Abends in der Hauptstadt des Emirates zu landen, ist nicht das schlechteste Timing. Denn Energiesorgen sind das Letzte, was einen Scheich quält, und so ist die ganze Pracht, die Sie in Dubai 1 2 empfängt, schon mal feierlich ausgeleuchtet. Wir haben zwei Orte ausgewählt, wo es nicht so auffällt, dass Ihr Mund offensteht. Der erste: Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt, dessen Dimensionen bis zur Einweihung am 4. Januar 2010 geheim gehalten wurden, damit keiner auf die Idee kommt, so bald noch eins draufzusetzen. Dann war die Katze aus dem Sack: 828 Meter hoch, 163 Etagen, 360-Grad-Aussichtsterrasse auf 456 Metern. Wenn der Aufzug abfliegt, bitte die Backen zusammenkneifen. Der zweite Ort folgt, sobald es dunkel geworden ist und die Wasserfontänen an der Dubai Mall anfangen, ein spektakuläres Ballett zu tanzen. Danach kann Ihr Mund für heute zubleiben.
Falkner mit seinem Tier (© Neil Dodhia, Pixabay / Chamäleon)
Der überwältigende Wald an Wolkenkratzern stand nicht immer da. Vor dem Erdöl waren es die Perlentaucher, die den Vereinigten Arabischen Emiraten einen bescheidenen Wohlstand bescherten. Das Segelboot, das sie zu den Austerngründen brachte, nannten sie Dhau. Es ist nach wie vor Sindbads legendäres Holzboot, mit dem die Händler in Abu Dhabi 3 heute noch teilweise die Märkte der Einheimischen beliefern. Im Goldsouk liegen die elegant schimmernden Kügelchen, die in vielen Kulturen für Reichtum, Weisheit, Würde und gleichsam als Heilmittel gegen Melancholie gelten, in Reih und Glied. Aber kaufen ist keine Kunst, behutsam öffnen und dann überraschen lassen, was die Auster geleistet hat, das macht richtig glücklich. Nächster Halt: Intensivstation. Aber den Patienten in der Klinik fehlt nicht viel: mal eine Feder oder eine verwachsene Kralle. Appetitlosigkeit wäre allerdings fatal. Jedenfalls kommen Sie mit einem Krankenschein hier nicht weit, denn Jagdfalken sind ein sauteures Hobby. Und außerdem kriegen Sie keinen durch den Zoll.
Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi (© Amit Karkare, Pixabay / Chamäleon)
224 mal 174 Meter, darauf könnte man eine stattliche Zahl schmucker Reihenhäuschen bauen. Aber Abu Dhabi ist eine andere Welt und der Emir Zayid bin Sultan Al Nahyan, erster Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, leider schon selig. Hier ruht er sicher, unter der zweitgrößten Moscheekuppel der Welt, dem höchsten Kronleuchter, unfassbaren Mengen Blattgold an den 1.000 Säulen, einem 5.627 Quadratmeter großen, handgeknüpften Teppich aus 47 Tonnen Wolle und wie gesagt auf 224 mal 174 Metern. Dann das Gegenstück: Al-Ain 4, einst Rastplatz der Karawanen und heute »Gartenstadt des Arabischen Golfs«. Jetzt spüren Sie es auch: Dass die Vereinigten Arabischen Emirate bei aller Herrlichkeit nur unser Warm-up für Ihre Reise durch den Oman waren. Auf dem Jebel Hafeet, dem höchsten Berg des Emirats, noch ein Blick zurück und einen zweiten nach vorn, wo aus der Pracht der Sultane ein Zauber wird.
Bergstraße zum Jebel Shams (© Leamus, iStockphoto.com / Chamäleon)
Ihre erste Überraschung wird sein, dass die vermutete Wüste aus Alpen besteht. Rostrote Gebirgsmassive, die praktisch im sprudelklaren Badewasser des Golfs von Oman baden gehen. Erst dahinter beginnt das Zauberland der Wadis und Wüsten, die alles andere als wüst sind. Aber davon später. Jetzt erst mal in malerischen Kurven auf das Jebel-Shams-Plateau 5. Immerhin 1.900 Meter. Schwindelfrei wäre jetzt sehr hilfreich, denn vor uns liegt der »Berg der Sonne« und unter uns der »Grand Canyon des Omans«.
