Der Nachtflug ab München 1 spart viele Stunden und trotzdem müssen wir uns ein bisschen beeilen, weil jede Zeit für die »Mother City« Kapstadt 2 im Grunde zu kurz ist. Glücklicherweise ist sie nach New York die zweite Stadt, die nie schläft. Also los, und wir hoffen, das Wetter spielt mit, dann ist der Tafelberg natürlich der Place to be, um aus der Vogelperspektive zu sehen, warum die ehemalige Versorgungsstation der Niederländischen Ostindien-Kompanie zur schönsten Stadt der Welt geworden ist. Die Natur hat daran den größten Anteil: Hier das vom Atlantik umtoste Kap der Stürme, die von wilder Kraft gestalteten Strände, die Robbeninsel Duiker Island – dort der von den Holländern angelegte sagenhafte Botanische Garten bis zu Hout Bay, der ehemaligen Holzbucht der Seefahrer.
Faszination Ausblick am Cape Point (© Margot Steinbrecher / Chamäleon)
Nachdem die Natur fertig war, kam die Kultur. Nicht immer eine Glanzleistung der Menschheit, aber Kapstadt 3 hat es verstanden, seine Geschichte an vielen wunden Punkten zu vereinen und ein kaleidoskopisches Zusammenleben der Nationen daraus zu machen. Im Kap-Malaien-Viertel wie an der Victoria & Alfred Waterfront, im District Six wie in der T-Bag-Design-Werkstatt, wo Einheimische aus den Townships mit Unterstützung der Chamäleon Stiftung einer besseren Zukunft entgegengehen. So vergehen zwei Tage wie nix, dabei haben wir das Cape of Good Hope noch gar nicht erwähnt.
In Stellenbosch (© Klaus Hansen / Chamäleon)
Rund um Kapstadt hängen tonnenweise mopsdicke Trauben in Wineyards mit Weltgeltung. Eines der angesehensten für den feinen südafrikanischen Rotwein ist der Neethlingshof. Wie er entsteht, ist nach unserem Besuch kein Geheimnis mehr, wie er schmeckt, das ist und wird Ihr Geheimtipp bleiben. So alt wie die Rebstöcke, so alt ist in Stellenbosch 4 die kapholländische Dorpstraat. Eine wundervoll gepflegte Reise in die koloniale Vergangenheit, wo der Tante-Emma-Laden von Onkel Samie se Winkel noch alles hat, was bei der Gründung der Stadt schon in den Regalen lag. Und das ist immerhin 340 Jahre her.
Begegnung auf der Straussenfarm (© Klaus Hansen / Chamäleon)
»Während dieser langen, einsamen Jahre im Gefängnis, wurde aus meinem Hunger nach Freiheit für mein eigenes Volk der Hunger nach Freiheit aller Völker, ob weiß oder schwarz«. Im Victor-Verster-Gefängnis verbrachte Nelson Mandela die letzten Monate seiner 27 Jahre Haft, wurde erster schwarzer Präsident und Träger des Friedensnobelpreises. Was für ein Leben. Im historischen Montagu ist der Alltag leichter zu ertragen. Und im tiefen Keller des kleinen Mimosa-Boutique-Weingutes bleiben ohnehin alle Sorgen hinter dem Entzücken verborgen. Dann aber kommt der Augenblick, an dem Sie erstmals unfreundlich begrüßt werden. Nehmen Sie es nicht persönlich, Strauße sind von Natur aus Miesepeter. Und Oudtshoorn 5 hat jede Menge davon. Rächen Sie sich einfach mit einem monströsen Frühstücksei.
