Ihre Reise in die »gute« alte Zeit beginnt morgens auf einem Flughafen Ihrer Wahl und bringt Sie via Madrid in die kubanische Hauptstadt. Havanna 1 am Abend wäre Grund genug, sofort loszulaufen, aber vielleicht werfen Sie vom Marmorbalkon oder der Frühstücksterrasse Ihres glanzvollen Hotels Armadores de Santander erst mal einen Blick über Ihr neues erstaunliches Zuhause.
Musik-Legenden (© Harry Laub / Chamäleon)
Und dann geht es auch schon los: In ganz Lateinamerika kann keine Stadt mit einem reicheren kolonialen Nachlass glänzen als Havanna 2. Das ganze Zentrum ein einziges Weltkulturerbe des Schönen: der Palast der Generalkapitäne, die Plaza de Armas, El Templete und Hemingways »La Bodeguita«. Wir haben allerdings bemerkt, dass Sie die ganze Zeit nach den wundervollen Oldtimern in quietschbunten Farben schielen. Also nehmen Sie Platz, es geht mit brabbelnden Achtzylindern und unverschämtem Spritverbrauch über den berühmten Malecón, die Avenida de los Presidentes, die Plaza Revolución und die Quinta Avenida. Noch bunter geht es nur im Cabaret »Tropicana« zu. Open Air führen Sie über 150 Artisten und bezaubernde Show-Girls durch die mitreißenden Epochen der Boleros, Mambos und Cha-Cha-Chas bis zum modernen Salsa. Ein Feuerwerk der Emotionen, das sollten Sie unbedingt buchen. Alternativ besorgen wir Ihnen gerne einen Platz im Paladar Los Mercaderes, in dem kubanische Köstlichkeiten serviert werden.
Vinales-Tal (© Michal Krakowiak, iStockphoto.com / Chamäleon)
Wenn Sie Ihren Augen etwas Gutes tun wollen, ist eine Wanderung im Biosphärenreservat Las Terrazas 3 unvermeidlich. Rund um die Aussichtsplattform El Taburete ordnen sich in dem üppig grünen und von gurgelnden Wasserläufen durchzogenen Naturschutzgebiet die Zeugnisse afrokubanischer Kulte und frühgeschichtlicher Kaffeeplantagen. Allerdings schlängelt sich auch der San-Juan-Fluss durchs Gebüsch, und ein erfrischendes Bad in einem seiner Naturpools könnte der krönende Abschluss beglückender Stunden sein. In dem Weltkulturerbe-Städtchen Viñales kommen aber noch ein paar dazu. Vor allem sehr gemütliche.
Tabakbauer (© Harry Laub / Chamäleon)
Das Viñales-Tal 4 im Orgelpfeifengebirge gilt als eine der schönsten Ecken Kubas. Das zu überprüfen, haben Sie einen schönen langen Tag Zeit. Wir beginnen in den Höhlensystemen der Indios, und wo durch die unterirdischen Fließgewässer kein Weiterkommen ist, wechseln wir ins Bötchen. Oben drüber liegt die märchenhafte »Kulturlandschaft der Menschheit« mit vielen Pflanzenarten, die es nur im Viñales-Tal gibt. Sagt die UNESCO. Die Tabakpflanze gehört allerdings nicht dazu, ist gleichwohl aber eine hochgelobte kubanische Spezialität. Ganz besonders, wenn sie schön fest und lang gerollt ist. Die Finca Vega Hector Luis gibt uns ein paar Geheimnisse ihres wertvollen sozialistischen Exportartikels preis.
