Zwanzig Tage, Sie sind wirklich zu beneiden. Denn bei allem, was Kuba viel zu lange geheim gehalten hat, werden Sie Zeit genug haben, im Charme einer stehengebliebenen Epoche Platz zu nehmen. Das Schönste an Ihrem Direktflug von Frankfurt nach Havanna 1 ist die Ankunftszeit, nämlich gerade noch richtig für einen Bummel über den abendlichen Malecón. Dort, wo die Puppen tanzen.
Oldtimer am Kapitol in Havanna (© Jeannette Lobert / Chamäleon)
Bei Licht besehen, können Sie sich glücklich schätzen, mitten im historischen Zentrum von Havanna 2 3 im charmanten Hotel Santa Isabel untergekommen zu sein. Einmal um die eigene Achse gedreht, sehen Sie nichts als Weltkulturerben. Quietschend bunt, aber durch die abblätternde Farbe schimmert die Pracht einer Zeit, als Gold zu Bauwerken wurde. Von da an ging’s bergab, allerdings auf die denkbar angenehmste Weise. Mit Hemingway, der in der Bar La Bodeguita seinem Grundsatz frönte, dass ein echter Kerl spätestens um drei besoffen sein muss, bis zu den klapprigen Dinos, die mit blubbernden Achtzylindern darauf warten, uns über den Malecón zu schaukeln. Mit dem knatternden Cocotaxi sollte man sich auf der Szenemeile nicht sehen lassen, das nehmen wir für den »Stadtteil der Künstler«, wo die weniger Privilegierten alles anmalen, was nicht davonlaufen kann. Viva Havanna.
Tabakernte in Vinales (© Toni Bauer, Cuba Real Tours / Chamäleon)
Der unnachahmliche Zug einer kubanischen Cohiba kommt wahrscheinlich daher, dass die Torcedores sie immer noch von Hand rollen, um nicht zu sagen: streicheln. Und wenn wir schon auf der Tabakroute nach Viñales 4 5 unterwegs sind, gehört ein Blick auf die flinken Finger einfach dazu. Der dann folgende Blick ist immer mit einem Seufzer tiefen Glücks verbunden, handelt es sich beim Viñales-Tal doch um die märchenhafte »Kulturlandschaft der Menschheit« im Orgelpfeifengebirge. Mogotes, Tabakfarmen, unterirdische Fließgewässer, die die einzigartige Vegetation befeuern. Da lässt es sich begeistert Wandern und auf der Finca Agroecológica El Paraíso vom Feld in den Mund leben.
Tropischen Strand mit Palmen und türkisblauem Meer (© iStockphoto / Chamäleon)
1971 entstand die Idee, aus einer Brache in der Sierra del Rosario ein ökologisches Vorzeigeprojekt zu machen. Es wurde mehr als das. Im Biosphärenreservat Las Terrazas 6 wird heute die biologische Bilanz der Region untersucht und dokumentiert. Ein ganzes Dorf ausschließlich in diesem Auftrag. Und dem Angebot, ein Mittagessen für uns zu kochen.
Die Kaffeeplantage Las Terrazas (© Jeannette Lobert / Chamäleon)
Heute wird gleich mit drei verbreiteten Irrtümern aufgeräumt. Denn die weltbekannte Schweinebucht 7 hat gar nichts mit den Lieferanten des gleichnamigen Schnitzels zu tun. Auch nicht mit jenen Personen, die sich an der Playa Larga mehr oder weniger dürftig bekleidet der Sonne hingeben. Und ebenfalls nicht mit den Invasoren, die am 17. April 1961 von hier aus Fidel Castro stürzen wollten, was gründlich in die Hose ging. Das Schwein, das der Bucht ihren Namen gab, ist der karibische Drückerfisch. Und dem dürfen Sie heute Gesellschaft leisten.
Echse (© Harry Laub / Chamäleon)
Christoph Kolumbus war der Erste, der 1494 in der Bucht von Cienfuegos 8 landete und vor Begeisterung den Boden küsste. Unter Hinzufügung französischer Kolonialarchitektur wurde daraus die »Perle des Südens«, einschließlich Triumphbogen, dem größten botanischen Garten Kubas und dem Teatro Tomás Terry, wo der große Caruso das hohe C sang. Alles zusammen Weltkulturerbe. Darauf wartet Che Guevara heute noch, aber sein Mausoleum und das Denkmal in Santa Clara, wo er den letzten, siegreichen Kampf führte, wäre ihm ohnehin lieber gewesen.
Kolonialarchitektur in Cienfuegos (© Dorothea Olig / Chamäleon)
Mit den Palästen der Zuckerbarone wartet auch schon das nächste Weltkulturerbe auf uns: die am schönsten restaurierte Stadt Trinidad 9. Straße für Straße ein kolonialer Traum, aber zu seinem weniger ruhmreichen Kapitel gehört auch der Sklavenhandel: Glück und Leid Seit an Seit im überwältigenden Historischen Museum. Gebirgszüge auf Kuba kennt man, aber Höhenkurorte sind eine echte Überraschung. Mit 800 Metern zwar nur relativ hoch, aber es reicht im Topes-de-Collantes-Nationalpark 10 für einen herrlichen Blick über die Insel aufs Karibische Meer. Das Paradies für Wanderer, Vogelkundler und Botaniker ist voll mit endemischer Flora und Fauna, und als solche fühlen auch wir uns beim Baden in natürlichen Pools oder einer Dusche unterm Wasserfall.
