Frankfurt 1, Johannesburg, Windhoek in gut 13 Stunden, die meisten davon verschlafen, und schon landen Sie im Zentrum einer bewegten Vergangenheit, aus der sich ein ebenso eigenständiger wie packender Kulturmix kolonialer und zeitgenössischer Lebensart entwickelt hat. Es wird Ihnen gefallen, dieses Windhoek 2 aus gestern und heute, mit der Christuskirche als Wahrzeichen, dem Tintenpalast, Parlamentsgärten im Zuschnitt einer Bundesgartenschau und seinem Glanzstück aus alten Zeiten, dem historischen Bahnhof. Schon diese ersten Bilder machen Lust auf mehr, und viel mehr können Sie gleich haben, auf dem Oshetu-Markt, wo die Einheimischen kaufen und verkaufen, was das Zeug hält. Diesen Intensivkurs in Afrikanisch vollendet das La Marmite kulinarisch mit Springbock-Risotto, Curry and Peanut Butter Side Sauce und einem Betthupferl namens Don Pedro mit Wildfruchtsahnelikör aus dem Marula-Baum. Klingt doch gut, oder?
Oryx (© Frank Bühler / Chamäleon)
Ruhig sind die Nächte im Gästehaus Casa Piccolo, und gut erholt sollten Sie auch in den neuen Tag starten, denn es erwartet Sie die erste Begegnung mit der endlosen Weite Namibias. In der ältesten Wüste der Welt geht es rauf und runter. In Serpentinen durch die Auas-Berge bis Rehoboth, und wenn uns die 2.000 Meter hohe Gebirgskette den Weg versperrt, dann weiter entlang des Namib-Naukluft-Parks 3 bis zum erlösenden Pool der A Little Sossus Lodge. So viel Zeit muss sein nach all dem Staub, aber der atemberaubende Blick in die weite Ebene lockt. Eine kleine Wanderung mit wüster Pflanzenkunde samt Oryxantilopen, Springböcken und Straußen vielleicht, dann ist immer noch Zeit zum Einweichen, Teil zwei.
Aufstieg Düne Big Daddy (© Ulrich Schreyer / Chamäleon)
Was dem Naukluft-Massiv recht, ist mir billig, sagte sich der Sand und begann, einen riesigen Berg aufzutürmen. Sossusvlei 4 heißt dieses spektakuläre und frisch als UNESCO-Welterbe gekürte Naturwunder einer 350 Meter hohen Düne. Da müssen Sie rauf, morgens früh und vor allem barfuß, wenn wärmende Sonnenstrahlen Sie begleiten und wandernde Schatten im orangefarbenen Sand von Minute zu Minute neue Bilder malen. So lebt die Namib seit 80 Millionen Jahren, nur das Dead Vlei mit seinen bizarren Akaziengerippen sagte sich vor 500 Jahren: Mir reicht’s, und fiel in einen künstlerisch wertvollen Dornröschenschlaf.
Guter Fang (© Patrick Schneider / Chamäleon)
Wo sich zuweilen Hunderte Flamingos, Pelikane und große Schwärme von Zugvögeln tummeln, ist Walvis Bay. Links der Atlantik, rechts die Dünen, so fahren wir in das ehemalige Zentrum deutscher Kolonialzeit: Swakopmund 5, 1892 von einem Deutschen gegründet, inklusive Seebrücke, Eisenbahn, Leuchtturm und anderer Relikte. Prost, denn Bier vom Fass gibt’s auch. Eine Stärkung kann nicht schaden, denn unsere Reise führt nach einer berührenden Stippvisite im Waisenhaus Ngatuve Vatere geradewegs an den Rand des Etosha-Nationalparks 6. Ein Kontrastprogramm zwischen karger Gerölllandschaft und einem Phänomen des südlichen Afrikas: der Mopane. Bei Trockenheit ein Strauch, aber wenn’s was zu trinken gibt, ein bis zu 30 Meter hoher Baum. Apropos trinken: Das Etosha Safari Camp hat zwar einen üppigen Pool, aber seine lebensfreudige Oshebeena-Bar im Township-Stil die größere Auswahl.
Köpfchen in das Wasser (© Hedi Glas / Chamäleon)
Wer will, darf ausschlafen, aber wer will das schon? Packen Sie die Kamera ein, es geht ans Wasser. Jeder kleine Tümpel ist Lebensader der tierischen Vielfalt im Etosha-Nationalpark 7. Die offene Vegetation gibt den Blick frei auf Elefanten, Antilopen, Giraffen, Zebras und mit etwas Glück auch auf Löwen und Leoparden, die das Stelldichein der Tiere gerne als gedeckten Tisch betrachten. Ein Tag im Etosha-Park ist fast nichts, denn wir reden von über 22.000 Quadratkilometern mit 241 Wildtier- und 340 Vogelarten. Also bleiben wir beinahe den ganzen Tag, bevor uns die Etosha-Salzpfanne eine Erfrischung vorgaukelt, die keine ist. Was aussieht wie ein galaktischer Pool, rückt weiter weg, je näher wir kommen. Fata Morgana heißt dieses Phänomen der Salzwüste. Dann lieber ein paar Nummern kleiner und echt im Otavi-Dreieck 8, auf der reizvollen Gästefarm Ghaub, die eine hundertjährige Geschichte als ehemalige Missionsstation erzählt.
