Eigentlich müssten Sie es auf dem Flughafen München 1 schon donnern hören, bei der Zwischenlandung in Johannesburg erst recht, und wenn Sie in Victoria Falls gelandet sind, gibt es sowieso kein Halten mehr. Es ist der unverwechselbare Groll, wenn sich pro Sekunde 10 Millionen Liter Wasser 110 Meter in die Tiefe stürzen. Aber wir machen es noch ein bisschen spannend. Im Pool der zauberhaften Ilala Lodge haben Sie einen entspannten Blick auf den »Donnernden Rauch«, wie die einheimischen Kololo die Victoriafälle 2 3 genannt haben. Morgen kommt zum Blick die Gänsehaut, wenn wir mit immer neuen, traumhaften Panoramen eine Gratwanderung durch den Nebelwald des Weltnaturerbes wagen. Steigerung inbegriffen, bei einem optionalen Rundflug mit schwindelerregenden Blicken ins Tor der Hölle.
Kanufahrt auf dem Chobe (© Gondwana Collection / Chamäleon)
Nach diesem Auftakt haben Sie etwas Ruhe verdient, soweit das in Afrika möglich ist. Denn auf Botswana folgt Namibia, wo unsere Kanufahrt auf dem Chobe-Fluss nicht frei von Nervenkitzel ist, immerhin stehen wir unter Beobachtung von Antilopen, Elefanten, Hippos, Krokodilen und Konsorten. Unsere Überlebensrate beträgt 100 Prozent, aber es bleibt ein bisschen Skepsis, weil im tierreichen Überflutungsgebiet des Kwando noch ein paar Löwen dazustoßen. Unser Gegenmittel: die Kazile Island Lodge 4, wo die Luxuschalets auf Holzplateaus erhöht in den Bäumen stehen. Nicht der Löwen wegen, sondern als unschlagbarer Aussichtspunkt für Sonnenuntergänge mit Vogelstimmenbegleitung.
Was willst du hier? (© Karel Stipek / Chamäleon)
Wie der Abend so der Morgen. Nur findet das Ständchen der zigtausend Piepmätze diesmal im Bwabwata-Nationalpark 5 statt. Aber die Sänger sind nicht unter sich. Vier der »Big Five« sowie Krokodile, Hippos, Buschböcke, Streifengnus, Leierantilopen und deren Sippschaft bevölkern den weitgehend unberührten Park, wo Sie im Safari-Jeep eine absolute Ausnahmeerscheinung sind. Und wenn wir schon von Ausnahmen reden: Wir legen ausnahmsweise noch eine Nacht in der wundervollen Kazile Island Lodge drauf, weil Sie beim »Dining under the Stars« gestern bestimmt noch nicht alle Sterne gezählt haben.
Rituale der Mafwe (© Alexander von Alten, Pack Safari / Chamäleon)
Ob es in diesem Landstrich außer uns noch andere Zweibeiner gibt? Es gibt. Mafwe heißen sie. Man nennt sie die Könige des Caprivi, und was damit gemeint ist, zeigen sie uns im Historic Living Village 6. So viel Temperament ist ansteckend, weshalb wir nicht lange Zuschauer bleiben. Mitmachen ist angesagt, gemeinsam mit den Mafwe singen und den Mahango stampfen. Cha-Cha-Cha ist ein Ententanz dagegen. Doch genug Sport für heute, der Safariwagen wartet und bringt Sie in einem großen Bogen durch den prall gefüllten Bwabwata-Nationalpark zur Nunda River Lodge am Okavango. Der Fluss ist tabu für Sie, dafür schwimmen im Pool keine Hippos.
Die Popafälle (© Kai-Uwe Küchler / Chamäleon)
Zugegeben, gegen die Victoriafälle nehmen sich die Popafälle popelig aus. Aber es sind auch gar keine richtigen Wasserfälle, lediglich ein Felsriegel liegt dem Okavango quer im Weg. Macht nichts, dachte der sich, mach’ ich eben drüber, und so sind mit maximal 4 Meter Fallhöhe die einzigen Wasserfälle entstanden, durch die man durchwaten kann. Die »Rote Linie« ist ein Veterinärzaun quer durch Namibia, der nicht nur die Tiermigration vom Norden in den Süden verhindert, er steht auch für ein abrupt verändertes Landschaftsbild. Das Otavi-Bergland 7 rückt ins Blickfeld, die Vorhut einer Landschaft, von der Sie noch lange träumen werden.
Angriff (© Barbara Scheer / Chamäleon)
Aber vorher müssen Sie Ihre Kamera scharf machen, es geht ans Wasser. Jeder kleine Tümpel ist Lebensader der tierischen Vielfalt im Etosha-Nationalpark 8 9. Die offene Vegetation gibt den Blick frei auf Elefanten, Antilopen, Giraffen, Zebras und mit etwas Glück auch auf Löwen und Leoparden, die das Stelldichein der Tiere gerne als gedeckten Tisch betrachten. Ein Tag im Etosha-Park ist fast nichts, denn wir reden von über 22.000 Quadratkilometern mit 241 Wildtier- und 340 Vogelarten. Also genießen wir die afrikanische Shebeen-Bar des Etosha Safari Camp und machen noch eine Runde zu denen, die uns gestern nicht sehen wollten.