Festung Bahla im Sonnenuntergang (© Lukas Bischoff, iStockphoto.com / Chamäleon)
Zerklüftet wie der Canyon sind auch die Wege hindurch. Nach ausgewaschenen Gebirgsnischen und hart an den Klippen vorbei ein Zwischenstopp in der Bergoase Misfat. Bewundernswert, wie die Einheimischen ihre Terrassenfelder bewässern, das sogenannte Faladschsystem. Auf Madeira als Levadas bekannt, bringt im Oman ein 1.500 Jahre altes Netz künstlicher Wasserrinnen das lebensspendende Nass von den Quellen in die Dörfer und Felder. Ein Oasenbauer zeigt uns, wie gut das seinen Datteln bekommt. 15 Tore und 132 Wachtürme, da muss es viel zu verteidigen gegeben haben. War auch so, aber mit unserem ehrlichen Gesicht kommen wir ungehindert in die Festung von Bahla, damit wir das Weltkulturerbe nicht nur auf der ½-Rial-Geldnote bewundern müssen. Die Oase Nizwa 6 war unverkennbar Hauptstadt und religiöses Zentrum im omanischen Kernland. Die Kanonen vor der gewaltigen Festung dienen nur noch der Dekoration, aber Silber- und Gewürzsouk haben den Ruf der Oase als großer Handelsplatz in die Gegenwart gerettet. Sie können doch feilschen?
Trubel auf dem Viehmarkt von Nizwa (© Reinhard Breitenstein / Chamäleon)
Sollten Sie bei Silber und Gewürzen nicht fündig geworden sein – heute Morgen sind Schafe und Ziegen im Angebot. Auch nicht? Dann wenigstens ein paar seltene Fotos von der orientalischen Stimmung eines omanischen Markttages. Vor weit über 4.000 Jahren entstanden die sogenannten Bienenkorbgräber der Umm-al-Nar-Kultur. Da stehen sie heute noch, im wahrsten Sinne des Wortes unverwüstlich vor der bombastischen Kulisse des Jebel Misht. Wer auf wen besser aufpasst, wird die Ewigkeit zeigen müssen. Dann der Nachmittag: 15.000 Quadratkilometer feinster Sand in leuchtendem Orange, bewachsen, versteinert, wandernd: die wüste Wüste Wahiba 7. Wir lassen uns nicht bangemachen, sondern arbeiten uns mit dem Geländewagen entlang der mächtigen Sandberge, wie es seit eh und je die Beduinen auf ihren Wüstenschiffen tun. In einem flachen Tal steht unser Sama Al Wasil Camp. Für Beduinenverhältnisse der schiere Luxus mit weichen Betten und Badezimmer. Wohl bekomm’s.
Palmenoase im Wadi Bani Khalid (© Chamäleon)
Von allen wasserführenden Wadis liegt das Bani Khalid wie ein Bühnenbild im Hadschar-Gebirge. Unwiderstehlich schön und es spricht auch nichts gegen einen Versuch, ob das Wasser wirklich so erfrischend blaugrün ist, wie es aussieht. Sie werden sich daran noch sehnsüchtig erinnern, wenn Sie im Wüstencamp der Wahiba 8 vergeblich einen Pool suchen. Aber Sonnenuntergänge gibt’s da, als stünde die ganze Landschaft in Flammen. Die allabendliche Show vor einer totenstillen Nacht.
