Stecken Sie Herztropfen ein, es geht los. Mittags ab Frankfurt 1 mit einer Zwischenlandung in Bangkok nach Yangon. Myanmar an einem Tag wäre die treffende Umschreibung für diese Eröffnungszeremonie der Gefühle. Gold ist hier die normalste Farbe der Welt. Eine Grundfarbe, wenn Sie so wollen, und nicht als Anstrich, sondern vor allem in Form von Blattgold. Wie im Schwarzwald die Tannen steht in Yangon 2 Pagode an Pagode, reiht sich ein goldener Turm an den nächsten. Und doch ist dies alles nur der äußere Schein einer Kultur, die Sie täglich aufs Neue bewegen wird. Die mutig platzierte Sule-Pagode, das indische Viertel, das chinesische Viertel, die alles überragende Shwedagon-Pagode – natürlich in Blattgold –, und bevor Sie sagen: »Ich kann nicht mehr«, krönt ein burmesisches Abendessen Ihren randvollen Erlebnistag.
Mönche vor der Shwedagon-Pagode in Yangon (© Dirk Bleyer / Chamäleon)
Sie haben hoffentlich gut geschlafen, denn die Parade ergreifender Erlebnisse geht ohne Pause weiter. In Bago, der ehemaligen Hauptstadt des Mon-Reiches Pegu, liegt in »ruhender« Haltung der Buddha, der als der lebensechteste gilt, was angesichts eines drei Meter langen kleinen Fingers nur im übertragenen Sinne gemeint sein kann. Mawlamyine 3, malerisch zwischen Meer und bewaldeten Hügeln gelegen, war die erste Hauptstadt von Britisch-Birma. Naturkautschuk, Tropenfrüchte und Teakholz werden die Hauptmotive der Briten gewesen sein, vielleicht aber auch die märchenhafte Silhouette von Shampoo Island mit seinen – raten Sie mal – goldenen Pagodenspitzen. Wir entdecken das koloniale Erbe während einer Rundreise durch die Geschichte, bis wir schlussendlich an die längste Brücke Burmas gelangen, ins Attran Hotel mit herrlicher Aussicht auf den Thanlwin-Fluss.
Lächelnde Frau mit Strohhut (© Harry Laub / Chamäleon)
Es scheint, dass wir auf der Insel Bilu 4 die Einzigen sind. Mit einem kleinen Open-Air-Bus suchen wir in den Dörfern nach dem einfachen Leben und finden es in kleinen liebenswürdigen Familienbetrieben, wo Uropa, Großvater, Mutter und Kind an der Herstellung von Waren beteiligt sind. Spazierstöcke zum Beispiel, Schiefertafeln und Gummibänder. Was man in Burma so braucht. Genug gestaunt, unser Pensum ist noch nicht erfüllt, schließlich hängt seit dem Buddha mit dem Langfinger die Frage im Raum, ob er nun der größte der Welt ist, wie er da liegt. Ist er nicht, an dem baut ein Abt nur mit Hilfe von Spenden. Im Körper des Win-Sein-Taw-Ya-Buddhas gibt es mehrere Stockwerke, in denen die unterschiedlichen Leben von Buddha gezeigt werden, und am Ende sitzt der Abt und sammelt Spenden. Seien Sie großzügig, denn mit jeder Gabe verbessert der Geber sein Karma.
Der goldene Felsen bei Kimpon (© Thet Paing Kyaw / Chamäleon)
An den Wänden der Kawtgoon-Höhle sind Tausende kleiner Buddhafiguren in den Fels gehauen und verbreiten eine beispiellose Stimmung. Aber denken Sie nicht, dass dies schon das Highlight des Tages war. Wo sich die Gläubigen den Pilgerweg zum Allerheiligsten hinaufquälen, nehmen wir die Luxusvariante, einen umgebauten Kleinlastwagen, auf dessen Pritsche wir Kyaiktiyo 5 entgegenrattern, bis es Ihnen die Sprache verschlägt. Vor Ihnen liegt auf 1.200 Metern Höhe der Goldene Felsen, von dem die Legende sagt, er werde nur durch ein Haar von Buddha in der Balance gehalten. In tiefer Gläubigkeit kleben die Pilger hier feine Goldplättchen auf und murmeln unter großzügigem Einsatz von Räucherstäbchen ihre nicht endenden Gebete. Eine bewegende Stimmung prägt diesen heiligen Ort, und wir bleiben, bis die untergehende Sonne mit dem Goldenen Felsen spielt.
