Haben Sie eigentlich eine Vorstellung davon, wo Sie landen werden, wenn es am späten Abend in Frankfurt 1 endlich losgeht? Sie landen zu einem morgendlichen Sonnengruß in Addis Abeba und mit einem letzten Satz in der inoffiziellen tansanischen Hauptstadt Daressalam 2. Aber das ist mit unserer Frage gar nicht gemeint. Haben Sie auch nur ansatzweise eine Ahnung, in welchen Traum Sie da hineinfliegen? Damit sich Ihre Sehnerven akklimatisieren können, haben wir die Halbinsel Msasani für Sie ausgesucht, um auf der Beachsand-Terrasse des Slipway Hotels Tuchfühlung mit dem Spirit of Tanzania aufzunehmen. Von vorn kommt die süße Brise des Indischen Ozeans, neben Ihnen prickelt ein Malawi Shandy und hinter Ihnen die Serengeti des Südens. Die ist aber erst morgen dran, vielleicht möchten Sie ja einen zweiten oder dritten Malawi Shandy trinken oder gar nicht mehr aufstehen.
Büffel mit Madenhackern (© Dirk Freder / Chamäleon)
Weil Vegetation und Landschaft mit der weitaus berühmteren Serengeti vergleichbar sind, bezeichnet man den Mikumi-Nationalpark 3 4 gerne als deren kleine Schwester. Das Uluguru-Gebirge, wo die »Menschen von den hohen Bergen« leben, hat dabei die lobenswerte Aufgabe übernommen, vorbeifliegende Wolken abzufangen und sie ordentlich zur Ader zu lassen. Ergiebige Wasserlöcher und Flussläufe gehören daher zum gewohnten Bild der ausgedehnten Savanne. Den Büffelherden, Giraffen, Zebras, Impalas und was hier noch seine Kreise zieht, braucht man das nicht zweimal zu sagen. Sie wittern das Lebenselixier meilenweit gegen den Wind, und wir? Wir wittern unsere Chance auf fette Kamerabeute bei einer ganztägigen Safari. Und wenn uns noch ein paar Wasserböcke und Warzenschweine ins Bild laufen, sind wir auch nicht böse. Für die wenigen Augenblicke, in denen der Boden gerade mal nicht von den Hufen der Herden bebt, entschädigt uns ein liebliches Geräusch in der Luft. Denn ein paar der 370 Vogelarten im Park trällern immer.
Menschen in Karatu (© Kai-Uwe Küchler / Chamäleon)
Ein bisschen ungerecht ist das schon: Die Serengeti kennt jedes Kind, dabei ist der Ruaha-Nationalpark 5 6 7 noch viel größer, genau genommen mit über 20.000 Quadratkilometern das größte Naturschutzrevier Tansanias. Unfassbar, was am Großen Afrikanischen Grabenbruch entlangmarschiert. Mitten durch den Park zieht sich eine 260 Meter hohe Bruchkante, durch die in der Regenzeit das Wasser schießt. Dann bleiben die rund 10.000 Elefanten gerne in großen Herden zusammen, um in den Flussrevieren die Anabäume kahl zu fressen. Erst wenn die Natur nicht mehr frei Haus liefert, setzen sie sich wieder in Bewegung und treten die 1.400 Pflanzenarten platt, die es in der Zwischenzeit gewagt haben, den Kopf aus dem trockenen Boden zu stecken. Schon klar, dass Sie den Dickhäutern am liebsten gleich entgegenrennen möchten, aber schauen Sie doch erst mal, warum wir ausgerechnet die Ruaha Hilltop Lodge für Sie ausgesucht haben.
Majestät (© Claudia Ziegler / Chamäleon)
Auf einer Anhöhe mit einem Blick bis übermorgen stehen die afrikanischen Rundalows mit Aussichtsterrasse für die unwiederbringlichen Momente zwischen Tag und Traum. Von hier starten unsere ganztägigen Safaris in die Welt der Rappenantilopen, Löwen, Leoparden, Flusspferde, Büffel, Kudus, Giraffen und Zebras. Sollten wir an dieser Stelle ein paar Dutzend Wildarten vergessen haben, bitten wir um Nachsicht. Es sind einfach zu viele, dabei war von den 450 Vogelarten noch gar nicht die Rede, vom Weißstorch, den Nektarvögeln, Eisvögeln oder den Dreifarben-Glanzstaren. Zahlenmäßig überschaubarer sind die Menschen, denen das Land einst gehörte und die sich ihre Lebensweise bis heute bewahrt haben. Sie – Massai und Hehe – sind immer noch eins mit den Regeln, die ihnen die Natur und die überlieferten Traditionen ihrer Vorväter ins Stammbuch geschrieben haben. Gastfreundschaft steht ziemlich weit oben, nicht zuletzt, um uns mit Stolz die Kultur ihrer ethnischen Herkunft zu zeigen.
Diese Frauen haben Spaß an ihrem Handwerk (© Hatari Lodge / Chamäleon)
Und wenn wir schon mal da sind, kann auch ein bisschen Sprachunterricht nicht schaden. Wie wäre es mit einem Wort Heheisch? Mehr werden Sie nirgends zum Besten geben können, aber in Iringa 8 kommen Sie damit durch. Zumindest bis zum Gerichtsgebäude aus deutscher Kolonialzeit. Gangilonga bedeutet nicht etwa schwerer Gang, was für ein Gericht durchaus plausibel wäre, sondern »sprechender Stein«. Da lässt sich eine gewisse Logik nicht leugnen. Iringa also liegt wie ein Schmuckstück in der Fassung grüner Berge und ist wie einst, diesmal allerdings in guten Händen. Die Markthalle ist dafür nur ein äußeres Zeichen. Viele Deutsche leisten im Auftrag des Bistums Münster oder im Amani Kinderdorf einen freiwilligen sozialen Dienst. Mit unserer Übernachtung im Neema Crafts Gästehaus tragen auch wir ein kleines bisschen dazu bei. Denn die Neema-Werkstatt gibt Menschen mit Behinderung einen Lebensinhalt. Das Gästehaus ist ein Teil davon.