Spielendes Mädchen am Kwando (© Heidi Obermayer / Chamäleon)
Die »Rote Linie« ist ein Veterinärzaun quer durch Namibia. Er trennt nicht nur den Viehtransfer vom Norden in den Süden, sondern steht auch für ein abrupt verändertes Landschaftsbild. Hohe Bäume statt dürrer Gräser. Dichter Wald statt weiter Savanne. Kleine Dörfer statt einsamer Weite. Direkt am Ufer des Okavango 9, der diesen Wechsel zum blühenden Leben ermöglicht, stehen auf einer Holzplattform die Luxuszelte der Nunda River Lodge. Am Pool liegen und versuchen, das Vogelstimmenkonzert auseinanderzuhalten, kann ebenso erfüllend sein wie eine optionale Safari zum Abendmahl der Hippos, Elefanten und Antilopen im Mahangu-Nationalpark.
Epupa Wasserfälle im Norden Namibias (© Peter Pack, Pack Safari / Chamäleon)
Es ist ein Gerücht, dass die Popafälle im Okavango 10 ihren Namen von der Gefahr ableiten, hier leicht auf den Allerwertesten zu fallen. Tatsache ist, dass es sich gar nicht um Wasserfälle, sondern um geräuschvoll sprudelnde Stromschnellen handelt, die man zumindest in der Trockenzeit bequem zu Fuß überqueren könnte. Auf die Faszination folgt unbändiger Jubel, wenn wir durch den Caprivi-Zipfel hindurch die Kazile Island Lodge erreichen. Der Traum einer Unterkunft unter einem Baldachin von Jackalberry- und Mangostan-Bäumen. Und so nah am Fluss, dass Sie von Ihren im Buschwerk versteckten Aussichtsterrassen in den Kwando spucken können. Falls nicht gerade ein Hippo vorbeischwimmt.
Was willst du hier? (© Karel Stipek / Chamäleon)
Auf der anderen Seite des Flusses bringt Ihnen die Vogelwelt im Bwabwata-Nationalpark 11 ein Morgenständchen, dagegen nehmen sich Bach-Kantaten wie Heiserkeit aus. Aber die Sänger sind nicht unter sich. Vier der Big Five sowie Krokodile, Hippos, Buschböcke, Streifengnus, Leierantilopen und deren Sippschaft bevölkern den weitgehend unberührten Park, wo Sie im Safari-Jeep eine Ausnahmeerscheinung sind. Und wenn wir schon von Ausnahmen reden: Wir legen ausnahmsweise noch eine Nacht in der wundervollen Kazile Island Lodge drauf, weil Sie beim »Dining under the stars« gestern bestimmt noch nicht alle Sterne gezählt haben.
Rituale der Mafwe (© Alexander von Alten, Pack Safari / Chamäleon)
Ob es in diesem Landstrich auch Menschen gibt? Es gibt. Mafwe heißt die Volksgruppe. Man nennt sie die Könige des Caprivi, und was damit gemeint ist, zeigen sie uns im Historic Living Village 12. So viel Temperament ist ansteckend, weshalb wir nicht lange Zuschauer bleiben. Mitmachen ist angesagt, gemeinsam mit den Mafwe singen und den Mahango stampfen. Cha-Cha-Cha ist ein Ententanz dagegen. Doch genug der Körperertüchtigung, ein Kanu wartet auf dem Chobe. Wasser schlürfen, ein Vollbad nehmen und nach Botswana schwimmen, dass nur noch der Rüssel aus den Fluten ragt – das ist Wildlife pur und wir mittendrin. Wenn dann der markerschütternde Ruf des Schreiseeadlers ertönt, wird es Zeit fürs Abendessen im Camp Chobe. Ein Kammermusiksaal der Naturgeräusche mit lauter ersten Plätzen auf Ihrer privaten Terrasse wenige Meter vom Ufer entfernt.
Der donnende Rauch (© Ingmar Schramm / Chamäleon)
Der Morgen danach wird nicht ganz einfach. Es könnte nämlich sein, dass Ihre private Terrasse mit dem großartigen Blick über die Flusslandschaft des Chobe zu Ihrem Lieblingsplätzchen geworden ist, von dem es nun Abschied zu nehmen gilt. Unser Trostpflaster: eine grandiose Bootssafari durch den Dschungel des Chobe 13. Hippos, Elefanten, Büffel und Krokodile sind informiert und haben mit hoher Wahrscheinlichkeit etliche andere Spielkameraden mitgebracht. Dann wandelt sich die Ruhe der Wildnis zu einem Ruf wie Donnerhall, der von Kilometer zu Kilometer zunimmt. Ein Weltnaturerbe lässt von sich hören, von dem manch einer sagt, es sei das beeindruckendste Schauspiel unserer Erde: die Victoriafälle, wo pro Sekunde 10.000 Kubikmeter Wasser in die Tiefe rauschen.
Farbenpracht (© Hedi Glas / Chamäleon)
Rauschen Sie mit, bei einem Spaziergang durch den umgebenden Regenwald oder einem optionalen Rundflug mit schwindelerregenden Blicken ins Tor der Hölle. Nur ein bisschen schwindelfrei müssen Sie in der bezaubernden Ilala Lodge sein, denn von der Terrasse haben Sie einen grandiosen Blick auf den Victoria-Falls-Nationalpark 14, und ein bisschen hören Sie es auch donnern. Haben wir zu viel versprochen, als wir von Schokoladenseiten sprachen? Spätestens auf dem Weg zum Flughafen werden Sie wissen, dass es Trüffel-Schokolade war. Und wenn Sie via Johannesburg in Frankfurt 15 gelandet sind, sagen Sie es doch einfach allen, die auf Süßes stehen.

Noch mehr Gänsehaut

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