So schnell kann’s gehen: München 1, Johannesburg, Kapstadt, Paarl. Man muss nicht viel erklären, nur den Namen übersetzen, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Denn als die ersten Siedler vor 350 Jahren Paarl 2 3 entdeckten, sahen sie im Morgenlicht den taubedeckten Bergrücken glänzen und nannten den Ort »Perle«. Dabei blieb es, und zu Recht, denn auch ohne den Paarl Mountain, der heute Nationaldenkmal ist, macht die Stadt ihrem Namen alle Ehre. Probieren Sie mal, Sie stehen im Auge berühmter Weinlagen. Bis es dazu kommt, gedenken wir der letzten 14 Monate, die Nelson Mandela nicht weit von hier verbracht oder besser: gesessen hatte, im damaligen Victor-Verster-Gefängnis, bevor er nach insgesamt 27 Jahren Haft mit erhobener Faust seinen »Long Walk to Freedom« vollendete. Darauf einen Lynx. So heißt zumindest das professionelle Weingut, das seine Rebengärten und Keller informativ für uns öffnet, damit wir das ehrenwerte Gesöff nicht so gedankenlos wegschlürfen.

Aufmerksame Schülerinnen in Amalienstein (© Katrin Giebe / Chamäleon)

Die ehemalige Missionsstation Amalienstein in der Halbwüste der Kleinen Karoo beherbergt heute eine Grundschule, die von der Chamäleon Stiftung unterstützt wird. Hier begrüßt uns nach malerischen Küstenpassagen und luftigen Pässen der berühmten Route 62 ein etwas ungeordnetes Hallo. Kinder sind auch in Afrika so. Ein Spaziergang durch die roten Felswände der Seweweekspoort-Schlucht ist Pflicht. Allein schon, um nachzufühlen, wie es den Schmugglern ergangen ist, die sich sieben Wochen (sewe weeks) durch das Steinlabyrinth quälen mussten, um den Behörden durch die Lappen zu gehen. Sagt jedenfalls die Legende. Als Belohnung – für uns – winkt im Weingut Boplaas eine Versuchung, die man kaum noch Wein nennen kann, so zähflüssig gluckert der Port in unsere Gläser. Nur zu, unsere letzte Station ist das La Plume Guesthouse in Oudtshoorn 4, eine wundervolle Herberge im viktorianischen Kolonialstil, mit üppigen Zimmern und einer frei stehenden Badewanne, die nach historischem Vorbild mehr die Dimensionen eines Bottichs hat. Vor allem: Freuen Sie sich auf das Frühstücksei, zum La Plume gehört eine Straußenfarm.

Straußenjunges schlüpft aus dem Ei (© Klaus Hansen / Chamäleon)

Klar, dass der neue Tag mit erstaunlichen Erfahrungen zum Thema Strauß beginnt, aber einen Rat können wir Ihnen jetzt schon geben: Schauen Sie dem eigensinnigen Vogel besser nicht in die Augen. Schon gar nicht, wenn Sie am Abend zuvor ein Straußensteak gegessen haben. Es fällt schwer, sich in Südafrika die Superlative zu verkneifen, aber es ist, wie es ist: erst die Cango-Tropfsteinhöhlen, angeblich die schönsten der Welt, dann Graaff-Reinet 5, die schönste Stadt der Karoo. Und wenn schon alles so genial ist, dann packen wir noch die schönsten Stunden des Tages im Valley of Desolation drauf. Dieses Versprechen gilt für morgen mit, denn 560 Jumbos auf einem Fleck ist zweifellos ein Superlativ. Im Addo-Elephant-Nationalpark 6 stehen sie herdenweise an den Wasserlöchern und suchen Abkühlung von der südafrikanischen Sonne. Ein paar Spitzmaulnashörner sind wohl auch darunter, Kapbüffel und wie immer, wenn leckeres Muskelfleisch durch die Büsche streift, hungrige Löwen. Die Elephants Footprint Lodge liegt ideal für einen Safaritrip durchs Unterholz des Parks, und was Ihnen danach besonders gefallen wird, ist Ihr Badezimmer mit Dusche unter freiem Himmel.

Begegnungen im Hintergrund (© Petra Wiegel / Chamäleon)

Sie ahnen es bereits, der nächste Superlativ steht an: unvergessliche Abenteuer im privaten Kariega Game Reserve 7 8. Im 10.000 Hektar großen Wildpark tummeln sich Big Five, Giraffen, jede Menge Antilopen, Zebras und weiß der Geier, was noch. Richtig, Geier auch. Neben rund 400 Vogelarten, die pünktlich mit der aufgehenden Sonne die Arien des Papageno selber pfeifen. Erster Aufzug: die Suche nach den Big Five im offenen Geländewagen. Und so viel dürfte jetzt schon klar sein: Lange suchen müssen Sie nicht. Zweiter Aufzug: Nach paradiesischen Stunden im exklusiven Kariega Homestead beginnt der frische Tag mit Tierbeobachtungen im Kariega-Flusstal. Und wo ein Fluss, ist auch ein Boot, in diesem Fall die altehrwürdige Kariega Queen. Mit der Sonne kommt Leben in die Bude. Eisvögel, die Witwenpfeifgans und das Kräuselhaubenperlhuhn, der Schopffrankolin und der Grünschenkel, der Trauer- und der Waffenkiebitz, der Pirolsänger und das Schönbürzelchen trällern sich warm. Nach solchen Erlebnissen ist der Pool ein begnadetes Plätzchen, weil man dort träumend weiterträllern kann.

