürmische Zeit mit Piratenüberfällen, der ersten Zuckermühle, Sklavenarbeit, französischer und spanischer Kolonialkultur. Von allem ist etwas übrig geblieben. Eine wundervolle Melange, einschließlich Triumphbogen, dem Parque José Martí und der Plaza Mayor mit dem Teatro Tomás Terry, wo der große Caruso das hohe C sang. Da blieb nur die Möglichkeit, alles zusammen zum UNESCO-Weltkulturerbe zu erklären.
Zigarren-Raucher (© Harry Laub / Chamäleon)
Wir haben schon geahnt, dass Sie nun endlich dorthin möchten, wo sich beständig blaue Wölkchen in den Himmel kräuseln. Das kommt davon, dass die Torcedores, also die, die eigenhändig das Pflanzgold Kubas zu einer schweineteuren Cohiba rollen, ihre Stumpen auch während der Arbeit nicht aus dem Mund nehmen. Wie sehr dabei Last und Lust Hand in Hand gehen, zeigt unser nächstes Kulturerbe: Trinidad 8 9. Ein Glücksfall der Kolonialarchitektur, und wenn Geld keine Rolle spielt, was bei den Zuckerbaronen so gewesen sein muss, dann entstehen bombastische Herrenhäuser für die Ewigkeit. Deutlicher kann der feine Unterschied zwischen der schuftenden und der kassierenden Klasse kaum werden. Eine Rollenverteilung, von der es in Trinidad noch mehr gab, wenn auch weniger ruhmreiche. Das historische Museum im Palacio Cantero hat die unselige Zeit der Sklaverei bedrückend dokumentiert.
Blick über Trinidad (© Nikada, iStockphoto.com / Chamäleon)
Die landläufige Vorstellung einer Karibikinsel sind Traumstrände wie Autobahnen mit endlosen Palmenfluchten auf dem Mittelstreifen. Ist ja auch nicht verkehrt, wenn aber noch eine Miniausführung der Alpen, Regenwälder, Eukalyptushaine, Orchideen- und Bambusgärten, Höhlensysteme, Seen, Wasserfälle und der Lebensraum vieler endemischer Tiere und Pflanzen dazukommen, dann sind Sie in der Sierra de Escambray. Wandern im Topes-de-Collantes-Nationalpark, wann immer Ihnen danach ist unter einen Wasserfall hechten und zum guten Schluss in einer Bucht der wundervollen Playa Ancon das Walross machen – da haben Sie bestimmt schon schlechtere Tage erlebt.
Auf den Pflastern von Trinidad (© Iris Michelfeit / Chamäleon)
Wie der heilige Geist kam das Geschäft mit dem Zucker über das Städtchen Sancti Spíritus, machte es reich und wegen der Ausbeutung afrikanischer Sklaven genauso berüchtigt. Im Tal der Zuckerrohrmühlen steht immer noch der Sklaventurm, von dem aus die Leibeigenen in Schach gehalten wurden. Heute zählt nur noch sein großartiger Blick über das Valle de los Ingenios. Uns fehlt jetzt nur noch einer, denn Kuba ohne Che Guevara geht gar nicht. Den berühmten Guerillaführer hat die UNESCO ausgeklammert, dafür begegnet er uns in x-fach glorifizierenden Kopien auf den zentralen Plätzen der Städte und heute in Santa Clara. Hier führte Che den letzten großen und endgültig siegreichen Kampf der kubanischen Revolution. Tempi passati. Nur das Denkmal zum 20. Todestag und sein Konterfei auf Tand und T-Shirts blieben übrig. Dann winkt das Natur- und Inselparadies Cayo Santa María 10 zur Küste herüber, und wir folgen seinem Ruf.
Strand von Cayo Santa María (© Toni Bauer, Cuba Real Tours / Chamäleon)
Mit über hundert Vogelarten im eigenen Bioschutzgebiet und einer schillernden Korallenlandschaft im türkisblauen Karibikgürtel ist Cayo Santa María 11 12 13 das Juwel unter den kubanischen Inseln. Da bedarf es keiner großen Fantasie, dass das Hotel Meliá Cayo Santa María untrennbar mit dieser Schatulle der Kostbarkeiten verbunden ist. Was sollen wir dazu noch viel erzählen? Sie werden hinreißende Möglichkeiten finden, wie Sie Ihre Tage im Paradies gestalten wollen. Drei Tage plus die Nächte, bis der Bus Sie zum Finale zurück nach Havanna 14 bringt. Noch einmal gehört ein Abend in der charmanten Hauptstadt Ihnen allein.
Havanna (© luoman, iStockphoto.com / Chamäleon)
So schön kann unvernünftig sein. Mit einer Panoramafahrt in den spritfressenden Museumsstücken von zartrosa und mintgrün bis babyblau und ihren brabbelnden Achtzylindern, klappern wir im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal die Highlights von Havanna 15 ab. Ein Finale grande, das auch dann noch Gesprächsstoff liefert, wenn Sie schon lange zu Hause sind. Nicht beschreiben, allenfalls vorführen, können Sie den Hüftschwung, der zu einem perfekten Salsa gehört. Das Tanzensemble der »Havana Queens Company« kann ihn besser als jeder andere. Und Sie nach einer Trainingsstunde auch. Jedenfalls für den Hausgebrauch. Apropos: Am Abend startet Ihr Flieger und bringt Sie dorthin zurück, wo Sie hergekommen sind: nach Hause 16.
Santa María - 16 Tage Wunderwelten-Reise
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