Chile, Bolivien und Peru auf einer Reise. Ein Best-of-Gänsehaut hoch drei. Es beginnt mit dem Flug von Frankfurt 1 direkt ins Herz von Santiago de Chile 2. Das Herz ist hier wörtlich zu nehmen, denn es handelt sich bei der gebräuchlichen Kurzfassung Santiago nur um das historische Zentrum der Fünf-Millionen-Metropole. Was uns nicht weiter stört, weil es dort eh am schönsten ist. Die Prachtbauten und Paläste, die noch mit Hilfe der Picunche-Indianer errichtet wurden, sowieso, aber richtig beeindruckend wird es auf dem Cerro San Cristóbal, weil außer dem sensationellen Blick über die Stadt auch noch das Andenpanorama dazukommt. Allenfalls mit einem sehr guten Tele könnten Sie von hier aus in die charmanten Gassen des Künstlerviertels Bellavista gucken. Aber machen Sie das am Abend besser persönlich, dann gibt’s auch Musik und Feuerwasser dazu.
Bunte Häuser in Valparaiso (© Chamäleon)
Es gibt eine handvoll Städte, die sich die schönsten der Welt nennen, aber bei Valparaíso 3 kann man sagen, dass es stimmt. Schrägaufzüge sind nötig, um von jedem Hügel der Stadt einen berauschenden Blick auf die malerische Bucht zu werfen. Wir werfen, was wir können: von der Aussichtsplattform hinunter, bei einer Stadtrundfahrt hinein ins historische Zentrum und bei einer Bootsfahrt durch den Hafen wieder hinauf. Dann die Belohnung tropfenweise: auf dem Weingut Casas del Bosque, wo im Casablanca-Tal ähnlich perfekte Bedingungen herrschen wie in den besten Lagen Kaliforniens.
Das Mondtal in der Atacamawüste (© Markus Friedrich, Vision 21 / Chamäleon)
Sie können Ihren Regenschirm verkaufen, wir fliegen zum Wüstendorf San Pedro de Atacama 4. Hier regnet es 50-mal weniger als im kalifornischen Death Valley, der einzige Beweis, dass es noch toter als tot geht. Aber es gibt Hoffnung. Im Dorf, schön wie eine Filmkulisse, spielt die Sonne mit den Schatten der Innenhöfe, und unser Hotel ist ein Spiegelbild dieses lichtdurchglühten Charmes, gnädigerweise mit Pool. Vor der Tür das Valle de la Luna, und bevor die Sonne das Eiskrönchen des Licancabur in einem Feuerwerk unwirklicher Farben zum Leuchten bringt, haben wir auf dem Mond Platz genommen.
Flamingos in der Laguna Chaxa (© Kai-Uwe Küchler, Art & Adventure / Chamäleon)
Auch die unbarmherzigste Wüste lebt. Nicht anders ist zu erklären, dass sich das indigene Urvolk, die Likan Antai, ausgerechnet in der Atacama-Wüste niedergelassen hat. Geblieben sind sie auch noch, haben Viehherden gezüchtet, Obst und Gemüse angebaut und durchgehalten, bis wir kommen und staunend feststellen: gar nicht so übel in der Wüste. Das sagen sich die Flamingos in der Salar de Atacama 5 auch und picken mit Vergnügen Ruderfußkrebse aus den schillernden Pfützen des Salzsees.
Die Geysire von El Tatio (© Kai-Uwe Küchler, Art & Adventure / Chamäleon)
Sie müssen früh zur Stelle sein, wenn die Geysire von El Tatio 6 zum Leben erwachen. In 4.300 Metern Höhe schießt die eingesperrte Kraft bis zu vier Meter in die Höhe und hüllt den Berggipfel ringsum in Dampfsäulen wie in Lichters Küche. Heiße Quellen und frühmorgendliche Temperaturen ergeben ein Wohlfühlbad, in dem man stundenlang aufweichen könnte. Aber höchstens bis zum Nachmittag, dann weicht unsere Trägheit einem wundervollen Spaziergang entlang der Laguna Tebinquinche. Der Trick: Beim Beobachten der Vögel vergeht die Zeit wie im Flug, bis die Sonne das Signal für den Abschied von dieser grandiosen Naturkulisse gibt. Nicht ohne einen Pisco Sour, mit dem in Chile alle Großereignisse begossen werden.
Laguna Colorada im bolivianischen Altiplano (© Dirk Stamm / Chamäleon)
Ums Eck und wir sind in Bolivien. Die Berge im Nationalpark Reserva Eduardo Avaroa sind die Höchsten der Anden. Da müssen wir über das Panorama wohl nicht mehr viel sagen. Aber die Farben! Die Farben in den Lagunen Verde und Colorada 7 sind umwerfend. Chileflamingos, Andenflamingos und Kurzschnabelflamingos sehen das genauso. Zusammengenommen rund 30.000 Exemplare. Gemessen daran, dass wir nur zu zwölft sind, ein sagenhaft beglückendes Verhältnis.