Der Paddler vom Inle See (© Gina Wintermantel / Chamäleon)
Buddhas Haar hat bis zum nächsten Morgen gehalten. Wir lassen uns noch einmal verzaubern, dann bringt uns der abenteuerliche Lastwagen zum Flughafen von Yangon. Wir fliegen nach Heho, um im Shan-Hochland Mitspieler in einem Märchen zu werden. Es trägt den Titel Inle-See 6 7 und handelt von 17 Dörfern, die im Wasser schwimmen. Wohnhäuser, Klöster, Pagoden, Märkte, Gärten, Felder und auch unsere ViewPoint Eco Lodge schwimmen. Ein Longtail-Boot bringt uns hin, und ob Sie jemals wieder wegwollen, scheint zumindest in diesem Augenblick fraglich. Zum Trost: Wir bleiben zwei Nächte, aber dazwischen »schwimmen« wir zum Markt, der nach dem Mondkalender alle fünf Tage in einem anderen Dorf stattfindet. Wir entscheiden uns für das Dorf Thar Lay, wo ein burmesischer Chefkoch schon alles vorbereitet hat, was in der richtigen Reihenfolge in Töpfe und Pfannen muss. Bitte sehr, Sie sind dran, aber keine Sorge, der Meister sieht Ihnen beim Kochkurs über die Schulter, damit Sie »mishee« und »lethoke« nicht durcheinanderbringen. Das gilt für die Weberinnen erst recht, denn hier wird traditionell mit Kette und Schuss noch jeder Faden von Hand verwebt. Für immerhin 70.000 Menschen ist der Inle-See im wahren Sinn des Wortes Lebenselixier, und bevor wir ihnen den Rücken kehren, müssen Sie noch eine Fortbewegungsart ausprobieren, die aus der Not der engen Wasserwege entstanden ist, das Einbeinrudern. Die Fischer zeigen Ihnen, wie es geht, ohne das Kanu von unten zu sehen.
Novizen im Shwe-Yan-Pyay-Kloster (© Harry Laub / Chamäleon)
Einbeinig bringt uns ein schmaler Flussarm ins 17. Jahrhundert zu den Pagoden von Indain, deren ursprüngliches Gold zu großen Teilen von Pflanzen überwuchert ist. Ein Märchenwald schlafender Götter beschert uns Augenblicke voller Romantik. Dann steht ein zweites Mal der Flieger bereit, um uns in das religiöse Zentrum von Myanmar zu bringen: Mandalay 8, die letzte Hauptstadt des burmesischen Königreiches. Und königlich werden Sie empfangen, im Mandalay Hill Resort mit herrlichem Garten, Pool und Spa.
Mingun 9, die Unvollendete, sollte einmal die größte Pagode der Welt werden, aber König Bodawpaya erlebte nicht einmal die Fertigstellung der Basis, und den Rest erledigte ein Erdbeben. Immerhin reicht das Fragment mit der vermutlich größten unbeschädigten Glocke der Erde für ungläubiges Staunen über den schmalen Grat zwischen Genialität und Größenwahn. Das könnte Ihnen heute noch öfter so gehen: Der rund vier Meter hohe Buddha in der Mahamuni-Pagode hat es den Gläubigen angetan. Mit riesigen Mengen Blattgold haben sie dafür gesorgt, dass er mehr einem Haufen Butter denn einem Buddha gleicht. Im Shwenandaw-Kloster sind es die Holzgravuren, die Weltruhm erlangt haben, und die Kuthodaw-Pagode verwahrt das größte Buch der Welt mit den gesamten buddhistischen Schriften. Genug Superlative für heute? Na, kommen Sie, einen filmreifen Sonnenuntergang mit Traumblick über Mandalay und den Ayeyarwady schaffen Sie noch.
