Man weiß ja nie, wie lange die gute alte Zeit noch anhält, deshalb haben wir uns gedacht, dass ein Direktflug von Frankfurt nach Havanna 1 wohl das Beste ist. Am Abend sind Sie da, aber denken Sie nicht, Sie könnten ins Bett gehen. Das Hotel Telégrafo liegt seit 1888 dort, wo Havanna singt und lacht, und wir möchten wetten, dass es Sie nicht im Sessel hält, zumal abends auch noch getanzt wird. Einfach so, auf der Straße, weil das die wahre Lebensfreude ist.
Musik-Legenden (© Harry Laub / Chamäleon)
Und dann geht es auch schon los: In ganz Lateinamerika kann keine Stadt mit einem reicheren kolonialen Nachlass glänzen als Havanna 2. Das ganze Zentrum ein einziges Weltkulturerbe des Schönen: der Palast der Generalkapitäne, die Plaza de Armas, El Templete und Hemingways »La Bodeguita«. Wir haben allerdings bemerkt, dass Sie die ganze Zeit nach den wundervollen Oldtimern in quietschbunten Farben schielen. Also nehmen Sie Platz, es geht mit brabbelnden Achtzylindern und unverschämtem Spritverbrauch über den berühmten Malecón, die Avenida de los Presidentes, die Plaza de la Revolución und die Quinta Avenida. Noch bunter geht es nur im Cabaret »Tropicana« zu. Open Air führen Sie über 150 Artisten und bezaubernde Show-Girls durch die mitreißenden Epochen der Boleros, Mambos und Cha-Cha-Chas bis zum modernen Salsa. Ein Feuerwerk der Emotionen, das sollten Sie unbedingt buchen. Alternativ besorgen wir Ihnen gerne einen Platz in einem Paladar, in dem kubanische Köstlichkeiten serviert werden.
Vinales-Tal (© Michal Krakowiak, iStockphoto.com / Chamäleon)
Der Vormittag gehört Ihnen allein für verstohlene Blicke hinter die maroden Kulissen Havannas 3. Aber wenn Sie an einem Laden mit Spraydosen vorbeikommen, nehmen Sie eine. Wir nehmen Sie mit in den »Stadtteil der Künstler«. So wird das soziokulturelle Projekt Muraleando genannt, wo kein Auge trocken bleibt. Gebäude, Bushaltestellen, Bänke, Mauern, Skulpturen – alles in Sprühcolor. Ursprünglich als Freizeitbeschäftigung für Jugendliche gedacht, haben sich immer mehr Menschen angeschlossen, um Krieg, Umweltverschmutzung und soziale Konflikte durch Kunst anzuprangern. Und – was ist nun mit Ihrer Spraydose? Keine, na gut, gehen wir essen bzw. zum Bauernmarkt, um die Zutaten für unser Dinner einzukaufen, denn Maisfladen allein machen nicht glücklich. Ein Kochkurs im Paladar La Campana zeigt Ihnen, was die Kubaner hinter der offiziellen Revolutions-Speisekarte geliebt haben.
Tabakbauer (© Harry Laub / Chamäleon)
Wenn Sie Ihren Augen etwas Gutes tun wollen, ist eine Wanderung im Biosphärenreservat Las Terrazas 4 unvermeidlich. Das von gurgelnden Wasserläufen durchzogene Naturschutzgebiet war seit jeher ein Herzstück afrokubanischer Kulte und frühgeschichtlicher Kaffeeplantagen. Und wo sich der San-Juan-Fluss in verlockenden Naturpools ausruht, da machen auch wir ein erfrischendes Päuschen. Dieses lächelnde Glück der Natur bleibt uns erhalten, denn morgen ist eine der schönsten Landschaften Kubas dran.
Che (© Ute Mayer / Chamäleon)
Das zu überprüfen, haben Sie im Viñales-Tal 5 einen schönen langen Tag Zeit. Und vermutlich sind wir uns einig, dass nichts schöner wäre, als diese märchenhafte »Kulturlandschaft der Menschheit« gleichzeitig zu sehen, zu riechen und zu fühlen. Machen wir auch, mit dem Fahrrad. Ob auch die Tabakpflanze vom Weltnaturerbe-Status erfasst ist, hat die UNESCO nicht erwähnt, gleichwohl ist sie eine hochgelobte kubanische Spezialität. Ganz besonders, wenn sie schön fest und lang gerollt ist. Die Finca Vega Hector Luis gibt uns ein paar Geheimnisse ihres wertvollen sozialistischen Exportartikels preis.