Che (© Ute Mayer / Chamäleon)
Über Che Guevara hat die UNESCO bis heute nichts gesagt, dafür begegnet er uns in x-fachen glorifizierenden Kopien auf den zentralen Plätzen der Städte und heute in Santa Clara 5. Hier führte Che Guevara den letzten großen und siegreichen Kampf der kubanischen Revolution. Wo, wenn nicht hier, wäre also der beste Platz für eine angemessene Ehrung? Museum, Monument und Grabmal, alles ein paar Nummern größer als normal. Aber das war er schließlich auch. Überhaupt hat die Geschichte eine Reihe großer Namen nach Kuba getrieben. Hemingway hatten wir schon, und so fehlt zum Dichter und dem Revoluzzer noch der ebenfalls weltberühmte Sänger. In Cienfuegos 6, der »Perle des Südens«, hat er mit seinem unvergleichlichen Tenor erst die Massen und dann die ganze Welt beseelt: Enrico Caruso. Aber auch ohne ihn wäre das historische Stadtzentrum mit dem Triumphbogen der Franzosen Weltkulturerbe geworden. Und abends, beim Latino-Swing in der Casa de la Trova in Trinidad, klingt sowieso alles ganz anders.
Manaca Iznaga bei Trinidad (© Toni Bauer, Cuba Real Tours / Chamäleon)
Erbschaften können Last oder Lust sein. Hier eindeutig Letzteres, denn mit den Palästen der Zuckerbarone wartet auch schon das nächste Weltkulturerbe auf uns: Trinidad 7. Ein kolonialer Traum, keine Frage, aber zu einem weniger ruhmreichen Kapitel gehört auch der Sklavenhandel: Glück und Leid Seit an Seit im überwältigenden Historischen Museum. Gebirgszüge auf Kuba kennt man, aber Höhenkurorte sind eine echte Überraschung. Mit 800 Metern zwar nur relativ hoch, aber es reicht im Topes-de-Collantes-Nationalpark für einen herrlichen Blick über die Insel aufs Karibische Meer. Das Paradies für Wanderer, Vogelkundler und Botaniker ist voll mit endemischer Flora und Fauna, und als solche fühlen auch wir uns beim Baden in natürlichen Pools oder einer Dusche unterm Wasserfall.
Schulkinder in Uniform (© Toni Bauer, Cuba Real Tours / Chamäleon)
Der Name Zuckerrohr hat etwas Verniedlichendes, kommt am Ende doch mehr Rum heraus als Zucker. Sagen wir so: Wo der meiste Rum wächst, dorthin bringen wir Sie auf ungewöhnliche Art ins Valle de los Ingenios. Den besten Überblick übers Tal der Zuckerrohrmühlen hat man vom Sklaventurm, der hoch genug sein musste, um die Arbeiter auf den umliegenden Plantagen in Schach zu halten. Dann geht es weiter durch die saftige Zuckerrohrebene bis ins karibisch bunte Städtchen Sancti Spíritus. Nein, der Name ist nicht von der Haupteinnahmequelle abgeleitet. Trotzdem wäre ein kleines Fläschchen Rum direkt von der Quelle nicht das fadeste Souvenir. Zumal sich das Markenzeichen von Camagüey 8, wo unsere Casa Particular einen Katzensprung von den Weltkulturgütern entfernt ist, nur bedingt als Andenken eignet, handelt es sich doch um die bauchigen, bis zu zwei Meter dicken Tinajones. Tontöpfe.
Pferdewagen in Santiago de Cuba (© Toni Bauer, Cuba Real Tours / Chamäleon)
Warum laufen, wenn es Fahrradtaxis gibt? Damit drehen wir noch eine Runde durch das mit Weltkulturerbe dicht besiedelte Camagüey, dann machen wir uns auf den Weg nach Santiago de Cuba 9, der Wiege des Son Cubano aus afrikanischen Trommelrhythmen und der Gitarrenmusik spanischer Farmer. Die Musik ist geblieben, die spanische Besatzung nicht, was viel mit Carlos Manuel de Céspedes zu tun hat, der am 10. Oktober 1868 in seiner Zuckermühle alle Sklaven freiließ und sie zum Freiheitskampf aufrief, der zur Gründung der kubanischen Nation führte. Das Denkmal in seiner Geburtsstadt Bayamo ist aller Ehren wert. Was auf andere Art auch für das Meliá Santiago mit dem besten Hotelstandard weit und breit gilt. Und da darf ein Traumblick über die Stadt und die Sierra Maestra genauso wenig fehlen wie ein Pool unter Palmen.