 Singen und Tanzen in Ngatuve Vatere (© Peter Pack, Packsafari / Chamäleon)
Die Namib, von der das Land seinen Namen hat, ist mit 80 Millionen Jahren die älteste Wüste der Erde. Eigentlich müsste man sagen die schönste, denn in Wirklichkeit ist sie ein Meer, ein Farbenmeer aus hunderten Tönen von violett bis rot, von orange bis weiß und allen Nuancen, die dazwischenliegen. Ziemlich bunt geht es auch in Kalkfeld zu. Dafür sorgen die 40 Kinder im Waisenhaus Ngatuve Vatere, das von der Chamäleon Stiftung unterstützt wird. Aber für ein halbwegs gesittetes Begrüßungsständchen reicht es. Weil es mittlerweile Nachmittag ist, eine Frage: Wie wäre es mit einer Schwarzwälder Kirschtorte? Als hätten wir die Antwort geahnt, bringen wir Sie dorthin, wo Namibia ein Stück deutsche Heimat ist: Swakopmund 10. Café Anton ist ein Muss, dann kommt das Seebadfeeling von ganz allein.
Guter Fang (© Patrick Schneider / Chamäleon)
Es gibt noch viele Beispiele, wo deutsche und namibische Kultur zu einer überraschenden Melange verschmolzen sind. Und Swakopmund ist klein, da fällt bei einem Stadtspaziergang nichts unter den Tisch. Eine Ecke weiter die Walvis Bay. Aus der 5.000 Jahre alten Lagune schnattern runde 150.000 Seevögel. 80 Prozent aller im südlichen Afrika lebenden Flamingos fischen sich hier ihre Lieblingsgerichte aus dem Schlamm. Nicht mehr lange, dann werden wir Sie für das abendliche Buffet in der Desert Hills Lodge 11 aus dem Pool fischen müssen.
Aufstieg Düne Big Daddy (© Ulrich Schreyer / Chamäleon)
Es muss sein. Noch bevor die Sonne aufgeht machen wir los, denn Ihr einzig richtiger Platz ist an den gigantischen Dünen von Sossusvlei 12. Auf den letzten Kilometern geht nichts ohne Allrad, dann kommt der Gipfelsturm zu Fuß. Die einzigartige Lichtstimmung des frühen Morgens wirkt wie ein Magnet und zieht Sie durch die außerirdische Dünenlandschaft nach oben. Ein 350 Meter hoher Sandhaufen, das ist unser Ziel. Die aufsteigende Sonne malt Minute für Minute schönere Bilder in den Sand. Und während wir uns mit einigen Litern Wasser am Leben erhalten, stehen unten im Dead Vlei die schwarzen Akaziengerippe. Seit 500 Jahren schön tot. Mehr Leben ist auch im Sesriem-Canyon nicht, den der Trockenfluss Tsauchab zwei Millionen Jahre lang in das Sedimentgestein hineingeknabbert hat, um schließlich als Galeriewald zu enden. So schließt sich der Kreis mit einer weiteren Nacht in der wundervollen Desert Hills Lodge.
Oryx (© Frank Bühler / Chamäleon)
Auch der große Kreis unserer Reise geht seiner Vollendung entgegen. Unterwegs in die Hauptstadt Windhoek, begegnen wir in Rehoboth 13 einer kleinen eingeschworenen Volksgruppe. In der ehemals deutschen Station leben die Nachfahren aus einer Beziehung zwischen Nama-Frauen und weißen Siedlern. Den Namen Baster haben sie sich selbst gegeben. Entsprechend unbeugsam betrachten sie sich als unabhängige Volksgruppe, die ihre eigenen Gesetze macht. Durch die spektakuläre Landschaft der Auasberge treffen wir am Nachmittag in Klein Windhoek ein. Es ist nicht auszuschließen, dass unser Gästehaus Casa Piccolo für den Namen des Vorortes Pate stand. Alle Farben der Namibwüste sind noch einmal vereint. Dazu ein Pool, der für die Wasserlöcher steht, an denen Sie die aufregendsten Tiererlebnisse hatten. Der Spießbock, der heute Abend für Sie auf dem Grill liegt, gehört zukünftig nicht mehr dazu.
Markt in Katutura (© Silja Bohry / Chamäleon)
Windhoek am nächsten Morgen ist eine Zeitreise in die Geschichte: zur Christuskirche, die es zum Wahrzeichen der Stadt gebracht hat. Zum Tintenpalast mit den Parlamentsgärten und dem verblassten Glanzstück von Windhoek 14, seinem historischen Bahnhof. Aber die Hauptstadt Namibias ist mehr als deutsch-südwestafrikanische Vergangenheit, und ein leuchtendes Beispiel dafür sind die Frauen von Penduka in der ehemaligen Township Katutura. Unterstützt von der Chamäleon Stiftung, haben sie mit der Herstellung von Dingen des täglichen Gebrauchs den Weg von der Ausgrenzung zu selbständigen Unternehmerinnen gepackt. Mit diesen letzten Einblicken in ein bewegendes Land, geht die Zeit zu Ende, von der Sie eines Tages einmal sagen werden: Da möchte ich nochmal hin.
Mehr als 500 Jahre abgestorben (© Reinhard Breitenstein / Chamäleon)
Die Tiere werden dann noch da sein. Sossusvlei ist immer noch Weltnaturerbe. Das Café Anton backt weiter Kuchen nach deutschen Rezepten, und auch an der Herzlichkeit der Menschen wird sich nichts geändert haben. Und dennoch tut sich was in Namibia. Das zarte Pflänzchen der Chancengleichheit und ein sich vorsichtig entwickelnder Wohlstand zeigen das befreite Gesicht eines Landes, das sich zu lieben lohnt. Der Flughafen ist keine Liebeserklärung wert, nur – solange diese Reise nicht aufhört, kann keine neue beginnen. Über die können Sie nachdenken, sobald Sie in München 15 der fragende Blick des Zollbeamten aus Ihren Träumen reißt.
Caprivi 2 - 15 Tage Wunderwelten-Reise
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