Ausblick bei Knysna (© Anja Pilarski / Chamäleon)
Route 62 sagt Ihnen was? Wenn nicht, no problem, sagen ohnehin alle nur Garden Route dazu. Und sofort entstehen im Kopf die Bilder der grandiosen Küstenstraße, die das Westkap mit dem Ostkap verbindet. Zu den unbestrittenen Attraktionen zählen die Austernstadt Knysna 6 mit ihrer galaktischen Lagune, die den Nachschub liefert, und nicht viel weiter weg die umwerfenden Traumstrände von Plettenberg Bay 7. Die Robben wissen, warum sie sich dieses wundervolle Fleckchen ausgesucht haben. Und wenn sie es ebenfalls spüren wollen, dann heißt es wandern, über Naturpfade und holpriges Gelände im Robberg-Naturschutzgebiet. Da liegen sie rum wie Gurken im Fass und haben für unseren Besuch allenfalls ein Blinzeln übrig. Aber beglückende Momente finden auch im Kleinen statt. In sozialen Projekten wie in der Township Qolweni zum Beispiel oder der Field Band Foundation, wo Kindern und Jugendlichen mit Musik und der Unterstützung der Chamäleon Stiftung Selbstwertgefühl, Respekt und Toleranz gegenüber anderen vermittelt werden. Am Ende schaffen alle Teilnehmer den Schulabschluss und das zählt unglaublich viel.
Tsitsikamma-Nationalpark (© Katrin Giebe / Chamäleon)
Durch den letzten nahezu unberührten Urwald Südafrikas mit 40 Meter hohen Gelbholzbäumen, wuchernden Farnen und Orchideen, erreichen wir Tsitsikamma 8, den schönsten Nationalpark an der Garden Route. Hier ist Schluss mit Fahren. Die mächtige Steilküste, die gurgelnde Schlucht des Storms River, die wütende Brandung an den glatt gebügelten Stränden – sie alle müssen wir uns erlaufen, aber es werden Momente sein, für die sich zu leben lohnt. Der nächste übrigens auch, im Nationalpark der höchsten Elefantenpopulation.
Elefanten im Addo-Nationalpark (© Katrin Giebe / Chamäleon)
Mit ca. 560 Dickhäutern ist der Addo-Elephant-Nationalpark 9 das am dichtesten besiedelte Elefantenschutzgebiet Afrikas. An den Wasserlöchern stehen sie meist dicht gedrängt, und in gebührendem Abstand streifen Spitzmaulnashörner, der Kapbüffel, Steppenzebras, Elenantilopen und Löwen durch das Dickicht. Abenteuer genug für einen ganzen Tag, den flugunfähigen Addo Flightless Dung Beetle eingeschlossen, der dafür sorgt, dass die Hinterlassenschaften der Elefanten zum Zwecke der Düngung großflächig verteilt werden. Pardon, aber ein echtes Scheißgeschäft. Spätestens, wenn Sie sehen, mit welchem Genuss sich Elefanten in die Wasserlöcher stürzen, erwacht der Wunsch, gleiches zu tun. Nur zu, Chintsa East an der Wild Coast erwartet Sie mit kilometerlangem Feinsand.
Delfine auf der Jagd (© Christiane Haberland / Chamäleon)
Vor dem Frühstück dürfen Sie das Vergnügen gern noch einmal wiederholen, aber dann kommt Mthatha, wo ganz in der Nähe Nelson Mandela geboren wurde und seine letzte Ruhe fand. Drakensberge 10 und Adrenalin, die beiden sind unzertrennlich. Und wen schon das Panorama überwältigt, der sollte erst mal mit dem Geländewagen über den fast 3.000 Meter hohen Sanipass ins Königreich Lesotho 11. »The Kingdom in the Sky«, heißt es offiziell, aber wenn man mit weniger als einem Dollar pro Tag zurechtkommen soll, muss man schon Überlebenskünstler sein. Wir lassen uns die Tricks verraten.
Im Basotho Cultural Village (© Dirk Bleyer / Chamäleon)
Erst ist es ein Haufen seltsamer Metallstangen. Aber wenn man das atemberaubende Denkmal von vorn sieht, steht Nelson Mandela plötzlich an der Stelle, wo er am 5. August 1962 verhaftet wurde. Ergriffenheit prägt unsere Fahrt ins Shakaland 12, wo sie in amüsiertes Staunen umschlägt. Ursprünglich als Kulisse für den Film »Shaka Zulu« gebaut, wurde es zum Zulu-Museumsdorf mit all den Ritualen, Gebräuchen, dem Sozialsystem, der Kampftechnik und dem selbst gebrauten Zulu-Bier. Wenn in der Lagune von St. Lucia 13 zwei kleine Ohren aus dem Wasser ragen, hängt in 99,9 Prozent aller Fälle ein Nilpferd dran. Beim Krokodil sind es die Nasenlöcher. Schwimmen wäre hier keine gute Idee, aber eine Bootsfahrt durch den iSimangaliso-Wetland-Park ist ein seltenes Tiererlebnis.