Meditation auf dem Dünenkamm (© Katrin Giebe / Chamäleon)
Täuschen Sie sich nicht. An die 200 Tierarten und über 180 Pflanzenarten, plus die Beduinen, die in langgestreckten Karawanen durch die endlose Sinfonie der Farben schaukeln – sie alle beweisen, dass die Wüste lebt. Heute tragen wir dazu bei, denn die haushohen Dünen, die der nächtliche Wind makellos glattgepustet hat, sind eine Herausforderung. Luft aus den Reifen, Getriebesperre einlegen, es geht los. Wenn die erkennbare Piste schon längst im Sande verlaufen ist und das imaginäre Ziel irgendwo hinter jungfräulichen Bergen aus feuerrotem Sand liegt, heißt es, den Sitzgürtel enger schnallen. Dann steht der fliegende Wechsel über die letzte Kuppe bevor, hinter der das unverschämte Pastell des Indischen Ozeans leuchtet. Es ist schon spät, wenn wir am Strand von Ras Al-Jinz 9 ankommen. Aber früh genug, um den schlüpfenden Schildkröten zuzusehen, wie sie ins Meer rasen. Vielleicht möchten Sie ja auch?
Fangfrische Sardinen (© Reinhard Breitenstein / Chamäleon)
Die Abfolge hat eine gewisse Logik: Wo das Meer in eine geschützte Anse plätschert, da folgt schon bald ein Hafen. Wo ein Hafen, da lassen Fischer nicht lange auf sich warten. Wo Fischer sind, da werden Boote gebraucht – Dhaus. Wo Boote einlaufen, muss eine Markthalle hin. Und so weiter. So ein Fall ist Sur. Hafenstadt, Fischereizentrum, Dhau-Werft, Seehandelsmetropole. So war es jedenfalls viele Jahrhunderte, bis der Sklavenhandel verboten wurde und der Suez-Kanal die alten Handelswege obsolet machte. Aber die Traditionen sind geblieben, allem voran der traditionelle Schiffsbau. Für das Wadi Shab 10 ist auch das kleinste Bötchen zu groß. Und ehrlich: Es macht auch viel mehr Spaß, mit einem Bein durch das Grün der Schlucht und dem anderen durch das Blau der Wasserrinnen zu laufen.
Sultan-Qabus-Moschee in Maskat (© Ralf Ladwig / Chamäleon)
Alleinherrscher – so richtig dieser Begriff politisch sein mag – ist der Alleinherrschende in der Hauptstadt Maskat 11 eher ein Alleinkümmerer. Er führt praktisch alle Geschäfte in seinem Land und dazu gehört vor allem, sein Volk bei Laune zu halten. In diesem Punkt handelt Sultan Qaboos bin Said geradezu vorbildlich. Malerisch zwischen zwei Stränden hat er den Qurum-Park errichten lassen. Mit See, Fontänen, Rosengarten und allerlei exklusivem Vergnügen. Sich selbst hat er die Große Sultan-Qaboos-Moschee spendiert, eine der weltweit größten Moscheen von bestechend schöner Architektur. Und innen erst. 600 Knüpferinnen haben für den 22 Tonnen schweren Gebetsteppich 1,7 Milliarden Knoten geschlungen und für das Lämpchen, das alles ins rechte Licht rücken soll, durfte Swarovski tonnenweise Kristalldiamanten liefern. Das Royal Opera House ist ebenfalls keine architektonische Sparversion und erst das Büro des Sultans in Form eines futuristischen Palastes auf türkisen und goldenen Trichtersäulen. Wenn Sie den Eindruck bekommen, dass Geld hier keine Rolle spielt, liegen Sie goldrichtig. Und damit ist auch schon das Stichwort für heute Abend gefallen: Goldsouk. Bling-Bling in allen Schattierungen und Preislagen, Weihrauch, Myrrhe, Krummdolche, Kaschmir, Henna und so weiter. Das ganze Programm aus 1.001 Nacht. Wie am Ende eines jeden Märchens heißt es auch jetzt aufwachen, den Träumen ade sagen. Obwohl, statt nach Frankfurt 12 zu fliegen, hätten wir noch zwei Anschlussprogramme in petto. Nennen sich Nachträumen, falls Sie wissen, was wir damit meinen.
Hadschar - 12 Tage Wunderwelten-Reise
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