Die Morro Festung in Santiago de Cuba (© Cuba Real Tours / Chamäleon)
Zurück zu Santiago 10, und zwar ganz hoch über die Bucht, wo seit 1638 das Castillo de San Pedro de la Roca wacht. Wegen der fantastischen Aussicht wurde die bombastische Festung aus Zugbrücken, Schießscharten, Gräben und mehreren Ebenen für die Artillerie wohl nicht gebaut. Piratenüberfälle waren damals groß in Mode und tatsächlich: Noch während der Bauarbeiten eroberten englische Freibeuter die Befestigungsanlage und nahmen die Kanonen gleich mit. Nach zwei Wochen war der Spuk vorbei und der Wiederaufbau konnte beginnen. Deshalb können Sie heute hier sein. Über Guantánamo, das Zentrum der afrokubanischen Hauptreligion Santería, führt uns die atemberaubende Passstraße La Farola in die Honigbucht. Schließen Sie einfach die Augen, wenn es Ihnen zu doll wird, passieren kann nichts, denn an unserem Ziel steht die beschützende Kirche »Unserer Jungfrau Maria Himmelfahrt von Baracoa«, die das einzige von Christoph Kolumbus aufgestellte Holzkreuz verwahrt.
Callistemon-Blüte (© Toni Bauer, Cuba Real Tours / Chamäleon)
Kolumbus, Caruso, Alexander von Humboldt – da dürfen Sie nicht fehlen. Heute ist der große Tag, denn im Weltnaturerbe Alexander-von-Humboldt-Nationalpark 11 kann man sich verlieren. Nicht allein der Dimension wegen, sondern in Verzückung für ein einzigartiges Naturschutzgebiet mit fast 2.000 Tier- und Pflanzenarten, die nahezu alle endemisch sind, also nur hier vorkommen. Oder haben Sie zuvor jemals von Elfenbeinspecht oder Kuba-Amazone gehört? Das Schöne daran: Der Park dient nicht nur dem Schutz der Biodiversität, sondern soll auch das Naturerlebnis fördern. Und das tun wir einen zauberhaften Tag lang inmitten nicht endender Postkartenmotive. Baracoa 12 ist die älteste kubanische Stadt, 500 Jahre schön, und die sind uns einen Stadtspaziergang wert, auch wenn uns am Ende des Tages schon wieder Santiago erwartet. In Stunden, die den Augen schmeicheln, fahren wir mit einheimischen Cayucos auf dem Río Toa und nehmen Abschied von einer unvergleichlichen Natur.
Oldtimer (© Harry Laub / Chamäleon)
Wie der Anfang, so das Ende. Der Flieger bringt Sie von Santiago zurück nach Havanna 13 14, wo alles begann. Jetzt können Sie nachholen, wozu es am Beginn Ihrer Reise nicht gereicht hat: in der Tabakfabrik die Zigarrenseñoras beim Rollen der teuren Stumpen, immer mit einer Havanna zwischen den Zähnen. Das Grabmal des Intellektuellen José Martí, den sein tödlich verlaufenes Engagement für die Befreiung Kubas in den Stand des Nationalhelden erhoben hat. In Cayo Hueso Informationen aus erster Hand über das kubanische Bildungssystem und den Stand der medizinischen Versorgung. Nun sind Sie fast ein halber Kubaner, da können Sie auch tun, was Kubaner immer tun: Feiern ohne Anlass und das Leben genießen, wie es kommt. Beim Tanzensemble »Havana Queens« oder einem köstlich kubanischen Abendessen im privaten Paladar El Atelier. Wäre steigerbar, wenn Sie beide Optionen ziehen.
Havanna Innenstadt (© master2, iStockphoto / Chamäleon)
Das Finale soll den großartigen Eindrücken dieser Reise nicht nachstehen, und so fahren wir am Morgen mit dem dreirädrigen Cocotaxi auf den Markt von Havanna 15 und bringen unsere Einkäufe in das ehemalige Haus des Leibwächters von Che Guevara für eine deftige Revolutionssuppe. Nein, nicht wirklich, sondern eine typisch kubanische Abschiedsmahlzeit, denn am Abend startet Ihre Maschine zurück via Madrid nach Hause 16. Mit dem Gefühl, endlich zu wissen, woher der Begriff von der »guten« alten Zeit kommt.
EUR