Zuckerrohrschnitt (© Bernhard Mayer / Chamäleon)
Die Farben, die Sie nun zwei Tage begleiten werden, sind alle echt. Das gilt für die Straßenzüge in Sancti Spiritus, das unter Zuhilfenahme der Sklaverei zu unverkennbarem Reichtum kam, aber mehr noch für das von einem unverschämt türkisgrünen Wasser umspülte Inselchen Cayo Guillermo 11 12. Was Sie hier, im Palmenpark des all-Inclusive Meliá Cayo Guillermo tun werden, ist nicht schwer zu erraten. Rasenmähen ist es nicht.
Strassenverkauf (© Antoine Weis / Chamäleon)
Nachdem sie mehrfach von Piraten überfallen wurden, hatten es die Einwohner von Camagüey 13 dicke und haben sich ins Hinterland verdrückt. Nicht die schlechteste Entscheidung, denn dort konnten sie in Ruhe einen wunderschönen Stadtkern bauen, der heute zu den besterhaltenen zählt. Die fetten Tontöpfe, die überall rumliegen und locker 1.000 Liter fassen, waren einst 16.000 Stück, um Regenwasser aufzufangen und frisch zu halten. Wir nehmen die Tinajones, die noch da sind, als Wegweiser auf unserer Fahrradtaxitour durch das Weltkulturerbe.
Cha Cha Cha (© Ute Mayer / Chamäleon)
So kann man es auch machen: Damit sie nicht in die Hände der Feinde fällt, haben ihre Verteidiger die ganze Stadt kurzerhand abgefackelt. Mit diesem rebellischen Geist wurde Bayamo zur »Wiege der kubanischen Nation« und Keimzelle des Freiheitskampfes gegen die spanischen Besatzer. Ein wundervoll gepflegtes Stück Geschichte. Berufsbedingt gesitteter ging es bei der »Barmherzigen Jungfrau von Cobre« zu, die von einem zehnjährigen Sklaven in der Bucht von Nipe gefunden und von Papst Benedikt XV. zur kubanischen Schutzpatronin erklärt wurde. Ihr bezeugen wir in der Wallfahrtskirche El Cobre unsere Ergebenheit und erhalten im Gegenzug ihren stillen Segen für die letzte Etappe des Tages in die kubanischste aller kubanischen Städte: Santiago 14 15.

Korrekt heißt sie natürlich Santiago de Cuba, damit sie in ihrer Einzigartigkeit nicht mit anderen, minderen Städten gleichen Namens verwechselt wird. Sie ist die Wiege des Son Cubano aus afrikanischen Trommelrhythmen und der Gitarrenmusik spanischer Farmer. Der Schmuggel von Rum und Tabak hat sie groß gemacht. Der Schmuggel hat ausgedient, aber der Reichtum ist geblieben und wird gehütet wie ein Augapfel. Nirgendwo sonst als im Museum des ersten spanischen Gouverneurs, ist die Lebensweise der reichen Herren besser dokumentiert. Der Cubano aber braucht kein Museum, der lebt. Und welche Gefühle er freisetzt, das spüren Sie heute an den eigenen Füßen, beim Salsa-Tanzkurs unter professioneller Anleitung.
Wasserfall im Alexander-Humboldt-Nationalpark (© FVA Cuba / Chamäleon)
Irgendwann reicht die dürre Vegetation nur noch für Kakteen. Die wüstenähnliche Landschaft trennt den Teil, an dem Kolumbus vor Begeisterung auf die Knie fiel von dem, wo der Kniefall in den Staub des Gefangenenlagers zum Symbol einer trüben politischen Realität wurde: Guantánamo. Nicht der Marinebasis gilt unser Interesse, sondern dem Zentrum des haitianischen Voodoo-Kultes und der afrokubanischen Religion Santería. Dann aber die Passstraße, die uns zurück ins üppige Grün bringt, nach Baracoa 16 und der karibischen Lebensfreude.
Muschelsammler am Strand (© feario_com, Pixabay / Chamäleon)
1801 war Alexander von Humboldt hier und fand im Osten der Insel an die 2.000 verschiedene Pflanzenarten, von denen drei Viertel endemisch waren. Diese Biodiversität zu erhalten und den Menschen zugänglich zu machen, führte zur Gründung des Alexander-von-Humboldt-Nationalparks 17. Also treten wir ein und holen im Weltnaturerbe nach, was wir in der Schule verschlafen haben. Alles gewusst? Chapeau, dann dürfen Sie das Nickerchen am Palmenstrand nachholen.
Flaschenputzerbaum (© Toni Bauer, Cuba Real Tours / Chamäleon)
Wir machen den Kolumbus. Die gleiche Strecke, die er von Baracoa über Moa von Bucht zu Bucht bis ins Fischerdorf Gibara 18 entlangträumte, zeichnen wir nach und genießen ein letztes Mal, was die Kolonialzeit hinzugefügt hat. In der »Stadt der Parks«, wie Holguín 19 genannt wird, bedarf es 450 Stufen für einen Blick zurück auf Ihre Zeit in der guten alten Zeit. Das Panorama vom Aussichtspunkt Loma de la Cruz ist wie ein Abschiedsgeschenk dafür, dass Sie gekommen sind. Bewahren Sie es gut und erzählen Sie zu Hause 20 von einem Land, das jede Stunde wert war.
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