Genuss (© Simone Steinberg / Chamäleon)

Eine Safari geht noch, einmal noch bis fünf zählen, dann hält uns unterwegs nach Oyster Bay 9 10 höchstens der historische Leuchtturm in St. Francis Bay auf. Achtung Superlativ, denn er ist der höchste in Südafrika und guckt auf die längsten Sandstrände, die nur darauf warten, Probe gelegen zu werden. Die Oyster Bay Lodge macht es Ihnen nicht leicht. Zu ihrem Verwöhnprogramm gehören einerseits seelenruhige Poolplätzchen, andererseits ein dreieinhalb Kilometer langer Privatstrand. Bird-Watching-Touren, Ausritt zu Pferd oder Dünensafari im Beach-Buggy – es gäbe da eine Menge optionale Möglichkeiten, falls alle Bücher schon gelesen und der iPod schon dreimal durchgehört ist. Zwei vogelfreie Tage haben Sie Zeit, und wir spendieren Ihnen den Picknickkorb dazu.

Storms River Hängebrücke im Tsitsikamma Nationalpark (© Klaus Hansen / Chamäleon)
Durch den letzten nahezu unberührten Urwald Südafrikas mit riesigen Gelbholzbäumen, wuchernden Farnen und seltenen Orchideen erreichen wir Tsitsikamma 11, den schönsten Nationalpark entlang der Garden Route. Hier muss man gelegentlich die Luft anhalten, so schön. Und mit Fahren ist es nicht getan. Die imposante Steilküste, den Blick in die gurgelnde Schlucht des Storms River, die wütende Brandung an den glatt gebügelten Stränden müssen wir uns erlaufen, aber es wird der aufregendste Spaziergang sein, seit Sie auf eigenen Beinen stehen können. Dann heißt es: cool down in der exklusiven Christiana Lodge in Plettenberg Bay. Die reine Wohltat. Ein Hauch von Luxus. Vollendete Raumgestaltung mit raumhohen Fenstern für grandiose Ausblicke in die Landschaft. Frühstück auf der Terrasse. Ambiente-Pool und vom nahen Indischen Ozean her das verlockende Lied der Brandung. Wohl bekomm’s!
Quirliges Treiben im Qolweni-Township (© Klaus Hansen / Chamäleon)

Über die wilde Halbinsel des Robberg Nature Reserve führen befestigte und manchmal auch nur Trampelpfade zu einem gottverlassenen Strand, den sich eine Robbenkolonie als Spielzimmer ausgesucht hat. Die Versuchung, sich dazuzulegen, ist groß, aber wir werden erwartet, denn es steht da noch die Frage im Raum, wie sich das Leben der farbigen Bevölkerung seit dem Ende der Apartheid entwickelt hat. Hoffnungsvolle Antworten bekommen wir bei einer bewegenden Führung durch die Qolweni-Township von Plettenberg Bay 12 und der von der Chamäleon Stiftung unterstützten Fieldband Foundation, die Kindern und Jugendlichen durch gemeinsames Musizieren und Tanzen Selbstwertgefühl und Sozialkompetenz vermitteln will. Und siehe da: 100 Prozent der langjährigen Teilnehmer schaffen den Schulabschluss. Null Prozent sind HIV-positiv, und ungewollte Schwangerschaften gehören der Vergangenheit an.

Knysna (© Thomas Tiemann / Chamäleon)

Eine Lagune von 20 Quadratkilometern, in die das Badewasser des Indischen Ozeans schwappt, ist das Signal, um auszusteigen. Wir sind in Knysna, dem Eldorado der Austernliebhaber, und wenn Sie partout keine schlürfen wollen – die gelöste Stimmung an der Waterfront gehört trotzdem dazu. In Mossel Bay noch der »Old Post Office Tree«, der im Jahr 1500 als erstes Postamt diente, dann wird es mal wieder Zeit für einen Superlativ. Fast 300 Jahre alt, fünf Sterne, zehn individuell gestaltete Zimmer, vielfach ausgezeichnete Küche, Pool und Passion: das Jan Harmsgat Country House in Swellendam 13. Spüren Sie eigentlich noch das Aroma des Anfangs auf der Zunge, als wir in Paarl gottergeben tief in die Gläser geguckt haben? Oder wäre eine Wiederbelebung angeraten? Schon klar, wir beleben und betrachten das segensreiche Handwerk des Weingutes Laborie als Treibstoff für unsere letzte Etappe nach Kapstadt 14. Es reicht noch für zwei – na was wohl? – Superlative: Tafelberg von oben und Circumstance von innen. Die Victoria & Alfred Waterfront, der Laufsteg aller Paradiesvögel.

Malaienviertel in Kapstadt (© Klaus Hansen / Chamäleon)

Hinreißende Botanik im Company’s Garden, im District-Six-Museum bewegende Einblicke in die Epoche der Apartheid, Signal Hill mit dem Blick aufs Ganze, die Spaza Shops der Townships, und wenn schon Township, dann richtig: mit Kochkurs bei einer Township-Familie und gemeinsamem Abendessen. Zufrieden? Ach wo, was glauben Sie, wozu Sie drei volle Tage in Kapstadt 15 16 17 sind? Die dramatische Kaplandschaft und eine atemberaubende Brandung entlang der Küstenstraße erklären, warum das Cape of Good Hope auch Kap der Stürme genannt wird. Die berühmten Kap-Seerobben auf Duiker Island, die Pinguinkolonie von Simon’s Town, der Table-Mountain-Nationalpark an Afrikas südlichster Spitze – die Stunden fliegen schneller als Sie gucken können. Dann wird es Zeit für eine kulinarische Zusammenfassung: das Beste aus den Speisekammern Afrikas im Africa Café. Genießen Sie es wie Ihre Reise: in vollen Zügen, damit sie über Ihre Ankunft in München 18 hinaus noch lange in Erinnerung bleibt.

Noch mehr Gänsehaut

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