Afrikanische Körbe (© Chris Werner / Chamäleon)
Als sich die Vegetation verabschiedet hatte und das Tal der Erosion ausgeliefert war, dauerte es ein paar Hunderttausend Jahre, bis die Winde die bedeutendste Fundstätte der Steinzeit freigeblasen hatten. Zwei-, drei-, vierhunderttausend? Was macht das für einen Unterschied, das Arsenal der gefundenen Werkzeuge belegt jedenfalls eine hoch entwickelte Kultur, die sich im Staub von Isimilia 9 verewigt hat. »A paradise for dreams« bezeichnet sich die Udzungwa Falls Lodge selbst, und wir sind geneigt, nicht zu widersprechen. Ob sich hinter den Träumen nun die herausragende Lage im Wald des Udzungwa-Gebirges, die schmucken Bungalows mit privater Aussichtsterrasse, die köstliche Küche oder der Pool »for a swim you will not forget« verbirgt, das urteilen Sie bitte nach eigenen Vorlieben. Vielleicht ist es ja alles zusammen.
Bergregenwald in Tansania (© Hatari Lodge / Chamäleon)
Berge in dieser Region haben es gut. Überwiegend von der Sonne verwöhnt, bleiben gelegentlich Wolken an ihren Hängen hängen und lassen einen Urwald sprießen, in dessen Ökosystem der Teufel los ist. 200 Millionen Jahre hatten die Udzungwa Mountains Zeit, zu einer der artenreichsten Regionen der Erde zu werden, in deren Bergregenwald ein Viertel der Pflanzen endemisch sind. Wo ohne Machete ein Durchkommen ist, wandern wir im Udzungwa-Mountains-Nationalpark 10 durch das urzeitliche Dickicht zum Sanje-Wasserfall, der sich 170 Meter tief in den darunter liegenden Wald stürzt. Wie gesagt: Berge haben es in dieser Region gut. Sie aber auch.
Bootssafari am Rufiji River (© Niels van Gijn, Foxes Safari Camps / Chamäleon)
Wenn Sie bitte einen kurzen Blick auf den Namen dieser Reise werfen, wissen Sie, wohin es heute geht. Das Finale, von allen Höhepunkten der höchste, das Selous-Wildreservat 11 12 13. Mit seiner unvorstellbaren Größe bedeckt es fünf Prozent des tansanischen Staatsgebietes. Allerdings auch ein gefährdetes Weltnaturerbe, weil die organisierte Jagd auf Elefanten, Büffel, Löwen, Leoparden und andere Trophäentiere hier immer noch als Wirtschaftszweig gilt. Das kleine, feine Selous Riverside Safari Camp liegt genau da, wo es hingehört. Einerseits direkt am Rufiji-Fluss, damit Sie bewegungslos von Sonnendeck oder Pool die Revierkämpfe der Hippos verfolgen können. Andererseits in der Herzkammer der afrikanischen Tierwelt, die zwei volle Safaritage lang unseren Puls bestimmt.
An der Theke (© Mike Lippke / Chamäleon)
Wir widerstehen an dieser Stelle der Versuchung, mit einer Aufzählung all der Arten zu beginnen, die unsere Wege kreuzen werden, wenn wir mit Geländewagen, im Boot oder zu Fuß den Fährten und Stimmen folgen, die das Selous-Wildreservat vibrieren lassen. Der Rest dieses Kataloges wäre voll damit. Nur so viel: Die letzte Zählung ergab 15.000 Elefanten, 120.000 Kaffernbüffel, 48.000 Streifengnus, 20.000 Lichtenstein-Antilopen, 27.000 Flusspferde, 4.000 Löwen, und so geht das weiter. Es hängen an jeder Spezies mindestens drei Nullen hinten dran, darunter tut es der Park nicht. Was unsere Erwartungen nährt, zu jeder Tageszeit im richtigen Moment an der richtigen Stelle zu sein. Nach ungezählten Begegnungen mit dem Unbekannten, Überraschenden und Faszinierenden ist die letzte richtige Stelle noch einmal das Camp am Fluss, um mit hochgelegten Füßen die Bilder der vergangenen Abenteuer Revue passieren zu lassen. Der Chefkoch wird behaupten, es müsse Menue passieren heißen, aber bevor Sie mit ihm streiten, nehmen Sie Platz zum fulminanten Abschiedsessen.
Elefantös (© Robert Lux / Chamäleon)
Nicht auszuschließen, dass Ihnen beim Frühstück ein paar Augen aus dem Rufiji-Fluss zugucken, mit Sicherheit aber wird Ihnen aus hundert bunten Kehlchen ein tansanisches »Muss i denn …« gezwitschert. Sie sehen, es hat sich rumgesprochen: Abfahrt nach Daressalam 14, noch einmal einen Malawi Shandy, einen letzten Blick zurück, dann geht diesmal die Sonne in Addis Abeba unter statt auf. Auf geht sie erst wieder in Frankfurt 15 und bescheint eine Szenerie, da möchte man gleich wieder umkehren.
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