Salzebene in der Salar de Uyuni (© Holger Mette, iStockphoto.com / Chamäleon)
140 Kilometer lang und 110 Kilometer breit ist der größte Salzsee der Welt, der Salar de Uyuni 8. Und wenn man weiß, dass auf solchen endlos schneeweißen Pfannen Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt werden, dann juckt es ordentlich, mitzuhalten. Ein Rekord ist mit Sicherheit unserer: Pegelhochstand der Gefühle, wenn das Kochsalz hinter uns in Wolken aufgeht. Aber dann die Überraschung: meterhohe Kakteenwälder, in denen sich possierliche Hasenmäuse aus der Familie der Chinchillas eingenistet haben. Als würden im Toten Meer plötzlich Fischschwärme gesichtet. Wer weiß, jedenfalls werden wir die Ansicht, dass mit Salz nicht viel anzufangen ist, wohl korrigieren müssen. Wenn dem so wäre, hätten Sie heute kein Dach über dem Kopf, weil die beeindruckende Wüstenarchitektur im Hotel Palacio de Sal vorwiegend aus Salzziegeln besteht. Wenn das so ist, wünschen wir eine gesalzene Nacht.
Die Ruinen von Tiahuanaco (© Nina Bäker / Chamäleon)
Wo man über unendliche Salzkrusten flitzen kann, passt auch ein Flughafen hin. Wir starten nach La Paz, denn es führt kein anderer Weg nach Tiahuanaco 9. Der aber lohnt sich, handelt es sich doch um die sagenhafte Stadt mit dem Namen »Setz dich nieder, kleines Lama«, von der erst ein Prozent freigelegt ist. Das aber gibt einen ergreifenden Vorgeschmack auf den Stand der Präinkakultur. Das Sonnentor, aus einem 12-Tonnen-Andesitblock geschlagen und mit dem Fries einer Gottheit gekrönt, lässt allenfalls erahnen, was noch im Boden der kargen Hochebene ruht. Der »Mönch«, das Tor zur Kalasaya-Plattform, der versunkene Hof mit den Relieffiguren – dieses Weltkulturerbe erzeugt Ehrfurcht. Da kommt die märchenhafte Dachterrasse des Hotels La Casona genau richtig für ein paar stille Reflexionen über Gott und die Welt. Für Lebensglück statt Ehrfurcht, vielleicht auch fröhliche Ausgelassenheit, müssen wir weiter nach La Paz. Obwohl nicht Hauptstadt, schlägt hier dennoch das Herz Boliviens.
Kurioses auf dem Hexenmarkt in La Paz (© Nina Bäker / Chamäleon)
La Paz 10, dessen vollständiger Name ursprünglich »Unsere Liebe Frau des Friedens« war, ist ein überzeugendes Beispiel dafür, wieviel weibliche Friedfertigkeit eine ausgeprägte Shopping-Kultur erzeugen kann. Da ist kein Platz für Verkaufsstände und fein dekorierte Auslagen. Da werden ganze Straßenzüge zur Einkaufsmeile, wo Spielzeugpuppen an Fisch und Gewürze gleich sackweise feilgeboten werden. Aber keine Sorge, wir lassen Sie nicht im Konsumregen stehen, Lustrabotas ist da. So werden hier die Schuhputzer genannt, und so einen haben wir engagiert, um Sie ins gelobte Land respektive durch die gelobten Gassen seiner Heimatstadt zu führen. Sein Part endet ausgerechnet am Gefängnis von San Pedro, aber warum? Das soll er Ihnen persönlich sagen.
Sonnenaufgang am Titicacasee (© Klaus Börner / Chamäleon)
Wenn das Stichwort Copacabana fällt, liegen Sie garantiert falsch, obwohl sich die Stadt auf der Halbinsel im Titicaca-See 11 12 ähnlich lustvoll präsentiert wie ihre große Schwester in Brasilien. Sonneninsel heißt unser Ziel auf dem See heute, und wir steigen ins Motorboot, um einer fantastischen Geschichte auf den Grund zu gehen. Denn der Schöpfergott Viracocha hatte diesen Ort einst auserkoren, um die Sonne, den Mond und die Menschen zu erschaffen. Irgendwie hat es auch geklappt, aber auf welche Weise der Sonnenuntergang dazukam, ist nicht überliefert. Allerdings müssen auch die Götter mal Pause machen, und wie immer in solchen Fällen, ist das schönste Plätzchen gerade gut genug. In diesem Fall der zweistöckige Palast Pilko Kaina. Heute leider nur noch Ruine, aber der Blick auf den See und das Andenpanorama ist sensationell wie eh und je. Allenfalls übertroffen vom Sonnenaufgang, wenn er sich vor der Ecolodge La Estancia im Titicaca-See spiegelt.