Südliches Breitmaulnashorn im Hluhluwe iMfolozi Nationalpark (© Susen Reuter / Chamäleon)
Schöner als im Falaza Game Park & Spa kann man nicht vom ältesten Wildreservat des Landes träumen. Vom Luxus Ihrer Unterkunft zur Safari im Hluhluwe-Imfolozi Game Reserve 14 sind es nur wenige Minuten. Die Big Five sind schon da, aber unser Hauptaugenmerk gilt dem gefährdeten Breitmaulnashorn. Und wenn Sie genug gesichtet haben, dürfen Sie sich für einen schönen Nachmittag im Pool Ihrer Lodge breitmachen. Swasiland hieß es vor Kurzem noch. Jetzt hat es Internet und nennt sich eSwatini 15. Alles andere ist geblieben: 17.000 Quadratkilometer klein, mit eigenem König und 40 Häuptlingen. »Kleine Schweiz« wird die traditionsbewusste Monarchie genannt, womit auch geklärt wäre, warum sich der Paradiesschnäpper hier so wohl fühlt. Und wir sind sicher: Auf Ihrer Terrasse im zauberhaften Foresters Arms Country Hotel werden auch Sie nach Luft schnäppen, so schön ist es hier.
Begegnung mit Büffeln (© Susen Reuter / Chamäleon)
Bei schön allein soll es nicht bleiben. Immerhin besteht das Bruttosozialprodukt von eSwatini zu 40 Prozent aus Coca-Cola, mit dem sie wahrscheinlich halb Afrika versorgen. Der Rest ist Kunsthandwerk. Ergo sind die lebhaften Kunstmärkte ein Muss, wo wir ganz nebenbei viel über das Leben der Swasi erfahren. Dann werfen fünf Dicke ihre Schatten voraus, denn Ihre Maqueda Lodge steht praktisch Tür an Tür mit dem Krüger-Nationalpark 16 17. Früh am Morgen beginnt der lange Safaritag auf Gnus, Zebras, Impalas, Warzenschweine und – na klar – die Big Five. Und wer noch fehlt, den treffen wir abends am Crocodile River, wo sich alle versammeln, die Durst haben. Und das sind alle.
God’s Window - ein magischer Ort (© Annegret Zychla / Chamäleon)
Erwarten Sie bei Mac-Mac bitte keinen Imbiss. Eher eine erfrischende Brise, immerhin stürzen sich die Zwillingswasserfälle 56 Meter in die Tiefe. Die umgekehrte Richtung führt zu der spektakulärsten Aussicht, die Sie jemals gesehen haben, weshalb sie auch God’s Window heißt. Wenige Kilometer weiter erinnern Bourke’s Luck Potholes an vergangene Goldgräberzeiten und schließlich die vierte und fünfte der gebündelten Natursensationen: unten der Blyde-River-Canyon 18, oben die Three Rondavels. Noch alles in Ordnung bei Ihnen?
Leopard im Krüger Nationalpark (© Katrin Giebe / Chamäleon)
Letzte Jeepsafari durch den Tierpark der Hannah Game Lodge oder vom Pool aus zusehen, was sich tut, das ist der ideale Ort für ein paar Stunden allmähliche Entwöhnung. Danach ist die Fahrt nach Johannesburg 19 vergleichweise unspektakulär. Und der Flug nach München 20 glücklicherweise wieder durch die Nacht, damit Sie ungestörter von Ihren Abenteuerwochen in Südafrika träumen können.
Hluhluwe - 20 Tage Wunderwelten-Reise
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