Abendstimmung bei  der U-Bein-Brücke (© Herta Roidl / Chamäleon)
Verlassen Sie sich drauf, die Sonne kommt wieder, und in ihrem weichen Morgenlicht wiegt sich Amarapura 10, die alte königliche Hauptstadt. Lange vor uns haben die Mönche den holprigen Weg über die längste Teakholzbrücke der Welt in die umliegenden Klöster genommen um das Dasein zu ergründen und edle Tugenden zu studieren. Was Sie danach auf einer kleinen Insel erwartet, sind wahre Glanzstücke der burmesischen Baumeister und lässt vermuten, dass Geld – oder womit auch immer die ausführenden Handwerker entlohnt wurden – keine Rolle gespielt hat. Schlecht bezahlt oder schlicht vermessen, ist nicht mehr eindeutig auszumachen. Jedenfalls hat auch Inwa seinen »schiefen Turm«, was durch die architektonische Pracht der Klöster Maha-Aungmye-Bonzan und Bagaya-Kyaung mehr als wettgemacht wird. Sie alle liegen wie Perlen auf der Schnur einer Pferdekutschfahrt, nach deren Ende in Monywa der Garten des Win Unity Resort am Kan-Thar-Yar-See auf uns wartet, denn es reicht für heute.
Feldarbeit (© Katrin und Uwe Conrad / Chamäleon)
Denken Sie nicht, Sie hätten bereits annähernd eine repräsentative Anzahl an Heiligtümern und Pagoden gesehen. Raum für Buddhas ist in der kleinsten Hütte bzw. Höhle, wo die Wände voll sind mit ergebenen Zeichnungen und Figuren. Auf dem Weg nach Pakokku steht der farbenprächtige Thanboddhay-Tempel – und dann kommt Bagan 11, halten Sie sich fest, die Stadt der vier Millionen Pagoden. Dafür muss man gerüstet sein.
Von den vier Millionen Pagoden und Tempelanlagen aus der Zeit, als Bagan 12 13 Hauptstadt des ersten burmesischen Reiches war, stehen noch etwa 2.000 wie eine Eins. Darunter die Shwezigon-Pagode, die Urmutter der goldenen Pagoden in Burma, die Fresken des Wetkyi-in-Gubyaukgyi-Tempels und der schöne Ananda-Tempel mit seinen vier riesigen Buddhastatuen. Diesmal stehend. Hier saßen die Mönche nicht auf einer Bank, um die Ruhe der abendlichen Stimmung auf sich wirken zu lassen, sie saßen auf den Spitzen ihrer Pagoden und hätten sich beinahe die Hände reichen können. Zur Krönung genießen wir ein vitalisierendes Abendessen mit Puppenspielaufführung als Sättigungsbeilage.
Harmonie Shwedagon Pagode (© Rudolf Baranek / Chamäleon)
Machen Sie das. Machen Sie die optionale Fahrt mit dem Heißluftballon über die tiefgrün bewaldete Ebene, aus der die Pagoden wie Pilze schießen. Lauschen Sie in der Stille des frühen Morgens dem sanften Klingeln der Glöckchen, die in den Türmchen ihren verheißungsvollen Dienst tun. Es wird der Abschiedsgesang sein, der Sie noch lange durch Ihr Leben begleitet. Am Nachmittag bringt Sie der Flug zurück nach Yangon 14. Das gemeinsame Abendessen wird ein besonderes sein, dann kann am Morgen auch das Auge noch Abschied von der Shwedagon-Pagode nehmen, bevor es via Bangkok zurück nach Frankfurt 15 geht. Beladen mit Tonnen von Erlebnissen in purem Gold.
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