Trinidad (© Heike Behrendt / Chamäleon)
In Cienfuegos 6, der »Perle des Südens«, hat er mit seinem unvergleichlichen Tenor erst die Massen und dann die ganze Welt beseelt: Enrico Caruso. Aber auch ohne ihn wäre das historische Stadtzentrum mit dem Triumphbogen der Franzosen Weltkulturerbe geworden. Che Guevara muss sich mit seinen x-fach glorifizierenden Kopien auf den zentralen Plätzen der Städte begnügen. Heute in Santa Clara. Hier führte er den letzten großen und siegreichen Kampf der kubanischen Revolution. Museum, Monument und Grabmal, alles ein paar Nummern größer als normal. Aber das war er schließlich auch.
Manaca Iznaga bei Trinidad (© Toni Bauer, Cuba Real Tours / Chamäleon)
Erbschaften können Last oder Lust sein. Hier eindeutig Letzteres, denn mit den Palästen der Zuckerbarone wartet auch schon das nächste Weltkulturerbe auf uns: Trinidad 7 8. Ein kolonialer Traum, keine Frage, aber zu seinem weniger ruhmreichen Kapitel gehört auch der Sklavenhandel: Glück und Leid Seit an Seit im überwältigenden Historischen Museum. Gebirgszüge auf Kuba kennt man, aber Höhenkurorte sind eine echte Überraschung. Mit 800 Metern zwar nur relativ hoch, aber es reicht im Topes-de-Collantes-Nationalpark für einen herrlichen Blick über die Insel aufs Karibische Meer. Das Paradies für Wanderer, Vogelkundler und Botaniker ist voll mit endemischer Flora und Fauna, und als solche fühlen auch wir uns beim Baden in natürlichen Pools oder einer Dusche unterm Wasserfall. Zurück in Trinidad, noch einmal zur Plaza Mayor mit der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit. Einfach, weil es so schön ist.
Pferdewagen in Santiago de Cuba (© Toni Bauer, Cuba Real Tours / Chamäleon)
Der Name Zuckerrohr hat etwas Verniedlichendes, kommt am Ende doch mehr Rum heraus als Zucker. Sagen wir so: Wo der meiste Rum wächst, dorthin bringen wir Sie auf ungewöhnliche Art ins Valle de los Ingenios. Den besten Überblick übers Tal der Zuckerrohrmühlen hat man vom Sklaventurm, der hoch genug sein musste, um die Arbeiter auf den umliegenden Plantagen in Schach zu halten. Dann geht es weiter durch die saftige Zuckerrohrebene bis ins karibisch bunte Städtchen Sancti Spíritus. Nein, der Name ist nicht von der Haupteinnahmequelle abgeleitet. Trotzdem wäre ein kleines Fläschchen Rum direkt von der Quelle nicht das fadeste Souvenir. Zumal sich das Markenzeichen von Camagüey 9, wo unsere Casa Particular einen Katzensprung von den Weltkulturgütern entfernt ist, nur bedingt als Andenken eignet, handelt es sich doch um die bauchigen, bis zu zwei Meter dicken Tinajones. Tontöpfe.
Die Morro Festung in Santiago de Cuba (© Cuba Real Tours / Chamäleon)
Warum laufen, wenn es Fahrradtaxis gibt? Damit drehen wir noch eine Runde durch das mit Weltkulturerbe dicht besiedelte Camagüey, dann machen wir uns auf den Weg nach Santiago de Cuba 10, der Wiege des Son Cubano aus afrikanischen Trommelrhythmen und der Gitarrenmusik spanischer Farmer. Die Musik ist geblieben, die spanische Besatzung nicht, was viel mit Carlos Manuel de Céspedes zu tun hat, der am 10. Oktober 1868 in seiner Zuckermühle alle Sklaven freiließ und sie zum Freiheitskampf aufrief, der zur Gründung der kubanischen Nation führte. Das Denkmal in seiner Geburtsstadt Bayamo ist aller Ehren wert. Was auf andere Art auch für das Meliá Santiago mit dem besten Hotelstandard weit und breit gilt. Und da darf ein Traumblick über die Stadt und die Sierra Maestra genauso wenig fehlen wie ein Pool unter Palmen.