Schwimmende Dörfer im Titicacasee (© Hanis, iStockphoto.com / Chamäleon)
Etwa 1200 v. Chr. setzte der Sonnengott Inti seine beiden Kinder auf dem heiligen Felsen der heutigen Chincana-Ruinen ab und gab ihnen den Auftrag, die Inka-Dynastie zu gründen. Sie erledigten den Auftrag mehr als gründlich durch die Zerstörung aller Vorgängerkulturen.
Und so flüchteten die Ureinwohner vom Festland am See auf die sogenannnten Islas Flotantes. Schwimmende Inseln, die sie aus getrocknetem Totora-Schilf bauten, einschließlich Häusern, Booten, Spielplätzen, Aussichtsturm – alles aus den spröden Stängeln. Mittagessen auch, sozusagen Fish & Schilf. Das »Huch-Gefühl«, wenn wir ein Bein auf den watteweichen Untergrund setzen, spüren die Bewohner schon lange nicht mehr. Aber ihre Inseln halten sie auf Trab, denn von unten frisst sich allmählich die Fäule durch das botanische Fundament, und es wäre nicht das erste Mal, dass ein Uro-Indianer 13 mit dem ersten Schritt aus dem Bett im See versunken ist. In Puno wird Ihnen das beim Sundowner im Hotel Sonesta Posadas del Inca gewiss nicht passieren.
Dorf in den Anden (©  Guhl / Chamäleon)
Auf einer zauberhaften Fahrt über den höchsten Andenpass La Raya zu verträumten Indiodörfern und still ruhenden Seen im Altiplano, stoppen wir im Bergdorf San Pedro de Andahuaylillas. Nicht unbedingt des Ortes, aber eines seltenen Glanzstückes wegen, das ihm den Beinamen »Sixtinische Kapelle Amerikas« eingebracht hat. Filmreif im wahrsten Sinne des Wortes endet der heutige Tag. Im Heiligen Urubamba-Tal 14, wo die Landschaft schon oft für preisgekrönte Kinoklassiker herhalten musste.
Machu Picchu am Morgen (© Luisa Mentz / Chamäleon)
Da ruht sie nun schon seit 600 Jahren eingebettet zwischen Andengipfeln, und man kann sich immer noch nicht erklären, wie diese Wundertat möglich war und warum Machu Picchu 15 16 dennoch wieder verlassen wurde. Sie vielleicht? Mit dem Andenzug schnaufen wir von Ollantaytambo nach Aguas Calientes. 30 Minuten die Serpentinen hoch, dann liegt die sagenumwobene Inkastadt vor Ihnen. Die Luft bleibt einem weg bei diesem Anblick. Und der Gedanke, wie Menschen solch eine Leistung vollbringen konnten und warum ausgerechnet an dieser Stelle, wird Sie auf Schritt und Tritt durch die unzähligen Tempel, Paläste, Brunnen und Terrassen begleiten. Warten Sie nicht auf eine Antwort, lassen Sie sich von der Großartigkeit dieses Weltkulturerbes einfach davontragen.
Blick über Cuzco (© Ellen Ebenau / Chamäleon)
Die Geschichte verzeichnet viele Hauptplätze der Inka, aber nur eine Hauptstadt: Cuzco 17, in der Sprache der Indios »Nabel der Welt«. Hier gilt es noch der Frage nachzugehen, warum die Indios diesen Ort als Nabel der Welt bezeichneten. Vielleicht finden wir die Antwort bei einem Rundgang durch die historische Altstadt, im Künstlerviertel San Blas oder am berühmten Stein der zwölf Ecken. Vielleicht überkommt uns die Erleuchtung im Angesicht des unvorstellbar präzise errichteten Sonnentempels Coricancha. Aber offen bleibt, wie es den Inka gelang, die tonnenschweren Steine zu platzieren, ohne das Rad zu kennen. So werden Sie wohl ein paar Rätsel mitnehmen müssen, wenn Sie über die Anden zurück nach Lima fliegen.
Der Plaza Mayor in Lima (© Simone und Manfred vom Bovert / Chamäleon)
Letzte Gelegenheit in Lima 18, der »Stadt der Könige«, das Füllhorn der unvergesslichen Eindrücke voll zu machen: Plaza Mayor, der Palast des Erzbischofs, das Kloster San Francisco. Dann ist wieder Zeit für den modernen Dreisprung. Rückwärts diesmal, zum Tor des Alltags in Deutschland 19. Aber was hindert Sie, noch einmal Anlauf zu nehmen, wenn Ihnen Ihre Erinnerungen flüstern: Das kann noch nicht alles gewesen sein.
Altiplano - 19 Tage Wunderwelten-Reise
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