So kann es gehen. Schon 4500 v. Chr. besiedelt, war Jaffa ein Kultort für die Gottheit Derketo mit dem Oberkörper einer Jungfrau und dem Unterleib eines Fisches. Petrus war da, der Gerber Simon aus der Apostelgeschichte, die Phönizier haben hier das Holz für die Jerusalemer Tempel importiert, Konstantin der Große hat Jaffa zum Bischofssitz gemacht, Richard Löwenherz hat es kurzerhand kassiert. Geschichte und Geschichten von überwältigender Bedeutung, und dann kommt der neue Vorort Tel Aviv 1 2 und stiehlt dem antiken Jaffa die Show. Wo der Zahn vieler Jahrhunderte andere Weltkulturerbestätten mit einer Patina des Vergänglichen überzieht, präsentiert sich die »Weiße Stadt« in Tel Aviv, als sei sie erst gestern gebaut worden. Ist dennoch knapp hundert Jahre her, als die aus Nazi-Deutschland geflüchteten Juden die Bauhaus-Architektur nach Israel brachten. Gropius, Mies van der Rohe, Wright, Le Corbusier – hier wird die Handschrift einer umwälzenden Epoche hochgehalten. Kontrastprogramm in Jaffa, der Siedlung auf dem Andromedafelsen: Die Immanuelkirche der Norwegischen Israelsmission, die römisch-katholische Peterskirche, der Al-Saraya-al-Atika-Palast, der Uhrenturm – alles liegt so friedlich da und steht doch im Spannungsfeld der politischen und religiösen Gegensätze.
Nazareth mit der Verkündigungsbasilika (© Dafna Tal, FVA Israel / Chamäleon)
Wir kommen ein bisschen spät nach Caesarea. Vor vier Jahren hätten wir vielleicht zu den Glücklichen gehört, die im Hafengrund Reste antiker Schiffe mit 2.000 Goldmünzen gefunden haben. Hätten Sie sowieso nicht behalten dürfen, also begnügen wir uns zwischen den ehrwürdigen Ausgrabungen mit der Fantasie, was gewesen wäre, wenn und werden in Wadi Ara Zeugen der komplizierten Liaison arabischer und israelitischer Juden mit Palästinensern. Vom eigenen Glück und Leid dieser Konstellation erzählt uns Amana in der arabischen Stadt Kafr-Qara. Von hier ist es nicht mehr weit nach Haifa 3, und wir begnügen uns für den Rest des Tages mit der süßen Seite des Lebens im Wandelgarten des Bay Club Hotel.
Eine junge Familie (© Noam Chen, FVA Israel / Chamäleon)
Mitunter wird die Frage, wie das Zusammenleben unterschiedlicher Religionen gelingen kann, auf eindrucksvolle Weise beantwortet. Wie bei den Bahai. Sie zählen auch die Heiligen Schriften anderer Weltreligionen zum gemeinsamen religiösen Erbe und dokumentieren ihre Überzeugung im Friedenssymbol der Persischen Gärten. Inklusive Schrein des Religionsstifters Bab und dem Status Weltkulturerbe als Bestätigung. Unten, wo das Mittelmeer das »Blue Monochrome« von Yves Klein nachzeichnet, liegt in der Bucht von Haifa ein Stück Altertum. Ob es dieses Blau oder die wirtschaftliche Blüte von Akkon war, die Napoleon zu dem Ausruf »Wer Akkon erobert, erobert die Welt« veranlasste, ist nicht überliefert. Trotzdem ging die Aktion in die Hose, was uns eine schöne Zeit in dem unversehrten Labyrinth der Altstadtgassen beschert.

Im Handwerker-Souk der nächsten Altstadt hat rund 2.000 Jahre vor Ihnen Jesus von Nazareth seine Sandalen nähen lassen. Hier begann die Geschichte des Christentums, als der Erzengel Gabriel der Heiligen Jungfrau Maria die frohe Botschaft von der unbefleckten Empfängnis verkündete. Joseph, so hieß es, sei darüber nicht so froh gewesen. Man kennt sie alle, die Namen und Orte des Neues Testaments. Doch heute werden die Stätten und Ereignisse der Bibel real: am See Genezareth 4, dem Lieblingsort Jesu, wo viele Geschichten der Evangelien angesiedelt sind.
Baden im Toten Meer (© Itamar Grinberg, FVA Israel / Chamäleon)
Wir sind nicht die Einzigen auf den Golanhöhen. Seit 1974 werden sie von den UN-Friedenstruppen bewacht und sind nach wie vor ein Hindernis für den Frieden zwischen Syrien und Israel. Aber der Blick von hier oben über Land und See zum Berg der Seligpreisungen, wo Jesus seine Jünger dienstverpflichtet hat, ist unbestreitbar großartig. Unbestreitbar abgefahren ist es, wenn man als Salzstange auf dem Wasser treibend ein Buch lesen kann. Geht auch nur hier, 428 Meter unter dem Meeresspiegel am tiefsten Punkt der Erde. Allerdings ist ein Salzgehalt von 30 Prozent für kein Lebewesen erfreulich, weshalb der Name Totes Meer 5 praktisch alternativlos, wenn auch irreführend war, denn bis zu 10.000 Mikroorganismen schwimmen feuchtfröhlich in jedem Milliliter. Wir gehören nicht dazu, weshalb wir dem bemerkenswerten Pool im David Dead Sea Resort & Spa beim Schwimmen den Vorzug geben.