Callistemon-Blüte (© Toni Bauer, Cuba Real Tours / Chamäleon)
Wer durch die karibischste aller kubanischen Städte schlendert, erlebt eine faszinierende Melange aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit. Ernst die grandiosen Erbstücke der Kolonialzeit. Leicht die Mentalität der Menschen, die sich einen Teufel um den Ernst scheren. Zusammen wird Santiago de Cuba 11 daraus, Hauptstadt der alten Provinz Oriente und Schauplatz der kubanischen Revolution. Aber das war ein Spaziergang gegen die Scharmützel, die zu der uneinnehmbaren Festung San Pedro de la Roca geführt haben. Uneinnehmbar? Denkste! Noch während der Bauarbeiten eroberten englische Piraten die Befestigungsanlage und nahmen die Kanonen gleich mit. Nach zwei Wochen war der Spuk vorbei und der Wiederaufbau konnte beginnen. Deshalb können Sie heute hier sein. Über Guantánamo, das Zentrum der afrokubanischen Hauptreligion Santería, führt uns die atemberaubende Passstraße La Farola in die Honigbucht. Schließen Sie einfach die Augen, wenn es Ihnen zu doll wird, passieren kann nichts, denn an unserem Ziel steht die beschützende Kirche »Unserer Jungfrau Maria Himmelfahrt von Baracoa«, die das einzige von Christoph Kolumbus aufgestellte Holzkreuz verwahrt. Baracoa 12 ist die älteste kubanische Stadt, 500 Jahre schön und die sind uns einen Stadtspaziergang wert.
Oldtimer (© Harry Laub / Chamäleon)
Kolumbus, Caruso, Alexander von Humboldt – da dürfen Sie nicht fehlen. Heute ist der große Tag, denn im Weltnaturerbe Alexander-von-Humboldt-Nationalpark 13 kann man sich verlieren. Nicht allein der Dimension wegen, sondern in Verzückung für ein einzigartiges Naturschutzgebiet mit fast 2.000 Tier- und Pflanzenarten, die nahezu alle endemisch sind, also nur hier vorkommen. Oder haben Sie zuvor jemals von Elfenbeinspecht oder Kuba-Amazone gehört? Das Schöne daran: Der Park dient nicht nur dem Schutz der Biodiversität, sondern soll auch das Naturerlebnis fördern. Und das tun wir einen zauberhaften Tag lang inmitten nicht endender Postkartenmotive. In Stunden, die den Augen schmeicheln, fahren wir mit einheimischen Cayucos auf dem Río Toa und nehmen Abschied von einer unvergleichlichen Natur.
Zigarren-Raucher (© Harry Laub / Chamäleon)
Die Bezeichnung Stadt wäre ziemlich übertrieben. Selbst »Ort« ist noch geschönt. Nennen wir Gibara 14 einfach ein stilles Örtchen. Übrig geblieben aus guten Tagen der Kolonialzeit, hat es seinen Charme rübergerettet und beglückt seine Besucher mit Zeugnissen und Geschichten von gestern. Im übrigen besteht der angenehm müßiggehende Alltag aus Fisch und Fisch. In der »Stadt der Parks«, wie Holguín 15 genannt wird, macht sich die Crew bereit, Sie nach Hause zu fliegen. Aber ein paar Stunden haben wir noch. Für die Kathedrale San Isidro, den Park Calixto García und die 450 Stufen, die auf den Loma de la Cruz führen. Besser geht’s eigentlich nicht, als von hier oben mit einem weiten Blick über die Insel Abschied von einem beeindruckenden Land zu nehmen. Die Crew wäre dann soweit. Am Abend geht’s zurück nach Frankfurt 16. Mit dem Gefühl, endlich zu wissen, woher der Begriff von der »guten« alten Zeit kommt.
Havanna - 16 Tage Wunderwelten-Reise
95,6 100 32
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