 (© Alexandra Jabs / Chamäleon)
Sie thront auf dem Tafelberg Masada und diente König Herodes als uneinnehmbare Festung. 300 x 600 Meter misst das beliebte Felsplateau 400 Meter über dem Toten Meer. Nach Herodes kamen die Römer. Dann wurde es gemütlicher, denn mit Wohnhöhlen, Taubenhäusern, Synagoge, Bäckerei und jüdischem Tauchbad machten verschiedene Rebellengruppen die Festung Masada geradezu heimelig. Bis Feldherr Flavius Silva mit 4.000 Soldaten anrückte und nach einer kräftezehrenden Belagerung Totenstille vorfand. Die 900 Männer, Frauen und Kinder hatten sich umgebracht, weil ihnen ein ruhmvoller Tod lieber war, als den Römern in die Hände zu fallen. Nun, heute fallen wir mit der Seilbahn ein und erfahren ungläubig die Geschichte des Weltkulturerbes. Weil sie nach einem Regen wie ein Meer aus bunten Blüten aussieht, wird die Negev 6 7 auch freundliche Wüste genannt. Sie beherbergt mit dem Machtesch Ramon ein weltweit einziges Naturwunder, den Erosionskrater. In acht Entwicklungsperioden ist ein 40 Kilometer breiter Krater entstanden, der die Geologie von Millionen Jahren preisgibt. Zusammen mit dem fulminanten Sonnenuntergang sind es noch ein paar Millionen mehr.

Lassen Sie sich von den kreisenden Geiern nicht irritieren. Noch ist es nicht so weit. Noch hat uns der Nationalpark En Awdat nicht einbehalten. Wir wären allerdings nicht die Ersten, denn der gewaltige Canyon, den die Awdat-Quelle in die Negev gefräst hat, ist prädestiniert für eine Wette mit dem Tod. 60 Prozent von Israel beansprucht die Wüste für sich, da ist es geradezu zwangsläufig, dass die israelische Regierung versucht, die Wüste zum Blühen zu bringen. In dem Projekt Wadi Attir scheint der Traum von Ben Gurion Wirklichkeit zu werden. Dort experimentiert eine Beduinengemeinschaft mit den Grundlagen für eine nachhaltige Farmwirtschaft. Wenn es klappt, soll daraus eine Referenz zur Bewirtschaftung von Trockengebieten auf der ganzen Welt werden. Wir drücken die Daumen.
 (© Alexandra Jabs / Chamäleon)
Auferstanden, gen Himmel gefahren, sitzend zur Rechten Gottes. Glauben oder nicht glauben, ist hier keine Frage. Der Blick vom Ölberg auf Jerusalem 8 ist der magischste Moment dieser Reise. Dann über den Palmsonntagsweg zur Kirche aller Nationen im Garten Gethsemane, durch das Löwentor in die Altstadt und über die Stationen des Leidensweges Via Dolorosa zur Grabeskirche. Sie können noch? So folgen Sie uns zum Tempelberg, aus dessen Erde Gott einst Adam schuf, und durch den arabischen Basar ins jüdische Viertel zur Westmauer des ehemaligen zweiten Jerusalemer Tempels. Vielleicht ist Ihnen nach einem Dank für die Erkenntnisse dieser Reise, vielleicht nach einem Wunsch an höhere Mächte. Dann schreiben Sie, was Sie bewegt, auf ein Kvittelchen und stecken es in die Ritzen der Klagemauer, wo es einzig Ihrem Gott zu lesen erlaubt ist.
In der Grabeskirche in Jerusalem (© Noam Chen, FVA Israel / Chamäleon)
Ob hebräisch Efrata oder arabisch Beit Lechem, in den Evangelien von Matthäus, Lukas und Johannes herrscht zumindest Einigkeit, dass Bethlehem 9 der Geburtsort von Jesus Christus war. In einer Höhle, berichten die einen. In einem Stall, sagt die Bibel. In einer Grotte der Geburtskirche, das ist heute der gemeinsame Nenner. Wie auch immer, durch das nur 1,20 Meter hohe »Tor der Demut« betreten wir den alles überstrahlenden Altar über dem Stern von Bethlehem. Das Bildungszentrum Talitha Kumi ist mit 150 Jahren vergleichsweise jung. Aber hat sich unter Leitung der Berliner Missionswerke eine große Aufgabe auf die Fahne geschrieben: Die Erziehung und Bildung palästinensischer Mädchen und Jungen aus prekären Verhältnissen. Viel erlebt, und je größer die widerstrebenden Eindrücke, desto drängender die Frage, wie das Volk mit den Spannungen und der historischen Last umgeht. Fragen Sie es doch selbst. Beim Abendessen in einer palästinensischen Familie.
 (© Stephan Auner / Chamäleon)
Es wird so sein, dass Sie das Gelobte Land als ein anderer verlassen, als Sie gekommen sind. Im christlichen Sinne »geladen bis an sein höchsten Bord«. Eine Last, die leicht zu tragen ist und Sie zu Hause 10 in der Gewissheit wiegt, dass die Bibel doch recht hat.
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